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Optimales Lehrerverhalten

Statt Lehrervortrag Impulse zum selbstständigen Lernen

Lässt der Lehrer die Schüler aktiv am Unterrichtsgeschehen teilnehmen und gibt er ihnen anstelle von langen, komplizierten Lehrervorträgen Impulse zum selbstständigen Entdecken und Ausprobieren, lernen die Schüler motivierter, eigenständiger und bringen ihre Ideen mit ein.

Optimales Lehrerverhalten: Statt Lehrervortrag Impulse zum selbstständigen Lernen Wenn Schüler selbstständig lernen, hat die Lehrkraft Zeit für Kinder, die Schwierigkeiten haben © WavebreakMediaMicro - Fotolia.com

„Jetzt packt ihr zuerst das Arbeitsblatt in den roten Schnellhefter und dann schreibt ihr die Sätze aus eurem Deutschbuch auf Seite 35 ins rote Heft ab. Wenn ihr fertig seid, vergesst nicht, die Hausaufgaben aufzuschreiben!“, erklärt der Lehrer der Klasse 3b. Was für ihn wie eine einfache Anweisung klingt, ist für viele Schüler der Klasse viel zu viel Information. Nicht verwunderlich, wenn Schüler nicht wissen, was sie nun als erstes tun sollen.

Optimal wäre es, eine Anweisung nach der anderen zu eben. Hierbei sollte der Lehrer überlegen, nicht zu kompliziert, sondern eindeutig und in Kindersprache zu erklären und zu fragen. Im Beispiel wäre die Anweisung „Holt bitte euren roten Schnellhefter heraus!“, sicher eindeutiger gewesen, um danach die Schüler zu bitten, hier ihr Arbeitsblatt einzuheften. Ergänzend zur Mitteilung der Seitenzahl, auf der im Buch gearbeitet werden soll, ist es hilfreich, die Seitenzahl an der Tafel zu notieren. So werden nicht nur auditive, sondern auch visuelle Lerntypen angesprochen.

Im Allgemeinen sprechen Lehrer überhaupt viel zu viel. Besser ist es, wenn der Gesprächsanteil der Kinder größer ist und der Lehrer nur Impulse zum Lernen gibt. Die Erklärungen sollten lieber durch die Schüler kommen.

Lehrerverhalten im Unterrichtsgespräch

Der Lehrer sollte es vermeiden, im Unterrichtsgespräch permanent W-Fragen zu stellen und besser Impulse geben wie: „Bitte schaut euch das Material an und überlegt, wie ihr es euch gegenseitig vorstellen könnt.“ Muss dennoch etwas erklärt werden, so ist es sinnvoll, diese Erklärungen von anderen Schülern wiederholen zu lassen. Anstelle eines Lehrerechos sollte hier besser ein Kinderecho erfolgen, um zu sehen, ob auch die Mitschüler alles verstehen konnten. Je jünger die Kinder sind, umso wichtiger sind kurze Phasen und häufiger Phasenwechsel, am besten mit Eigeninitiative der Schüler. Im Mathematikunterricht beispielsweise könnten die Schüler anhand verschiedener Waagen als Impulse zunächst selbst Erfahrungen mit dem Wiegen von Gegenständen und den Maßeinheiten machen, um später von ihren Entdeckungen im Wiegeprozess zu berichten.

Lehrerverhalten bei Arbeitsphasen

Wenn Lehrer sich zu einzelnen Schülern setzen, um sie beim Arbeiten zu unterstützen, sollten sie alle Schüler der Klasse im Blick haben und sich nicht mit dem Rücken zu arbeitenden Kindern setzen. Es ist wichtig, keinen Schüler unbeobachtet zu lassen, damit er sich dem Lernen nicht entziehen oder andere Schüler bei der Arbeit stören kann. Um alle Schüler zum Mitarbeiten zu motivieren, ist es optimal, differenziertes Material sowohl für leistungsschwache als auch für leistungsstarke Schüler bereitzuhalten. Auch sollte sich der Lehrer zuvor überlegen, was schnell arbeitende Schüler machen können, wenn sie mit ihrer Arbeit fertig sind. Hier bieten sich eine Helfertätigkeit, eine weiterführende Zusatzaufgabe ebenso an wie eine freie Beschäftigungszeit mit Büchern, Spielen oder Knobelmaterial im Klassenraum.

