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Gedichtewerkstatt

So wird der Deutschunterricht ein Gedicht

Eine Gedichtewerkstatt motiviert: zum Gedichtelesen, -gestalten und -vortragen und zum eigenen kreativen Schreiben. Selbst fachfremd Unterrichtenden gelingt damit ein anspruchsvoller Unterricht, der alle Schüler mitnimmt.

Gedichtewerkstatt: So wird der Deutschunterricht ein Gedicht Auch in der Gruppe lassen sich Gedichte schreiben und gestalten. Das hilft besonders leistungsschwächeren Schülern © Syda Productions - Fotolia.com

„Unsere Freude im Herbst ist riesengroß, wir ziehen mit unseren Drachen los“, reimt Max mit für ein Herbstgedicht. Während er sich bei der Arbeit an der Gedichtewerkstatt mit einem Partner für ein Reimgedicht entschieden hat, illustrieren Katharina und Laura die markanten Wörter ihres ausgewählten Herbstgedichtes „Die Vogelscheuche“ von Christian Morgenstern.

Im Klassenraum sind viele Anleitungen für Gedichtformen ausgelegt, zu denen die Schüler während der Werkstatt ein eigenes Gedicht schreiben können. Zudem gibt es für leistungsschwache Schüler als Differenzierung Auftragskarten, um Gedichte zu illustrieren, Gedichtsteile zu sortieren oder Lückenwörter in einem fertigen Gedicht zu finden.

Die Gedichtewerkstatt kann ein jahreszeitliches Oberthema wie im Beispiel der Schüler oben „der Herbst“ haben. Ebenso geht dies im Frühling, Sommer und Winter. Auch bieten sich Themen wie Geburtstag, Weihnachten, Ferienzeit o. Ä. an, um eine Gedichtewerkstatt für Grundschulkinder zu initiieren. Die Schüler werden mit Eifer bei der Sache sein — und selbst fachfremd Unterrichtenden gelingt so ein fundierter Deutschunterricht.

Einführung in die Gedichtewerkstatt

Um den Schülern Ideen für eigene Gedichte zu einem Oberbegriff zu liefern, wird das Thema im Plenum besprochen. Hier sammeln die Schüler alle Wörter, die ihnen beispielsweise zum Thema „Herbst“ einfallen. Dazu zum Beispiel „Wind, Drachen, Nüsse, Apfelernte, farbige Blätter“ etc. Je nach Leistungsstand der Klasse sammeln der Lehrer oder die Schüler die Ideen als Mindmap, auf einem Plakat oder gruppenteilig auf Arbeitsblättern. Zugleich können auch bereits Sätze zur Inspiration wie „Ich lasse meinen Drachen steigen“, „Vom großen Kastanienbaum am Waldrand fallen dicke Kastanien“ entstehen, die die Schüler notieren.

Die Schüler dürfen während der Schreibzeit in der Gedichtewerkstatt allein oder mit einem Partner eigene Gedichte schreiben oder einen Gedichtsauftrag erfüllen. Arbeiten sie mit einem Partner, so muss das gemeinsam begonnene Gedicht zuerst beendet werden, bevor eine neue Schreibidee verwirklicht wird. Haben die Schüler während des Schreibens neue Wörter oder Sätze zum Thema gefunden, können sie diese auf die im Klassenraum ausgehängte Mindmap, auf dem Plakat oder auf den Einführungsarbeitsblätter hinzufügen. So werden auch andere Schüler immer wieder mit neuen Ideen für ihre Arbeit inspiriert.

Verschiedene Gedichtsformen kennenlernen und ausprobieren

Um ein Gedicht zu verfassen, benötigt man neben der Idee eine Form. Hier gibt es verschiedene Ideen, die die Schüler nutzen können. Der Lehrer stellt zunächst die Karten, auf denen die Gedichtform mit einem Beispiel notiert ist, im Plenum für alle Schüler vor.
Allen Schülern bekannt ist sicher das traditionelle Reimgedicht. Hier reimen sich die letzten Wörter zweier Zeilen. Um dem Gedichtrhythmus zu entsprechen, muss die Silbenanzahl ähnlich gleich sein. Alternativ können sich auch die Zeilen 1 und 3 sowie 2 und 4 einer Gedichtstrophe reimen. Als Vorbereitung für diese Gedichte können bereits Reimwörter gefunden und notiert werden.

