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Lernerfolg

Kriterien für einen guten Unterrichtsabschluss

Nicht nur ein guter Unterrichtseinstieg ist wichtig für den Lernerfolg der Schüler, sondern auch ein guter Unterrichtsabschluss. Nur so können die Schüler die neuen Informationen verarbeiten, reflektieren und einordnen.

Lernerfolg: Kriterien für einen guten Unterrichtsabschluss Ein guter Unterrichtsabschluss garantiert, dass der erarbeitete Lernstoff bei den Schülern auch "hängen" bleibt © evgenyatamanenko - Fotolia.com

Vielleicht kennen Sie das: Sie werden manchmal vom Pausengong regelrecht überrascht, die Zeit ist wieder einmal viel zu schnell vergangen, die Stunde noch gar nicht richtig abgeschlossen. Aber auch dies: Einige Schüler werden bereits Minuten vor dem Stundenende innerlich und äußerlich unruhig oder unaufmerksam, der Lehrer hat dann oft Mühe, den Unterricht selbst geordnet zu beenden. Das schadet nicht nur der Autorität des Lehrers, sondern hat auch negative Einflüsse auf das Lernverhalten. Denn nicht nur der Unterrichtseinstieg ist für eine Stunde eine wichtige Phase, sondern ebenso der gute Abschluss einer Unterrichtsstunde.

Ein chaotisches Abbrechen mit abruptem Ende als Unterrichtsabschluss wird in der Gestaltpsychologie als „Schlucken ohne Kauen“ bezeichnet. Die Schüler erhalten keine Gelegenheit, die neuen, sogenannten Offenen Gestalten zu schließen. Das bedeutet, das neu Gelernte kann nicht richtig reflektiert und integriert werden. Die Schüler brauchen noch Gelegenheit, eine Art persönlicher Bilanz zu ziehen (vgl. Ursula Svoboda: Gestaltpädagogik — Eine Möglichkeit persönlich bedeutsamen Lernens in der Musik- und Tanzerziehung. Dissertation Salzburg 1988, S. 38ff.).

Das bewusste Abschließen, Abrunden und Abschalten gibt Gelegenheit, einen Rückblick, eine Reflexion auf das Gelernte zu nehmen. Es gibt die Möglichkeit, die Arbeitsorganisation, die Struktur und den Orientierungsrahmen für die Schüler nochmals zu überschauen und wirkt damit voraussehbar und verlässlich.

Verschiedene Ansätze für die Abschlussphase

Die beiden Aspekte der Reflexion und der Würdigung werden aus unterschiedlichen Blickwinkeln für die Abschlussphase bedeutsam:

  • Lernpsychologischer Aspekt: Lernen unterliegt der Vergessenskurve. Es sollte daher besonders am Anfang mit häufigen Wiederholungen gearbeitet werden. Die Einzelheiten des Unterrichts werden in einer ausführlichen Abschlussphase nochmals in eine überschaubare Struktur zueinander gebracht, auf das wesentliche Kernfeld reduziert und an Bekanntes angeknüpft. Dies kann das bessere Behalten fördern.
  • Motivationspsychologischer Aspekt: Die Schüler erfahren am Ende des Unterrichts eine spezifische und konkrete, objektivierbare Feedbackkultur, wenn sie eine differenzierte Rückmeldung über ihre Leistungen erhalten. Dies kann eine qualitative („Du hast die schwierigste Aufgabe ganz allein geschafft.“) oder quantitative („Heute hast du fünf Aufgaben allein erledigt.“)  wie auch eine sozial-emotionale („Die Zusammenarbeit mit xy hat heute prima geklappt.“) Würdigung sein. Diese abschließende Würdigung wirkt u. U. gerade am Ende der Stunde sehr motivierend, sodass es für die Folgestunde vermutlich leichter ist, hieran wieder anzuknüpfen.
  • Rhythmisierender Aspekt: Ein deutlicher Schlusspunkt am Ende einer bestimmten Lerneinheit kennzeichnet den Wechsel von Anspannung und Entspannung. Der rhythmisierende Verlauf eines Unterrichtsvormittags mit solchen betonten Akzenten bei den Übergängen macht das Lernen leichter. Ebenso halten die abwechselnden Lern- und Sozialformen die Leistungsbereitschaft insgesamt leichter aufrecht. Wenn Sie in ritualisierter Form eine Stunde abschließen, sinkt die Lernkurve der Schüler in ganz natürlicher, rhythmisierter Form, um danach wieder anzusteigen. Sie können dies sogar noch verstärken, wenn Sie mehr Bewegungselemente in diese Rhythmisierungskurve mit einbauen.
  • Gestaltungsaspekt: Um für Ganzheitlichkeit im Unterricht zu sorgen, ist eine lebendige Gestaltung nötig. Wenn Sie möchten, dass alle Beteiligten sagen können, „es war schön und interessant“, so ist eine gewisse ästhetische Zufriedenstellung notwendig. Auch die Bausteine zum Stundenabschluss können dazu beitragen, da sie dabei helfen, „die Gestalt zu schließen“ (Svoboda, siehe oben).

