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Eingewöhnungszeit

Starthilfen für Erstklässler

Erstklässler tun sich manchmal schwer, sich an die Schule zu gewöhnen. Klassenlehrer können dabei Starthilfe bieten: Mit ein paar wenigen Maßnahmen gelingt es, ein positives Lern- und Klassenklima zu schaffen.

Eingewöhnungszeit: Starthilfen für Erstklässler Damit die Begeisterung vom ersten Schultag nicht in Frust umschlägt, können Lehrkräfte kleine Starthilfen geben © contrastwerkstatt - stock.adobe.com

Viele Erstklässler starten voller Tatendrang und Begeisterung und stellen schon nach kurzer Zeit in ihrer Klasse fest, dass alles doch nicht so lustig ist, dass sie still sein und lange sitzen müssen. Nachmittags können sie nicht sofort spielen gehen, da die Hausaufgaben erledigt werden müssen. In der neuen Lerngruppe müssen sie sich erst noch zurechtfinden und auch an die neue Bezugsperson gewöhnen. Zahlreiche unbekannte Faktoren, die ein Kind verarbeiten muss.

Viele Grundschullehrer, die eine erste Klasse übernehmen, wissen, dass sie nun eine anstrengende Zeit erwartet. Die Schüler müssen an die neue Situation herangeführt werden, brauchen noch viel Aufmerksamkeit und Konsequenz. Neben der Stoffvermittlung werden auch die Grundlagen in den Bereichen Kommunikation, Soziabilität und Emotionalität angebahnt.
Zahlreiche Schüler und Schülerinnen zeigen allerdings schon früh Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, verbunden mit starker Unruhe und Verhaltensauffälligkeiten. Doch für dieses Verhalten kann es verschiedene Gründe geben.

Probleme in der ersten Klasse haben verschiedene Gründe

Wenn Jungen oder Mädchen schon im ersten Schuljahr Auffälligkeiten zeigen, müssen sie genau beobachtet werden, um eventuelle Störungen früh genug ausschließen oder aber rechtzeitig erkennen zu können. Probleme, die behandelt werden müssen, sind zum Beispiel:

  • Dyskalkulie (Probleme mit Rechenarten und Zahlen)
  • Legasthenie (Lese- und Rechtschreibstörung)
  • Dyslexie (Probleme beim Leseverständnis)
  • ADS oder ADHS
  • Aggressionsstörung
  • oder Symptome wie regelmäßige Bauch- oder Kopfschmerzen
  • Rückzug

Bei diesen Störungen oder Beeinträchtigungen müssen Gespräche mit den Eltern, dann mit dem Schulpsychologen, dem Sozialpädagogisches Zentrum (SPZ) oder gegebenenfalls mit einem Kinderarzt geführt werden. Das Ergebnis kann dann zu speziellen Therapien oder Förderprogrammen führen.

Es gibt jedoch auch Kinder, die mit der neuen Situation in der Schule schlichtweg überfordert sind. Sie spüren schon recht früh Leistungsängste, finden in der neuen Gruppe nicht ihren Platz, sind unaufmerksam und lassen sich schnell ablenken. Möglich ist auch, dass diese Kinder zu Hause sehr verwöhnt wurden, sie immer im Mittelpunkt standen oder zu früh mit sich (und verschiedenen Medien) allein gelassen wurden. Eine zu frühe Einschulung kann auch ein Grund sein.

Step-by-step in den Schulalltag

Für den Schuleinstieg ist es äußerst wichtig, dass Schüler in der ersten Klasse „gut ankommen“ und schnell das Gefühl gewinnen, dazu zu gehören. In der ersten Zeit lernen sie oftmals nur für ihre Lehrerin. Daher ist ein gutes Schüler-Lehrerverhältnis unabdingbar und gibt den Kindern Sicherheit. Verhaltensauffälligkeiten haben Einfluss auf die Lern- und Leistungsfähigkeit und somit auch auf den Lernerfolg. Dies kann langfristig zu psychischen Störungen führen und den Schulerfolg stark beeinträchtigen.

Daher ist eine Implementierung von präventiven Maßnahmen und die Förderung der verschiedenen Kompetenzen in den Bereichen Sozialverhalten, Kommunikation und Emotionalität schon in der Grundschule absolut notwendig. Dazu gehören auch Entspannungsübungen und das Lernen in Bewegung. Klare Strukturen, Rituale und eine konsequente Haltung schaffen Orientierung und verhelfen vor allem Schülern mit Problemen, mehr Selbstsicherheit und einen Platz in der neuen Umgebung zu finden.

Um den Kindern die Eingewöhnungszeit zu erleichtern und sie darin zu unterstützen, sich in die Klassengemeinschaft einzufügen und step-by-step den Schulalltag zu meistern, hier ein paar einfache Tipps und Anregungen, die Sie als Klassenlehrerin leicht umsetzen können.

