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Lerntypen

Bei der Unterrichtsplanung alle Lernkanäle nutzen

Jeder Mensch lernt anders gut: der eine visuell, der andere auditiv und der dritte kinästhetisch. Deshalb sollten auch in der Unterrichtsplanung die verschiedenen Lerntypen berücksichtigt werden, um positive Lernergebnisse zu sichern.

Lerntypen: Bei der Unterrichtsplanung alle Lernkanäle nutzen Soll Lernen erfolgreich sein, muss der richtige Lernkanal angesprochen werden © carlacastagno - Fotolia.com

Stellen Sie sich folgendes Gespräch unter Kollegen vor und beachten Sie dabei die Bildsprache:„Ich sehe da schwarz für diese undurchsichtige Angelegenheit, ich habe gar keinen Durchblick mehr und glaube, das Projekt hat schon bessere Tage gesehen.“

„Ach, das klingt doch viel zu pessimistisch, wir haben bisher immer eine Lösung im Einklang gefunden und niemandem nach dem Mund geredet.“

„Gehen wir die Sache doch ganz neu an und suchen uns einen unumstößlichen Standpunkt. Dann kann niemand mehr daran rütteln.“

Drei Meinungen, drei Repräsentationssysteme — die Vokabeln, Wörter und Redewendungen zeigen die unterschiedlichen bevorzugten Sinnessysteme des jeweiligen Sprechers. Menschen lernen nicht mit allen Sinnen gleich gut oder gern. Es haben sich im Laufe des Lebens Vorlieben für bestimmte Wahrnehmungskanäle, sogenannte „Lerntypen“ ausgebildet.

Je nach Lerntyp können Menschen unterschiedlich gut lernen. Sie erzielen mit dem richtigen Wahrnehmungskanal die besten Lernergebnisse. Daher ist es für Lehrkräfte sinnvoll und zielführend, die Lerntypen zu identifizieren und dann entsprechend in der Unterrichtsgestaltung zu berücksichtigen. Die Sprache hilft uns bei der Identifikation des Lerntyps durch bildhafte Redewendungen, die auf den Repräsentationskanal hinweisen.

Im Wesentlichen unterscheidet man drei Lerntypen, die in der Regel gemischt auftreten. Über die Hälfte der Menschen stellt eine Kombination aus zwei Kategorien dar, nur wenige folgen einer einzelnen und einige finden sich in allen drei Kategorien der Lerntypen wieder. Nur zur besseren Unterscheidung sollen die Lerntypen hier einzeln charakterisiert werden:

Der visuelle Lerntyp

Der visuelle Lerntyp benutzt das Auge als vorrangigen Informationskanal. Er mag Lesen und grafische Darstellungen, Bilder und Diagramme. Er kann sich gut an Informationen erinnern, die er gesehen oder gelesen hat. Er nutzt daher am liebsten Bücher, Gedrucktes oder Präsentationen und schreibt gern mit, weil er sich Dinge dann leichter merkt.

Visuelle Lerner sind gut dran, da in unserer Zeit in Schule und Beruf die visuelle Methode vorherrscht. Er skizziert seine Gedankenprozesse gern mit und verwendet Symbole. Im Unterricht helfen ihm Präsentationen und Tafelbilder jeglicher Art. Eine gute Methode stellt für ihn das Mindmapping dar.

Als Lehrer kann man dem visuellen Lerntyp helfen, indem man viel gestikuliert und eine beschreibende, bildhafte Sprache verwendet. Halten Sie den Blickkontakt und erklären Sie mit Gesten. Nutzen Sie alle möglichen Visualisierungstechniken und Medien, um ihm das Lernen zu erleichtern. Lassen Sie Texte mit Textmarkern bearbeiten. Unterteilen Sie den Lernstoff in deutliche, strukturierte Abschnitte.

Lieblingswörter und die Sprachsymbolik deuten auf den visuellen Kanal hin, zum Beispiel „ durchblicken, Zusammenhang sehen, schwarz sehen, einsehen, übersehen, Licht am Ende des Tunnels, betrübt sein, die Augen öffnen, etwas klarmachen, über etwas hinwegsehen, in Augenschein nehmen, Unvorhergesehenes usw.“

Der auditive Lerntyp

Der auditive Lerntyp hört gern zu und nimmt Informationen mit den Ohren auf. Er spricht oder liest laut mit, um sich Inhalt, Klang und Melodie zu merken. Er kann gut auswendig lernen und ist ein beliebter Kommunikator. Gesprächen und auch Hörbüchern folgt er besonders aufmerksam, aber das Lesen geht etwas langsamer.

Im Unterricht lernen auditive Lerntypen, was sie hören. Für sie ist es sehr hilfreich, Dinge laut auszusprechen. Sie beteiligen sich gern am Lehrer-Schüler-Gespräch. Daher ist die Arbeit in einem Klassenzimmer für den auditiven Lerntyp sehr gut geeignet. Methodisch hilfreich sind für ihn Diskussionen in Partner- oder Gruppenarbeit, Hörbeispiele und Aufzeichnungen.

Weiterführende Literatur:

Manuela Dollinger: Wissen wirksam weitergeben. Die wichtigsten Instrumente für Referenten, Trainer und Moderatoren. Zürich 2003

Als Lehrer sollten Sie für den auditiven Lerntyp frei sprechen und gut hörbar sein. Betonen Sie Wichtiges und machen Sie Sprechpausen. Geben Sie verständliche Erklärungen und reagieren Sie auf Fragen — wichtig ist, den Zuhörer ausreichend selbst zu Wort kommen zu lassen. Geben Sie Gelegenheiten im Unterricht, das Gelernte laut vorzusprechen und stellen Sie Gesprächspartner zur Verfügung (Murmelgruppen, Think-Pair-Share usw.).

