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Natur als Lernort

Gesunde Ernährung aus dem Schulgarten

Kinder und Jugendliche lieben Fast Food, manche haben deshalb sogar mit Übergewicht zu kämpfen. Ein Schulgarten kann helfen, die Begeisterung für Obst und Gemüse zu wecken — als Grundlage für gesunde Ernährung und fundiertes Wissen in Naturwissenschaften.

Natur als Lernort: Gesunde Ernährung aus dem Schulgarten Gemüse schmeckt so viel besser, wenn man es selbst angepflanzt, gepflegt und geerntet hat © scharfsinn86 - Fotolia.com

Eine Schülergruppe steht vor einem Gemüsebeet. Die Lehrerin zieht ein Radieschen aus dem Boden und fragt die Schüler, wie es heißt. Keiner weiß es. Erst als sie mehrere Radieschen zu einem Bund zusammenfasst, „fällt der Groschen: ‚Ach so, das sind Radieschen!‘“ Selbst viele Erwachsene kennen die kleinen, einzeln wachsenden roten Knollengewächse nur noch aus dem Supermarktregal. Das beweisen die „wahre(n) Geschichten vom Radieschen“ im „Praxisratgeber Schulgarten“ (S. 12) der Arbeitsgruppe Schulgarten Rheinland-Pfalz.

Mit dem Schulgarten-Projekt „Pflanz‘ dir dein Schulbrot!“ lernen Schüler der Klassen 5 und 6 nicht nur, wie Radieschen aussehen, sondern auch viel über gesunde Ernährung. Der folgende Beitrag stellt Ihnen deshalb die „Initiative für gelebtes Ernährungswissen“ vor.

Auch die älteren Jahrgangsstufen können sich spannenden Aktionen im Schulgarten widmen: Der Hamburger Förderverein Schulbiologiezentrum e. V. weckt bei den Schülern die „Kräuterlust im Schulgarten“, und das Baden-Württembergische Kultusministerium präsentiert zusammen mit dem Landwirtschaftsministerium mehrere Schulgarten-Projekte für die Jahrgangsstufen 5 bis 10. Hier rücken neben Ernährungswissen auch Umwelterziehung und Nachhaltigkeit in den Fokus.

Das 5-am-Tag-Beet für gesunde Ernährung

Fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag essen — wie vermittelt man den Schülern diesen zentralen Ernährungsgrundsatz? Am besten mit der Schulgarten-Aktion „Fünf am Tag — Pflanz Dir Dein Schulbrot“. Denn „wer Nahrungsmittel selbst anbaut, pflegt, wachsen und reifen sieht, begreift nachhaltig ihren Wert als LEBENSMittel“, erläutert die Begleitbroschüre (PDF, S. 5).

Auf einem Klassenbeet von 2 x 2 Metern Größe ziehen sich die Fünft- und Sechstklässler Radieschen, Erdbeeren, Kohlrabi, Pflücksalat und frischen Schnittlauch. Eine Pflanzanleitung mit Beetplan erklärt in schülergerechter Sprache, in welchen Abständen Samen bzw. vorgezogene Pflänzchen zu setzen sind.

Und weil es beim Gemüse- und Obstanbau auf das richtige Timing ankommt, gibt es auch einen Gartenjahr-Kalender dazu (Broschüre, S. 11 ff.). Hier sind die Aufgaben für jeden Monat genau beschrieben. Sogar im Winter gibt es reichlich zu tun — und zu ernten (Schnittlauch wird auf dem Fensterbrett überwintert). „Losgehen kann es eigentlich immer!“, so die Autoren in der Broschüre. Wer allerdings Ende März startet, kann vieles bereits im Mai ernten und im Juni nochmal neu säen und pflanzen.

Durch das kleine Beet und die schnellen Ernteerfolge hält sich der Aufwand in Grenzen. Übrigens auch für die Lehrkraft, denn auf der Website der Initiative finden sich Hintergrundinformationen und direkt übernehmbare Materialien und Tipps für einen erlebnisorientierten „Unterricht mit Pfiff“ mit Marktbesuch, Schulfrühstück und „Parcours der Sinne“, bei dem die Schüler Obst und Gemüse riechen, schmecken und fühlen können.

