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Sozialkompetenz

Religion fördert soziale Verantwortung

Dem Fach Religion fällt bei der Förderung von Sozialkompetenzen eine besondere Rolle zu. Die Themen des Unterrichts können zum Aufbau eigener Werte und zum Verständnis für andere Menschen beitragen. Beispiele aus der Bibel und spezielle Methoden unterstützen den Lehrer.

Sozialkompetenz: Religion fördert soziale Verantwortung Der Mensch ist kein Einzelwesen. Christliche Symbole verdeutlichen auch das © ChristArt - Fotolia.com

Die Aufgabe, soziale Kompetenzen in der Schule aufzubauen und zu entwickeln, ist zunächst einmal allen Fächern zugeordnet, aber „darüber hinaus trägt insbesondere auch der Religionsunterricht im Rahmen der Kompetenzentwicklung innerhalb der von allen Fächern zu erfüllenden Querschnittsaufgaben zur Sensibilisierung für unterschiedliche Geschlechterperspektiven, zur Werteerziehung, zum Aufbau sozialer Verantwortung, zur Gestaltung einer demokratischen Gesellschaft, zur nachhaltigen Entwicklung und Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen, zur kulturellen Mitgestaltung, zum interkulturellen Verständnis sowie zur Lebensplanung und Berufsorientierung bei." (Kernlehrplan Evangelische Religionslehre Realschule, S. 10).

Bevor ich darstelle, wie man die sozialen Kompetenzen im Religionsunterricht fördern kann, hier zunächst einmal zwei Definitionen und eine Übersicht, was soziale Kompetenzen eigentlich sind. „Sozialkompetenz ist gekennzeichnet als dispositionale Fähigkeit eines Individuums, in bestimmten Situationen angemessen und zielgerichtet handeln zu können. Dabei sind Sozialkompetenzen auf eine Ausbalancierung und Verschränkung von Fremd- und Eigeninteressen ausgerichtet.“ (Stephan Schumann: Förderung von Sozialkompetenzen im Unterricht — aber wie? Netzwerk 2/08, S. 21).

„Unter sozialen Kompetenzen werden solche Fähigkeiten und Fertigkeiten verstanden, die Menschen helfen, soziale Interaktionssituationen (alters-)angemessen zu erkennen und einzuschätzen sowie darauf aufbauend in diesen erfolgreich zu handeln. Soziale Kompetenzen gelten als Schlüssel für persönliche und professionelle Erfolge.“ (Green, Norm / Green, Kathy: Kooperatives Lernen. Seelze 2006, S. 87). 

Der Mensch ist kein Einzelwesen

Warum ist es so wichtig, diese Kompetenzen der Schüler zu fördern? – Wir leben in einer Gesellschaft, in der die meisten Menschen zunächst einmal an sich denken, an ihre Bedürfnisse und Wünsche. Das lernen viele Schüler in ihren Elternhäusern, ihren Peergroups, den Medien und der Gesellschaft. Aber wir sind nun einmal keine Einzelwesen, wir sind allein nicht lebensfähig. Wir brauchen unsere Mitmenschen und sie uns, wir können nur in Frieden und zufrieden leben, wenn wir Rücksicht nehmen, den anderen achten, Probleme gemeinsam lösen, Konflikte vermeiden oder zu Kompromissen finden, uns an Regeln halten und Verantwortung für die Gemeinschaft übernehmen. Der Religionsunterricht kann wesentlich dazu beitragen, dass Schüler unterschiedlicher Herkunft, Hautfarbe, Religion, Gesellschaftsschicht respektvoll miteinander umgehen.

Das Ziel eines solchen Unterrichts zum Aufbau von Sozialkompetenzen ist zunächst die Sensibilisierung für die Wahrnehmung von Problemen, Schwächen, Sorgen, Nöten anderer Menschen. Ein rein egoistisches Verhalten soll abgebaut und die zwischenmenschlichen Verhaltensweisen verbessert werden. Nur so können wir unsere Aufgabe als Christ ernst nehmen und leben.

Die Bibel gibt Beispiele für Sozialkompetenzen

Die handlungsorientierte, kooperative Erarbeitung von ausgewählten Bibelstellen ist ein möglicher Weg, diese Ziele anzubahnen. Hier einige Beispiele:

Nächstenliebe/Hilfsbereitschaft: 

  • Erarbeitung des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter zur Erkenntnis, dass jeder mein Nächster ist, wenn er Hilfe braucht.
  • „Sechs Werke, ein Ziel.“ Die sechs Werke der Barmherzigkeit, Matthäus 25, 35–40 zur Bewusstmachung der christlichen Verantwortung gegenüber dem Nächsten und als Anlass zum Nachdenken über eigenes Handeln und Handlungsmöglichkeiten im individuellen Umfeld.

Wertschätzung: 

  • „Spielregeln für unser Zusammenleben?“ — Die genauere Untersuchung von Regeln am Beispiel der Zehn Gebote zur Erkenntnis, dass Christsein ein bestimmtes Handeln erfordert. 
  • „Die Bergpredigt — auch heute noch relevant?“ — Erarbeitung der Bergpredigt zur Förderung  der Erkenntnis, dass die von Jesus gegebenen Verhaltensregeln auch heute noch aktuell und für ein wertschätzendes, friedliches Miteinander unabdingbar sind.

