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Basiswissen

Overhead-Projektor nutzen — aber richtig!

Der Tageslichtprojektor ist noch immer ein häufig genutztes Medium im Unterricht, aber für Berufsanfänger auch eine Herausforderung. Digital Natives meistern sie, indem sie den Einsatz der Folien sowohl technisch als auch inhaltlich sorgfältig planen und vorbereiten. 

Basiswissen: Overhead-Projektor nutzen — aber richtig! Die Nutzung eines Beamers, um Texte und Bilder an die Wand zu projezieren, ist an manchen Schulen immer noch nicht möglich © contrastwerkstatt - stock.adobe.com

Welche technischen Geräte besitzt Ihre Schule und welche setzen Sie regelmäßig im Unterricht ein? Dazu befragte das Magazin sofatutor von August 2015 bis Januar 2016 insgesamt 456 Lehrkräfte. Tatsächlich spielt der Overheadprojektor (OHP) nach wie vor eine wichtige Rolle bei der Visualisierung von Unterrichtsinhalten: In 84,90 Prozent der Schulen gehörte er noch 2016 zur Grundausstattung, dicht gefolgt vom Beamer mit 83,30 Prozent. Wenngleich die befragten Lehrer mit 62,3 Prozent am häufigsten Beamer und (oft ihren eigenen!) Laptop einsetzten, so arbeiteten doch immerhin noch 54,4 Prozent regelmäßig mit dem „guten alten“ OHP. Das wird knapp zwei Jahre später auch nicht großartig anders sein.

Für manche Berufseinsteiger bietet die Präsentation via Tageslichtprojektor so manche Tücken. Referendar Pascal Grün bekommt bei seinem ersten Unterrichtsversuch sogar „Schnappatmung beim Gedanken an das technische Equipment“: „Ob sich meine eigenen Lehrer im Angesicht von CD-Player und Overhead-Projektor wohl ähnlich hilflos fühlten?“, räsoniert er in der Kolumne „Der Referendar“ in der Süddeutschen Zeitung. Die Tipps und Tutorials im folgenden Beitrag zeigen, worauf Sie bei der Präsentation mit dem OHP achten sollten.

Vor- und Nachteile des Overheadprojektors

Gerade bei unruhigen Klassen bietet der OHP im Vergleich zum Tafelanschrieb einen entscheidenden Vorteil: Als Lehrkraft bleiben Sie permanent der Klasse zugewandt und in Blickkontakt mit Ihren Schülern. Anders als bei Beamer und Laptop verlieren Sie in der Klasse keine Zeit durch den Aufbau der Geräte und das Öffnen der Folie; Sie schalten den OHP ein, prüfen mit einem kurzen Blick, ob die Folie gerade liegt und komplett sichtbar ist, und können direkt loslegen. Folien lassen sich auch aufbewahren und wiederverwenden. Insgesamt ist jedoch die Folienerstellung für Sie als Lehrkraft zeitaufwendiger als mit einem Präsentationsprogramm.

Ein weiterer Nachteil beim Einsatz von OHPs: Die Kühlung der Geräte ist meist recht laut. Besonders in Klassen mit hörgeschädigten Schülern kann das — je nach Distanz und Position zum Gerät — problematisch sein. Gegebenenfalls schafft hier ein Platzwechsel oder ein geräuscharmes Gerät (laut Cochlear Implant Verband Mitteldeutschland <30 dB) Abhilfe.

Quellen und weiterführende Hinweise:

Ein ausführliches Tutorial zum Einsatz von Overheadprojektoren im Unterricht bieten Ingbert von Martial und Volker Ladenthin im Grundsatzwerk „Medien im Unterricht: Grundlagen und Praxis der Mediendidaktik“. 2. korrigierte und überarbeitete Auflage, Hohengehren 2005

Probate Gestaltungstipps für Overheadfolien finden sich hier auf der Website stangl-taller.at. 

Die wichtigsten Aspekte des Themas „Overheadprojektor“ beleuchtet die Website „didactics online“ der Universität Wien.

