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Montessori

Farben durch Experimente erforschen

Der Kunstunterricht wird zum spannenden Erlebnis, wenn Schüler selbst experimentieren dürfen. Montessoris Ideen vom selbstständigen Lernen können in der Farbenlehre auf eindrucksvolle Weise umgesetzt werden.

Montessori: Farben durch Experimente erforschen Die Schüler/-innen erkunden das Farbspektrum, indem sie zunächst die Primärfarben mischen © evgeniarusinova - stock.adobe.com

Ein Raunen geht durchs Klassenzimmer einer 5. Klasse an einer Realschule in Oberfranken. Auf einem Streifen Krepppapier mit schwarzem Filzstift-Punkt werden plötzlich Farben sichtbar. „Mann, schau mal ...“ „Cool, das habe ich ja noch nie gesehen.“ „Frau Albert, schau‘n Sie mal, schau‘n Sie bitte mal!“ „Ja, ich bin schon da, was habt ihr denn herausgefunden?“

Die Kinder lernen Grund- und Mischfarben kennen. Dass es die drei  Primärfarben Rot, Gelb und Blau gibt, wissen die meisten Schüler schon. Doch manchen ist nicht bekannt, warum sie so heißen – sie lassen sich nämlich nicht aus anderen Farben „hermischen“. Stattdessen sind sie die Basis für das Mischen aller anderen Farben (außer der sogenannten chemisch hergestellten Nichtfarbe Weiß). Die Schüler sollen heute erfahren, wie die Sekundärfarben Orange, Grün und Violett sowie die Tertiärfarben, also Orangerot, Rotorange, Gelbgrün, Grüngelb, Violettblau, Blauviolett u. a. entstehen. Außerdem erfahren sie, dass man auch ein Fast-Schwarz durch Mischen erzeugen kann.

Schüler mischen selbstständig neue Farben

Dazu werden zuerst vier Gruppen eingeteilt, jede holt sich von der Lehrkraft die Grundfarben ab, sodass beim Farbherstellen nicht geschummelt werden kann. Außerdem bekommt die Gruppe einen Wasserbehälter, Pinsel, ein  DIN-A3-Blatt, eine Unterlage zum Schutz der Tische sowie ihre ganz speziellen Forschungsaufgaben. In großen Klassen bekommen mehrere Gruppen die gleichen Aufgaben, damit die einzelne Gruppe nicht zu groß wird. 

Die erste Gruppe soll in gleichen Anteilen Gelb und Rot mischen und die entstehende Farbe erforschen, anschließend die Farbanteile variieren. Die anderen Gruppen mischen Rot und Blau (= Violett), Gelb und Blau (= Grün) und Rot, Gelb und Blau (= Schwarz bzw. ein schmutziges Dunkelgrau). Die Schüler stellen die Mischfarben optisch dar, erkennen, welche Farben entstehen und überlegen, wie sie ihre Forschungsergebnisse der Klassengemeinschaft zeigen und zur Verfügung stellen können.

Fachbegriffe werden gleich mitgelernt

Nachdem die Kinder von Ihnen eine Rahmenordung und Anleitung erhalten haben, arbeiten sie überwiegend selbstständig. Ganz im Sinne Montessoris helfen Sie ihnen, „es selbst zu tun“. Dabei lernen die Schüler das im Lehrplan vorgegebene Fachwissen, in diesem Fall wie man Farben mischt und erzeugt. Gleichzeitig müssen sie sich in der Gruppe absprechen, was die Sozialkompetenz fördert. Sie lernen, dass man die Tische mit einer Abdeckung schützt (= Achtung vor Fremdeigentum) und dass zuerst die Wasserfarben mit Wasser angerührt und „geweckt“ werden müssen bis sie leicht schäumen, damit sie verwendbar werden (= Anwenden früherer Lerninhalte). Wenn sie Farben mischen, widmen sich die Schüler der Lösung eines Problems. Wenn von „Palette“ die Rede ist, lernen sie Fachbegriffe kennen. 

Arbeitsgruppen stellen ihre Ergebnisse vor

Hat eine Gruppe ihre Aufgabe beendet, legt sie ihr Ergebnis zum Trocknen aus und erhält einen weiteren Arbeitsauftrag von Ihnen – das Mischen der Tertiärfarben. Dafür wird zu den Sekundärfarben (z. B. Rot + Geld = Orange) jeweils eine Grundfarbe hinzugemischt (zu Orange wiederum Gelb = Gelborange). Wieder arbeiten die Schüler – ganz nach Montessori – selbstständig und handlungsorientiert. Nach etwa 30 bis 40 Minuten Gesamtarbeitszeit stellen sie ihre Ergebnisse vor.  Anschließend können Sie noch ein Arbeitsblatt verteilen oder einen Hefteintrag schreiben lassen.

Schüler lüften das Geheimnis der schwarzen Farbe

Eine ganz besondere Mischfarbe ist das Schwarz, das die Schüler zu Beginn der Stunde so in Staunen versetzte. Um zu beweisen, dass Schwarz alle drei Grundfarben enthält, benötigt man einen Streifen weißen Kaffeefilter oder Krepppapier (ca. 4 x 12 cm). Darauf setzt man einen dicken schwarzen Punkt mit wasserlöslichem Filzstift ca. 3 cm vom unteren Rand entfernt. Mithilfe eines Holzstäbchens wird der Streifen in ein mit wenig Wasser gefülltes Glas gehängt, sodass der untere Papierrand knapp ins Wasser ragt. Das Filterpapier saugt das Wasser nach oben und löst dabei die schwarze Farbe an. Nach ca. 10 Minuten werden die anderen Farben (Rot, Blau und Gelb) sichtbar. Diese Technik funktioniert auch mit anderen dunklen Farben.

Im Kunst- oder Werkunterricht gibt es viele Möglichkeiten, Montessori-Prinzipien anzuwenden. Die Schüler erarbeiten Sachverhalte auf ihre eigene Art und Weise und nach eigenem Tempo. Sorgfältig oder langsam arbeitende Schüler haben einen geschützten Rahmen, weil sie nicht gedrängt werden. Schneller oder besser arbeitende können mit weiterführenden Aufgabenstellungen, Arbeitstechniken oder dem Helfen von Mitschülern unterstützt und gefördert werden.

Marylin Albert-Legniti

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