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Anfangsunterricht

Tiere im Winter: Ideen für den Förderunterricht

Differenziert fördern im Sachunterricht an der Förderschule: Hier erhalten Sie spannende Ideen für Unterrichtseinheiten zum Thema „Tiere im Winter“. 

Anfangsunterricht: Tiere im Winter: Ideen für den Förderunterricht Handlungsorientiertes Lernen im Fachunterricht © giedriius - stock.adobe.com

Das bekannte Bilderbuch von Frederick erzählt von einer Mäusefamilie, die für den Winter Vorräte sammelt. „Alle Feldmäuse arbeiteten Tag und Nacht. Alle – bis auf Frederick“, so heißt es in Leo Lionnis Tiergeschichte. Doch auch Frederick sammelt etwas: Sonnenstrahlen, Farben und Wörter „für die kalten dunklen Wintertage“. Tatsächlich ist der Winter lang und kalt, und als den Mäusen die Vorräte ausgehen, wärmt sie Frederick mit seinem Licht, den Farben und einem schönen Gedicht.

Eine Klanggeschichte, ein einfaches, kurzes Theaterstück, ein Bild oder Lied – der Text eröffnet viele Möglichkeiten für die Gestaltung in Kunst, Musik oder in einer Theatergruppe. Und natürlich eignet er sich auch sehr gut als Einstieg in eine Unterrichtseinheit zum Thema „Tiere im Winter“. 

Sprachförderunterricht mit Frederick

Mit dem Unterrichtskonzept von Charis Kunzenmüller und Heidi Schenk, herausgegeben vom Institut für interkulturelle Kommunikation Zürich, bereichert Frederick auch den DaZ- oder Sprachförderunterricht. Im Mittelpunkt der handlungsorientierten Unterrichtseinheit für die Schuleingangsstufe steht eine „sprachlich entlastete Parallelfassung“ der Geschichte (ebd., ab S. 2), also eine Version in leichter Sprache.

Zwei Experimente

Um sich zu wärmen, kuscheln sich Mäuse in ihren Nestern eng zusammen. Dass auch Körperwärme gegen Kälte schützt, können die Kinder an einem kalten Tag im Freien ganz leicht selbst ausprobieren: Zunächst stehen sie einzeln, bis sie die Kälte spüren. Und auf ein Zeichen der Lehrkraft rücken sie als Gruppe oder auch zu zweit mit dem Rücken eng zusammen und spüren bewusst, wie diese Berührung wärmt.

Ein weiteres einfaches Experiment findet sich in der Broschüre „Wie halten sich Tiere warm?“: Die Kinder füllen warmes Wasser in zwei Filmdöschen, die dann „kleine Mäuse“ darstellen. Der einen verpassen die Kinder dann ein Winterfell aus allen möglichen wärmenden Materialien, Watte, Stoffe, Laub etc., die andere bleibt „nackig“. Nach einer gewissen Zeit messen die Kinder dann die Temperatur der beiden „Mäuse“.

Zunächst bauen die Kinder zusammen eine Mauer mit Steinen. Im Unterrichtsgespräch überlegt die Gruppe, wer „darin wohnen“ könnte, und betrachtet dazu Bildkarten mit Tieren. Die Kinder nehmen eine Filzmaus in die Hand und benennen ihre Eigenschaften. Und auch bei der Vermittlung der Schlüsselwörter geht es ums Begreifen mit allen Sinnen: Die Schülerinnen und Schüler ertasten mit verbundenen Augen Stroh, dürfen Nüsse und Körner kosten (Achtung, mögliche Allergien!) und sehen Bilder von Sonnenstrahlen, Farben und Wörtern etc.

Mit einem „Roter-Faden-Text“ (ebd., ab S. 3), einer noch einmal stark vereinfachten und verkürzten Fassung der Parallelfassung, fördert die Lehrkraft anschließend die Erzählfähigkeit. Mit Bildkarten üben und lernen die Kinder die einprägsamen, schlichten Sätze und Formulierungen („Formulierungsschatz“), z. B. „Der Winter kommt. Es schneit. Alle gehen in die Mauer.“ Es folgen spielerische Formulierungsschatz-Übungen. Die Geschichte wird mit einem „Tischtheater“ nacherzählt. Die Kinder spielen selbst einzelne Szenen nach und üben dabei spielerisch z. B. Farbnamen  oder bestimmte syntaktische Fügungen.

Erst nach allen diesen vorbereitenden Schritten erzählt die Lehrkraft „die ganze Geschichte“ (S. 5) mit den Bildern des Buchs. Nach der intensiven Sprachförderung werden die Kinder zum Schluss noch einmal kreativ. Jedes gestaltet ein „‚Kleines Bilderbuch‘, welches es zu Hause erzählen darf“. (S. 5) Und wenn noch Zeit ist oder das Thema später noch einmal aufgegriffen wird, steht eine Reihe weiterer spielerischer Arbeitsaufträge zur Auswahl: Sprachspiele wie „Malermeister“, bei dem die Kinder Gegenstände „passend zu Farben“ benennen, Mäuse filzen, für eine Collage Wörter ausschneiden und aufkleben u. v. m.

