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Digitale Schule weiterentwickeln

Kleine Schritte bringen die digitale Schule voran

Der digitale Unterricht gerät durch den Präsenzunterricht wieder auf die Ersatzbank. Wie lässt sich die digitale Schule dennoch in den Schulalltag integrieren. Hier erhalten Sie Tipps aus der Forschung.

Digitale Schule weiterentwickeln: Kleine Schritte bringen die digitale Schule voran Digitale Schule Schritt für Schritt weiterentwickeln © Jamrooferpix - stock.adobe.com

Die wochenlangen Schul-Lockdowns während der ersten Corona-Wellen hatten auch ein Gutes: Die Digitalisierung kam in vielen Schulen mit Siebenmeilenstiefeln voran. Doch jetzt, wo Präsenzunterricht wieder der Regelfall ist, gerät der digitale Unterricht vielerorts wieder aus dem Blick. Das findet Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky bedauerlich, denn er sieht in der Digitalisierung eine veritable Chance, um Schulen und mit ihnen eine zeitgemäße Bildung voranzubringen. Doch seiner Erfahrung nach etabliert sich etwas bahnbrechend Neues nur, wenn Druck vorhanden ist. Und dieser Druck fällt mit den sinkenden Infektionszahlen erst einmal weg. 

Um dann in puncto Digitalisierung nicht auf den Stand vor der Pandemie zurückzufallen, könnte man den Druck aufrechterhalten, zum Beispiel durch „Strukturen und Regeln, an die sich Schulen und Lehrkräfte halten müssen“, sagt der Wissenschaftler in einem Interview auf der Website „Das Deutsche Schulportal“. 

Wirklich nachhaltig wird eine Veränderung in der Schule „durch die Einführung neuer Rituale“, sagt Sven Gábor Jánszky. Und dazu müsse man zuerst „die alten Rituale brechen“ (ebd.). Wie kann das konkret im schulischen Alltag aussehen? Der Wissenschaftler nennt dafür einige Beispiele, die dieser Beitrag um weitere direkt umsetzbare Ideen aus der digital-affinen Lehrer-Community ergänzt.

Ab ins kalte Wasser! 

Digitale Veränderung der Schule wird nicht „von unten“, also von einzelnen Lehrkräften angestoßen. Sie „kommt nicht von selbst, sondern ist eine Managementaufgabe“, so Sven Gábor Jánszky. Heißt: Die Schulleitung oder das Schulleitungsteam verständigt sich mit dem Kollegium auf konkrete digitale Maßnahmen, die dann verbindlich umzusetzen sind.

Das ist dann auch kein langwieriger Prozess, sondern die Beteiligten werden einfach „ins kalte Wasser geschubst“ (ebd.). Dabei muss niemand sofort „die optimale Variante“ realisieren; vielmehr sollten die Lehrkräfte „immer wieder Neues probieren, verwerfen und mithilfe von Weiterbildungen optimieren“, so die Vorstellung von Sven Gábor Jánszky. 

Auch kleine Schritte führen zum Ziel!

Sven Gábor Jánszky plädiert für kleine, aber verbindliche Schritte in Richtung digitale Schule. Initiiert von oben, unbürokratisch umgesetzt und ohne Anspruch auf Perfektion, denn auch „eine offene Fehlerkultur“ gehört dazu (ebd.). Der Zukunftsforscher schlägt zum Beispiel vor,

  • an einem festgesetzten Tag pro Woche Homeschooling zu machen und dabei „verbindlich digitale Medien“ zu nutzen bzw.
  • einmal pro Woche Video-Unterricht zu erteilen. Von einem anderen Ort aus, etwa von einer Lehrkraft der Partnerschule.
  • Oder die Schule beschließt, „dass es nur noch digitale Klassenbücher gibt“.

Das sind alles durchaus machbare Projekte, die anfangs etwas Aufwand für die einzelne Lehrerin oder den einzelnen Lehrer mit sich bringen, längerfristig aber sicherlich entlasten.

Letztlich geht es bei der digitalen Transformation von Schule doch nur um eine Frage: „Wie kann der Einsatz digitaler Medien den Unterricht verbessern?“ Genau diese Frage beantwortet das Deutsche Schulportal mit konkreten Praxisbeispielen aus dem Unterrichtsalltag. Im Folgenden ein paar Ideen, die sich auch gut als „kleine Rituale“ oder Projekte im oben beschriebenen Sinne eignen würden.