Lehrerverhalten bei Lehrervorträgen

Es gibt Dinge wie beispielsweise die schriftliche Division, die die Schüler schwierig selbst entdecken können. Sind Lehrervorträge nötig, so sollte der Lehrer natürlich langsam, laut und deutlich sprechen.

Um etwas zu notieren, ist der Sitzkreis ungünstig, da die Notationen für einige Schüler immer auf dem Kopf stehen, es sei denn, der Lehrer hat mehrere Verschriftlichungen, die er reihum im Sitzkreis für alle sichtbar auslegen kann. Besser ist die Form eines „Kinositzes“, eines Halbkreises vor der Tafel, an der er eine Aufgabe oder Ähnliches entwickeln kann. Der Lehrer sollte bei den Erklärungen bestimmt und konsequent, aber trotzdem einfühlsam und flexibel auf die Schüler eingehen. Nicht selten kommt es vor, dass die Unterrichtsstunde einen anderen Verlauf als geplant nimmt, weil Zwischenfragen, Berichte der Schüler oder weiterführende Beiträge den Unterricht in eine andere Richtung lenken. Auch dann sollte der Lehrer nicht in Hektik geraten, sondern den Beiträgen der Schüler, wenn interessant für das Unterrichtsgeschehen, einen entsprechenden zeitlichen und inhaltlichen Rahmen gewähren und seine Unterrichtsplanung gegebenenfalls um- oder zurückstellen.

Möchten sich mehrere Schüler am Unterricht beteiligen, so ist eine Schüler-Meldekette ideal, das heißt, die Schüler nehmen sich gegenseitig dran und fördern so die Kommunikation untereinander. Auch gerät der Lehrer nicht in die Kritik, immer bestimmte Kinder, die Mädchen oder die Jungs dranzunehmen.

Lehrerverhalten bei Reflexionsphasen

Um eine Entdeckung der Schüler, eine bearbeite Aufgabe oder ein Unterrichtsgespräch zu reflektieren, bieten sich geeignete Impulsfragen an, um Entdeckungen, Probleme oder die Weiterarbeit besprechen zu können. Beispielfragen sind hier zum Beispiel:

  • Gab es Probleme, die wir besprechen sollten?
  • Habt ihr beim Arbeiten etwas entdeckt?
  • Hat jemand Ideen, was wir noch entdecken könnten?
  • Was war das Wichtigste heute?
  • Könnt ihr euch etwas für die Weiterarbeit vornehmen?
  • Was klappte beim Arbeiten besonders gut/schlecht und warum?

In der Reflexionsphase kann der Lehrer die Schüler sowohl auf inhaltliche Entdeckungen, weitere Ideen und eine Weiterführung des Unterrichtsinhalts lenken als auch auf das soziale Miteinander. Die Schüler sollten hier die Möglichkeit haben, sowohl inhaltliche als auch Probleme in der Partner- oder Gruppenarbeit ansprechen zu können. Gemeinsam kann durch Impulse des Lehrers dafür eine gemeinsame Lösung gefunden werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Lehrer viele Möglichkeiten für bewegtes, handlungsorientiertes, aktiv-entdeckendes und problemlösendes Lernen schaffen sollte. Werden die Schüler immer wieder mit in den Unterricht einbezogen, kann sich der Lehrer sowohl im Gesprächsanteil als auch als Vortragender immer mehr zurückziehen und die Schüler aktiv in ihren Lernprozess einbinden. Dies ist für viele Schüler viel motivierender als am Schulvormittag nur passiver Zuhörer zu sein.

Marion Keil

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