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MindMatters

Mit Entspannung und Bewegung Gefühle regulieren

Ein langer Schultag kann Schüler müde und unkonzentriert machen oder ärgerlich oder aggressiv. Dagegen helfen Übungen des MindMatters-Programms mit Spielen und Entspannungsübungen.

MindMatters: Mit Entspannung und Bewegung Gefühle regulieren Eine kleine Traumreise kann helfen, neue Energie zu sammeln © WavebreakmediaMicro - stock.adobe.com

Bessere Rhythmisierung eines langen Schultages, Verbesserung von Konzentration und Merkfähigkeit, Abbau von Bewegungsdefiziten bzw. Unruhe in der Klasse — es gibt viele gute Gründe, warum sowohl Bewegungs- als auch Entspannungspausen im Unterrichtsalltag sinnvoll sind. Im Zusammenhang mit der Förderung sozial-emotionaler Kompetenzen spielt aber noch ein weiterer wichtiger Aspekt eine Rolle: Die Schüler erwerben ein Repertoire von Techniken, um Stress abzubauen und adäquat mit belastenden Gefühlen wie Wut, Ärger oder Furcht umzugehen. Das stärkt die „Fähigkeit Emotionen zu regulieren, ihre Intensität und Dauer zu kontrollieren und das eigene Verhalten entsprechend zu lenken“, erläutern die Autoren des MindMatters-Moduls „Gemeinsam(es) Lernen mit Gefühl“ (abgekürzt mit „GLmG“, S. 158). Dass das am besten gelingt, wenn Bewegung und Entspannung einen festen Platz im Unterrichtsalltag haben und regelmäßig stattfinden, liegt auf der Hand.

Das MindMatters-Modul „Gemeinsam(es) Lernen mit Gefühl“ für die Primarstufe und für den sonderpädagogischen Bereich bietet Ihnen eine Auswahl von einfachen Übungen mit differenzierenden „Variationen“. Einige davon können Sie — nach Registrierung auf der MindMatters-Website — direkt einsetzen, denn die zugehörigen Arbeitsmaterialien stehen im „Werkzeugkasten“ des GLmG-Moduls zum Download.

„Energizer“ — mehr als nur Muntermacher

Wenn die Klasse unruhig wird oder einzelne Schüler auf den Stühlen hin und her rutschen, regen zwei Gruppenspiele die Kinder dazu an, „durch Bewegung und Spaß die Aufmerksamkeit zu reaktivieren sowie aufnahmebereiter für weitere Aktivitäten zu werden“ (GLmG, S. 161):

  1. Bei dem Spiel „Alle, die ...“ bauen die Schüler einen Stuhlkreis auf, in dem ein Stuhl zu wenig ist. Ein Schüler steht in der Mitte und denkt sich eine Aussage aus, zum Beispiel zum Thema Gefühle: „Alle, die heute schon gelacht haben, suchen sich einen neuen Stuhl.“ Wenn dann die Genannten aufstehen, versucht der Schüler in der Mitte, einen Platz zu ergattern. Wer übrig bleibt, muss eine neue Aussage erfinden. Diese Übung kann auch dazu dienen, dass eine neu zusammengewürfelte Gruppe sich besser kennenlernt, in jedem Fall agieren sich die Schüler aus und haben Spaß dabei.
  2. Die La-Ola-Welle läuft im Stuhlkreis rundum, kann aber auch auf einem „festgelegten Kurs“ durch die Tischreihen gehen: „Die erste Person steht auf, wirft dabei die Armen in die Luft, nennt ihren Namen und setzt sich sofort wieder auf ihren Platz“ (GLmG, S. 163), gefolgt von der nächsten, der übernächsten und so weiter. Die Schüler versuchen natürlich, möglichst Stockungen zu vermeiden, jeder macht, so schnell er kann. Langsamere Mitspieler sollten dabei natürlich keinesfalls bloßgestellt oder „gedisst“ werden.

Beide Bewegungsspiele können immer wieder aufgegriffen werden, ohne langweilig zu werden. Die Kinder oder Jugendlichen kommen miteinander in Kontakt, sogar die eher schüchternen oder zurückhaltenden. Und in jedem Fall wird die Welle mit zunehmender Übung immer flüssiger laufen — ein Erfolgserlebnis für die gesamte Gruppe.