Kräuter und Wildpflanzen erforschen

Auch Gewürzkräuter eignen sich wunderbar für einen Sinnesparcours. In der Handreichung „Welt der Kräuter“ beschreiben die Autoren des Hamburger Fördervereins Schulbiologiezentrum e. V., wie sich das im Unterricht realisieren lässt: An insgesamt sechs Lernstationen (S. 48) dürfen die Schüler verschiedene Kräuter riechen, schmecken und ertasten. Bei einem Duftmemory mit getrockneten Kräutern erschnüffeln sie sich fünf „Duftsäckchen-Paare“, an einer anderen Station verkosten (und erraten) sie gebrühte Kräutertees. Didaktische und methodische Hinweise erleichtern der Lehrkraft die Vorbereitung und sorgen für einen reibungslosen Ablauf des Stationenlernens.

Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis der umfangreichen Broschüre (116 Seiten) bringt viele weitere gute Ideen ans Licht: Da nähen jüngere Schüler gemeinsam mit ihren Eltern Lavendelkissen (Rezept auf S. 85), während die älteren Jugendlichen Kräuter und Wildblumen für Herbarien sammeln (S. 37 ff.) und sie in einer selbst gebauten „Pflanzenpresse“ aus Holzresten und Wellpappe (S. 44) pressen. Anregungen und eine Bauanleitung für eine Kräuterspirale fehlen ebenso wenig wie Rezepte für Kräuterpesto, Salbeibonbons und Kräuter-Smoothies (S. 55 ff.). Bei Exkursionen zu Bio-Bauernmärkten, in Apotheker- und Botanische Gärten oder in Gewürzmuseen erkunden die Schüler Heil- und exotische Kräuter. Und beim Sammeln von Wildkräutern im Schulgarten können sie erleben, dass so manches Unkraut schmackhaft und gesund ist (Löwenzahnsalat mit Gänseblümchen). Eine Wildkräuter-Exkursion „ins Gelände“ empfiehlt sich allerdings nur in Begleitung eines erfahrenen Wildkräuter-Experten. Natürlich sollten dabei auch die Regeln zum Sammeln essbarer Wildpflanzen (S. 40 ff.) strikt befolgt werden.

Fächerübergreifende Schulgarten-Projekte

Die praktische Schulgarten-Arbeit eröffnet auch viele Bezüge zum Unterricht verschiedener Fächer. Zahlreiche Anregungen dazu bieten die beiden umfangreichen Unterrichts-Broschüren „Umwelterziehung und Nachhaltigkeit. Fächerverbindendes Arbeiten im Schulgarten“. Heft 1 greift unter anderem auch das Kräuterthema auf (S. 58 ff.). Wenn die Schüler im Garten oder auf der Fensterbank Kräuter säen oder ziehen, befassen sie sich parallel dazu in Biologie mit der Reproduktion von Pflanzen durch generative (Aussaat) und vegetative Vermehrung (Teilung, Brutzwiebeln, Stecklinge ...). Warum sollte man bestimmte Kräuter auf der Fensterbank vorziehen und sät nicht direkt ins Beet? Diese Frage eignet sich sehr gut als Aufhänger für eine Geografie-Stunde über Klimazonen. In Chemie widmen sich die Kids der Klassifikation der pflanzlichen Inhaltsstoffe oder der Art der Gewinnung von Wirk- oder Aromastoffen (Destillate, Extrakte ...), und in Geschichte brauen sie vielleicht den Kräutersud, der im alten Ägypten zur Mumifizierung verstorbener Pharaonen eingesetzt wurde (Rezept S. 78).  

Heft Nummer 2 greift u. a. die Frage auf: „Wie kommt die Suppe in die Tüte?“  (S. 24). Acht „Lernsegmente“ beleuchten unterschiedliche Aspekte des Themas, zum Beispiel „Lebensmittel haltbar machen“ oder „Essen und Konsumverhalten früher und heute“. Zu jedem Lernsegment gibt es Anregungen für Schüleraktivitäten in den verschiedenen Fächern. Beim Lernsegment „Bestandteile und Inhaltsstoffe“ zum Beispiel sortieren und analysieren die Schüler in Physik die Bestandteile von Fertigprodukten. In Chemie arbeiten sie bei einem Geschmackstest verschiedener Suppen die Geschmacksträger heraus. In Geschichte und im Hauswirtschaftsunterricht untersuchen die Kids, wie sich die Kochpraxis durch Brühwürfel und Erbswurst verändert hat usw.

Viele weitere Ideen für spannende Schulgarten-Projekte und -Aktivitäten im Fachunterricht stecken in den beiden Broschüren: wie Bienen halten, Bodenproben untersuchen, Beeren richtig ernten und zubereiten. — Sie beweisen klar, dass die Schulgartenarbeit viel mehr ist, als ein kleiner Ausgleich zum vielen Sitzen im „richtigen“ Unterricht.

Martina Niekrawietz

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