Fach/Thema/Bereich wählen
Wochenplanarbeit

Statt „Fetzenstunden“ ganzheitliches Arbeiten nach eigenem Plan

Wochenplanarbeit hat besonders in der Sekundarstufe viele Vorteile: Es ist leistungsdifferenziertes Arbeiten am selben Thema möglich, die Schüler üben, ihren Lernprozess selbst zu steuern und gewinnen ein hohes Maß an Sozialkompetenz.

Wochenplanarbeit: Statt „Fetzenstunden“ ganzheitliches Arbeiten nach eigenem Plan Bei fächerübergreifender Wochenplanarbeit, sollten sich alle Fachkollegen absprechen, welches Thema sich anbietet © Robert Kneschke - Fotolia.com

Montagmorgen: 1. Stunde Deutsch, Gegenstandsbeschreibungen, 2. Stunde Mathematik, Rechnen mit Größen, 3. Stunde Erdkunde, Arbeit mit dem Atlas, 4. Stunde Geschichte, Leben in der Steinzeit, 5. Stunde Englisch, Wegbeschreibungen. Dienstagmorgen: 1. Stunde Mathematik, wieder rechnen mit Größen, 2. Stunde Englisch, wieder Wegbeschreibungen, 3. Stunde Politik, Grundlagen eines Staates, 4. Stunde Deutsch, wieder Gegenstandsbeschreibungen, 5. Stunde Biologie, Bienen. — So in etwa sieht der unterrichtliche Alltag in der Sekundarstufe I aus. Mit dem Berufsalltag hat dieser „Fetzenstundenplan“, wie ihn der Reformpädagoge Peter Petersen treffend benannte, jedoch nur wenig gemeinsam. Die Methode der Wochenplanarbeit hingegen orientiert sich weitaus mehr an den beruflichen Arbeits- und Zeitabläufen und findet daher auch in der Schule immer mehr Anklang. Die Schüler lernen hierbei nicht nur, sich die verfügbare Zeit effektiv einzuteilen und ihren Arbeitsprozess weitgehend selbstständig zu steuern, sondern auch die angemessene Suche nach Hilfestellungen und den zielgerichteten Umgang mit Hilfsmitteln.

Wochenplan und Individualisierung des Unterrichts

Zu Beginn eines bestimmten Zeitraums, in der Regel am Anfang einer Woche, erhalten die Schüler einen Arbeitsplan, der innerhalb einer vorgegebenen Frist, meist bis zum Ende einer Woche, abgearbeitet werden soll. Da die Lernvoraussetzungen und die Arbeitstempi unterschiedlich sind, sollte solch ein Wochenplan individualisierte Aufgaben bieten und somit der Heterogenität der Lernenden entsprechen. Solch eine Individualisierung kann strukturell durch die Unterscheidung zwischen Pflicht- und Zusatzaufgaben oder inhaltlich durch offene, leistungs- oder mengendifferenzierte Aufgabenstellungen erfolgen.

Meist ist bei Wochenplänen die Sozialform nicht vorgegeben. Die Schüler entscheiden sich aufgabenbezogen für Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit, wobei kooperative Arbeitsformen einen zweifachen Vorteil mit sich bringen: Zum einen fördern sie die Sozialkompetenz der Jugendlichen, zum anderen bietet sich den Schülern dadurch die Möglichkeit, sich Hilfestellungen und Anregungen bei den Mitschülern zu holen.

Ein Wochenplan ist somit ein schriftlich fixierter Arbeitsplan für einen vorgegebenen Zeitraum. Die Vorteile liegen vor allem darin, dass die von der Lehrkraft erwartete Arbeitsleistung für die Schüler transparent wird und die Schüler in die Lage versetzt werden, ihre Aufgaben nach eigenem Lerntempo selbstständig zu organisieren.

Der Lehrer als Organisator, Berater und Beobachter des Lernprozesses

Der Lehrer fungiert — wie auch bei anderen offenen Unterrichtsformen — vor allem als Organisator des Lernprozesses. Er stellt angemessenes Material zur Verfügung, strukturiert es für den Wochenplan, stößt Lernprozesse an und begleitet und berät die Schüler während der Arbeitsphasen und hat nicht zuletzt die Aufgabe, Lernergebnisse zu bündeln und zu sichern.

