Fach/Thema/Bereich wählen
Methodenkompetenz

Kompetenzorientierung: das Zauberwort moderner Pädagogik

Was macht guten Unterricht aus? Darüber wird in pädagogischen Debatten immer wieder diskutiert. Die Ergebnisse der PISA-Untersuchungen haben diese Frage erneut entflammt. Schrittweise wurden kompetenzorientiert Bildungsstandards eingeführt. Doch die Diskussion geht weiter.

Methodenkompetenz: Kompetenzorientierung: das Zauberwort moderner Pädagogik Als Team zusammenzuarbeiten und ein Thema zielorientiert zu bearbeiten, das fordert viel von den Schülern © Woodapple - Fotolia.com

„Die heutige Kompetenzorientierung ist ambivalent“, resümiert der Marburger Professor für Politikdidaktik Peter Henkenborg (Henkenborg, Peter: Qualitätskriterien: Was heißt Kompetenzorientierung in der politischen Bildung? In: Henkenborg, Peter; Mambour, Gerrit; Winckler, Marie (Hrsg.): Kompetenzorientiert Politik unterrichten — Planung, Durchführung und Analyse einer Unterrichtseinheit zum Thema Krieg und Frieden. Eine Einführung. Schwalbach 2014, 29.). Einerseits sei der Kompetenzbegriff „das neue Zauberwort der Pädagogik und Didaktik“ (ebenda), mit dem starke Hoffnungen auf verbindliche und überprüfbare (Lern-)Ergebnisse verbunden sind. Lernende sollen am Ende bestimmter Schul- oder Jahrgangsstufen über ein bestimmtes Wissen verfügen. Die  Überprüfung des Lernerfolgs mithilfe regelmäßig stattfindender Vergleichstests soll gleichzeitig die Qualität des Unterrichts verbessern. Andererseits sei der Kompetenzbegriff aber auch zu einem „Plastikwort geworden, zu einem ‚konturschwachen‘ Begriff mit ‚unendlicher Formbarkeit‘“( ebenda). Hierbei wird gerade eine Tendenz zur Ökonomisierung von Bildung durch die Orientierung an einem utilitaristischen Menschenbild, einem Test-Mythos sowie die Ausrichtung des Unterrichts auf ein „Teaching to the test“ kritisiert.

Kompetenzen machen handlungsfähig

Ungeachtet der Unsicherheiten, die sich mit dem Begriff der Kompetenzorientierung verbinden, scheint der Ansatz eines kompetenzorientierten Unterrichtes aktuell der zentrale Baustein guten Unterrichtes zu sein. Der Sozialwissenschaftler Oskar Negt ist der Ansicht, dass Kompetenzen es dem Menschen ermöglichen, „sein Leben selbstbestimmt und in Eigenverantwortung zu führen.“ (Negt, Oskar: Der politische Mensch — Demokratie als Lebensform. Göttingen 2010, 222.) In diesem Sinne versteht er unter Kompetenzen „diejenigen Fähigkeiten […], die den Menschen […] handlungsfähig machen“ (ebenda).  Nach Weinert sind das kognitive Fähigkeiten, domänenspezifisches Wissen, handlungsrelevante Fertigkeiten und Routinen, aber auch Motivationen, Wertorientierungen, Volitionen und soziales Verhalten. (vgl. Weinert, Franz (Hrsg.): Leistungsmessung in Schulen. Weinheim, Basel 2001, 27f.)

Nach dem Ansatz Weinerts wurden für die kompetenzorientierten LehrpläneTeilkompetenzen definiert, die in den einzelnen Bundesländern durchaus unterschiedlich benannt werden, im Kern jedoch mehrheitlich einem ähnlichen Verständnis folgen. Für das Land Nordrhein-Westfalen wurden beispielsweise die vier Teilkompetenzen Sach-, Methoden-, Urteils- und Handlungskompetenz formuliert.

Methodenkompetenz als Grundlage lebenslangen Lernens

Ähnlich wie der Kompetenzbegriff selbst, ist auch das Verständnis, das sich hinter dem Begriff der Methodenkompetenz verbirgt, nicht unumstößlich. Mehrheitsfähig scheint jedoch der Ansatz zu sein, hierunter die Fähigkeit, „Arbeitstechniken, Verfahrensweisen und Lernstrategien sachgerecht, situationsbezogen und zielgerichtet gebrauchen zu können“ (http://www.arbeitsratgeber.com/methodenkompetenz/[Stand: 23.05.2017]) zu verstehen. Gleichzeitig wird davon ausgegangen, dass Methodenkompetenz zur Entwicklung von Fachkompetenzen nötig sei.

Methodenkompetenzen können somit nicht losgelöst von fachlichen Inhalten erworben werden, auch wenn — so beispielsweise im Kernlehrplan NRW zu sehen — überfachliche Kompetenzen nicht zwingend an spezifische fachliche (z. B. historische) Inhalte gebunden sein müssen. Im weitesten Sinne wird Methodenkompetenz somit auch als Problemlösekompetenz aufgefasst. Der Lernende erwirbt Fähigkeiten, die ihn in die Lage versetzen, unbekannte Situationen fach- und sachgerecht erschließen zu können.

Methodentraining für alle Fächer

Viele Schulen haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Methodenkompetenzen der Lernenden systematisch zu fördern. Sie erarbeiten ein Methodencurriculum, das durch ein — meist an Projekttagen durchgeführtes — Methodentraining umgesetzt wird. Dabei handelt es sich mehrheitlich um überfachliche Methodenkompetenzen, die anschließend in den einzelnen Fachunterrichten fachlich konkretisiert und vertieft werden sollten. Hier sind klare Absprachen erforderlich, um Widersprüche und unnötige Redundanzen zu vermeiden.

