Fach/Thema/Bereich wählen
Elternarbeit

Tipps und Praxishilfen für Ihren Elternsprechtag

Wie gestalte und organisiere ich den Elternsprechtag? — Eine Frage, die besonders Berufseinsteiger beschäftigt. Gut vorbereitet mit Ablaufplan, Checklisten und Gesprächstechniken kann so schnell nichts schiefgehen.

Elternarbeit: Tipps und Praxishilfen für Ihren Elternsprechtag Es bedarf einiger Vorbereitung, um ein sachliches und vertrauensvolles Gespräch mit den Eltern führen zu können © contrastwerkstatt - Fotolia.com

„Bei uns an der Schule ist nächste Woche Elternsprechtag. Da ich die Kinder erst seit zwei Monaten kenne und auch nur 11 Stunden in der Klasse unterrichte (bin aber Klassenlehrerin), kann ich nicht unbedingt zu jedem Kind einen 10-minütigen Monolog halten (auch wenn manche Eltern das gerne hätten) ;-)“, schreibt „SchafimWolfspelz“ auf der Website lehrerforen.de. Der Grundschullehrer bittet die Kollegen im Forum um Ideen für den Einstieg in ein Gespräch, das „auch wirklich ein GESPRÄCH ist“.

„Avantasia“ schlägt die Formulierung „Wie kann ich Ihnen helfen“ vor, „Schmeili“ lässt „erstmal die Eltern schildern, wie sie ihr Kind aktuell wahrnehmen“ und „Piksieben“ schildert ihre Erfahrungen aus Muttersicht: Sie war schon „ein paarmal“ genervt, „wenn die guten Leistungen mal schnell vom Tisch gewischt wurde[n], damit man ganz schnell zu all dem kommen konnte, was nicht in Ordnung ist, und das dann mächtig breitgetreten wurde und ich mit vielen guten oder weniger guten Ratschlägen versorgt wurde“.

Der folgende Beitrag gibt Ihnen Praxishinweise und Materialien an die Hand, mit denen Sie schon beim ersten Elternsprechtag in einer neuen Klasse das Fundament für eine langjährige, erfolgreiche Erziehungspartnerschaft zwischen Schule und Elternhaus legen.

Sympathiepunkte sammeln mit der Einladung

Eine freundliche schriftliche Einladung zum Elternsprechtag stellt die Weichen für eine angenehme und sachliche Gesprächsatmosphäre. Im Idealfall informieren Sie die Eltern nicht nur über Termin, Ort und Dauer des Gesprächs, sondern auch gleich, worüber Sie mit ihnen sprechen möchten. Die Erziehungsberechtigten können sich dann ihrerseits auf das Gespräch und die Themen vorbereiten. Sie nehmen ihnen mögliche Vorbehalte oder Ängste, z. B. vor unvermutet unangenehmen Gesprächsthemen. Mit einem Rücklaufzettel stellen Sie sicher, dass Ihre Einladung nicht „in der Versenkung verschwindet“. Dabei sollten die Eltern auch dann Feedback geben, wenn sie den Termin nicht wahrnehmen.

Hier im Lehrerbüro finden Sie Musterschreiben für Einladungen auf Deutsch und auch in vielen Herkunftssprachen von Schülern aus Migrantenfamilien. Und mit den mehrsprachigen Kopiervorlagen  in der Broschüre SCHUL-TIP [sic!] laden Sie Türkisch-, Russisch- oder Arabisch-sprachige Erziehungsberechtigte differenziert nach Elternabend, Elternsprechtag oder Elterngespräch ein.

Um lange Wartezeiten auf Einzelgespräche zu vermeiden, geben Sie den Eltern am besten Gelegenheit, sich einen bestimmten Gesprächstermin zu reservieren. Manche Schulen setzen dabei auf Einträge in Listen am „schwarzen Brett“, andere auf Eltern-Informationssysteme auf der Schulwebsite. Wichtig ist natürlich in beiden Fällen, dass die Eltern genau wissen, wie sie bei der Terminbuchung vorgehen sollten und wann ggf. die „Anmeldefrist“ abläuft. Natürlich kann man auch noch am Elternsprechtag selbst Terminlisten aushängen, in die sich die Eltern eintragen. Wartezeiten können dann zum Beispiel für Erledigungen oder Gespräche mit anderen (Fach-)Lehrern genutzt werden.

Spickzettel fürs Eltern-Gespräch

Gerade wenn Sie Ihre Klasse erst seit wenigen Wochen „kennen“, sollten Sie etwas mehr Zeit für die Gesprächsvorbereitung einplanen. In der Regel sind mehrere Wochen Vorlauf erforderlich, um die einzelnen Schüler kennenzulernen und sich von ihnen ein möglichst objektives Bild zu machen. Grundschullehrerin Gisela Reinsch nutzt dazu einen Beobachtungsbogen, den sie in ihrem Lehrerblog „Lernstübchen“ vorstellt und verlinkt. Darauf vermerkt sie nicht nur die Leistungen in Mathematik und Deutsch, sondern auch das Sozial- und Arbeitsverhalten ihrer Schüler. Und zum Einstieg ins Gespräch kommen erst einmal die Eltern zu Wort, denn Frau Reinsch erkundigt sich, wie es dem Kind mit den Hausaufgaben geht, was es von der Schule erzählt, ob es gern in die Schule kommt usw. Diese Fragen sind übrigens ebenfalls auf dem Beobachtungsbogen vermerkt und dienen auch gleich als Gesprächsmemo.

