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Organisation & Selbstmanagement

Elternsprechtag: So klappt die Zusammenarbeit

Ein Elternsprechtag stellt Lehrer vor besondere Herausforderungen, denn Elterngespräche sind nicht immer einfach. Um dem „Lampenfieber“ zu begegnen, helfen ein genauer Zeitplan und eine gute Vorbereitung aufs Gespräch.

Organisation & Selbstmanagement: Elternsprechtag: So klappt die Zusammenarbeit Neben einer guten Organisation und Terminierung trägt auch eine durchdachte Struktur zum Gelingen des Elternsprechtages bei © DOC RABE Media - Fotolia.com

Mindestens einmal pro Schulhalbjahr werden die Erziehungsberechtigten zum Elterngespräch gebeten. Hier werden die Lernentwicklung, das Arbeits- und Sozialverhalten sowie verschiedene individuelle Belange des einzelnen Kindes besprochen. Dies bedeutet für die Lehrkraft eine genaue Vorbereitung und manchmal auch Stress — besonders für Berufsanfänger. Dabei gilt es, einen Gesprächsrahmen zu schaffen, der positiv ist, Missverständnisse vermeidet und die Zusammenarbeit stärkt.

Bereits bei der Klassenpflegschaftssitzung zu Beginn des Schuljahres wird auf die Elternsprechtage verwiesen. So bleibt im Laufe des Schuljahres genug Zeit, sich auf diesen Termin vorzubereiten. Denn: Bevor die Elternsprechtage beginnen, müssen die Vorbereitungen abgeschlossen sein und der Terminplan stehen. 

Zeit und Dauer der Termine genau bestimmen

Über einen Zeitraum, in der Regelvon ein bis zwei Wochen, können in Absprache mit der Schulleitung Termine flexibel vergeben werden. Was die Uhrzeit und die Dauer der Termine betrifft, sind Sie gefragt. Achten Sie auf genügend Zeit für die Gespräche und darauf, dass nicht zu viele Gespräche hintereinander folgen. 

Manche Gespräche bieten sich vor acht Uhr an und manche um 12 oder aber auch um 15 Uhr.  Manchmal bietet sich auch der Samstag als Gesprächstag an. Dies richtet sich sowohl nach ihrem Stundenplan als auch nach den Bedürfnissen der Eltern. Bedingt durch Schichtarbeit, lange Arbeitszeiten und auch private Verpflichtungen sind die Eltern froh, wenn Sie ihnen dabei entgegenkommen. 

Kennen Sie die Eltern und Schüler schon ein bisschen besser, können Sie auch die Dauer des Gespräches besser einschätzen. Erfahrungsgemäß ist das Elterngespräch bei einem sehr guten Schüler nicht so zeitaufwendig wie für einen Schüler, der Leistungsdefizite aufweist. Bei schwierigen Schülern oder auch Eltern reicht vielleicht auch ein Termin allein nicht aus. 

Sind alle Termine vergeben und gut organisiert, machen Sie sich ein Schild z. B. mit der Aufschrift: „Vielen Dank, dass Sie den Termin zum Elterngespräch wahrnehmen, sobald das laufende Gespräch beendet ist, bitte ich Sie herein.“ Dann müssen Sie nicht damit rechnen, dass Eltern die Tür aufreißen, wenn Sie noch mitten in einem anderen Gespräch sind. Legen Sie sich alle Unterlagen, wie Lernzielkontrollen, Arbeitshefte und Mappen in der Terminreihenfolge bereit. Auch Ihre Notizen, die Sie im Laufe des Schuljahres machen oder in einen Übersichtsplan eingetragen haben. 

Die vier Phasen eines Elterngesprächs

Neben einer guten Organisation und Terminierung trägt auch eine durchdachte Strukturierung des Gesprächs zum besseren Gelingen bei. Ein Elterngespräch kann in vier Phasen unterteilt werden und läuft meistens im gleichen Schema ab.

Phase 1: Die erste Kontaktaufnahme mit den Erziehungsberechtigten. Oft sind die ersten Minuten der Kontaktaufnahme entscheidend für den weiteren Gesprächsverlauf. Wenn Sie die letzten Gesprächspartner an der Tür verabschiedet haben, begrüßen Sie die Nächsten mit einem Handschlag an der Tür und bitten diese herein. Zeigen Sie eine offene und freundliche Haltung durch Gestik und Mimik. Ein paar Worte wie „Schön, dass Sie heute Zeit haben“ lockern die Atmosphäre auf und wirken entkrampfend. Lächeln Sie auch und setzen Sie sich gemeinsam an einen Tisch. Begegnen Sie den Eltern auf Augenhöhe, schließlich arbeiten sie gemeinsam für das Wohl des Kindes. Eine kleine Blume auf dem Tisch, ein Glas Wasser für die Eltern oder ein paar Bonbons oder Kekse können das Klima positiv beeinflussen. 

