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Meaning - Sinnhaftigkeit

PERMA: Sinnhaftigkeit für mehr Wohlbefinden

Erleben wir Menschen in unserem Handeln Sinnhaftigkeit trägt dies zu einem erfüllten Leben bei. Was bedeuten diesbezüglich die Dimensionen von Sinn und welche Möglichkeiten haben Lehrkräfte ihren Unterricht darauf auszurichten?

Meaning - Sinnhaftigkeit: PERMA: Sinnhaftigkeit für mehr Wohlbefinden Kooperative Lernformen für Sinnhaftigkeit © simoneminth - stock.adobe.com

Wohlbefinden als zentrale Größe in Schulleben und Unterricht zu betrachten, ist Fokus des neuen Ansatzes der Positiven Bildung. Konkret geht es darum, in der Schule eine Wohlbefindens-Vision zu entwickeln und zu verfolgen, auf der eine wirkungsvolle Strategie für die ganze Schule aufgebaut werden kann. Mit dem PERMA-Modell für Wohlbefinden kann aus den zahlreichen existierenden Initiativen an der Schule ein kohärentes Gesamtbild geschaffen und ein wirkungsvolles Konzept zur Erhöhung von Wohlbefinden entwickelt werden. Konkret werden dazu fünf Faktoren angezielt: 

  • Positive Emotionen (P), 
  • Engagement (E), 
  • Relations (R), Beziehungen, 
  • Meaning (M), Sinn und 
  • Accomplishment (A), Selbstwirksamkeit. 

Dies ist sowohl auf Lehrer/innen- als auch auf Schüler/innenebene u. a. deshalb wichtig, da Positive Bildung ihre dauerhafte Wirkung durch Reflexion und Bewusstmachung entfaltet. Wenn Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer wissen, was beispielsweise Stärkenarbeit mit Engagement zu tun hat oder welche Wirkung ein Dankbarkeitsbrief auf das Lernen haben kann, dann entsteht Sinn, Sinn, der zum Handeln treiben kann.

Meaning – Sinn (M)

Literaturverzeichnis 

Brohm, Michaela; Endres, Wolfgang (2017): Positive Psychologie in der Schule. Die »Glücksrevolution« im Schulalltag. 2., erweiterte Auflage. Weinheim: Beltz J.

Schnell, Tatjana (2016): Psychologie des Lebenssinns. Berlin, Heidelberg: Springer.

Seligman, Martin E. P. (2015): Wie wir aufblühen. Die fünf Säulen des persönlichen Wohlbefindens. Vollständige Taschenbuchausgabe, 2. Auflage. München: Goldmann.

Erleben wir Menschen in unserem Handeln Sinnhaftigkeit (M=Meaning, auch Purpose), trägt dies zu einem erfüllten Leben bei. Schon in der Forschung zur Salutogenese (Antonovsky 1997) wird deutlich, dass wir Menschen zufriedener leben können, wenn wir unser Leben für kohärent halten, es als verstehbar, machbar und sinnvoll empfinden. 
In der Sinnforschung werden dabei vier Dimensionen von Sinn unterschieden, die als Leitkategorien dienen können und in Lebensbedeutungen gegliedert sind. Dies sind Ich-Sinn, Wir-Sinn, Tradition und Ordnung sowie Transzendenz (Schnell 2016):

Ich-Sinn
Ich-Sinn wird über Selbstverwirklichung definiert und zielt auf Wohlfühlen. Gekoppelt an die Positive Psychologie geht diese idealerweise an den individuellen Charakterstärken entlang. Indem ich etwas aus mir selbst heraus entstehen lassen kann, „mich“ verwirkliche und dabei meine besonderen Potentiale nutze, kann ich selbstwirksam werden, Selbstwirksamkeit erfahren. Zugehörige Lebensbedeutungen sind Herausforderung, Individualismus, Macht, Entwicklung, Leistung, Freiheit, Wissen und Kreativität.

