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Friedenserziehung

Krieg: kein Tabu für Kinder

Wie thematisiert man mit Kindern Krieg und Frieden, ohne Ängste auszulösen? Friedenspädagogen legen den Fokus auf den „Frieden“ und plädieren für künstlerisch-kreative Ausdrucksformen, die sich auch bestens für fächerübergreifende Projekttage eignen.

Friedenserziehung: Krieg: kein Tabu für Kinder Es müssen nicht immer verletzte Menschen sein, um die Grausamkeiten eines Krieges abzubilden © domagoj8888 - Fotolia.com

„Vor dem Einschlafen sage ich zu meiner ein Jahr alten Tochter: ‚Alles ist gut!‘ Da sagt meine Siebenjährige: ‚Stimmt nicht, es gibt Krieg.‘ Was soll ich darauf antworten?“, fragt Journalistin Nina von Hardenberg Manfred Cierpka. Der Familientherapeut schlägt vor, sich eine neue, passendere Abendbotschaft zu überlegen. Zum Beispiel: „Lass uns morgen wieder für das Gute kämpfen.“ Wichtig sei es in jedem Fall, den Kindern Sicherheit zu vermitteln, so Cierpkas Botschaft, und das auch dann, wenn man selbst Angst hat: „Für die Eltern gilt: Behaltet die Angst bei euch“ — mit dieser zentralen Botschaft ist auch Hardenbergs Interview mit Manfred Cierpka in der Süddeutschen Zeitung übertitelt.

„Kinder brauchen Sicherheit und Ängste kratzen daran. Darum mein Rat: Haltet sie von den Kindern fern!“, rät Cierpka. Doch wer derzeit Nachrichten sieht oder auch nur an einem Zeitungskiosk vorbeigeht, kommt an dem Thema „Krieg und Terror“ nicht vorbei. Und Kinder ab dem frühen Grundschulalter „reagieren (...) ängstlich oder verunsichert, wenn realistische Situationen gezeigt werden, die ihrem Alltag nahe sind“, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auf ihrer Website kindergesundheit-info.de. Sie fühlen dann „oft stark mit und beziehen die gezeigten Situationen auf sich selbst und ihr eigenes Leben“.

Thema „Krieg und Frieden“ kindgerecht behandeln 

„In der Grundschule bieten sich vor allem Zugänge an, in denen eigenes Gestalten und Handlen [sic!] im Mittelpunkt steht“, so die Erfahrung des bekannten Tübinger Friedenspädagogen Günther Gugel. In seinem Beitrag auf der Website der Berghof Foundation stellt er 10 verschiedene Ideen für den Deutsch-, Kunst- oder Heimat- und Sachkundeunterricht vor, die auch im Rahmen des fächerübergreifenden Unterrichts realisiert werden können. 

Besonders im Umgang mit dem Thema „Krieg“ stehen „immer auch Fragen der ‚Verfrühung‘ und ‚Überforderung‘ im Hintergrund“, so Gugel (ebd.). Wichtig sei es daher, sich im Vorfeld Gedanken darüber zu machen, was den Kindern in welcher Altersstufe zugemutet werden darf und welche Erklärungen man den Kindern anbietet. Ganz wichtig ist vor allem auch die Frage, wie es sich vermeiden lässt, dass die Kinder mit ihren Empfindungen allein gelassen werden. — Hier empfiehlt es sich, die Eltern bereits im Vorfeld einzubeziehen. So könnte man sie, etwa im Rahmen eines Elternabends, über das bevorstehende Unterrichtsprojekt informieren oder — noch besser — Väter und Mütter bei der Planung und Umsetzung einbeziehen. Denkbar wäre zum Beispiel eine Projektwoche, bei der Eltern sich an Workshops beteiligen, Exkursionen begleiten oder bei der Gestaltung eines Themennachmittages mitwirken. 

Kinder beschreiben Frieden in Wort und Bild

Mit der Frage „Wie wünschst du dir die Welt?“ werden Kinder dazu aufgefordert, ihre Wünsche und Vorstellungen auf kreative Art und Weise auszudrücken. Ihre Antworten bringen sie zum Beispiel im Kunst- oder Werkunterricht gestalterisch zum Ausdruck: „Auf großem Plakatkarton oder auch auf Stoffbahnen malen die Kinder ihre Vision“, schlägt Gugel vor (ebd.). Auch könnte die Schule sich an dem Projekt „Friedensmantel“ beteiligen: Dabei gestalten die Kinder einzelne „Flaggen“ mit Friedensmotiven. Die rechteckigen Stoffstücke werden dann Teil eines riesigen Patchwork-Teppichs, an dem bereits viele Tausend Kinder aus aller Welt mitgearbeitet haben. Die Idee könnte auch für einen eigenen Schulteppich genutzt werden, der dann — für alle sichtbar in der Aula oder Turnhalle aufgehängt — daran erinnert, dass „Frieden“ im täglichen friedfertigen Umgang miteinander beginnt.