In der Sekundarstufe sind die erforderlichen Schülerdaten schon allein aufgrund der Vielzahl von Fächern komplexer. Hier sollte sich die Lehrkraft vorab ein „möglichst genaues Bild“ über den „zumindest aktuellen Leistungsstand“ und über die Leistungsentwicklung machen, raten die Ausbilder des Studienseminars Rheinland-Pfalz in ihrer Checkliste für den ersten Elternabend bzw. Elternsprechtag (siehe Verlinkung oben) . Klassenlehrer informieren sich vorab am besten über das gesamte Notenbild bzw. die Notenentwicklung.

„Schüler/innen-Karteikärtchen haben sich bewährt“ (ebd.), so die Autoren, am besten auch gleich mit kurzen Notizen zur Rolle des Schülers in der Gruppe und zum Lern- und Arbeitsverhalten. — Regelmäßig gepflegt und fortgeschrieben dient Ihnen diese Schülerkartei auch als sichere Basis für Konferenzen oder spontane Tür-und-Angel-Gespräche mit Eltern und Kollegen.

Klar strukturierter Ablauf

Am Elternsprechtag sind die Einzelgespräche mit den Eltern eng getaktet. Bei einer Gesprächsdauer von 10 bis 15 Minuten pro Gespräch ist es deshalb wichtig, „zu Potte“ zu kommen. Am besten klären Sie gleich zu Beginn mit den Eltern gemeinsam, was hier und heute besprochen werden soll bzw. was von Ihrer Seite wichtig wäre. Achten Sie darauf, dass auch die Eltern genügend Spielraum haben, ihre Anliegen einzubringen. Bei Themen, die mehr Zeit beanspruchen, verweisen Sie direkt auf Ihre Sprechstunde oder vereinbaren einen zusätzlichen Termin mit „mehr Luft“. Am besten legen Sie sich für diesen Fall auch gleich einen freundlichen aber bestimmten Satz zurecht: „Ja, Sie haben recht, darüber sollten wir unbedingt ausführlich reden. Heute ist das leider nicht möglich, weil wir an einen festen Zeitrahmen gebunden sind. Wenn Sie möchten, können wir aber gleich einen Termin vereinbaren und jetzt die verbleibenden Minuten dafür nutzen, um noch ...“

„Eltern erwarten bei Elternabenden und Einzelgesprächen, dass man sie ernst nimmt und ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Probleme anzusprechen“, schreibt der Autor des Beitrags 7 Verhaltens-Tipps für gelungene Elterngespräche in einem Lehrerportal. Oberstes Ziel ist es für ihn, „eine atmosphärische oder kommunikative Abwärtsspirale um jeden Preis [zu] vermeiden“. Er rät, Eltern auch dann ernst zu nehmen, wenn man als Lehrkraft völlig anderer Meinung ist, denn: „Die Eltern HABEN dieses Problem, und dieses Problem wird nicht dadurch gelöst, dass die Lehrer/in behauptet, es gäbe dieses Problem nicht.“ (ebd.)

Checklisten für erfolgreiche Elterngespräche

Den Raum aufräumen, die Eltern mit einem Türschild willkommen heißen, Getränke für die Besucher bereitstellen, das alles vermittelt implizit, dass eine gute Beziehung zu den Eltern für Sie einen hohen Stellenwert hat.

Weitere Anregungen bieten die 7 konkreten Verhaltenstipps (Link s. vorheriger Absatz): „Bei Einzelgesprächen (...) lassen Sie in jedem Fall zuerst die Eltern reden“, empfiehlt der Autor, und: „Machen Sie sich Notizen.“ Egal, wie das Gespräch verlaufen ist, der letzte Eindruck zählt. Auf keinen Fall sollte man bei der Verabschiedung „hudeln“, sondern sich „gebührend“ und freundlich verabschieden.
Nicole Wache, Kommunikationstrainerin im Jugendhilfe- und Bildungsbereich, zeigt auf ihrer Website 10 Wege, um Elterngespräche „bestmöglich zu vermasseln“. Ihr Tipp für die abschließende Phase des Gesprächs: „Geben Sie um Gottes willen kein positives Feedback und keine Wertschätzung, da dies zur Erhöhung des Selbstwertgefühls bei den Eltern führen könnte. (...) Reichen Sie keine Hand zur Verabschiedung und öffnen Sie nicht die Tür. Wir sind schließlich nicht im Hotel.“

Martina Niekrawietz

Dazu passender Ratgeber
Dazu passende Arbeitshilfe

Mehr zu Ratgeber Berufseinsteiger
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×