Vorräte sammeln, Winterruhe und Speiseplan von Mäusen, Schutz vor Kälte und Hunger – ganz nebenbei haben die Kinder mit Frederick schon einiges über Tiere im Winter gelernt. Die Unterrichtsideen und -materialien im reich bestückten Konzept in den folgenden Abschnitten unterstützen Sie bei der Vorbereitung einer differenzierenden Unterrichtseinheit und sparen Ihnen dabei eine Menge Zeit.

Differenziert fördern im Sachunterricht 

Im Juli 2022 wurde Lehramtsstudentin Hannah Straube für Konzept und Realisierung einer inklusiven Projektwoche zum Thema Tiere im Winter in Klasse 1 mit dem Starttraining-Preis der Uni Leipzig ausgezeichnet.

Sie arbeitete dabei mit einer Differenzierungsmatrix als „didaktische Planungshilfe für inklusiven Unterricht“ (ebd., S. 12 ff.). Sie hilft bei einer strukturierten Entwicklung differenzierender Lerninhalte für heterogene Lerngruppen. In Hannah Straubes Matrix sind diese thematischen Aspekte aufgelistet: 

Auf der y-Achse

  • Winter
  • Igel (Winterschlaf)
  • Vögel im Winter
  • Eichhörnchen (Winterruhe)
  • Frosch (Winterstarre). 

Auf der x-Achse 

  • die Lerninhalte in nach oben zunehmender Komplexität.
  • von einer praktisch-anschaulichen Ebene (z. B. Nachbau eines Winterquartiers des Igels bzw. Hören von Igelgrunzen)
  • bis zur höchsten Ebene mit abstrahierenden Fragestellungen („Wie können wir Igel schützen?“ „Was tun mit einem kranken/verletzten Igel?“).

Ein fester Tagesablauf gibt Struktur

An jedem Tag der Projektwoche wurde in einer vierstündigen Unterrichtseinheit ein anderes Tier behandelt. Immer nach einem festgelegten Ablauf, um den Kindern Sicherheit und Struktur zu geben:

  1. Sitzkreis mit ersten Informationen, z. B. Rätsel zum jeweiligen Tier, Vorlesen einer Tiergeschichte, Unterrichtsgespräch („Habt ihr schon einmal Vögel im Winter gesehen?“)
  2. Festigen des Gelernten, z. B. Bildergeschichte in die richtige Reihenfolge bringen oder bereits durchgenommene Überwinterungs-Strategien der Tiere (Winterruhe, Winterschlaf ...) wiederholen
  3. Offener Unterricht mit Stationenarbeit, wobei die Kinder frei entscheiden, wo sie beginnen und mit wem sie zusammenarbeiten
  4. Abschluss: Film, Quiz, Feedbackrunde, Spiel

Da die Tageseinheiten zu den Tieren in sich abgeschlossen sind, können sie in beliebiger Reihenfolge aufgegriffen werden. Auch wenn Sie sich nur ein paar „Rosinen“ zum Thema herauspicken möchten, werden Sie in dem fast 60-seitigen Konzept sicherlich fündig: Die Autorin stellt für Lehrkräfte hier z. B. ihre anschaulich gestalteten Infotexte in Wort und Bild, viele Arbeitsblätter für die Stationenarbeit oder auch Foto-Puzzles der Tiere zur Verfügung. Auch die aktivierenden und differenzierenden Arbeitsaufträge bergen viele gute Ideen, wie etwa „Fühlen und Riechen von Naturmaterialien“, „springen wie ein Frosch“, „einen Igel mit Materialien wie Knete, Holzstäbchen etc. nachbilden“ etc.

Apropos: Wenn es um handlungsorientierte Unterrichtsimpulse beim Thema „Tiere im Winter geht“, lohnt es sich unbedingt auch, die methodischen Vorschläge auf der Website learnweb.de näher zu betrachten: Da stellen die Kinder aus Knetmasse die Dinge her, die die jeweiligen Tiere fressen und schreiben einen Speiseplan. Oder sie versuchen, „einmal so oft zu atmen wie der Igel im Winter“ (S. 3). Sie bauen ein Igelnest oder einen Steinhaufen für Eidechsen im Schulgarten. Oder sie malen ein Schild, das Autofahrer auf Igel aufmerksam macht und überlegen, wo sie es aufstellen können. – Eine wahre Fundgrube für Unterrichtsstunden, die die Kinder so schnell nicht vergessen werden.

Martina Niekrawietz


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