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Sozialkompetenz

Sozialkompetenz für ein erfolgreiches Leben

Die Ergebnisse der aktuellen PISA-Studie sind erfreulich: Deutschen Schülern wird eine gute Teamfähigkeit attestiert. Ein erfolgreicher Schritt zu mehr Sozialkompetenz. Dennoch sind längst nicht alle bildungspolitischen Schwächen beseitigt. Ein Blick hinter die Kulissen lohnt sich.

Sozialkompetenz: Sozialkompetenz für ein erfolgreiches Leben Es kommt auf jeden an: Gemeinsam lösen die Schüler eine Aufgabe © Christian Schwier - Fotolia.com

Die Ergebnisse der aktuellen PISA-Studie lassen aufhorchen: 13 Prozent der Jugendlichen an deutschen Schulen erzielen die höchste Kompetenzstufe beim Teamlösen von Problemen. Das sind etwa fünf Prozent mehr als der Durchschnitt in den anderen getesteten Ländern. Damit scheint die Kompetenzorientierung des Kernlehrplans aufgegangen zu sein. Doch die sozial-politischen Probleme bestehen fort. Die Schere zwischen arm und reich klafft weiter. Schüler, die in Armut leben, können ihrer Situation nur schwer entkommen. Zwar sind die deutschen Schüler besser als der OECD Durchschnitt, bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass die Unterschiede zwischen sehr guten und sehr schlechten Ergebnissen ebenfalls sehr viel größer sind als bei den teilnehmenden Ländern. Heißt das, nun etwas spekulativ, dass wir eben diese Schere immer weiter auseinanderreißen? Fördern wir die Starken, vernachlässigen wir die Schwachen? Dies sind Fragen, denen man zumindest einmal seine Aufmerksamkeit schenken muss. 

Teamfähigkeit durch soziale Kompetenz

Was lernen wir also aus PISA? Zum einen hat der Kernlehrplan etwas bewirkt. Der kompetenzorientierte Unterricht ist kein lebloses Gebilde, keine Farce. Er ist eine sinnvolle Neuerung, die das Leben unserer Schüler dahingehend bereichert, dass sie erwiesenermaßen kompetenter in ihre Zukunft starten. Doch aus den vorher ausgeführten Gründen dürfen wir uns nicht auf diesem Erfolg ausruhen. Wir müssen vielmehr die Augen aufhalten und uns weiterentwickeln.

Die Fähigkeiten, die Schüler erlernen müssen, um erfolgreich, kompetent und teamorientiert Probleme lösen zu können, sind bekannt: Kommunikation, Kooperations- sowie Konfliktfähigkeit. Es ist also die soziale Kompetenz, die aus einem Menschen einen teamfähigen Mitspieler macht, der in der Lage ist, gemeinsam mit anderen und sich gegenseitig unterstützend zur Lösung von Problemen zu gelangen. 

Respekt als Basis für Kommunikation

Sehen wir uns einmal genauer an, was damit konkret gemeint ist. Unabhängig vom Fach erscheint es logisch und nachvollziehbar, dass Schüler lernen müssen, sich gegenseitig zu akzeptieren. Respekt ist der erste Schritt zu sozialer Kompetenz. Schüler müssen ein unterschiedliches Lerntempo ebenso respektieren wie körperliche oder geistige Behinderungen bzw. Einschränkungen. Dies erfordert schon die EU-Gesetzeslage zur Inklusion. Wenn Schüler Respekt lernen, können sie kommunizieren, weil die Hemmung genommen wurde, aus eventuell bestehenden Unterschieden (mögen diese religiöser, körperlicher, geschlechtlicher oder intellektueller Natur sein) auf den anderen zuzugehen. Wenn ich kommunizieren kann, kann ich auch kooperieren. Ich bin dann in der Lage, meine eigenen Probleme darlegen und gemeinsam nach einer Lösung suchen zu können. Und ich bin in der Lage, mein eigenes Wissen erweitern, anderen helfen und im allgemeinen erfolgreicher durchs Leben gehen zu können. Ich werde zu einem besseren Problemlöser.