Solidarität: 

  • „Jesus setzt sich für die Schwachen ein“ — Die Erzählung der Kindersegnung zur Förderung der Solidarität mit benachteiligten Kindern.

Fairness/Gerechtigkeit:

  • „Das schreit zum Himmel“ — Erarbeitung zentraler Merkmale der alttestamentlichen Prophetie, z. B. Amos zur Sensibilisierung für ein gerechtes Handeln.
  • „Der Gerechtigkeit Jesu auf der Spur“ − Erarbeitung des Gleichnisses „Die Arbeiter im Weinberg“ zur Entwicklung eines Gerechtigkeitsverständnisses nach christlicher Überzeugung.
  • „Einsatz für Gerechtigkeit“ — Begegnung mit vier christlichen Persönlichkeiten (Franz von Assisi, Elisabeth von Thüringen, Papst Franziskus und Margot Käßmann) zur Einschätzung ihrer Handlungsweisen aus christlicher Motivation heraus und deren Vorbildfunktion.

Konfliktfähigkeit:

  • „Kain(s) einfacher Fall“ — Ungleichheit, ungerechte Behandlung und ihre Folgen dargestellt anhand von Genesis 4, 1–16 zur Entwicklung und Erprobung von Streitlösungsmodellen im schulischen und privaten Umfeld, Förderung des empathischen Handelns und Erkennen der Lebensnähe biblischer Texte
  • „Streiten — aber richtig!“ — Erarbeitung und Bewusstmachung verschiedener Handlungsstrategien zur friedlichen Konfliktlösung auf der Grundlage der biblischen Aussage „Was du nicht willst, das man dir tut, das füg´ auch keinem anderen zu“ frei nach Lukas 6,31, exemplarisch dargestellt an alltäglichen Konfliktsituationen, um den Blickwinkel für die Anwendung alternativer, gewaltloser Handlungswege zu öffnen.
  • „Alle gegen einen! — Gewalt beginnt im Kleinen“. Hineinfühlen in die Rolle eines Mobbingopfers und Erarbeitung der Bibelstelle Matthäus 5,46–48 zur Sensibilisierung für ein christlicheres Miteinander“.

Ehrlichkeit/Offenheit:

  • „Wahrheit und Lüge“ — Erarbeitung des 8. Gebotes zur Erkenntnis, dass es grundsätzlich besser für alle ist, die Wahrheit zu sagen und dass die Liebe zum Nächsten auch das Verzeihen von Lügen/Vertrauensbrüchen mit einschließt.
  • Verratene Freundschaft!“ — Erarbeitung von Handlungsmöglichkeiten am Beispiel der biblischen Geschichte „Die Verleugnung des Petrus“.  Die Schüler können den Bedeutungsinhalt der Erzählung betrachten sowie die Handlungsmöglichkeiten beider Personen und Jesus‘ anschließender Vergebung erarbeiten und bewerten.

Christliche Werte: Der Lehrer kann die von Jesus vermittelten christlichen Werte, seine Handlungen und Einstellungen herausarbeiten, um den Schülern zu vermitteln, dass er ein Vorbild sein kann für das Gelingen menschlichen Miteinanders. Jesus, der sich eingesetzt hat für die Schwachen, die Außenseiter, die in Not geratenen Menschen und die Kinder muss die zentrale Person sein im Religionsunterricht. Durch sein Beispiel können wir die Fähigkeiten zu mehr Miteinander, zu mehr Menschlichkeit fördern.

Methoden zur Förderung von sozialen Kompetenzen 

Neben den thematischen Inhalten können auch Methoden die sozialen Kompetenzen fördern:

  • Rituale: Sie fördern die Gemeinschaft einer Religionsgruppe.
  • Interaktionsspiele/Rollenspiele/Spiele: Schüler können sich in andere Menschen hineindenken und -fühlen. Situationen können nachgespielt oder zukünftige erprobt werden.
  • Bibliodrama/Bibliolog: Bibeltexte werden mit persönlichen Erfahrungen verknüpft.
  • Podiumsdiskussionen: Gesprächskultur wird eingeübt.
  • Grundsätzlich viele kooperative Lernformen, die ein bewusstes Miteinanderarbeiten, wirkliche Interaktionen erfordern. Lernaufgaben müssen so gestellt sein, dass alle Gruppenmitglieder in positiver Abhängigkeit ihren Beitrag leisten, um zu einem sinnvollen Gruppenergebnis zu kommen.
  • Durchführung eines Sozialpraktikums: So können Schüler ihre Sozialkompetenzen real erproben.

Viele Lerninhalte des Faches Religion können nur in offenen, kooperativen Lernformen erarbeitet werden, weil es immer um Menschen, Begegnungen, Beziehungen, Gemeinschaften, elementare Lebensfragen und christliche Werte geht. Daher sind soziale Kompetenzen Voraussetzung und Aufgabe eines guten Religionsunterrichtes.

Der mitmenschliche Umgang muss ein didaktisches Grundprinzip im Religionsunterricht sein, wenn wir Achtung, Toleranz, Verantwortung und Solidarität entwickeln wollen.

Ruth Hildebrand-Mallitsch

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