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Rituale im Schulalltag

Ideenkoffer Morgenkreis

Der Morgenkreis ist ein wichtiges Ritual im Schulalltag — besonders für Schüler im sonderpädagogischen Förderbereich. Umso wichtiger ist es, ihn sorgfältig zu planen, um das ganze Potenzial für ein gutes Lern- und Klassenklima auszunutzen.

Rituale im Schulalltag: Ideenkoffer Morgenkreis Der Morgenkreis erfüllt eine wichtige Funktion: Er stimmt die Schüler sanft auf den Schulalltag ein © VadimGuzhva - stock.adobe.com

„Komm zu uns in den Kreis ... nimm deinen Stuhl ganz leis´... und komm zu uns in den Kreis“, so singen die Schüler mit der Lehrkraft, die bereits im Stuhlkreis Platz gefunden haben. Fast ehrfürchtig trägt der nächste Schüler seinen Stuhl still in den Sitzkreis.

Die Tradition des Morgenkreises ist ungebrochen und findet in der ersten Stunde vor dem Unterricht in sehr vielen Klassen statt. Als ein besonderes Ritual dient es dem täglichen Zusammenkommen und sorgt mit seinem klaren Ablauf für äußere und innere Stille, Zentrierung und Ordnung. Schüler brauchen und lieben daher den Morgenkreis. Er bringt die Gelegenheit, Ruhe zu finden und sich in der Gemeinschaft auf die eigene Mitte zu konzentrieren. Die Themen des Morgenkreises können sachlich-informelle, emotionale, soziale oder/und religiöse Elemente beinhalten.

Abhängig von Stil und Zielvorstellung der Lehrkraft sowie dem Alter und Behinderungsgrad der Schüler wird der Morgenkreis unterschiedlich gestaltet sein und sich zeitlich auch unterschiedlich ausdehnen. Je nach eigenen Interessen und Begabungen können Schwerpunkte im musikalischen, spielerischen oder anderen Bereichen gesetzt werden. Dabei hat sich bewährt, ein gleichbleibendes Schema zu wählen, z. B. zwei feste Elemente wie Begrüßung | Gebet | Lied | Wetterbericht | Datum und ein variables Element mit Bezug zum anschließenden Unterrichtsthema, z. B. Weltgeschehen, Schulleben, Schülerprobleme.

Inhalt und Länge des Morgenkreises sollten geplant werden

In der Gestaltung des Morgenkreises müssen jedoch auch Grenzen beachtet werden. Der Morgenkreis sollte nicht allzu lange ausgedehnt werden, da die Schüler sonst ermüden können. Zu starre Rituale helfen nicht allen Schülern, sondern behindern auf die Dauer sogar das flexible Agieren. Im religiösen Anteil sollen unterschiedliche Glaubensrichtungen bzw. multikulturelle Einflüsse berücksichtigt werden. Es ist auch eine besondere Planung notwendig, um Störungen durch therapeutische oder pflegerische Maßnahmen zu verhindern.

Literaturtipps:

Gulden, Elke u. a.: Der achtsame Morgenkreis, Leisespiele, Atemübungen und Konzentration. München 2018

Klein, Suse: Neue Morgenkreis-Ideen fürs ganze Jahr. Lahr/ Schwarzwald 2015

Stockert, Norbert: Spiele für den Morgenkreis. Motivierende Ideen für die Grundschule. Augsburg 2016

Die Bandbreite der Gestaltungsmöglichkeiten hinsichtlich der Inhalte, Methoden und Ziele ist dann jedoch sehr groß:

Inhalte Methode Ziele
religiöse Inhalte Gebet, Meditation, Lied, Geschichte, Bildbetrachtung Stille erleben, religiöse Formen kennenlernen, zur Ruhe kommen, religiöse Erlebnisse haben, Glauben vertiefen, Gottvertrauen, gelebte Religiosität
musische Inhalte Spiele, Kreis- und Bewegungslieder, Instrumente, Verse, Reime, Kunstbetrachtungen musische Ausdrucksmöglichkeiten, rhythmische Elemente kennenlernen, Instrumente spielen, ästhetische Dinge, Bilder, Gegenstände kennenlernen und wirken lassen
kommunikative Inhalte freies Erzählen, Gespräch über Aktuelles, Rückblick, Erzählen mit vorgegebener Thematik verbale und nonverbale Kommunikationsformen kennenlernen und einüben, Kreativität und Erfindungsgabe, Sprachschatz vergrößern
persönlichkeitsfördernde Inhalte individuelle Begrüßung und Ansprache, Lieder, Wünsche äußern, Angenommensein spüren Selbstbewusstsein, Sicherheit, Selbstvertrauen, Mut gewinnen, sich selbst spüren
soziale Inhalte Rollenspiel, Kreisspiel, Partnerübungen, Aufgaben für die Gemeinschaft übernehmen zuhören, warten, sich abwechseln, respektieren können, Umgangsformen kennenlernen und einsetzen
informative Inhalte Wetter, Kalender, Tagesablauf, Zeitungsbericht, Stundenplan zeitliche Orientierung, Aktuelles wahrnehmen und verstehen
situative Inhalte Aufgreifen aktueller Geschehnisse wie Erkrankung, Tod, Geburt, Fest Probleme erkennen und reflektieren, lösen können