Weiterführende Literatur:

Huschke, Peter / Mangelsdorf, Marei: Wochenplanunterricht. Weinheim, Basel 1994

Morgenthau, Lena: Was ist offener Unterricht? Wochenplan und Freie Arbeit organisieren. Mülheim/ Ruhr 2003

Vaupel, Dieter: Das Wochenplanbuch für die Sekundarstufe — Schritte zum selbständigen Lernen. Weinheim, Basel 1995

Als Lernorganisator hält sich die Lehrkraft somit im Hintergrund und gewinnt dadurch Freiraum, um den Lernprozess effektiver beobachten, evaluieren und daran anschließende Schritte besser steuern zu können.

Selbstgesteuertes Lernen — eine Herausforderung

Der Schüler hat die anspruchsvolle Aufgabe, seine Lernprozesse weitgehend selbstständig zu strukturieren und zu steuern. Wichtige Voraussetzungen dafür sind zunächst eine hohe Arbeitsmotivation und eine klare Zielorientierung. Beides sollte durch angemessene Aufgabenstellungen entsprechend dem Leistungsniveau des jeweiligen Schülers unterstützt werden, aber auch durch motivationsfördernde und abwechslungsreiche Arbeitsaufträge. Zudem sollten die Schüler in der Lage sein, die Zeit während der Wochenplanphasen effektiv zu nutzen und den Aufgabenkatalog innerhalb der festgesetzten Zeit abzuarbeiten. Darüber hinaus müssen sich die Schüler häufig auch noch für eine passende Sozialform entscheiden. Allein aus diesen Anforderungen ist erkennbar, dass Wochenplanarbeit schrittweise eingeführt und durch angemessene Hilfestellungen unterstützt werden sollte.

Je nach Zielsetzung verschiedene Wochenpläne

Einige Schulen organisieren ihren gesamten Lernprozess mithilfe von Wochenplänen, andere Schulen nutzen Wochenpläne eher phasenweise. Folglich lassen sich verschiedene Formen von Wochenplänen unterscheiden:

  1. Ein Wochenplan wird für ein bestimmtes Unterrichtsthema für einen kurzen Zeitraum in nur einem Unterrichtsfach eingesetzt.
  2. Einige wenige Wochenpläne werden für einen bestimmten Unterrichtsgegenstand für einen kurzen bis mittleren Zeitraum in mehreren Unterrichtsfächern fächerverbindend eingesetzt.
  3. Mehrere aufeinander folgende Wochenpläne werden für einen längeren Zeitraum in mehreren Unterrichtsfächern fächerdifferenziert eingesetzt.

Die unterschiedlichen Wochenplanarten sind mit unterschiedlichen didaktisch-pädagogischen Zielen verbunden: Liegt der Schwerpunkt des Methodenlernens eher in den Bereichen Sozialkompetenz und Zeiteffizienz, so eignen sich Wochenpläne in einzelnen Unterrichtsfächern oder fächerdifferenzierte größere Wochenpläne.

Steht jedoch die Multidimensionalität eines Lerngegenstandes im Mittelpunkt, also die Tatsache, dass ein Unterrichtsgegenstand unterschiedliche Lernaspekte berührt und damit fachliche Bezüge zu mehreren Unterrichtsfächern aufweist, so eignen sich vor allem fächerverbindende Wochenpläne. Gerade hierin liegt erfahrungsgemäß ein großes Potenzial von Wochenplänen, um den Schülern zu zeigen, dass Unterrichtsgegenstände nicht an die „Grenzen der einzelnen Unterrichtsfächer“ gebunden sind, sondern inhaltlich zusammenhängen.

Freiraum für Evaluation und individuelle Förderung

Auf den ersten Blick scheint der Vorbereitungsaufwand für die Wochenplanarbeit größer zu sein als der Aufwand für den „klassischen“ lehrerzentrierten Unterricht. Aber: Als Lehrkraft verschaffen Sie sich — sobald der Wochenplan steht — Zeit für eine angemessene Evaluation des Lernprozesses während der Wochenplanphasen, da die Schüler zunehmend selbstständig arbeiten und sich gegenseitig helfen können. Somit haben Sie viel mehr Kapazität, um individuell auf den Einzelnen eingehen zu können.

Kooperation mit Kollegen reduziert den Vorbereitungsaufwand

Bei der Organisation eines fächerverbindenden Wochenplans können Sie sich zudem mit einzelnen Fachkollegen absprechen, welcher Unterrichtsgegenstand sich für ein gemeinsames, zeitlich begrenztes Projekt anbietet. Finden sich hierzu mehrere Kollegen bereit, kann gemeinsam überlegt werden, wie viele Unterrichtsstunden jeder Fachkollege für die Wochenplanarbeit bereitstellt.