Einfacher für die Kinder, sich in der neuen Klassengemeinschaft zurechtzufinden, ist es, wenn Sie kurz vor ihnen in der Klasse sind. Dann können Sie bei eventuellen Konflikten schneller reagieren und den Unterricht beginnt nicht damit, ein mögliches Durcheinander zu ordnen. Gerade Erstklässler haben noch Fragen, die sie vorher loswerden wollen. Manche sind noch nicht orientiert im Klassenraum und brauchen Unterstützung , zum Beispiel bei den Fragen, wo die benötigten Materialien liegen, wo sich ihr Stuhl befindet, wo sie ihre Schultasche hinhängen können, etc.

Ankommen in der neuen Umgebung

Eine Erleichterung für die Schüler, die neue Umgebung anzunehmen, fängt schon mit der Sitzordnung an. Hyperaktive Kinder brauchen eine ruhigere Atmosphäre. Eine gute Möglichkeit für den Anfang können verteilt je zwei Tische in L-Form sein, an denen jeweils über Eck ein Junge und ein Mädchen, ein Junge und ein Mädchen sitzen. Diese Verteilung kann mehr Ruhe bringen. Wann eine bestimmte Sitzordnung Sinn ergibt, hängt auch von den bevorzugten Lehrmethoden ab. Wechseln sie demnach, wenn es räumlich möglich ist, öfter den Lernort. Dies hilft unruhigen Kindern, sich zu fokussieren und wieder zu konzentrieren.

Es gibt Kinder, die sich nicht in den Klassenraum trauen und draußen stehen bleiben wollen. Wenn gutes Zureden nicht hilft, lassen sie die Tür geöffnet und beginnen mit einem Morgenkreislied. Sie können auch mit der ganzen Klasse zu dem Kind in den Flur gehen und dort gemeinsam singen. Fragen Sie das schüchterne Kind, ob es schon jemanden kennt und ob diese Mitschülerin/dieser Mitschüler es in die Klasse begleiten soll. Auch hier hilft es, vor Beginn in der Klasse zu sein, um das Kind frühzeitig zu empfangen. Auf jeden Fall sollte Sie verhindern, dass die Eltern das Kind bis in die Klasse bringen.

Manchen Kindern hilft es, in der ersten Zeit ein Kuscheltier mit in die Schule bringen zu dürfen. Für die ganze Klasse gibt es  zusätzlich eine Handpuppe (oder ein anderes Tier) als Schüler-Buddy, die von der Klasse einen Namen bekommt und in bestimmten Situationen von Ihnen eingesetzt wird. Unsichere Kinder finden so über diesen „Vermittler“ schneller einen Zugang zur Gruppe.

Malen Sie mit den Kindern zu Anfang Namensschilder. Dabei können sie ihren eigenen Namen mit dem Bild eines Tieres ergänzen, das den gleichen Anfangsbuchstaben hat, wie der eigene Vorname. Die Schilder werden zum Kennenlernen auf den jeweiligen Tisch gestellt und später draußen an die Garderobe gehängt.

Orientierung bieten

Kinder benötigen in dem neuen sozialen Umfeld Schule Orientierung. Ein klar strukturierter Tagesablauf, der konsequent eingehalten wird, kann dabei helfen. Dieser Ablauf kann, mithilfe von Symbolen/Signalkarten für die einzelnen Fächer und Aktivitäten, direkt am Morgen mit den Schülern an die Tafel geheftet werden.

Hyperaktive Kinder sind oftmals hilflos und unsortiert. Sprechen Sie rechtzeitig mit den Eltern, um möglicherweise gemeinsam mit ihnen einen genauen Plan zu entwerfen: Für jeden Tag gibt es, je nach Stundenplan, zu Hause eine Karte mit Symbolen oder Bildern, auf der die Fotos der mitzubringenden Sachen abgebildet sind. So weiß das Kind, welche Sachen es für den jeweiligen Tag einpacken soll. Das ist natürlich auch ein wunderbares System, mit allen Schülerinnen und Schülern Selbstständigkeit und Eigenverantwortung einzuüben: Nicht Mama und Papa kümmern sich um die Schulsachen, sondern ich selbst!

Für Kinder, die nicht still sitzen können, können Sie im Morgenkreis oder in der Gesprächsrunde Yoga-Kissen verwenden. Falls Ihr Etat das nicht zulässt, könnten Sie den Eltern vorschlagen, dass jedes Kind ein eigenes mitbringt. Diese Kissen sind angenehm und verhindern das Herumzappeln — und lassen sich natürlich auch für kleine Bewegungs- und Ruheeinheiten nutzen. In kleinen Klassenräumen kann man sie zudem nach dem Gebrauch gut verstauen. Das lange Sitzen macht vielen Schülern zu schaffen und entspricht ja auch nicht ihrem natürlichen Bewegungsdrang. Deshalb bauen Sie Bewegungseinheiten in den Unterricht ein. Wenn Sie merken, dass etliche Schüler unkonzentriert werden, lassen Sie sie z. B. einmal um alle Stühle rennen oder durch die Klasse springen. Danach sind sie wieder voll bei der Sache. Selbst im Fachunterricht können Sie die ein oder andere Aktion einbauen. Mengen/Zahlen oder Buchstaben kann man auch durch Standbilder darstellen, z. B.: „Ich habe hier die Zahl 3. Stellt euch immer zu dritt zusammen.“ „Stellt mit vier Kindern den Buchstaben M dar als Standbild.“

Können die Schüler zu Beginn des Unterrichtes nicht leise werden, kann ein „Startritual“ die Aufmerksamkeit sammeln. Möglich sind: Trommelrhythmus mit den Händen auf dem Tisch, bis alle miteinstimmen, eine Startmusik, bis alle ruhig sind, eine besondere Handbewegung, ein Klangstab, eine Klangschale. Werden diese Rituale regelmäßig eingesetzt, haben die Kinder sie verinnerlicht und reagieren darauf. Wichtig ist, dass alle die Regeln einhalten.