Phase 2: Das Gespräch über die Lernentwicklung, das Arbeits- und Sozialverhalten- sowie verschiedene individuelle Belange des einzelnen Kindes. Leiten Sie nun mit ein paar Worten das Gespräch ein. Diese könnten lauten: „Seit Schuljahresbeginn sind ein paar Monate vergangen und ich möchte mir heute gern mit Ihnen zusammen die Entwicklung ihrer Tochter anschauen.“ Um sich ein Bild von den Eltern zu machen ist es ratsam, diese zuerst ihren Eindruck schildern zu lassen. Danach können Sie Ihren Eindruck mit einfließen lassen. Sie berichten nun den Eltern von der Lernentwicklung des Kindes. Um dies noch deutlicher für die Eltern zu machen, sollten Sie Lernzielkontrollen, Arbeitshefte und Mappen des Kindes zeigen. Ihren Übersichtsbogen dürfen Sie nicht vergessen, so können Sie noch detaillierter auf mögliche Nachfragen eingehen. Für Eltern ist es wichtig, dass sie merken, sie werden von der Klassenlehrerin bei Ängsten und Sorgen ernst genommen. Während des Gesprächs sollten sie ein Gesprächsprotokoll anfertigen. Hier notieren sie alles, was besprochen wurde, vor allem aber auch Ziele und Vereinbarungen mit den Eltern. So kann beim nächsten Gespräch darauf zurückgegriffen werden. Auch überprüfen sie so, ob die Ziele erreicht wurden und die Vereinbarungen eingehalten wurden. 

Phase 3: Die gemeinsame Weiterarbeit. Hat der Schüler Probleme oder Schwierigkeiten, sollten diese offen angesprochen werden. Eltern sind Ihnen meist dafür dankbar und gemeinsam kann eine Lösung gefunden werden. Versuchen sie, der Sache auf den Grund zu gehen und beschönigen sie die Situation nicht. Diese Fragen sollten beantwortet werden: Was kann die Schule tun? Was können die Eltern tun? Gegebenenfalls kann auch eine andere Institution hinzugezogen werden. Für einen positiven Verlauf des Gesprächs ist es auch legitim eine weitere Lehrperson oder einen Spezialisten hinzuzuziehen. Sollten Sie eine Förderschullehrerin oder eine Schulpsychologin an ihrer Schule haben, können Sie diese auch dazu bitten. 

Phase 4: Zu einem guten Gesprächsabschluss kommen. Am Ende des Elterngespräches sollten Sie gemeinsam Ziele und Vereinbarungen getroffen haben. Wenn nötig vereinbaren Sie weitere Termine. Weisen sie noch einmal darauf hin, dass die Schule und die Eltern gemeinsam für das Kind arbeiten. Mit der Zeit bekommen Sie dann ein Gefühl dafür, wie das Gespräch verlaufen ist und für den richtigen Zeitpunkt, es zu beenden. Dann verabschieden Sie die Eltern freundlich.

Notfall-Kit, wenn was schieflauft

Gelegentlich kommt es vor, dass trotz der guten Vorbereitung nicht alles so läuft wie geplant. Hier einige Beispiele für Unwegbarkeiten und mögliche Reaktionen:

  • Zeitmangel: Im Gespräch stellen sie fest, dass sie sich in ihre Zeitplanung verkalkuliert haben. Wenn im Gespräch klar wird, dass noch etwas besprochen werden muss, verweisen Sie auf einen neuen Termin, an dem Sie sich noch mehr Zeit nehmen.
  • Neu auftretende Probleme: Im Gespräch stellen Sie fest, dass Probleme besprochen werden müssen, von denen Sie vorher nichts wussten. Hier können Sie auf einen neuen Termin verweisen, indem eine fachkundige Person hinzugezogen wird. 
  • Schwierige Eltern: Im Gespräch stellen Sie fest, dass die Gemüter sich immer weiter erhitzen und ein zielführendes Gespräch zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich ist. Brechen Sie das Gespräch ab und vereinbaren Sie später einen neuen Termin.
  • In die Enge getrieben: Im Gespräch stellen Sie fest, dass Ihr Gesprächspartner Sie in die Enge treibt und von Ihnen Zugeständnisse erzielen möchten, zu denen Sie nicht bereit sind. Beenden Sie das Gespräch, das zu einem anderen Zeitpunkt fortgesetzt werden kann. Hierbei sollten Sie aber nicht allein sein. Holen Sie sich Hilfe und lassen sich zum Beispiel von einer Kollegin begleiten.
  • Verweis auf andere Kinder: Im Gespräch stellen Sie fest, dass immer wieder auf andere Kinder verwiesen wird. Stellen Sie klar, dass Gesprächsgegenstand nur das eigene Kind ist. Bei Beschwerden über andere Kinder zeigen Sie, dass Sie die Beschwerde ernst nehmen und dass Sie die Situation klären werden.
  • Mangelnde Vorbereitung: Im Gespräch stellen Sie fest, dass Sie fachlich nicht gut vorbereitet sind. Erklären Sie den Eltern, dass Sie sich noch genauer informieren wollen. Bitten Sie um ein weiteres Gespräch zu einem anderen Zeitpunkt. 

Sicherlich sind Sie bei den ersten Elterngesprächen nervös. Eltern sind dies aber auch. Versuchen sie immer, sachlich und ruhig im Sinne des Kindes zu agieren und zu argumentieren. Stets sollte das Wohl des Kindes im Mittelpunkt stehen, getreu dem Motto: Gemeinsam mit Schule und Eltern, für das Kind.

Anne Frieß

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