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Sensible Persönlichkeiten - Hochsensibilität

Hochsensibilität: Zwischen großen Gefühlen und Reizüberflutung

Immer öfter hört man den Begriff Hochsensibilität. Doch welchen Einfluss hat diese Persönlichkeit auf den Schulalltag von Schüler/-innen und Lehrkräfte. Hier erhalten Sie wichtige Informationen auf einen Blick.

Sensible Persönlichkeiten - Hochsensibilität: Hochsensibilität: Zwischen großen Gefühlen und Reizüberflutung Hochsensibilität im Schulalltag meistern © Eigens - stock.adobe.com

«Während einer stillen Arbeitsphase lässt Frau Müller, die Klassenlehrerin, den Blick über ihre 23 Schützlinge schweifen. Nachdenklich betrachtet sie ihre Schülerin Ramona. Immer wieder stellt die erfahrene Pädagogin fest, dass Ramona alles zu viel wird: die Stimmen der Mitschüler/-innen, das Lachen auf dem Flur, das Gedränge in der Pause. Bereits seit längerer Zeit überlegt Frau Müller, ob Ramona möglicherweise hochsensibel sein könnte.»

Hochsensibel – ein Wort, dass im Schulalltag immer häufiger auftaucht. Doch was genau bedeutet es, welche Anzeichen für Hochsensibilität gibt es und was ist für den Umgang mit Betroffenen im Schulalltag wichtig? 

Der nachstehende Text befasst sich mit diesen Fragen - und zwar einerseits auf Ebene der Lernenden, andererseits auf Ebene der Lehrpersonen. 

Was ist Hochsensibilität?

Laut der Website netdoktor ist darunter keine Störung oder Krankheit zu verstehen. Es versteht sich mehr als eine höhere Ausprägung des Persönlichkeitsmerkmals der Empfindsamkeit. Man vermutet, dass circa 20 bis 30 der Menschen hochsensibel sind. Als Ursache wird genetische Veranlagung und bestimmte Hirnstrukturen angenommen. 
Hochsensibilität bei Schülerinnen und Schülern.

Für hochsensible Schülerinnen und Schüler ist der Schulalltag oft nicht leicht - und auch für die Lehrperson und die Klasse bedeuten diese Schülerinnen und Schüler oft eine Herausforderung. Viele Verhaltensweise von hochsensiblen Lernenden sind auf den ersten Blick von aussen nur schwer nachzuvollziehen. Zumal gerade jüngeren Schüler/-innen auch das entsprechende Vokabular teilweise noch fehlt, um darlegen zu können, wie es ihnen gerade geht und was sie brauchen. Der Schulalltag ist hochkomplex, unterschiedlichste Reize prasseln nahezu pausenlos auf alle Beteiligten ein und sich abzugrenzen, ist häufig schon wegen der räumlichen Gegebenheiten nicht einfach. Daher kann es bei hochsensiblen Kindern auch vergleichsweise häufig zu emotionalen Ausbrüchen kommen.

Folgende Merkmale können hochsensible Lernende im Schulalltag zeigen:

  • Grosses Bedürfnis nach Harmonie
  • Lärmempfindlichkeit
  • Perfektionismus 
  • Emotionalität (besonders bei Gefühlen der Überforderung)
  • Raumtemperatur  fühlt sich häufig nicht angenehm an
  • Vielschichtige Fantasie
  • Komplexe Gedankengänge
  • Detailreiche Wahrnehmung der Umwelt
  • Hohe Empathiefähigkeit
  • Ausgeprägter Gerechtigkeitssinn
  • Lässt sich schnell von den Stimmungen anderer beeinflussen
  • Schwierigkeiten mit Strukturen 
  • Überdurchschnittliche Selbstreflexion

Gerade unter diesen Aspekten zeigt sich, wie wichtig es für hochsensible Lernende ist, dass auf sie eingegangen wird. Dies kann beispielsweise das Angebot der Lehrkraft sein, dass der Schüler oder die Schülerin sich für eine gewisse Zeit in einen leeren Raum zurückzieht und dort die Arbeiten erledigt. Auch kurze Spaziergänge auf dem Schulgelände können bei den betroffenen Lernenden für Entlastung sorgen. Um hochsensible Lernende zu unterstützen, bietet es sich an, den Ablauf des Tages bereits am Morgen im Rahmen eines informierenden Unterrichtseinstieges bekannt zu geben.

Ob hingegen die Hochsensibilität eines Kindes mit der ganzen Klasse thematisiert werden soll, muss vorsichtig abgewogen werden und bestenfalls mit den Eltern des Kindes diskutiert werden. Selbstverständlich spielen hier auch Entwicklungsstand und Zusammensetzung der Lerngruppe eine grosse Rolle. 

Hochsensibilität bei Lehrpersonen

Neben hochsensiblen Schülerinnen und Schülern gibt es auch Lehrpersonen, die Stimmungen, Reize und Konflikte verstärkt wahrnehmen. 

Gerade für sie ist es besonders zentral, sich im Schulalltag Inseln zu schaffen, auf die sie sich zurückziehen können, zur Ruhe kommen und auftanken können. Solche Inseln können zum Beispiel die Mittagspause sein, die für den Rückzug an einen ruhigen Ort genutzt werden kann, für Bewegung an der frischen Luft, für Meditationen oder Achtsamkeitsübungen. 

Weiter ist es wichtig, sich bewusst von den Emotionen der Mitmenschen, seien es die Schülerinnen und Schüler, aber auch die Mitglieder des Kollegiums, abzugrenzen, auch wenn dies schwerfällt und möglicherweise mit Unverständnis quittiert wird. Gerade hier kann auch wieder der räumliche Rückzug eine wertvolle Strategie sein oder das bewusste Verschieben eines Gesprächs auf einen späteren Zeitpunkt. 

Besonders in Hinblick auf die Unterrichtsvorbereitung lohnt sich ebenfalls die kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Anspruch auf Perfektion, der oft mit Hochsensibilität einhergeht. 

Hochsensibel im Schulalltag ist eine Herausforderung. Wichtig  ist in diesem Fall jedoch eine bewusstes Annehmen der eigenen Veranlagung. Egal, ob Schüler/-innen oder Lehrkräfte: Die Betroffenen sollten unbedingt Ruhephasen schaffen und auch einhalten. Gerade hochsensible Menschen müssen noch mehr auf sich und den eigenen Körper achten. Andernfalls kann es passieren, dass sie sich zu sehr auf die Gefühle anderer konzentrieren. So lässt sich der Schulalltag mit den richtigen Strategien und viel Nachsicht vonanderen und sich selbst gegenüber bewältigt. 

Chantal Daniela Horst


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