Neue Prüfungsformate für den Fernunterricht 

Während des flächendeckenden Distanzunterrichts im Lockdown wurde mittels Lernplattform häufig „der analoge Unterricht (...) einfach ins Digitale übersetzt“, sagt Jacob Chammon, ehemaliger Schulleiter in Berlin und Vorstand des Forums Bildung Digitalisierung. Seine praktischen Tipps zum Thema geben Impulse für Alternativen zur frontalen 45-Minuten-Videokonferenz mit Aufgaben zum Download im PDF-Format. Mit diesen „PDF-Wüsten“ lernen die Schülerinnen und Schüler kein „selbstständiges Arbeiten“, und außerdem fehle „noch der ganze Bereich Kollaboration“ (ebd.).

Seiner Erfahrung nach eignet sich eine Lernplattform aber gut „für mündliche Prüfungen“. Und wenngleich man beim Distanzunterricht nicht genau weiß, ob die Lernenden eine schriftliche Prüfungsaufgabe oder die Ausarbeitung einer Präsentation selbst gemacht haben, so bringt doch ein nachfolgendes Video-Gespräch darüber Klarheit. Regelmäßig neue Prüfungsformate für den Fernunterricht erproben – das könnte eine Vorgabe für alle Jahrgangsstufen der weiterführenden Schulen sein. 

Die digitalen Möglichkeiten ausbauen 

Alternativen zu „PDF-Wüsten“ gibt es viele. Zwei Ideen, die Ihren digitalen Unterricht bereichern können, seien hier kurz umrissen, eine Vielzahl von weiteren Impulsen gibt das oben verlinkte Dossier Digitale Schule beim Deutschen Schulportal.

  1. Die Initiative „School to go“ bündelt „innovative Lernangebote für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene“. Ein „20-köpfiges Team aus Didaktikern und Technologen“ erarbeitet dazu lehrplankonforme Unterrichtsideen wie „Digitale Escape Rooms zur Leseförderung“ (8. Klasse, Deutsch) oder „Mathelernen mit einem Chatbot“ (4. Klasse, Mathematik). Der vielseitige Material-Pool mit APPS, Videos, interaktiven PDFs; Quizzen, Experimentier-Anleitungen etc. bringt mit seinem breiten Methodenspektrum ordentlich Abwechslung ins digitale Klassenzimmer – mit denkbar wenig Vorbereitungsaufwand dank direkt übernehmbarer Materialien.
  2. Die Erlanger Realschule am Europakanal nutzt im Chemie-Unterricht die Methode „Flipped Classroom“. Voraussetzung für diese innovative Unterrichtsmethode sind Erklärvideos, mit denen sich die Schüler und Schülerinnen eigenständig auf die Stunde vorbereiten. Darin wird der neue Stoff – und oft auch schon gleich die Versuchsanordnung der zugehörigen Experimente erklärt. Das Video auf der oben verlinkten Website vermittelt Ihnen einen Eindruck davon. Und damit die Lehrkräfte Erklärvideos einstellen und selbst gemachte gegenseitig austauschen können, gibt es in der Realschule am Europakanal einen schuleigenen YouTube-Kanal, der für alle nutzbar ist.

Erklärvideos erstellen ist übrigens kinderleicht, wie diverse Erklärvideos beweisen, zum Beispiel dieses.

Schulinterne Micro-Fortbildungen für Lehrkräfte

Die Realschule am Europakanal in Erlangen setzt auf ein „System von vielen kleinen, schulinternen Lehrerfortbildungen“. Diese sogenannten Micro-SCHILF werden allwöchentlich von Kolleginnen und Kollegen an einem Nachmittag angeboten, sie dauern gerade einmal 30 bis 60 Minuten. Immer geht es dabei „um eine konkrete Frage aus dem Schulalltag“, z. B. „Wie teile ich Dateien über die Cloud?“ und „das neu erlernte Wissen lässt sich im Anschluss sofort anwenden“ (ebd.). An der Erlanger Schule sind alle Lehrkräfte verpflichtet, „mindestens sechs Pflicht-Basis-SCHILF zu absolvieren“ (ebd.). Daneben gibt es zudem flexibel SCHILF-Trainings am Vormittag.

Dieses Fortbildungssystem hat viele Vorteile: 

  • Die digitalen Trainings sind eine feste Institution und kosten nichts.
  • Es gibt feste Ansprechpartner.
  • Niemand muss lange auf eine Fortbildung warten.
  • Die Trainings finden am Heimatort in der Schule statt.
  • Es gibt kompetente, digital-affine Ansprechpartner im Kollegium.
  • Digitales Know-how multipliziert sich.

Eine wirklich gute Sache, die auch noch das Lehrkräfte-Team voranbringt!

Martina Niekrawietz


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