Wir-Sinn
Der Wir-Sinn zielt auf Fürsorge für andere, darauf, dass wir anderen Gutes tun, für andere da sind, gute Beziehungen kultivieren. Wie bereits im vorauslaufenden Abschnitt erwähnt, hält auch dies wertvolle Selbstwirksamkeitserfahrungen bereit, die durch Lebensbedeutungen von Gemeinschaft, Spaß, Liebe, Wellness, Fürsorge, bewusstes Erleben und Harmonie entstehen können.

Sinn für Ordnung
Pflegen wir den Sinn für Ordnung, so sind wir um Erhaltung von Werten und Traditionen bemüht. Wir setzen auf Bewährtes, schätzen Althergebrachtes und bewahren Rituale – zentrale Elemente, die ein kohärentes Leben unterstützen können, indem der rote Faden in der Lebensgeschichte sichtbar wird. Die Lebensbedeutungen dazu sind Tradition, Bodenständigkeit, Moral und Vernunft.

Transzendenz
Höchste Sinndimension nach Seligman ist es, wenn wir Zugehörigkeit spüren und einem höheren Zweck dienen können. Wir wachsen über uns hinaus, spüren einen Anteil am großen Ganzen (Seligman 2015). Die Sinnforscherin Schnell überschreibt dies mit Transzendenz und gliedert in die Lebensbedeutungen soziales Engagement, Religiosität, Naturverbundenheit, Selbsterkenntnis, Gesundheit, Generativität und Spiritualität.

Wollen Lehrkräfte ihren Unterricht an der Sinndimension ausrichten, so können grundsätzlich zwei Wege beschritten werden (Brohm und Endres 2017):

  1. Unterrichtsplanung mit Lebensbedeutungen im Fokus 
    Zum einen kann Unterricht unter der Prämisse einer oder mehrerer Lebensbedeutungen geplant werden: Sollen beispielsweise Herausforderung, Entwicklung und Leistung (Selbstverwirklichung) im Mittelpunkt stehen und mit Gemeinschaft (Wir-Sinn) kombiniert werden, so können Gruppenturniere im Sinne der bekannten kooperativen Lernform veranstaltet werden. Religiosität oder Spiritualität können Kinder erforschen, wenn sie Gottesdienstbesucher vor der Kirche beverage, was sie gerade gebetet haben und warum. 
  2. Zudordnung und Bewusstmachung von Unterrichtsangeboten zu Lebensbedeutungen
    Die zweite Alternative geht den umgekehrten Denkweg: So können Lehrkräfte in der Zielformulierung ihres Unterrichts zu den den Sinndimensionen innewohnenden Lebensbedeutungen Bezug nehmen. Konkret kann beispielsweise im Verkehrssicherheitstraining im Kontext der Fahrradprüfung in der Grundschule der Fürsorgesinn in den Mittelpunkt gestellt, das Training unter die Überschrift „Fürsorge“ oder Rücksicht auf die „Gemeinschaft“, „soziales Engagement“ vollzogen und so Wir-Sinn gekoppelt an Transzendenz berücksichtigt wearden. Oder es wird im Mathematikunterricht zum Thema Größen eine Vermessung der Natur gestartet. Die Breite der Hecke, die Höhe der Tulpe, der höchste Grashalm, die kleinste Blüte – all das kann bei Kindern nicht nur ein Gefühl für Dimensionen erzeugen, sondern gleichzeitig „Naturverbundenheit“ (Transzendenz) und „Spaß“ (Wir-Sinn) miteinander bewirken, „bewusstes Erleben“ ermöglichen.  Im Sport werden Fitnessübungen vielleicht sinnstiftender, wenn sie in das Wohlbefindenstagebuch (https://www.fhv.at/fileadmin/user_upload/fhv/files/forschung/uct/projekte/A4_Folder_Tagebuch.pdf) Eingang finden und so „bewusstes Erleben“, „Wellness“ und „Gesundheit“ in den Fokus rücken und Wir-Sinn und Transzendenz zu bearbeiten.  

Ulrike Lichtinger


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