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Kooperation fördert die Teamfähigkeit

Mit kollaborativem Unterricht die Teamfähigkeit fördern

Kollaboratives Lernen hat viele Vorteile für die Klasse. Hier erhalten Sie wertvolle Tipps, Methoden für die Gruppenarbeit und Ideen für den digitalen Prozess. 

Kooperation fördert die Teamfähigkeit: Mit kollaborativem Unterricht die Teamfähigkeit fördern Kollaborativer Unterricht fördert die Teamfähigkeit © Gorodenkoff - stock.adobe.com

Kolloboratives Arbeiten ist eine Methode, die sowohl die Interaktion als auch fachliche und soziale Kompetenzen einer Lerngruppe steigert. Die Ressourcen der einzelnen Schüler/-innen können besser genutzt und Schwächen leichter ausgeglichen werden. Die Teamarbeit dient als Motor für eine individuelle Lernentwicklung. Gerade in der Grundschule ist das Konzept des Kooperativen Lernens ein wichtiges Angebot, um Methodenkenntnisse und den Aufbau von Lernmotivation zu entwickeln. Im Vordergrund stehen die Partner- und Gruppenarbeiten, deren individuelle Erarbeitungen zusammengetragen und zu einem gemeinsamen Ergebnis ausgetauscht werden. Wenn die Voraussetzungen zu einer effizienten Teamarbeit frühzeitig geschaffen werden, können Lehrkräfte in der Sekundarstufe darauf aufbauen. 

Die Schwerpunkte der Interaktionen liegen auf der Kommunikation, der Kreativität, der Kooperation und der Kritikfähigkeit. Um kooperativen Unterricht durchführen zu können, müssen bestimmte Grundlagen erfüllt werden.

  • Die Lernatmosphäre in der Gruppe ist durch Sicherheit und gegenseitigem Respekt getragen.
  • Die Partner und Gruppen werden nach Situation zusammengestellt.
  • Die Erfolgskriterien werden festgelegt.
  • Die Regeln für die Zusammenarbeit und die Zeitvorgaben sind klar definiert.
  • Die Aufgaben und Rollen werden verteilt. Beispiel: Zeitnehmer, Materialmanager, Gruppensprecher, Moderator.
  • Eine größtmögliche Schüleraktivität wird ermöglicht.
  • Die Prozessgestaltung ist strukturiert und die Aufgabenstellung sowie die Arbeitsaufträge sind klar definiert.
  • Es gibt immer Zeit, die Aufgabe in Einzelarbeit zu lesen und darüber nachzudenken.
  • Die gesammelten Erkenntnisse werden gegenseitig ausgetauscht.
  • Das Ergebnis zu der Aufgabenstellung zum Thema kann am Ende nur gemeinsam gelöst werden (positive Abhängigkeit).Die gewählten Methoden sind an die geplanten Lernziele angepasst.
  • Das benötigte Material steht ausreichend zur Verfügung.
  • Bei der abschließenden Präsentation übernimmt jede Gruppe die Verantwortung für ihre Arbeit.
  • Alle Ergebnisse werden respektiert und berücksichtigt.
  • Der Prozess wird mit der gesamten Lerngruppe evaluiert.

Verschiedene Methoden kommen zum Einsatz

Beim kooperativen Lernen steht das Ergebnis des gemeinsamen Lernens und die Präsentation des Produktes im Fokus. Dazu einige Beispiele von Methoden, die im Unterricht eingesetzt werden können:

Placemat

Ein Plakat mit fünf Feldern (in der Mitte ein Feld und außen herum vier Felder) wird in die Mitte eines Gruppentisches gelegt. Jedes Team besteht aus vier Schüler/-innen. Nun schreibt jeder/r seine eigenen Gedanken zu dem Thema in sein Feld, das Feld in der Mitte bleibt frei. Wenn alle fertig sind, wird das Plakat auf dem Tisch mehrmals gedreht, sodass alle Teammitglieder die verschiedenen Arbeitsergebnisse lesen können. Nach verbalem Austausch wird das Gesamtergebnis in die Mitte geschrieben und bei der Präsentation vorgetragen.

