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Lehrerforen

Kollegenrat und Online-Coaching für Lehrer

Auch Lehrer benötigen zuweilen bei der Bewältigung des Schulalltags Hilfe. Wenn es im Kollegium mit Rat und Tat nicht klappt, kann man sich auch Unterstützung und wertvolle Tipps in Lehrerforen im Netz holen.

Lehrerforen: Kollegenrat und Online-Coaching für Lehrer Wenn man einen Ansprechpartner bei Problemen benötigt, findet man auch online Rat und Coaching © deagreez - Fotolia.com

Gerade im Kontakt mit verhaltensauffälligen Schülern geraten Lehrer häufig in pädagogische Grenzsituationen, die auf Dauer auch die Lehrergesundheit beeinträchtigen können. Aber auch Stress mit dem Schulleiter, mit Eltern oder mit einem Kollegen beeinflusst das gesundheitliche Wohlbefinden. In den meisten Fällen wirkt kollegiale Unterstützung nachweislich entlastend und geht oft mit Begeisterung für den Beruf einher, wie eine Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt (ausführlich dargestellt in dem unten verlinkten Lehrerbüro-Beitrag „Rödeln" Sie noch oder kooperieren Sie schon?")

Doch nicht immer sind die strukturellen und persönlichen Voraussetzungen für die Kooperation in Lehrerteams gegeben: Oft fehlt es an im Stundenplan festgelegten Kooperationszeiten, an Kapazität bei potenziellen Teammitgliedern oder an räumlichen Gegebenheiten. Und manchmal auch einfach an einem team- und vertrauensfördernden Arbeitsklima in Schulleitung und Kollegium.

Der folgende Beitrag stellt Ihnen zwei Lehrer-Foren im Netz vor. Sie bieten Ihnen die Möglichkeit, sich mit Kollegen und Experten über schulische Probleme und Sorgen auszutauschen — anonym und in einem geschützten Raum.

Erste Hilfe bei Problemen

Die Website lehrerforen.de zählt mit derzeit (Februar 2018) fast 21.000 registrierten, teilweise sehr aktiven Mitgliedern zu den meist genutzten Online-Lehrerforen. Die Registrierung dauert keine halbe Minute, außer einer gültigen E-Mail-Adresse brauchen Sie dabei keine Daten preiszugeben.

Eine komfortable, auf Wunsch auch erweiterte Suche führt schnell zu Threads und aktuellen Diskussionen in unterschiedlichen themenspezifischen Foren, die Sie mit einem Klick auf den Reiter „Forum“ im Überblick haben. Im Archiv mit momentan etwa 43.000 Themen und nahezu einer halben Million Beiträge finden sich oft gute Ratschläge zu genau den typischen Stressoren im Berufsalltag von Lehrern.

Ein Beispiel: Schüler-Eltern beschweren sich und Ihr Chef knickt ein und fällt Ihnen in den Rücken. Sie geben „Eltern“ ein und wie bei Google erscheinen automatisch die am häufigsten benutzten Suchbegriffe mit „eltern-“, unter anderem auch „Elternbeschwerden“. Sie klicken drauf und haben 77 Beiträge mit dem Suchbegriff auf dem Schirm. Über jedem Post steht auch gleich das übergeordnete Thema, sodass Sie sofort erkennen, was für Sie relevant ist: Der Thread zum Thema „Elterngespräche mit Schulleitung ohne Klassenlehrer“ führt Sie dann direkt zu einer Diskussion zu genau Ihrem Thema. Auch der Thread „AU [Arbeits-Unfähigkeit] wegen Mobbing“ führt zu Ratschlägen, die bei dem geschilderten Problem hilfreich sein könnten.

Wer zu seinem Problem nichts Zufriedenstellendes findet, eröffnet einfach einen neuen Diskussionsbeitrag. Alle Kollegen, die das Forum besuchen, sehen Teaser zu den neuesten Fragen und Beiträgen beim Betreten des Forums (unter „Heisse Themen“ und „Letzte Beiträge“). Erstaunlich viele lesen aktuelle Posts und versuchen zu helfen. Das bei der Recherche für diesen Artikel aktuellste Thema „Versetzungsrecht? — Gesamtschule im Aufbau: Oberstufe kommt nicht zustande“ etwa ist zwar eher exotisch und gerade einmal sieben Stunden online, wurde jedoch bereits 395-mal angeklickt und vier Leser haben bereits eine Antwort geschrieben.

