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Lernklima

Kriterien für einen guten Unterrichtseinstieg

Mit einem gelungenen Unterrichtseinstieg steht und fällt eine gute Stunde. Wer ein paar wenige Dinge berücksichtigt, legt nicht nur den Grundstein für eine gelingende Erarbeitung des Unterrichtstoffes, sondern auch für ein gutes Lehrer-Schüler-Verhältnis.

Lernklima: Kriterien für einen guten Unterrichtseinstieg Ein gelungener Unterrichtseinstieg ist wichtig für eine gelingende Unterrichtsstunde © evgenyatamanenko - Fotolia.com

Eine gute Unterrichtsstunde fängt mit dem Anfang an. Es lohnt sich, in der Planung von Unterricht diese einfache Wahrheit zu berücksichtigen. Vielleicht haben Sie viele Überlegungen in einen interessanten Hauptteil, eine effektive Erarbeitung oder neue Unterrichtsmethoden gesteckt. Wenn der Unterricht dann trotzdem hakt und nicht rund läuft, lohnt sich vielleicht einmal ein Blick auf den Beginn der Stunde.

Wir als Pädagogen wissen, dass es eine schulische Utopie ist, ein Bild von allzeit intrinsisch motivierten Schülern zu haben. Es liegt in unserer pädagogischen Verantwortung und Möglichkeit, hier dem Schüler zu helfen und für extrinsische Motivationsreize zu sorgen — sei es im Lehrerverhalten wie auch mit der Unterrichtsgestaltung.

Stundeneröffnung ist nicht Unterrichtseinstieg

Der Philosoph Aristoteles sagt: „Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen“. Auf den guten Unterrichtseinstieg bezogen sollte man sich genau überlegen, was man als Lehrer sagt, nachdem man „Guten Tag“ gesagt hat. Denn obwohl diese Eröffnung noch nicht im Zusammenhang mit dem Unterrichtsinhalt und damit dem Einstieg in die Stunde zu tun haben muss, so zeigt sie doch den Schülern, dass sie wahrgenommen werden. Der Lehrer signalisiert echtes Interesse und Zuwendung, denn damit hat er die größte Chance, seine Schüler zu erreichen.  Unruh & Petersen haben dies als das „Herstellen einer guten Lernlaune“ bezeichnet. „Es gäbe zum Beginn einer Stunde nichts Wichtigeres, als Kontakt zu seinen Schülern herzustellen.“ (Thomas Unruh/Susanne Petersen: Guter Unterricht. Handwerkszeug für Unterrichtsprofis, Lichtenau 2006, S. 52). Sicherlich ist eine „gute Lernlaune“ nicht nur für Schüler, sondern genauso für Lehrer angenehm.

Mit einer wiederkehrenden, ritualisierten Stundeneröffnung kommt der Lehrer also zum Schüler, aber noch nicht zwangsläufig sofort zur Sache. Das stabilisiert den Lehrer-Schüler-Bezug und schafft gute Voraussetzungen für den Unterricht. Lehrer und Schüler schalten gewissermaßen gemeinsam um auf etwas Neues. Die Schüler können sich innerlich von der vorangegangenen Situation lösen (zum Beispiel Pause, Konflikte, anderer Unterricht) und sich selbst vergewissern, dass es jetzt mit etwas anderem losgeht. Idealerweise wird dadurch bereits eine gewisse Spannung und Erwartungshaltung aufgebaut.

Angepasst an die Schülergruppe wie auch den didaktischen Ort, an die Tageszeit und die allgemeine Lernkurve gibt es unzählige verschiedene Möglichkeiten zur Stundeneröffnung und zum Einstimmung, beispielsweise Sitzkreis, Singen, Morgenkreis, Trommeln, Stilleübungen, Ratespiele, Kalenderarbeit, Konzentrationsübungen u.v.m. (vgl. auch Hilbert Meyer: Unterrichtsmethoden, Band 2, Frankfurt am Main 5. Auflage 1993, S. 122 ff.)

Unterrichtseinstieg als eigenständige Phase mit didaktischen Funktionen

Nach der Einstimmung auf die Stunde folgt der eigentliche Unterrichtseinstieg. Er stellt eine eigenständige Phase mit bestimmten didaktischen Funktionen dar. Er soll in ein neues Thema einführen, zu zentralen Aspekten des laufenden Themas hinführen und in motivierender Weise einen Orientierungsrahmen schaffen. 

Dabei knüpft er idealerweise an das Vorwissen und die Vorerfahrung der Schüler an. Die Kunst des Lehrers besteht darin, hier auf den Kern einer Sache zu reduzieren und komplexe Sachverhalte zu einer griffigen Zielangabe herunterzubrechen. Dazu sollte ihm selbst die genaue Schwerpunktsetzung für diese eine Unterrichtsstunde klar sein.

Steht der Lehrer zum ersten Mal vor einer Klasse, ist der Einstieg besonders wichtig, da er damit in gewisser Weise zeigt, wer er ist und was von ihm zu erwarten ist — getreu dem Motto: „Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance.“ Und gerade zu Beginn des Lehrerdaseins stellt man immer wieder fest, dass man bei der einzelnen Unterrichtsstunde immer die ganze Sequenz im Kopf hat und sich daher nicht auf den Schwerpunkt für diesen kleinen zeitlichen Ausschnitt der Einzelstunde festlegen konnte. 

Grundformen für Unterrichtseinstiege

Für den Unterrichtseinstieg kann der Lehrer verschiedene Grundformen in Betracht ziehen:

  • Lehrerzentrierte & informierende Einstiege: Diese sind oft stark sprachgesteuert und bedürfen daher einer Klasse, die dem sprachlichen Input gut folgen kann, zum Beispiel Lehrererzählung, Lehrervortrag, etwas vorzeigen/vormachen, Konstruktion eines Widerspruchs/ Problemkonstruktion, Verfremden, Verrätseln, Provozieren etc. 
  • Ganzheitliche & handlungsorientierte Einstiege: Diese immer noch lehrergesteuerten Einstiege zeichnen sich eher durch Spiel und Aktion aus, zum Beispiel Rollenspiel, Standbild bauen, Szenisches Spiel, Puzzle, Domino, Memory, DalliKlick etc.
  • Schülerorientierte Einstiege, offene Spielformen & Gesprächsformen: Diese Einstiege werden zunehmend stärker durch die Tätigkeit der Schüler geprägt, zum Beispiel spielerische Einstiege, Experimente, Gesprächsrunden, Sortieren & Strukturieren etc. (Vgl. und weiterführender Hinweis: Didaktische Landkarte. In: Hilbert Meyer: Unterrichtsmethoden, Band 2, Frankfurt am Main 5. Auflage 1993)

Unabhängig davon, für welche Grundform man sich schließlich entscheidet, ist es besonders wichtig, dass Einstieg und Unterrichtsstunde dann kongruent sind. Im didaktischen Dreieck von Schüler-Lehrer-Sache hilft der Lehrer mit dem Einstieg in die Auseinandersetzung der Schüler mit der Sache. Gelungene Einstiege führen dann in der Praxis oft wie von selbst zur Zielangabe, die von motivierten Schülern formuliert werden. Es entsteht eine Sogwirkung in die Stunde, die „Hälfte des Ganzen“ ist geschafft.

Claudia Omonsky

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