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Medienerziehung

Filmen im Unterricht verboten!

Schnell das Handy gezückt und schon ist eine Unterrichtssituation auf Video festgehalten. Was für Konsequenzen kann das haben und was ist überhaupt erlaubt? Infos und Tipps für den Unterricht erhalten Sie hier.

Medienerziehung: Filmen im Unterricht verboten! Videoaufnahmen - diese Regelung gelten © redaktion93 - stock.adobe.com

Werden Lehrerinnen und Lehrer im Unterricht gefilmt und die Videos dann in Sozialen Medien veröffentlicht, so ist das rechtlich nicht zulässig. Werden die Aufnahmen dann auch noch beleidigend kommentiert, sind weitere Straftatbestände erfüllt. 

Doch natürlich gilt hier wie überall: Wo kein/-e Kläger/-in, da kein/-e Richter/-in. Deshalb verbringen manche Lehrerinnen und Lehrer viel Zeit damit, YouTube, TikTok & Co. auf unerlaubte Ton- und Bildaufnahmen von ihrem Unterricht zu durchsuchen, um dann gegebenenfalls gegen die Täter/-innen vorzugehen. 

Rechtsexperten im Netz greifen das Thema „Unerlaubte Film- und Tonaufnahmen vom Unterricht“ häufig auf und raten Lehrkräften regelmäßig, darüber auch die Schüler und Schülerinnen aufzuklären. Der folgende Beitrag unterstützt Sie dabei mit Ideen, Praxistipps und Materialien für alle Unterrichtsphasen.

Rechtliche Konsequenzen auf den Punkt gebracht

In diesem Video erklärt der Medienrechts- und Urheberrechts-Anwalt Tobias Röttger speziell für Heranwachsende, welche straf- und zivilrechtlichen Konsequenzen die Verbreitung unerlaubter Handyaufnahmen im Unterricht haben kann. Die Botschaft kommt garantiert an, denn der Jurist schildert eindrücklich und gut verständlich ein Worst-Case-Szenario – mit Gefängnis-Höchststrafen und der Erklärung, was mit einem möglichen Einzug des „Tatmittels“, also des Handys, gemeint ist: „Das heißt, ihr bekommt es nicht wieder, das gehört dann dem Staat!“ –ganz sicher für die meisten Jugendlichen eine Horror-Vorstellung. 

Wenn Sie das Thema, etwa wegen eines aktuellen Vorfalls, nur kurz aufgreifen wollen, wirkt der 5-Minuten-Film für sich alleine genommen schon abschreckend. Und weil das Video eine von Schüler/-innen oft gestellte Frage beantwortet, eignet es sich auch sehr gut als interesseweckender Einstieg in eine längere Unterrichtseinheit. Oder Sie nutzen es als Basis für weitergehende Recherchen in Kleingruppen, zum Beispiel zu den verschiedenen Straftatbeständen, zum Recht am eigenen Bild oder zur Strafmündigkeit ab 14 Jahren.

„Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“ 

Das ist eine ganz zentrale Erkenntnis, die Sie Ihren Schüler/-innen ´beim Thema „unerlaubte Film- und Tonaufnahmen“ mit den folgenden beiden Fällen aus der Rechtspraxis vermitteln können:

  1. „Habe Anzeige wegen Filmen im Unterricht bekommen!“ – so übertitelt ein 15-jähriger Hauptschüler die Schilderung seines Falls im Ratgeberforum gutefrage.net. Eigentlich wollte er nur „eine art Reportage über den chaotichen Schulaltag einer Hauptschue“ [sic!] machen, die er dann auch in YouTube stellte. Nach drei Wochen bekam er die Quittung für diverse Rechtsverstöße. Die Lehrerin, die er unter anderem ohne ihr Einverständnis gefilmt hatte, hat ihn angezeigt. Und das, obwohl er sich mitr Blumen und Pralinen entschuldigt hat und offensichtlich auch einsieht, dass „es eine super bekloppte idee war“ [sic!], die er da hatte. Der Schüler hat nun Angst vor den Konsequenzen und möchte wissen, womit er rechnen muss. Es gibt einige seriöse und einige eher schlichte Antworten – vielleicht auch eine gute Übung für Ihre Schüler/-innen, in den Sozialen Medien die Spreu vom Weizen zu trennen. Mithilfe des oben verlinkten Videos von RA Röttger überprüfen sie die Antworten auf sachliche Richtigkeit. Und am Ende der Stunde nehmen sie Stellung zum unsäglichen Schluss-Kommentar des Schülers, der angefragt hatte: Offensichtlich hat er die Antworten nicht wirklich verstanden. Zudem fällt ihm nichts Besseres ein, als sich öffentlich sehr abfällig über den Schulleiter zu äußern („der direktor kotzt mich äh an“). Damit hat er sich vermutlich einen Bärendienst erwiesen, und das wäre auch eine schöne Aufgabe für die Schüler: bei der Schulleitung bzw. bei den Lehrkräften nachfragen, wie sie in einem vergleichbaren Fall reagieren würden.
     