Eine virtuelle professionelle Lerngemeinschaft

So sehen die Autoren des Verbandes Bildung und Erziehung Nordrhein-Westfalen und der Leuphana Universität Lüneburg ihre Austausch-Plattform für Lehrerinnen und Lehrer. „Im Forum können Lehrkräfte [Anm.: aller Bundesländer!] anonym Fragen und Probleme eingeben, die sie im Schulalltag belasten und für deren Bewältigung sie sich von anderen Kolleginnen und Kollegen oder von Fachleuten Tipps und Hinweise erhoffen“, schreiben die Initiatoren. Auch hier gibt es wieder mehrere Foren zu bestimmten Themenblöcken: Unter „Probleme in der Schule“ etwa verbergen sich „Mobbing“, „Gewalt, Störungen, Aggressionen“, „Stressbewältigung für Lehrer“, oder „Depression, burn out [sic!] und andere Belastungen“. Wenngleich bei der Anmeldung der volle Klarname ebenso anzugeben ist, wie das Geburtsdatum, so ist doch im Forum Anonymität gewährleistet.

Anders als bei lehrerforen.de gibt es in diesem Forum (noch) kein umfangreiches Archiv mit einer hohen Trefferwahrscheinlichkeit für vergleichbare Probleme bzw. Lösungen, was bei derzeit „nur“ 14.053 Beiträgen natürlich nicht möglich ist. Die besondere Qualität dieses Forums liegt aber in der Beratungs- und Betreuungsarbeit: Ein Team von 19 Personen ist hier aktiv, darunter auch drei Schulpsychologen, zwei Ärzte , zwei Seminarleiter und Lehrkräfte aller Schularten. Sie antworten Ratsuchenden ausführlich und — wie Stichproben bei der Recherche für diesen Artikel gezeigt haben — kompetent. Auf die Frage einer Lehrerin (Erika68) etwa, die von Schülern übel beleidigt wird („Halten Sie die Schnauze“ und „Hurensohn“), kommen zwei gehaltvolle Antworten mit sehr konkreten und fachlich fundierten Empfehlungen und mit Links zu Webseiten mit Handlungsempfehlungen bei Mobbing von Lehrkräften.

Natürlich ist Lehrer-Mobbing in der Regel kein Problem, das in einem Forum gelöst werden könnte. Betroffene Lehrer brauchen hier wirklich Unterstützung der Kollegen und Schulleitung vor Ort, und möglicherweise — je nach Intensität und Dauer des Psychoterrors — auch juristische oder psychotherapeutische Hilfe. Und so verwundert es nicht, dass Erika68 bei der Bewertung (Frage im Forum „Konnte hier geholfen werden?“) in Schulnoten nur eine 2,67 vergibt.

Online beraten, planen, kooperieren

Wenngleich die anonyme Online-Beratung schnelle Entlastung verspricht, ersetzt sie doch keine Face-to-Face-Teamarbeit mit den eigenen Kollegen. Besonders, wenn es um verhaltensauffällige Schüler geht, ist die Kooperation mit anderen Lehrkräften, die diese Kinder und Jugendlichen ebenfalls unterrichten, wesentlich erfolgversprechender: Bei der kollegialen Fallberatung etwa beraten sich Kollegen in einem „klar definierten Rahmen“ und in einem strukturierten Beratungsprozess über schwierige Schüler und entwickeln gemeinsam konkrete Lösungen. Sollte das aus den eingangs genannten Gründen nicht möglich sein, geht auch das online: im Beratungsforum kokom.net widmen sich Lehrkräfte der Fallberatung nach dem Heilsbronner Modell in zehn Schritten. Die Kommunikation erfolgt dabei a-synchron und schriftlich in einer geschützten Online-Umgebung.

Martina Niekrawietz

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