Rotation oder Graffiti-Methode

Mehrere Einzeltische werden im Raum verteilt, auf denen jeweils ein großer Bogen Papier liegt. Auf jedem Papier steht eine andere Frage oder ein Hinweis zu dem Themenschwerpunkt der Unterrichtsstunde. Die Lerngruppe wird in Teams mit je vier Schüler/-innen aufgeteilt. Zu Beginn arbeitet jedes Team an einem Tisch und schreibt seine Ideen, sein Wissen oder Gedanken auf das Blatt. Nach einer vorgegeben Zeit und einem verabredeten Signal, wechselt jede Arbeitsgruppe zum nächsten Tisch und arbeitet dort weiter. Diese Rotation wird so lange weitergeführt, bis alle Teams wieder an ihrem ersten Tisch angekommen sind. Dann werden die schriftlichen Ergebnisse diskutiert, strukturiert und auf einem anderen Blatt zusammengefasst. Die Gesamtergebnisse werden im Plenum präsentiert.

Lernspirale

Jede/r Schüler/-in schreibt seine Gedanken und sein Wissen zu dem vorgegebenen Thema auf ein Blatt. Danach bilden sich Paare, die ihre Gedanken austauschen. Anschließend sucht jedes Zweierteam ein anderes Paar und alle wichtigen Erarbeitungen werden zu einem Ergebnis zusammen getragen und vorgestellt.

Jigsaw

Eine Lerngruppe wird in Vierergruppen aufgeteilt. Jedes Viererteam erhält Informationen zu vier verschiedenen Bereichen eines Themas. 
Beispiel zum Sach-Thema „Das Wetter“: 

  1. Bereich: Die Wetterelemente 
  2. Bereich: Der Wasserkreislauf
  3. Bereich: Wie entstehen Regen und Schnee
  4. Bereich: Wie nutzen die Menschen das Wetter?

Jede/r Schüler/-in liest ihren/seinen Text zu dem bestimmten Bereich genau durch. Danach bilden alle Schüler/-innen mit den gleichen Themenbereichen eine neue Experten-Gruppe und tauschen ihre Informationen aus. Anschließend geht jede/r zurück in die Stammgruppe und gibt ihr/sein Wissen weiter. Die Gesamtergebnisse werden visualisiert und im Plenum erklärt.

Im Zentrum steht der (digitale) Arbeitsprozess

Eine weitere Unterrichtsmethode der kooperativen Zusammenarbeit ist das kollaborative Arbeiten. Die digitale Entwicklung in der Schule ermöglicht eine flexible Zusammenarbeit an einem Projekt, an dem alle Schüler/-innen gleichermaßen beteiligt sind. Im Mittelpunkt steht der kooperative Arbeitsprozess innerhalb eines gesamten Teams, dass ein gemeinsames Ziel anstrebt. Jede/r Einzelne hat die gleiche Verantwortung für das Gruppenziel und den gleichen Wissenstand. Gegenseitige Unterstützung, der Austausch von Ideen und die Fähigkeit, Kompromisse einzugehen, werden gefördert. Dazu werden verschiedene Software-Programme eingesetzt. Der Vorteil dieser interaktiven Kommunikation ist, dass die Zusammenarbeit im Homeschooling, im Präsenz- oder Hybridunterricht durchgeführt werden kann. Ermöglicht wird ein direkter Einblick für alle Schüler/-innen in den aktuellen Prozess. Gleichzeitig werden die Medienkompetenz und das Kennenlernen von sinnvollen Internet-Plattformen erweitert.
Um Methoden des Kollaborativen Lernens in der Schule durchzuführen, müssen bestimmte Voraussetzungen geschaffen werden: 