  2. In einem weiteren Fall geht es um zwei Zehntklässler, die heimlich im Unterricht verschiedener Lehrkräfte filmten. Sie selbst veröffentlichten das Material nicht, gaben es aber an einen Mitschüler weiter, „der eine öffentliche Seite über schulbezogene Inhalte“ betrieb, wie in einem Bericht auf Legal Tribune Online (LTO) zu lesen ist. Dieser „verbreitete (...) die Aufnahmen und versah sie teilweise mit sexistischen und beleidigenden Kommentaren“ (ebd.). Die Schulleiterin suspendierte die beiden filmenden Schüler „vorläufig für neun Tage vom Unterricht“ (ebd.), und zwar zu Recht, wie das VG Berlin entschied: Dass die beiden „nicht gewusst hätten, was der Mitschüler mit dem Bild- und Videomaterial machen würde“, hielt das Gericht für „lebensfremd“. Dieser Fall könnte in einem gemeinsamen Unterrichtsgespräch aufgegriffen werden. Oder aber Sie lesen mit den Schülern den ersten Teil des LTO-Beitrags, und lassen die Jugendlichen dann vermuten und argumentieren, ob und warum die beiden Filmenden mit ihrer Argumentation durchgekommen bzw. nicht durchgekommen sind.

„Kontrovers diskutiert“ 

Bei unerlaubten Handyaufnahmen und deren Veröffentlichung gibt es nichts zu diskutieren, sie sind ein absolutes No-Go. Und trotzdem entspinnen sich auf der Facebook-Seite der ARD-Tagesschau sehr unterschiedliche Reaktionen auf die Forderung, unerlaubte Aufnahmen im Unterricht zur Sache der Politik zu machen:

  • Da schlagen einige Diskutanten vor, dass Lehrkräfte zurückschießen, sprich -filmen, sollten.
  • Andere geben zu bedenken, dass es auch dem Schutz der Kinder und Jugendlichen dienen kann, wenn zum Beispiel eine besonders cholerische Lehrkraft quasi in flagranti gefilmt wird.
  • Wieder andere machen sehr konkrete Vorschläge, wie man verbotenem Filmen in Schule und Unterricht vorbeugen könnte, etwa durch Handy-Abgeben oder -komplett-Verbieten.

Diese sehr unterschiedlichen Positionen könnten nach Pros und Contras sortiert werden und anschließend in einer Podiumsdiskussion à la „Hart aber fair“ zur Disposition gestellt werden. Die Schüler/-innen, die nicht direkt auf dem Podium involviert sind, könnten Kommentare „ins Studio mailen“ (= auf Zetteln notieren), nach der Diskussion fehlende Aspekte ergänzen oder eine „Fernsehkritik“ zur Diskussion verfassen, die die wesentlichen Argumente zusammenfasst.

Weiterführende Hinweise

Ist das Filmen und Fotografieren durch Schüler/-innen auf dem Schulgelände prinzipiell verboten, sofern keine Veröffentlichung vorgenommen wird? Diese Frage beantwortet die Webiste der Medienscouts in Nordrhein-Westfalen.
„Sich strafbar machen“ – was bedeutet das überhaupt? Hier herrscht nicht nur bei jüngeren Schüler/-innen Erklärungsbedarf. Die Website „Helles Köpfchen“ gibt darüber Auskunft.

„Was passiert, wenn man als Jugendliche/-r beim Klauen erwischt wird?“ Diese Frage beantwortet Armin in der Sendung mit der Maus mit allen Konsequenzen und potentiellen Stationen – von der Standpauke des Kaufhausdetektivs über die Urteilsverkündung einer Richterin bis zur Ableistung von Sozialstunden. Danach dämmert es jüngeren Zuschauer/-innen natürlich auch ganz grundsätzlich, was alles passieren kann, wenn junge Menschen Straftatbestände wie heimliches Filmen und Veröffentlichen, womöglich mit beleidigenden Kommentaren begehen.

Martina Niekrawietz


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