Mit dieser Erkenntnis fällt der Sozialkompetenz eine ganz wichtige, gar die zentrale Rolle im kompetenzorientierten Unterricht zu. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Schüler so lernen, für andere da zu sein, Verantwortung zu übernehmen und die vorhandene Scherensituation in der mittelfristigen Zukunft aufzufangen und moralisch korrekt damit umzugehen. Unser Aufgabenfeld wird also nach wie vor sein, die Sozialkompetenz auch und vor allem in Bezug auf die anderen Kompetenzbereiche, also die Fachkompetenz, Methodenkompetenz und Personale Kompetenz, zu fördern. 

Partnerarbeit muss angeleitet werden

Grundvoraussetzung dafür ist zunächst Methodenvielfalt. Kein blinder Aktionismus im Potpourri der kursierenden Lernformen, sondern gezielt und funktional eingesetzte Methodenvielfalt.

Schauen wir uns einmal die altbekannte Partnerarbeit an. Einige Kollegen werden sich wundern: Auch vor Jahren, vor dem Zeitalter des kompetenzorientierten Unterrichts, gab es Partnerarbeit. Doch der Schein trügt. Die Arbeit mit einem Partner (wohlgemerkt heißt es nicht Sitznachbararbeit) muss vom Lehrer angeleitet werden. Er muss eine unterrichtliche Situation schaffen, in der die Schüler verstehen, dass sie mit einem Gegenüber kooperieren müssen, um schneller und effizienter zum Ziel, d. h. zum Ergebnis zu gelangen. Dem Schüler muss die Möglichkeit geboten werden, selbstständig zu verstehen, dass seine Kooperation mit dem Gegenüber gewinnbringend ist, ihm selbst und auch seinem Partner hilft. Er muss die Arbeitsform reflektieren können und sie darf nicht zur Plattitüde verkommen. Der Lehrer muss ihm zurückmelden, dass ein Rücksichtnehmen auf sein Gegenüber nicht nur wichtig, sondern eben hilfreich ist.

Hierbei ist entscheidend, dass dieses „hilfreich“ nicht semantisch leer bleiben darf. „Hilfreich“ bedeutet, dass die Fachkompetenz geschult wird: Der Schüler lernt etwas, das er vorher nicht kannte bzw. konnte. Dadurch wird er automatisch selbstsicherer, denn er kann sich in den Unterricht einbringen. So wird also die Personale Kompetenz gefördert. Und schließlich weiß er, wie man in Kooperation mit anderen zu einem Ziel gelangen kann. Er hat also den Nutzen der Methode verstanden und kann ihn auch künftig einsetzen, um effizienter zu arbeiten. Er hat Methodenkompetenz erworben. 

Sozialkompetenz steht im Mittelpunkt

Anhand dieser Ausführung wird deutlich, inwiefern Kompetenzen (d. h. die Kompetenzbereiche) miteinander verwoben sind und ineinandergreifen. Keine der Kompetenzen steht isoliert, doch ganz zentral ist, dass die Sozialkompetenz als grundlegender Baustein für den Erwerb aller Kompetenzen im Mittelpunkt steht.

Sozial kompetente Schüler starten nicht nur erfolgreicher ins Berufsleben. Sie starten auch sicherer (weil selbstkompetent) und beweglicher (weil methodenkompetent). Keineswegs soll dies ein Appell an die Absetzung oder Ignorierung der Fachkompetenz sein. Schüler müssen Wissen erwerben und dieses auch einsetzen können. Und auch die Einzelarbeit ist eine Methode, die in diesem Zusammenhang von Bedeutung ist. In Einzelarbeit erworbenes Wissen mit anderen zu teilen, bringt uns wieder an den Beginn des oben ausgeführten Kreislaufes. Es gilt, die Fachkompetenz methodisch zu verknüpfen.

So wird auch in Zukunft der Wunsch aus der Wirtschaft erfüllt. Doch dabei darf nicht vergessen werden, dass wir unsere Kinder für Unterschiede sensibilisieren müssen – wir müssen sie sozial kompetent erziehen, für ein erfolgreiches Deutschland von morgen.

Tim Heidemann

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