Nicht zuletzt spielt der erzieherische Aspekt beim Stundenabschluss eine Rolle: Die Schüler spüren, dass etwas zu Ende geführt wird. Dieses Erleben ist wichtig, um den Lernwillen und die Selbstsicherheit zu stärken. Die Disziplin wird erleichtert und die gemeinsame Freude am Erfolg kann verstärkt werden: Wir haben dies oder das gemeinsam geschafft. Die Anstrengung wird dann nicht nur vom einzelnen Schüler gefordert, sondern kann auch als gemeinsame Anstrengung des Klassenverbands verstanden werden.

Möglichkeiten zur Schlussgestaltung

  • Persönliche Stellungnahme und subjektive Bewertung: „Was hat dir am besten/ gar nicht gefallen? Worüber hast du dich heute gefreut/geärgert? Mit wem hast du am liebsten …?“ Diese Art von Nachfragen hilft den Schülern, Äußerungen von Freude, Unlust oder Interesse auszudrücken. Es ist noch keine elaborierte Form der Selbstreflexion notwendig. Die Schüler können auch Stellungnahmen zu Unterrichtsprodukten oder Arbeitsblättern geben.
  • Direkte Frage nach dem Lernerfolg und Selbstbewertung: „Was hast du heute gelernt? Was hast du Neues erfahren? Was kannst du besser als vorher? Was hast du gut/nicht gut gemacht? Worauf willst du beim nächsten Mal achten?“ Diese Art der Frage ist für Schüler oft mit einem sehr hohen Maß an Selbstreflexion verbunden. Überprüfen Sie stets, ob Ihre Schüler mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt dazu schon in der Lage sind. Visualisierungen wie Ampel-System oder Smilys können hier helfen.
  • Zusammenfassung des Wesentlichen und die Sache als Ganzes: Mithilfe des Tafelbilds oder anderer Arbeitsergebnisse können die Schüler das neu Gelernte in wesentlichen Zügen verbalisieren und zusammenfassen. Der Lehrer kann auf die Ausgangsfrage/das Ausgangsproblem zurückkommen und so einen Bogen schließen. Die erarbeitete sachliche Ganzheit wird nochmals am Stück vorgestellt /gezeigt, das Lied wird im Ganzen gesungen, das Gedicht noch einmal vorgetragen. Dies trägt ebenfalls zur Gestaltschließung bei.

Bei einem besinnlichen Schluss klingt der Unterricht in ruhiger, meditativer Form aus. Je nach Unterrichtsfach und Stundenthema kann dies die passende Abschlussmethode sein, um die Schüler nochmals in die Atmosphäre von Fragen und Haltungen zu bringen. Gut durchdachte, besinnliche Worte oder andere Formen des Ausdrucks runden dann den Unterricht ab.

Beliebt bei Lehrern ist der offene Schluss, da er Anknüpfungspunkte für die nächste Stunde schafft. Mit sogenannten „Cliffhangern“ bleibt eine Grundspannung und Motivation aufrechterhalten, um mit dem Thema weiterzuarbeiten. „Was haben wir noch nicht erfahren? Wie könnte es weitergehen? Was möchtest du gern noch wissen? Ich habe da noch eine Sache ...“

Für welche Form von Abschluss Sie sich auch entscheiden, achten Sie dabei auf eine ritualisierte Fragestellung und einen bekannten Ablauf. Das macht die Würdigungsphase im Laufe der Zeit etwas weniger zeitintensiv und effektiver. Sie können mit einfachen Hilfsmitteln starten, falls Sie Schüler haben, die sehr lange zum Erzählen brauchen, z. B. Erzählball, Bilder als Sprechanlass, Satzstarter, Erzählstein etc.

Abschließender Tipp: Achten Sie darauf, genau zu differenzieren, ob bei wertenden Fragen die Sache oder das Schülerverhalten bewertet wird. Wertende Fragen können manchmal in die Irre führen. So meldet ein Schüler zurück, dass es ihm schwergefallen ist, die Aufgabe xy zu lösen. Daraufhin erhält er ein „trauriges Gesicht“-Symbol. Aber etwas kann ja durchaus schwer sein und dennoch oder gerade deshalb Spaß machen!

Claudia Omonsky

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