  • Eine ausreichende Internetausstattung und genügend Endgeräte sollten vorhanden sein. 
  • Die Motivation der Schüler/-innen, einen gemeinsamen Prozess anzustreben, der durch effektive Zusammenarbeit und Kooperation getragen wird, ist eine wichtige Voraussetzung.
  • Die Fähigkeit, Kompromisse einzugehen, gehört zum Arbeitsprozess. 
  • Das gesamte Team übernimmt die Verantwortung für die Texte und Beiträge aller Gruppenmitglieder.
  • Die Regeln für das gemeinsame Arbeiten müssen festgehalten werden. Dazu gehört das Unterlassen von unangebrachten Textnachrichten, das Löschen von bereits erarbeitetem Material oder die Verletzung des Datenschutzes.
  • Einzelne Dateien müssen konkrete Dokumentennamen erhalten, damit sie wiedergefunden werden können.
  • Zuständigkeiten und Aufgabenbereiche müssen abgesteckt werden.
  • Eine genaue Absprache über Entscheidungen innerhalb der Projektgruppe ist notwendig.

Durch verschiedene Online-Funktionen werden Medienkompetenz, Koordination und Dokumentationskompetenz geschult. Alle Schüler/-innen einer Lerngruppe können gleichzeitig eine Präsentation erstellen, Texte und Tabellen bearbeiten und Grafiken aufbauen.

Digitale Praxisbeispiele für den Unterricht

Arbeiten mit Power-Point

Mit Microsoft Office können mit Power-Point Dokumente erstellt und bearbeitet werden. Der Text muss jedoch in dem Cloud-Dienst Microsoft One Drive (dieser ist kostenlos) gespeichert werden, um dann andere Nutzer einladen zu können. Durch die Anwendung des Buttons „Teilen“ kann das Dokument für alle Schüler/-innen freigegeben werden. 

Wikipedia Benutzerkonto

Mit Hilfe eines angelegten Benutzerkontos können Schüler/-innen Wissen zu einem Thema zusammentragen und einen Wikipedia-Eintrag vornehmen. So können sie gemeinsam daran arbeiten und ihre Änderungen stets überprüfen. Die Resultate sollten zusammen evaluiert werden.
praxistipps.chip.de/account-bei-wikipedia-anlegen-so-gehts_3658

Schreiben mit Etherpad

Bei dieser Anwendung können Texte gleichzeitig geschrieben und die Inhalte gemeinsam bearbeitet werden. Farbliche Markierungen zeigen die Änderungen an. Über die Anbieter zum Beispiel EduPad oder BoardNet können Etherpads für den Unterricht schnell angelegt werden.

Nutzen von Google Docs

Wer einen Google-Account hat, dem steht Google-Docs zur Verfügung. Damit können Textdokumente, Zeichnungen oder Präsentationen erstellt und in der Cloud gespeichert werden. Die Schüler/-innen werden zur Teilnahme eingeladen und können gleichzeitig daran arbeiten oder Änderungen vornehmen. Ein festgelegtes Dokument wird mit dem Button „Freigeben“ geöffnet. Integriert ist ein Chat, über den sich alle Nutzer austauschen können.

Kollaboratives Arbeiten ermöglicht Schüler/-innen, auf Arbeitsprozesse in der Arbeitswelt vorbereitet zu werden. Selbstorganisiertes dialogisches Lernen unterstützt die Kompetenzen von Problemlösung, Wissensaustausch und kooperativer Projektentwicklung. Mit den Online-Anwendungen lassen sich in Teamarbeit gleichzeitig Ideen sammeln, Inhalte überarbeiten und gemeinsame Arbeitsergebnisse sichern. Durch das gegenseitige Vermitteln von Ideen und Wissens der Mitschüler/-innen, entstehen Impulse, das eigene Denken und Handeln zu reflektieren und zu gestalten.

Angela Hentschel


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