Die Bildsprache des auditiven Lerntyps drückt sich aus in Worten wie „ich habe noch eine Frage, ich verstehe nur Bahnhof, ich glaub ich hör nicht richtig, zustimmen, aufhören, mit Pauken und Trompeten, ein Ohr leihen, fragen, gut klingen, Gehör schenken, ein offenes Ohr haben, Wortwechsel, Missklänge, in Abrede stellen, Verabredungen usw.“

Der kinästhetische Lerntyp

Der kinästhetische Lerntyp bevorzugt den ganzen Körper als Wahrnehmungskanal und lernt gern handelnd. Er versteht Dinge am besten, wenn er sie aktiv tun und ausprobieren kann — „learning by doing“ ist sein Motto. Er verliert schnell das Interesse, wenn er nur über die visuellen oder auditiven Kanäle Input erhält.

Weil er es mit den Händen tut, schreibt auch er gern mit. Im Unterricht ist der kinästhetische Lerntyp dort gefragt, wo es etwas zu erforschen gilt. Besonders bei Experimenten und im handlungsorientierten Unterricht, bei materialgeleitetem Lernen und Freiarbeit ist er interessiert und motiviert. Alles, was er aktiv mitmachen kann, weckt seine Lernfreude.

Die kinästhetischen Lerner fallen auf, weil sie sich ständig Bewegung verschaffen: auf dem Stuhl wippen, kippeln, durchs Zimmer laufen, mit Stiften spielen. All dies muss nicht unbedingt ein Zeichen von Unruhe oder Unkonzentriertheit sein, sondern kann ganz im Gegenteil bestimmten Schülern beim Lernen helfen.

Als Lehrer helfen Sie dem kinästhetischen Lerntyp mit allem, was Sie an Material, Medien und Handlungsorientierung in den Unterricht einbauen. Sie sollten stets eine gute Beziehungsebene schaffen und die Schüler viel zum Lachen bringen, Spannung erzeugen und Gefühle aktivieren. Auch Rollenspiele finden hier ihren Platz. Lernen in Bewegung kann methodisch im Unterricht immer wieder eingebaut werden, zum Beispiel mit Stationenarbeit, die Bewegungselemente beinhaltet.

Die Bildsprache des kinästhetischen Lerners drückt sich folgendermaßen aus: „aus der Rolle fallen, mit der Tür ins Haus fallen, Fühlung aufnehmen, am gleichen Strang ziehen, schwankend, standhaft, hochgehen, zusammenreißen, aufbrausen, abwürgen, beistehen, runterschlucken, etwas laufen lassen usw.“

Bedeutung für den Unterricht

Die Hinweise für die Identifikation von Lerntypen können helfen, den Unterricht aus dieser etwas anderen Perspektive noch effektiver zu gestalten. Auch wenn es keine idealtypische Umsetzung oder Typologie der Lerntypen gibt, so können die Beobachtungen zum bevorzugten Lernkanal des jeweiligen Schülers der Lehrkraft weiterhelfen, zielführende Methoden oder einen passenden Methodenmix im Unterricht einzusetzen. Denn durch Aktivierung aller Sinnesorgane kann die Lernleistung bekanntermaßen erheblich gesteigert werden. Aus diesem Blickwickel sind gängige sonderpädagogische Unterrichtsprinzipien auch mit einem erweiterten Fokus zu beleuchten, zum Beispiel Schlagworte wie „handlungsbegleitendes Sprechen, Rhythmisierung, Lernortwechsel, Handlungsorientierung, Tafelbild, Einsatz von Gebärden, Sprachmuster“.

Wie finde ich meinen eigenen Lerntyp heraus?

Es ist nicht nur im Hinblick auf Schüler interessant, den bevorzugten Lernkanal zu kennen, sondern natürlich auch für sich selbst. Mit der folgenden Übung können Sie auf unterhaltsame Weise üben, andere Menschen wie auch sich selbst in Bezug auf den Lernkanal zu beobachten. Eine Teamsitzung, eine Lehrerkonferenz oder jede andere Form von Kollegengemeinschaft kann dabei hilfreich sein.

Übung zur Erschließung des Lerntypus: Ein Teilnehmer hält einen kurzen Vortrag zu einem unverfänglichen Thema, zum Beispiel „Mein letzter Urlaub“, „Mein Haustier“ oder „Was mir einmal Lustiges an der Ampel passiert ist“. Jeder Beobachter erhält eine Notizkarte mit den drei Kategorien der Organsprache (visuell — auditiv — kinästhetisch).

Nachdem alle Teilnehmer  Grundinformationen über die unterschiedlichen Lerntypen erhalten haben, wird der Teilnehmer hinsichtlich seiner Körpersprache und Ausdrucksweise von den anderen beobachtet. Es kommt dabei gar nicht in erster Linie auf die erzählerischen Auskünfte an, sondern vor allem auf die verbalisierten Informationen in der sogenannten Organsprache, also Signalwörter wie „durchblicken, schwarzsehen, usw. Die Beobachter notieren, wie und wie oft ein Lernkanal verwendet wird und geben im anschließenden Gespräch kurzes Feedback. Auf diese Weise kann man einem Teilnehmer gute Rückmeldung über seinen möglichen bevorzugten Lerntyp geben.

Wenn Sie zu Hause eine schnelle Einschätzung für sich selbst haben wollen, finden Sie einen Lerntypen-Test von Brigitte Jug  im Internet.

Claudia Omonsky

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