Der Beginn eines Gedichtes könnte dann wie bei Max heißen:
„Unsere Freude im Herbst ist riesengroß,
wir ziehen mit unseren Drachen los,
auf der großen Wiese lassen wir sie in die Lüfte steigen,
am Himmel sieht man einen kunterbunten Drachenreigen.“

Eine einfache Gedichtform stellt das Schneeballgedicht dar. Es besteht aus einem mehr oder weniger langen Satz, der Wort für Wort aufgebaut wird. Beim Satz: „Die Blätter färben den Herbstwald bunt“ sieht es wie folgt aus:
Die
Die Blätter
Die Blätter färben
Die Blätter färben den
Die Blätter färben den Herbstwald
Die Blätter färben den Herbstwald bunt.

Beim Akrostichon werden Sätze zu den Anfangsbuchstaben eines Wortes gebildet. Jeder Satz beginnt mit dem entsprechenden Buchstaben. So etwa zum Wort „Nüsse“:
N un ist der Herbst da.
Ü berall liegen Blätter herum.
S ie haben sich bunt gefärbt.
S chon fallen die Nüsse herunter.
E ndlich können wir sie essen.

Ein Haiku besteht aus drei Zeilen mit einer vorgegebenen Anzahl an Silben. In der ersten Zeile fünf Silben, in der zweiten sieben und in der dritten Zeile wieder fünf Silben:
Herbst du bist nun da,
Blätter fallen ab vom Baum,
die Welt sieht bunt aus.

Für ein Elfchen benötigt man wieder ein bestimmtes vorgegebenes Schema:
Die erste Zeile enthält ein Wort mit einer Farbe oder Eigenschaft, in der 2. Zeile wird mit zwei Wörtern ein Namenwort mit der Farbe oder der Eigenschaft notiert, in der 3. Zeile erfährt man mit drei Wörtern, was das Namenwort ist oder tut, die 4. Zeile berichtet mit vier Wörtern etwas über sich selbst, beginnend mit „Ich …“, die 5. Zeile enthält nur ein Abschlusswort:
Bunt,
bunte Blätter,
sie fallen ab.
Ich sehe den Herbst,
freudig.

Eine schwierigere Herausforderung ist das Schreiben eines Gedichtes, in dem jedes Wort den gleichen Anfangsbuchstaben hat:
Heute holt Helga herbstliche Hüte heraus.

Für kreative Schüler können Herbstwörter mit einem Bildergedicht dargestellt werden. Hier wird beispielsweise mit den Buchstaben Schirm ein Regenschirm abgebildet:

Auch kann man in Bilder mit Buchstaben schreiben etc. Hier sind der Fantasie der Schüler keine Grenzen gesetzt.

Differenzierungsaufgaben zum Thema Gedichte

Einigen leistungsschwachen Schülern fällt das Erfinden und Schreiben eigener Gedichte häufig schwer. Für sie können folgende differenzierte Aufgaben mit Gedichten von Autoren zum Thema bereitgestellt werden:

  • Beim Lückengedicht hat der Lehrer einige einzelne oder mehrere Wörter in einem Gedicht weggelassen. Diese Stellen können vom Schüler mit eigenen Wörtern gefüllt werden. Spannend ist es, die eigenen Ideen mit dem Originalgedicht zu vergleichen.
  • Ein Gedichtpuzzle entsteht ganz leicht, wenn ein Gedicht in Teile zerschnitten wird. Die Schüler sollen hier anhand des Inhaltes das Gedicht wieder richtig zusammensetzen.
  • Schülern gefällt es auch, zu Gedichten, Teilen davon oder Strophen zu malen.
  • Ein Gedicht abzuschreiben und markante Stellen besonders hervorzuheben oder mit einer anderen Schrift zu schreiben, ist eine ebenso motivierende Aufgabe für leistungsschwache Schüler.

Gedichte präsentieren und vortragen

Nach Abschluss der Werkstatt möchten die Schüler ihre eigenen oder gestalteten Gedichte meist gern präsentieren. Dies kann in Form einer Lesung vor der Klasse, den Eltern, einer Nachbarklasse oder der gesamten Schulgemeinde erfolgen. Ebenso bietet sich eine Ausstellung der Gedichte im Klassenraum oder im Schulhaus an.

Ein schönes Erinnerungsgeschenk, evtl. auch an die Eltern, ist ein Klassengedichtebuch. Dazu kopiert der Lehrer die geschriebenen Gedichte, die Schüler gestalten ein Deckblatt und binden ihre Gedichtsammlung zu einem Buch.

In jedem Fall stellt die Gedichtewerkstatt eine kreative Möglichkeit dar, sich Gedichten zu nähern und Ideen zu einem Thema selbstständig umzusetzen. Meist entsteht hier ein Schreibfieber und sicher werden viele kreative, gute Schülergedichte darunter sein.

Marion Keil

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