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Methodenkompetenz

Methoden kennenlernen und anwenden: Lesetagebuch im Fach Englisch

Methodenkompetenz und Fachkompetenz bedingen sich — wie alle Kompetenzbereiche — im Englischunterricht gegenseitig. Am Beispiel Lesetagebuch lernen Schüler, bestimmte Methoden zielorientiert einzusetzen — um sie später auf andere Themenfelder übertragen zu können.

Methodenkompetenz: Methoden kennenlernen und anwenden: Lesetagebuch im Fach Englisch Lesen und ein Lesetagebuch führen hilft, Arbeitsmuster umzusetzen © yanlev - Fotolia.com

In the next few weeks we are going to read a novel. You will be given homework in which you have to read the different chapters and you will also have to make a reading log. I will tell you now what that is. — Normale Situation aus dem Unterrichtsalltag: Lesen einer Ganzschrift. 

Eines der neuen Schlagwörter der Fachdidaktik ist der kompetenzorientierte Unterricht. Dabei gibt es verschiedene Kompetenzbereiche, die der Lehrer im Blick haben muss. Einer dieser Bereiche ist die Methodenkompetenz. Was genau muss ich denn eigentlich machen, um „Methodenkompetenz“ im Unterricht zu vermitteln? 

Es muss nicht immer der pädagogisch-verklausulierte definitorische Ansatz sein, um dies zu erklären. Nehmen wir obiges Beispiel: Die Schüler sollen eine neue Methode lernen: das Erstellen eines Lesetagebuchs zu einer Ganzschrift. Nun ist völlig klar, dass dieser Prozess angeleitet und schrittweise erklärt werden muss. Die Schüler sollen ihre Methodenkompetenz erweitern, indem sie eine bestimmte Methode erlernen, um an ein Ziel zu gelangen. Es ist also nicht damit getan, den Schülern diese Aufgabe zu geben und sie dann in ihr eigenes Glück zu entlassen. Vielmehr muss der Lehrer den Schülern erläutern bzw. sie selbstständig erschließen lassen, was genau die neue Methode für sie bringt:  Welche Vor- und Nachteile hat das Ganze?  Wie lange dauert das? Oder: Wieso hilft mir das? — Und diese Schritte müssen einzeln angeleitet werden. Nehmen wir Bezug auf unser Beispiel und schauen uns einmal die Funktion der Methode genauer an.

Den Vorteil einer bestimmten Methode selbst entdecken

Beim Verfassen eines Lesetagebuchs geht es u. a. darum, dass Schüler sich aktiv mit Literatur auseinandersetzen. Dabei sollen sie Charaktere näher beschreiben und evtl. analysieren, Handlungszusammenhänge erkennen und zueinander in Beziehung setzen oder einfach Inhalte verstehen. Es geht den Umgang mit einem literarischen Werk in eigenem Tempo und nach eigenen Vorstellungen und Vorlieben zu gestalten. Als Lehrer müssen wir uns also die Frage stellen, wie wir den Schülern den Mehrwert eines Lesetagebuchs vermitteln. Einerseits könnte man es ihnen einfach sagen. Andererseits könnte man sie aber auch von selbst darauf kommen lassen, indem man den Schülern z. B.  einen Vorgeschmack auf bestimmte Charaktere oder bestimmte Handlungsstränge gibt. Ein Beispiel wäre (dies kommt aber immer auf das Werk an): In the novel we are going to read there is a little boy. He is about your age and he plays in his front yard when all the sudden his football falls onto the street. He runs after it, there is a car ... What do you think — what could happen? Write down your ideas, read the chapter at home and write into your reading log what you felt when you read this chapter. 

Wichtig ist, dass dem Schüler klar wird, dass er selbst bestimmen kann, was er schreibt und welche Erfahrungen er mit dem Roman macht. Ein Lesetagebuch ist eine sehr intime Art und Weise mit Literatur umzugehen — und dies müssen Schüler verstehen, um die Funktion dahinter zu erfassen. 

Schüler muss lernen, Arbeitsmuster umzusetzen, um Ziel zu erreichen

Methodenkompetenzvermittlung ist immer etwas langfristig Angelegtes. Ob es nun wie in unserem Beispiel um eine längere Aufgabe geht oder um immer wiederkehrende Methoden wie Partner- und Gruppenarbeit: Methoden sind etwas, was der Schüler anlegen muss. Er muss lernen, wie er bestimmte Arbeitsmuster umsetzt, um ein Ziel zu erreichen. Und dazu müssen wir als Lehrer ihm die Handreiche, das Geländer geben. Wenn wir nun von den Schülern verlangen, ein reading log zu erstellen, so müssen wir vorher mit ihnen erarbeiten, welche Kriterien solch eine Methode beinhalten sollte. Ebenso muss geklärt werden, welche Funktion die gewählte Methode hat, um an ein formuliertes Ziel zu gelangen.  

Um nun bei unserem Beispiel zu bleiben, sollen im Folgenden beispielhaft einige dieser Kriterien aufgelistet werden. Ein Lesetagebuch sollte immer eine bestimmte Form haben: z. B. eine eigene Mappe, die vom Schüler sorgsam geführt wird. Es sollte ein Deckblatt geben, eine Art Inhaltsverzeichnis und eine inhaltliche Progression. So muss sich einerseits mit dem Inhalt beschäftigt werden — z. B. Write a short summary of each chapter. — und andererseits mit tiefergehenden analytischen Aspekten — z. B. Describe xy’s behavior and explain, why he acted the way he did. 

Erneut sei darauf hingewiesen, dass der Lehrer die Textformate und Schreibanforderungen (z. B. Charakterisierung) mit den Schülern behandelt haben muss. Der große Vorteil an einem Lesetagebuch ist, dass es genug Raum für kreative Aufgaben bietet, die der Schüler selbst wählen kann. Hier bietet es sich immer an, ihm eine Auswahlmöglichkeit zu präsentieren, z. B.: Draw a picture that captures best what the protagonist feels like. Pay special attention to your choice of colour and be able to explain your decisions. Oder: Create a cartoon in which the protagonist undergoes the same development as in the novel. Make sure that you can explain your ideas to the rest of the class

Kompetenzbereiche können nicht isoliert vermittelt werden

Es ist selbsterklärend, dass Kompetenzbereiche nicht isoliert und unabhängig voneinander betrachtet und vermittelt werden können. Jede Lehrstunde sollte einen Anteil an Fachkompetenzvermittlung aufweisen – nicht zuletzt auch, um einer die Methodenkompetenzvermittlung in den Fokus rückenden Stunde die Angriffsfläche zu nehmen. Dies lässt sich hervorragend an unserem Beispiel erkennen: Auf der einen Seite erarbeiten wir mit den Schülern eine neue Methode — wir schulen ihre Methodenkompetenz. Auf der anderen Seite erarbeiten wir fachliche Inhalte wie z. B. das Erstellen einer Inhaltsangabe und wenden dieses Wissen an. Aber auch das Charakterisieren von literarischen Figuren schult das fachliche Wissen — und in Zukunft wird der Schüler nicht immer ein Lesetagebuch erstellen müssen, sondern ist in der Lage, aus einer erlernten Methode bestimmte Fähigkeiten – Kompetenzen – herauszufiltern und diese in einem neuen Kontext anzuwenden. Und genau das ist es, was wir wollen: Selbstständige Schüler, die sich mit ihren angeeigneten Kompetenzen Sachverhalte erschließen können und zu einem fachlich korrekten Ergebnis zu gelangen.

Tim Heidemann

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