Die Vorbereitung verteilt sich dann auf mehrere Schultern: Jeder Fachkollege stellt fachspezifische Aufgaben und Materialien zur Verfügung. Dann übernimmt noch ein Kollege — allein oder mit Unterstützung der anderen Fachlehrer — die Struktur und die Übersicht des fächerverbindenden Wochenplans, und schon können die Schüler zu den festgesetzten Zeiten an ihrem Wochenplan arbeiten. In welchen Stunden sie dabei welche Fachaufgaben in Angriff nehmen, bleibt jedoch den Schülern überlassen.

Effektive Lernbegleitung durch Ergebniskontrolle und -sicherung

Um die Lernergebnisse angemessen zu bündeln, sollten Teilergebnisse zwischengesichert werden. Hierzu bieten sich Lösungen zur Selbstkontrolle an, da nicht jeder Schüler zur gleichen Zeit am selben Thema arbeitet.

Wurde die Wochenplanarbeit fächerverbindend und/oder projektartig organisiert, sollte eine abschließende Gesamtbündelung im Sinne einer Wiederholung, Übung, Vertiefung o. Ä. erfolgen. Ist hingegen eine Wochenplanarbeit zeitlich nicht begrenzt, so sollten die Lernfortschritte des aktuellen Wochenplans bei dem folgenden Wochenplan als Basis genutzt werden, um weitere Übungen und Festigungen anzuschließen oder den Lernprozess weiter voranzubringen.

Daraus wird deutlich, dass Wochenpläne entsprechend der Lernentwicklung der Schüler individualisiert sein können, um den Lernprozess effektiver zu begleiten. Hierfür ist selbstverständlich erneut eine angemessene (Selbst-)Evaluation notwendig, wie sie ja das Konzept der Wochenplanarbeit nicht nur ermöglicht, sondern auch fordert.

Praxistipps für eine erfolgreiche Wochenplanarbeit

Damit Wochenplanarbeit gelingen kann, sollte auf folgende grundlegende Dinge besonderer Wert gelegt werden:

  1. Verwenden Sie klare und eindeutige Formulierungen, um die Schüler in die Lage zu versetzen, die Aufgaben auch selbstständig erfüllen zu können.
  2. Benennen Sie die benötigten Materialien eindeutig und verweisen Sie auf diese (zum Beispiel „Buch X, S. YY, gelber Kasten oben rechts“).
  3. Verwenden Sie wiederkehrende Symbole für bestimmte Aufgaben und Inhalte (ein Ausrufezeichen als Signal für einen Merksatz, einen Stift als Aufforderung eine Aufgabe schriftlich zu erledigen o. Ä.). Wichtig ist hierbei, dass die Symbole bekannt und eindeutig sein müssen. Sinnvoll kann natürlich eine Legende sein.
  4. Die zu bearbeitende Reihenfolge der Aufgaben sollte möglichst offen gehalten werden, um den Schülern die Möglichkeit zu geben, nach aktuellem Interesse und Motivation zu entscheiden. Sollten einige Aufgaben aufeinander aufbauen, müssen diese eindeutig entsprechend gekennzeichnet werden.
  5. Die zu wählende Sozialform sollte ebenfalls offen gehalten werden, um den Ansprüchen der Schüler entgegenzukommen. Sollte bei einer Aufgabe eine bestimmte Sozialform notwendig sein (beispielsweise bei einem Partnerinterview), so muss dies eindeutig gekennzeichnet werden.
  6. Verwenden Sie eine Kontrollspalte. Diese erinnert die Schüler an die (Selbst-)Kontrolle der Ergebnisse. Eine weitere Kontrollspalte kann für Rückmeldung durch die Lehrkraft dienen.
  7. Verwenden Sie eine weitere Spalte, in der die Schüler das Datum notieren, wenn sie eine Aufgabe (inklusive der Kontrolle) abgeschlossen haben. Solch eine Spalte gibt einerseits der Lehrkraft eine erste Rückmeldung über die Arbeitsleistung der Schüler, verschafft den Schülern aber auch einen Überblick über den bisherigen Arbeitsfortschritt und hilft ihnen außerdem bei der zeitlichen Planung weiter.

Beachtet der Lehrer diese Grundsätze, behalten Schüler und Lehrer bei der Organisation jederzeit den Überblick und können sich auf das Wesentliche konzentrieren: die Schüler auf selbstgesteuertes Lernen und die Lehrer auf individuelle Förderung.

Frank Lauenburg

Dazu passender Ratgeber
Dazu passendes Unterrichtsmaterial
Dazu passende Arbeitshilfe

Mehr zu Ratgeber Wochenplanarbeit
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×