Praxistipp: Um Ablenkungen der Schüler durch Wandbild oder Kühlgeräusche zu vermeiden, sollte der Projektor ausgeschaltet werden, sobald Sie ihn mehrere Minuten nicht brauchen. Sie können sich dann außerdem wieder uneingeschränkt im Tafelbereich bewegen und riskieren keine Blendungen durch die starke Lichtquelle des Tageslichtprojektors.

Souveränität gewinnen durch Vorab-Check 

In jedem Fall empfiehlt es sich, in unbekannten Räumen vor Beurteilungsstunden oder Lehrproben das Gerät in der Klasse zu testen: Passen Projektionsabstand und Schärfe? Ist eine Verdunklung des Raumes erforderlich? Sollte das Objektiv verschoben oder die Bildwand abgeschrägt werden, um eine Verzerrung der Projektion auszugleichen? Das alles sollte bereits im Vorfeld abgeklärt werden. 

Beim Schreiben oder Zeigen auf OHP-Folie steht der Präsentierende neben dem Gerät, um nicht das Wandbild zu verdecken oder in die Lichtquelle zu geraten. Am besten checken Sie bereits vorab die optimale Position neben dem Tageslichtprojektor und loten Ihren Bewegungsradius rund um den OHP aus. 

Auch das freihändige Schreiben „live“ auf Folie will geübt sein. Eine untergelegte Folie mit dünnen Hilfslinien ist am Anfang hilfreich, um Zeile und Schriftgröße beizubehalten. Durch eine kleine Übungseinheit reduzieren Sie zudem die Nervosität und damit auch mögliches Zittern oder feuchte Hände, beides beim Live-Schreiben auf Folie leider kaum zu verbergen. Am besten nehmen Sie auch einen Kollegen mit, um ein Feedback zur Lesbarkeit Ihrer Folien zu bekommen. 

Tipps zu Schriftgröße und guter Lesbarkeit

Am wichtigsten ist natürlich die Lesbarkeit des Textes: „Wenn direkt aus Büchern auf Folien kopiert wird, ist der Text in den hinteren Reihen meist kaum noch zu lesen. Die Kleinbuchstaben auf Folien sollten mindestens fünf Millimeter hoch sein — das entspricht einer Schriftgröße von 18 Punkt“, so die Faustregel der Autoren von „didactics online“ (Link s. u. im Kasten). Sie raten in jedem Fall zu einem „Fußbodentest“ von fertigen Folien: „Wenn man die Folie vor sich auf den Fußboden legt, sollte sie bei aufrechter Stehhaltung zu lesen sein.“ Werner Stangls Empfehlung für die Schriftgröße: „20 pt für Fließtext und größer für die Überschriften“. Bei am Computer erstellten Folien rät Stangl zu schnörkel- und serifenlosen Schriften wie Arial oder Verdana (vgl. seine Website, Link s. Kasten unten). Verschiedene Schrifttypen und -schnitte auf einer Folie wirken eher unruhig, und manche sind auch schwer zu lesen, zum Beispiel Arial condensed. Deshalb gilt als Faustregel: Möglichst nur einen Schrifttyp und nicht mehr als zwei Schriftgrößen für Überschriften und Fließtext verwenden. Kursive Schriftschnitte und Fettungen sollte man besser sparsam einsetzen.

Für handschriftliche Folien gilt, dass Stifte mit einer mittleren Schriftstärke die Lesbarkeit verbessern, so die Autoren von didactics online (Link s. Kasten). Permanentstifte gewährleisten, dass Sie die Schrift nicht versehentlich verwischen. Fehler lassen sich hier jedoch nur mit einiger Mühe und einem Folienradierer beseitigen.

Zum Zeigen direkt auf der Folie eignet sich am besten ein durchsichtiger Plexiglasstift, der keinen Schatten auf der Projektionsfläche erzeugt. Alternativ bewegen Sie einen Laserpointer über das Wandbild.

Empfehlungen zu Farben und Format

Mit Farben wirken Folien „lebendiger und ansprechender“, sie sollten allerdings mit Bedacht eingesetzt werden: „Für Textfolien sollten zwei bis drei verschiedene Farben ausreichen“, so heißt es auf der Webseite „didactics online“ unter „Foliengestaltung“. Kaum zu sehen seien dünne „gelbe, orange und rote Linien (...) bei der Projektion“ und „rot und grün [sei] für viele Menschen auf Entfernung schwer zu unterscheiden“ (Link s. Kasten). Am besten verwenden Sie für Texte schwarze oder zumindest sehr dunkle Stifte bzw. Druckfarben und farbige nur für Überschriften, einzelne Wörter oder Markierungen. 