Tipps & Tricks für den Morgenkreis

Aus der alltäglichen Praxis ergeben sich wertvolle Tipps für die Durchführung:

  • Sitzordnung: Wer sitzt wo und neben wem?  Lehrer nimmt darauf Einfluss, z. B.: Die Kinder setzen sich Tisch für Tisch in den Kreis | jeweils ein Mädchen sitzt neben einem Jungen | man setzt sich in alphabetischer Reihenfolge | der Lehrer holt jedes Kind durch Herbeizwinkern, mit einem Lied usw.
  • Redestein: Damit nicht alle zur gleichen Zeit reden, bietet sich ein Redestein, ein Ball oder ein Kuscheltier an. Wer diesen Gegenstand hat, kommt zu Wort.
  • Erzählzeit: Manche Kinder erzählen sehr viel → Erzählzeit limitieren, z. B. „Sage 3 wichtige Dinge“, Satzstarter bieten, Erzählkärtchen mit einer begrenzenden Anzahl anbieten usw. Möchte jemand noch mehr erzählen, darf er sich gern wieder melden, sobald alle anderen an der Reihe waren.
  • Erzählfluss: Manche Schüler können Sachverhalte noch nicht sprachlich auf den Punkt bringen. Hier helfen Satzstarter — Bildkarten, Satzanfänge oder Bilder aus der Unterstützten Kommunikation. Man kann Erinnerungskärtchen mit W-Fragen in die Mitte des Kreises legen: Wer, wo, wann, was?
  • Wortmeldung: Möchte ein Kind etwas genauer wissen und nachfragen, hebt es beide Hände. Wenn es etwas Neues erzählen möchte, hebt es nur eine Hand.
  • Präsentation: In der Mitte des Kreises steht ein kleiner Tisch, auf den die Dinge gelegt werden. Behalten die Kinder die Gegenstände in der Hand, sorgt dies für Unruhe.
  • Konflikte: gegenseitige Wertschätzung beachten, z. B.: „Fritz (Augenkontakt), ich finde gut an dir, dass …, aber ich habe mich geärgert, dass du … und ich wünsche mir von dir, dass …“
  • Unruhe: Stören Kinder mehrmals, werden diese verwarnt. Bei der dritten Verwarnung müssen sie dem Kind, welches sie diesmal unterbrochen haben, einen Gefallen tun, z. B. den Klassendienst übernehmen.
  • Aufgaben: Der Morgenkreis besteht aus verschiedenen Bausteinen: Jeder Schüler erhält eine Zeit lang eine bestimmte Aufgabe, die er erfüllen muss, z. B. Kerze anzünden, Kalender, Wetterkarten, Datum, Wochentag, Lied aussuchen, Korb mit Utensilien herbeischaffen u.v.m.
  • Morgenkreiskorb: Lehrer stellt sich einen Korb bereit, in dem viele verschiedene Utensilien sind, die für die bekannten Spiel- und Singlieder benötigt werden, kleine Belohnungen etc. Achtung: Kein Feuerzeug! Das gehört in den Lehrerschreibtisch.

Wichtige Ankerpunkte für Schüler mit schwerer Mehrfachbehinderung

Für Schüler mit einer intensiven Behinderung stellen ritualisierte Lernangebote wichtige Ankerpunkte im Schulalltag dar. Hier können sie Strukturen regelmäßig wahrnehmen und so nach und nach wiedererkennen und schließlich vorwegnehmen. Sie erleben sich neben Maßnahmen zur Einzelförderung oder Therapie besonders intensiv als Teil der Klasse, haben ein wichtiges Klassenamt und können sich aktiv beteiligen. Sie werden mit ihrer ganzen Person integriert und willkommen geheißen.

Als ritualisiertes Angebot im Morgenkreis mit mehrfach behinderten Schülern können daher Elemente zur Körperwahrnehmung eingebaut werden, z. B. den Körper in seiner Gesamtheit erleben und wahrnehmen oder einzelne Körperteile wahrnehmen (Spiel- und Bewegungslieder, Wahrnehmungsübungen, Interaktion mit Mitschülern),; personale Zuwendung suchen und erfahren (Begrüßung, spielerischer Körperkontakt).

Der Morgenkreis stärkt den Beziehungsaufbau zwischen Schüler und Mitschülern wie auch Lehrkräften. In der Runde können alle Schüler Zusammenhalt und Gemeinschaft erfahren wie auch zur konzentrierten Stille kommen, um danach gestärkt in den Schulvormittag zu starten.

Claudia Omonsky

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