Die Klasse könnte sich auch ein kleines Filmprojekt bzw. Theaterstück ausdenken. Dazu hören sich die Kinder John Lennons „Imagine“ an, lesen die deutsche Übersetzung des Textes, und überlegen sich, wie sie den Text filmisch in Szene setzen könnten. Auf der Grundlage eines einfachen Plots drehen sie dann ein eigenes Video (Handykamera), zum Beispiel im Stil des Imagine-Videos der französischen Kinderband Kids United

Friedenssymbole und ihre Geschichte

Es gibt viele Symbole für den Frieden und oft sind sie mit Geschichten aus anderen Ländern und Zeiten verbunden. So besagt eine alte japanische Legende, dass dem, der 1000 Kraniche aus Papier faltet, ein sehnlicher Wunsch in Erfüllung geht. Sadoko Sasaki, die beim Abwurf der Atombombe auf Hiroshima zwei Jahre alt war, begann mit 12 Jahren Kraniche zu falten, nachdem bei ihr Leukämie ausgebrochen war. Sie wollte wieder gesund werden. Doch sie schaffte nur 644 Kraniche, und kurz bevor sie starb, „hielt sie ihren letzten Kranich in der Hand und sagte mit leiser Stimme: ‚Ich schreibe Frieden auf deine Flügel und du bringst ihn in die ganze Welt‘“, erzählt Günter Gugl (Link s. o.). — Diese sehr traurige Geschichte ist so sicher nicht für Kinderohren geeignet, und wird deshalb auf verschiedenen Seiten im Netz kindgerecht erzählt. 

In der Broschüre „Unterrichtsmaterialien zum Thema Frieden für die Grundschule“ , entwickelt und herausgegeben von dem Verein „Gemeinsam für Afrika e. V.“, findet sich die von Gugel erzählte Geschichte in leicht abgeschwächter Form (S. 14), und auch eine Faltanleitung für Papierkraniche ist dabei. Mit einem der Videotutorials im Netz ist die komplexe Origami-Aufgabe noch besser nachzuvollziehen. 

Taube, Peace-Zeichen, Friedensfahne, Ölzweig, Olympisches Feuer — es gibt unzählige Friedenssymbole und Geschichten zu entdecken. Die oben verlinkten Unterrichtsmaterialien des Vereins „Gemeinsam für Afrika“ bieten dazu Kopiervorlagen für ein Spiel mit Kartenpaaren (S. 13). Zudem kann jedes der Kinder sein eigenes Friedenssymbol entwerfen und beisteuern. Für einen Projekttag könnten die Kinder auch eine Outdoor-Variante mit großen, laminierten Kartenpaaren basteln.

Kinderlieder für den Frieden

Im Netz finden sich viele Videos mit Kinderliedern zum Thema Frieden. Einige sind einfach und eingängig und können schon nach einmaligem Hören mitgesungen werden: Zum Beispiel „Salem Aleikum, Friede sei mit dir“ oder das im Jahr 2003 von Schlagersänger Stefan Hallberg komponierte Kinderlied  „Frieden für alle, Brot für die Welt“. Das Friedenslied „Kennst du dieses Zauberwort“ gibt‘s auf der Website liederkiste.com nicht nur mit einem kostenlosen Notenblatt mit Text und Gitarrenakkorden und einem MP3-File, bei dem man sich Gesang und Begleitung anhören kann, sondern auch instrumental zum Mitsingen. — Karaoke für den Frieden!

Spurensuche und  Zeitzeugen befragen

Die beiden Weltkriege haben in allen Städten und Gemeinden Spuren hinterlassen: Kriegerdenkmale, Neubauten in historischen Stadtteilen, Bunker etc. Bei einer kleinen (geführten?) Exkursion erkunden die Schüler solche Orte, und bei einem Besuch im Stadt-, Gemeinde- oder Zeitungsarchiv suchen sie nach Fotos, die dem Betrachter einen Eindruck von den kriegsbedingten Veränderungen vermitteln.

Die Schüler könnten auch wie die Viertklässler in Grasdorf bei Hannover losziehen und Zeitzeugen in ihrem Heimatort befragen. Möglicherweise erklären sich auch (Ur-)Großeltern oder andere Zeitzeugen bereit, von ihren Erfahrungen beziehungsweise Erlebnissen zu erzählen, oder den Kindern Fragen zu beantworten. 

Letzteres könnte auch ein Programmpunkt bei einem Friedensfest sein, das die Kinder als krönenden Abschluss der Projekttage vorbereiten. Dabei präsentieren sie den Gästen die Ergebnisse ihrer kreativen Friedensarbeit, gestalten mit einigen der oben geschilderten Aktivitäten Spiel- und Bastelstationen oder organisieren einen Bazar: Wie die Schüler der Maria Montessori Grundschule in Hausen bei ihrem Kranichprojekt könnten die Kinder hier zum Beispiel selbst gefaltete Kraniche verkauften und den Erlös an UNICEF oder Ärzte ohne Grenzen spenden.

Martina Niekrawietz

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