Heinz Klippert summiert unter dem Schlagwort methodisch-strategisches Lernen u. a. Exzerpieren, Nachschlagen, Strukturieren, Organisieren, Planen, Entscheiden, Gestalten, Ordnung halten und Visualisieren. (vgl. Klippert, Heinz: Methoden-Training — Übungsbausteine für den Unterricht, 21. Auflage. Weinheim, Basel 2016, 31).

An anderer Stelle schlüsselt er die Teilelemente der Methodenkompetenz weiter auf und unterscheidet zwischen dem Vertrautsein mit zentralen Makromethoden (Gruppenarbeit, Planspiele, Fallanalysen, Schülerreferat, Facharbeit u. Ä.), der Beherrschung elementarer Lern- und Arbeitstechniken (Lesetechniken, Markieren, Exzerpieren, Strukturieren, Nach-schlagen, Notizen machen, Visualisieren u. Ä.) sowie der Beherrschung elementarer Gesprächs- und Kooperationstechniken (Präsentationsmethoden, Debatte, aktives Zuhören, Stichwortmethode, Konfliktmanagement u. Ä.). (vgl. ebenda,  28).
Mit einem Fokus auf die so von ihm bezeichneten elementaren Lern- und Arbeitstechniken plädiert Klippert für ein flankierendes Methodentraining (vgl. ebenda, 35). Dazu zählt er eine

  • selbstständige Informationsgewinnung (diagonales/rasches Lesen, gezieltes Markieren und Symbolisieren, Exzerpieren und Archivieren, in Büchern nachschlagen, Fragetechniken erlernen, Filme, Schaubilder u. Ä. auswerten, Referate mitschreiben etc.) und auch
  • die produktive Informationsverarbeitung (einfache Ordnungstechniken wie Unterstreichen, Ausschneiden, Aufkleben etc., Reduzieren und Strukturieren von Informationen für und aus Tabellen, Schaubildern, Tafelbildern, Ausstellungen etc., Visualisieren und Präsentieren, klar und verständlich schreiben, unfertige Arbeitsblätter fertigstellen, Planen und Entscheiden etc.). Ebenso sollen
  • Argumentation und Kommunikation gefördert werden (assoziatives Sprechen, nach Stichworten vortragen, Frage-Antwort-Spiele, Begründungstrainings, Vorträge halten und visualisieren, Gesprächsregeln einüben, Gespräche und Vorträge dokumentieren und analysieren, Rollen- und Planspiele vorbereiten und durchführen etc.). Schließlich ist auch
  • das systematische Üben und Wiederholen wichtig (Lerntypentest durchführen, Probe-test erstellen, Frage-Antwort-Spiel, Spickzettel und Lernplakat erstellen, Notizen ma-chen, Arbeit mit einer Lernkartei, den Arbeitsplatz zu Hause strukturieren, Hausaufgaben erledigen etc.)

Demgegenüber erscheinen die Makromethoden eher als unterrichtsgestaltende Methoden, deren Beherrschung während des Unterrichtsgeschehens selbst geübt werden sollte.

Selbst-Bildung als Schlüssel zur Mündigkeit

Die Erlangung methodischer Kompetenzen ist nach Klippert unter vielen Aspekten sinnvoll und notwendig (vgl. ebenda, 246). Er ist der Ansicht, dass viele Schüler beim Lernen unsicher seien, weil  ihnen methodische Klärungen und Routinen fehlen würden. Gängige Lernmethoden seien vor allem Lehrer-Methoden. Der Lehrer bahne viel zu oft die methodischen Wege für die Schüler an, sodass diese unsicher seien, wenn plötzlich die Anweisungen des Lehrers ausblieben. Nicht zuletzt könnten Methoden nur experimentell gelernt und gefestigt, somit gerade nicht gelehrt werden. Der Schüler müsse also passende Methoden für einzelne Lerninhalte entwickeln und auszuprobieren können.

In der Summe ist Bildung, Klipperts Meinung nach, somit weit mehr als die reine Vermittlung obligatorischer Fachkenntnisse und enzyklopädischen Wissens. Bildung ziele auch auf die Befähigung zur „Selbst-Bildung“. Nach Klippert ist die Verbesserung der Methodenkompetenz somit der „Schlüssel zu mehr Mündigkeit“ (ebenda) sowie zur Förderung des Lernerfolges.

Kompetenzerwerb als Leistung würdigen

Abschließend sei noch auf den Grundsatz verwiesen: „Geprüft wird, was gelernt wurde.“ Wenn davon ausgegangen wird, dass der Kompetenzerwerb sich nicht nur auf die Fach- und Sachkompetenz beziehen soll, so müssen auch die anderen Teilkompetenzen (hier die Methodenkompetenz) Teil der Leistungsüberprüfung sein. Das bedeutet, dass beispielweise das Markieren von Schlüsselbegriffen, das Erstellen von Tabellen, das Schreiben von Kom-mentaren, das Strukturieren von Informationen, das Anfertigen einer Gliederung, ja selbst die Gestaltung des Arbeitsplatzes Teil der Leistungsüberprüfung sein müsste. Die Vermittlung methodischer Kompetenzen bezieht sich somit nicht nur auf Einzelaspekte des Unterrichtes, sondern auf die gesamte Unterrichtsgestaltung.

Frank Lauenburg

Dazu passender Ratgeber
Dazu passendes Unterrichtsmaterial

Mehr zu Ratgeber Methodenkompetenz
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×