Zu Anfang des Schuljahres sind Erstklässler häufig noch nervös und müssen öfter zur Toilette. Nehmen Sie sich am Anfang einmal die Zeit, mit allen einen Toilettenrundgang zu machen, um die Umgebung zu zeigen und sie den Schülern vertrauter zu machen. Damit Sie dann nicht immer durch Anfragen während des Unterrichtes gestört werden, können Sie an die Tür eine Toilettenampel mit rotem und grünem Kärtchen/Stickerhängen. Wer gehen muss, stellt die Ampel auf Rot und verlässt ohne Worte den Raum. — Aber auch das muss geübt werden, ebenso dass immer nur ein Kind zurzeit gehen darf.

Rituale und Regeln für ein gutes Lernklima

Rituale und Regeln strukturieren den Schulalltag und bieten Sicherheit und Orientierung. Dennoch sollten sie eine Regel nach der anderen einführen. Schüler, vor allem Erstklässler mit psychischen Problemen, benötigen Zeit, um Regeln zu verinnerlichen und einhalten zu können. Daher ist es sinnvoll, mit nur einer Regel zu beginnen, diese jedoch täglich zu üben oder darauf aufmerksam zu machen. Welche Regel Sie zuerst einführen wollen, obliegt Ihrer Entscheidung. Folgende Regeln wären meiner Meinung nach für die erste Klasse sinnvoll:

  1. Ich gehe freundlich mit anderen um.
  2. Wenn ich etwas weiß, melde ich mich und warte bis ich drangenommen werde.
  3. Ich störe andere nicht beim Lernen.
  4. Ich wende keine Gewalt an.
  5. Ich helfe anderen, wenn sie mich brauchen.
  6. Auf der Treppe schubse und springe ich nicht.

Besonders Schüler mit Aufmerksamkeitsdefiziten fühlen sich besser, wenn sie von den anderen wahrgenommen und anerkannt werden. Dazu kann das Ritual „König/Königin der Woche“ helfen. Jede Woche (die Zeit kann auch variieren) wird ein neuer König/eine neue Königin gewählt, dessen Sitzplatz besonders geschmückt wird: mit einem Tuch, Goldfolie oder Papierblumen o. Ä. Er/sie darf sich in dieser Zeit Hilfe von seinem Tischnachbarn wünschen.

Kinder sollen sich wohlfühlen

Lob und Anerkennung fördern die Lernbereitschaft besonders bei Kindern mit Lernschwierigkeiten.  So angefeuert können sie Selbstvertrauen entwickeln. Generell tut eine Kultur der Anerkennung allen Schülern gut und schafft ein Lernklima, das den Leistungsschwachen wie den Leistungsstarken zugutekommt. Besonders dann, wenn sie frühzeitig lernen, sich auch gegenseitig zu unterstützen. Als Lehrkraft können Sie Ihre Schüler durch die Wahl der Methode darin unterstützen, indem Sie z. B. kooperative Lernformen einführen.

 Atemübungen wirken ähnlich wie Bewegung und verbessern die Aufmerksamkeit und Konzentration, indem das Gehirn mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt wird. Hier finden Sie ein paar Übungen:

  1. Atmen mit dem Kuscheltier: Die Kinder legen sich mit dem Rücken auf den Boden. Das mitgebrachte Kuscheltier wird auf den Bauch gelegt. Durch kräftiges Ein- und Ausatmen könne die Kinder sehen, wie das Kuscheltier hoch- und runtergeht.
  2. Die Schlange: Die Kinder sitzen auf einem Stuhl und halten den Rücken gerade. Die Hände werden auf den Bauch gelegt. Tief durch die Nase einatmen und wie eine Schlange zischelnd durch den Mund ausatmen. Sie sollen darauf achten, wie der anschwellende Bauch die Hände bewegt.
  3. Lippenbremse: Die Kinder sitzen mit geradem Rücken auf dem Stuhl. Sie atmen tief ein und plustern dabei die Backen auf, um danach die Luft bei geschlossenen Lippen wieder ausströmen zu lassen. Das gibt lustige Geräusche und die Lungen können sich entspannen.

Lehrer, die eine erste Klasse übernehmen, haben eine anspruchsvolle Aufgabe. Hier werden die Grundsteine für viele Schlüsselkompetenzen. gelegt. Im Idealfall sollen sie neugierig machen und die Lust am Lernen wecken — auch bei Schülerinnen und Schülern, die sich schwer damit tun.

Angela Hentschel

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