Wichtig im Kontext sozial-emotionalen Lernens ist es natürlich, dass den Schülern die positiven Effekte des gemeinschaftlichen Ausagierens bewusst werden. Deshalb schließt sich an jedes Spiel eine Feedback-Runde an, wobei Sie als Lehrkraft vorformulierte Gesprächsimpulse nutzen. Um mit den Schülern wirklich ins Gespräch zu kommen, empfiehlt es sich jedoch, Ja-Nein-Fragen wie „Hat euch die Bewegung gut getan?“ offener zu formulieren, zum Beispiel: „Wie ging es euch vor dieser Übung?“ „Wie geht es euch jetzt?“ „Was hat sich verändert?“ etc.
Fantasiereise zum NachspürenDie Sonnenschauer-Geschichte (GLmG, S. 171) ist eine bewegte Geschichte mit Partnermassage: Die Schülerinnen sitzen paarweise hintereinander, und die Lehrkraft nimmt sie mit auf eine Fantasiereise: „Stellt euch vor, ihr liegt auf einer grünen Wiese und schaut in den Himmel“, so beginnt die Imagination. Parallel dazu malen die hinten sitzenden Schüler ihren Spielpartnern eine Sonne auf den Rücken. Wolken ziehen auf (mit den Händen über den Rücken streichen), Wind kommt auf (stärkeres Streichen), Regen, erst leicht dann stärker (Trommeln mit den Fingerspitzen), dann lässt der Regen nach, die Sonne kommt zurück und es wird wieder warm (Handflächen ruhen auf den Schulterblättern) — das alles spüren die vorderen Schüler auf ihrem Rücken. Dann wiederholt sich das Ganze noch einmal mit wechselnden Rollen.

Bei dieser Übung liegen Bewegung und Entspannung eng beisammen, die Schüler übernehmen einmal den aktiven (Bewegungs-)Part, einmal den passiven (Entspannungs-)Part. Gleichzeitig fühlen sie sich in ihren Spielpartner ein, sie nehmen mögliche verbale oder Körperreaktionen wahr und spüren Entspannung und vermutlich auch Anspannung in zweifacher Hinsicht: Am eigenen Leib und mit ihren Händen an den Rückenmuskeln des Gegenübers. „Es ist wichtig, dass sich jedes Kind wohl fühlt. Sollte die Massage nicht mehr angenehm sein, darf dies selbstverständlich frei geäußert werden“, betonen die Autoren des MindMatters-Moduls (GLmG, S. 168).

Individuelle Stressfresser-Strategien zur Gefühlsregulation

Entspannungs- und Bewegungspausen mit der ganzen Klasse tragen zwar in der Regel zu einem gesteigerten Wohlbefinden bei, helfen dem einzelnen jedoch wenig in akuten Belastungssituationen: Wie wirke ich Stress, Angst, Ärger oder Trauer am besten entgegen? Hier brauchen Kinder und Jugendliche konkrete Strategien, die sich auf einfache Wenn-dann-Sätze herunterbrechen lassen:

„Wenn ich so wütend werde, dass ich am liebsten zuschlagen möchte,

  • zähle ich von 13 bis 1 rückwärts.
  • boxe ich in ein Kissen.
  • zerreiße oder zerknülle ich Papier.
  • schüttele ich mich zwei Minuten lang aus.
  • atme ich ein paarmal ein und aus und zähle jeweils bis drei usw.

Diese Strategien und Übungen lassen sich immer wieder einmal zwischendurch im Unterricht üben. — Das MindMatters-Modul „Gemeinsam(es) Lernen mit Gefühl“ bietet Ihnen dazu diverse Unterrichtsbausteine.

Zunächst einmal ist es natürlich wichtig, dass Ihre Schüler Stress, Angst, Ärger und Trauer klar identifizieren. Um das zu üben, nutzen Sie das 5-teilige Arbeitsblatt „Was kann ich tun?“ (GLmG, S. 195 ff.). Es zeigt Bilder mit verschiedenen Situationen, die belastende Gefühle auslösen: Ein Mädchen vor einem Käfig mit einem toten Papagei, ein anderes, das bei „Mensch ärgere dich nicht!“ verliert, während der Mitspieler triumphiert, ein ängstlicher Junge auf einem 3-Meter-Sprungturm im Schwimmbad usw. Aufgabe der Schüler ist es, sich in die Gefühle der Kinder auf den Bildern zu versetzen und „mindestens eine“ mögliche Reaktion anzugeben. In Kleingruppen oder Partnerarbeit bewerten die Schüler die verschiedenen Möglichkeiten und überlegen, welche Lösungen konstruktiv und wirklich hilfreich sind.

Als Gesprächsgrundlage könnte dazu auch der erste Teil des Arbeitsblatts „Stressfresser“ (GLmG, S. 200 f.) dienen. Hier finden sich auch einige wenige, womöglich eher kontraproduktive oder doch zumindest diskussionswürdige Strategien wie „Fernsehen schauen/PC-Spiele spielen“ oder „Anfangen zu weinen“. Sind diese Reaktionen nun zielführend oder nicht? Vielleicht lassen Sie die Klasse erst abstimmen und bitten Ihre Schüler im Anschluss an eine erste, vermutlich kontroverse Diskussion in den nächsten Tagen auf ihre Gefühle zu achten und einige der vorgeschlagenen Strategien auszuprobieren.

Martina Niekrawietz

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