Übereinstimmend raten die OHP-Ratgebertexte bei Folien zur Verwendung des Querformats. Das ermöglicht zum einen die vollständige Projektion der Folie auch in niedrigen Räumen. Zum anderen zwingt das Querformat dazu, sich bei der Menge der Informationen zu beschränken. Ihre Schüler sollten die Inhalte auf einer vorgefertigten Folie innerhalb weniger Sekunden erfassen können. 

Verschiedene Techniken beim Folieneinsatz

Je nach Unterrichtssituation und -themen können Folien via Overhead-Projektoren unterschiedlich eingesetzt werden. 

Fertig-Folien lassen sich in aller Ruhe vorbereiten und sorgfältig herstellen. Doch sie „verführen“ auch, zum Beispiel beim Lehrervortrag im Frontalunterricht, „zu schnellerem Vortrags-Tempo und können so ermüdend wirken“, warnen die Autoren von „didactics online“. Hinzu kommt, dass die Betrachter ihre Aufmerksamkeit nur entweder dem Lehrervortrag oder dem Lesen der Folie widmen können. Dabei sticht das Lesen das Zuhören. Um diesen Kannibalisierungseffekt zu vermeiden, sollten Sie den Schülern ausreichend Zeit lassen, um sich die Informationen auf der Folie anzusehen, und erst dann weiterreden. Oft ist es auch sinnvoll, Folienteile abzudecken und parallel zum Unterrichtsverlauf aufzudecken.

Wenn Sie beispielsweise im Unterrichtsgespräch ein Thema entwickeln oder mit den Schülern ein Brainstorming machen, nutzen Sie „Live-Folien“ („didactics online“), die Sie im Verlauf des Unterrichts beschreiben. Vorteil: Ihre Schüler können einen Gedankengang besser nachvollziehen und können, zum Beispiel bei einer Stoffsammlung, anhand des bereits Genannten neue Ideen entwickeln.

Mit der „Überleg-Technik“, auch Overlay- oder Aufbautechnik genannt („didactics online“), bauen Sie das Schaubild durch das Übereinanderlegen mehrerer Folien schrittweise auf. Dabei ist allerdings auf Passgenauigkeit der Folien zu achten: Damit Folien passgenau aufgelegt werden können, haben die meisten Projektoren oben und an der linken Seite Zapfen für gelochte und dadurch fixierbare Folien. Alternativ nutzt man Folien mit Passerzeichen. Auch mit der sogenannten „Klapptechnik“ erzielen Sie Passgenauigkeit: Dabei fixieren Sie bis zu drei Folien mit durchsichtigem Klebeband (etwa wie bei einem Flügelaltar rechts und links, oder an der Oberkante, und klappen die Folien im Unterrichtsverlauf ein (siehe „didactics online“). Um Helligkeitsverluste zu vermeiden, sollten eher dünne Folien übereinandergelegt werden. Bei einer Foliendicke von 0,8 mm könnten bis zu acht Folien übereinandergelegt werden, ohne dass die Ansicht verschwimmt. 

Experimentieren, strukturieren, variieren mit Folienteilen 

In einer Hinsicht sind Overheadprojektoren anderen Medien wie Tafel oder Beamer überlegen: Folien lassen sich zerschneiden und ihre Bestandteile können — live vor der Klasse! — frei auf einer Basisfolie bewegt werden. Diese Technik bietet im Unterricht vielfältige Anwendungsmöglichkeiten in allen Phasen des Unterrichts: beispielsweise Verschiebeproben im Grammatikunterricht, Positionierung von geschichtlich relevanten Ereignissen auf einem Zahlenstrahl mit Jahreszahlen, „richtiges“ Zusammenfügen der Verse eines Gedichtes, Lösen verschiedener Rechenaufgaben in Algebra u. v. m. — In jedem Fall können die Schüler dabei selbst aktiv werden und entwickeln Lösungen direkt am Projektor — und für alle sichtbar.

Martina Niekrawietz

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