Fach/Thema/Bereich wählen
Fördermöglichkeiten

Unterstützte Kommunikation — was ist das?

Jeder Mensch kommuniziert und will kommunizieren — auch diejenigen, die ein Handicap haben, um mit ihren Mitmenschen in Kontakt zu treten. Die vielfältigen Möglichkeiten der Unterstützten Kommunikation helfen, dieses Urbedürfnis zu befriedigen.

Fördermöglichkeiten: Unterstützte Kommunikation — was ist das? Auch Bilder, zum Beispiel auf einem Tablet, können bei der Kommunikation helfen © contrastwerkstatt - Fotolia.com

Stellen Sie sich bitte folgende Situation vor: Jemand kann nicht sprechen und die Hände nicht einsetzen, und Sie sollen Ihm beim Frühstücken helfen. Sie sind fürsorglich und achtsam, versuchen, sehr gewissenhaft das Müsli mit dem Obst zu geben. Normalerweise isst Ihr Schützling gern und unter aktiver Mitarbeit das Müsli. Doch heute verweigert er vollständig, wendet den Kopf ab, presst den Mund zusammen, macht weinerliche Laute. Sie reden ihm gut zu, er solle doch wenigstens ein wenig davon versuchen, ohne Erfolg. Ratlos versuchen Sie es weiter, aber für beide Seiten ist die Situation angespannt und unerquicklich. Schließlich weint er. Welche Fragen stellen Sie sich in dieser Situation? Vielleicht, ob er keinen Hunger hat, keine Banane mag, ob das Müsli zu flüssig ist oder er Schmerzen im Mund hat? Als Sie mit dem anderen Personal darüber sprechen, wird es klarer: Gestern ist seine Katze verschwunden und er hat deshalb großen Kummer.

„Man kann nicht nicht kommunizieren“, wie der bekannte Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick treffend formulierte (vgl. Man kann nicht nicht kommunizieren. Bern 2011). Gerade im pädagogischen Kontext mit einer schweren Behinderung ist es sehr wichtig, dies im Blick zu behalten.

Jede Lebensäußerung ist ein Kommunikationsangebot

Insbesondere die Sonderpädagogik geht davon aus, dass jede Lebensäußerung eines Menschen als Kommunikationsangebot gedeutet werden kann, darf und soll. Kommunikation umfasst so viel mehr als nur die Verbalsprache — alle Verhaltensweisen und Ausdrucksformen können hierunter gefasst werden: Atmung, Herzschlag, Augenbewegungen, Laute, Körperbewegungen und vieles mehr.
Für den unterrichtlichen Alltag und die zielorientierte Förderung bedeutet es, die gewählte Kommunikationsform auf drei bedeutsame Faktoren hin zu überprüfen:

  1. Zu welchem Inhalt möchte ich etwas sagen? Handelt es sich um Personen, Orte, Tätigkeiten, Gefühle, Zeiten?
  2. Welche Funktion hat die gewählte Kommunikation? Was möchte der Sender erreichen? Warum äußert sich jemand? Möchte er Handlungen einfordern, Aufmerksamkeit erreichen, Meinungen oder Gefühle äußern, aus der Vergangenheit berichten?
  3. In welcher spezifischen Form läuft die Kommunikation ab? Auf welchem Kanal wird kommuniziert?

Der pädagogische Auftrag der Kommunikationsanbahnung und -örderung findet im Bereich der Unterstützten Kommunikation (UK) eine Systematik, um mit erschwerten Kommunikationssituationen umgehen zu können. Die UK wendet sich an die Schüler, die sich nur schwer oder gar nicht lautsprachlich ausdrücken können. Im internationalen Kontext ist das Konzept bekannt als AAC (Augmentative and Alternative Communication), auf das sich die deutsche UK bezieht. Die Unterstützte Kommunikation sollte nicht verwechselt werden mit dem Konzept der Gestützten Kommunikation.

Vielfalt der Kommunikationsformen der UK

Der großen Vielfalt der Kommunikationsformen der UK können wir drei Kategorien zuordnen, um für die passende Auswahl eine innere Struktur zu legen:

Literaturtipps zum Thema:

Unterstützte Kommunikation in Unterricht und Schule, Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung. München 2009 (umfangreicher Ordner mit DVD)

Heidemarie Adam: Gebärdensammlung zur Unterstützten Kommunikation. In: Handbuch der Unterstützten Kommunikation. Karlsruhe 2005

Etta Wilken: Unterstützte Kommunikation — eine Einführung in Theorie und Praxis. 2. Auflage Stuttgart 2006

1. Körpereigene Kommunikationsformen
Die Ausdrucksweisen sind uns allen gut bekannt, wenn wir „mit Händen und Füßen“ reden. Mit den körpereigenen Kommunikationsmitteln wie Gesten und Gebärden oder Blick- und Zeigebewegungen werden häufig emotionale Inhalte unterstrichen. Auch Körperspannung, Bewegungen oder Atmung drücken viel von unserem Befinden aus und werden eher unwillkürlich vom Gegenüber wahrgenommen. Laute und Lautieren zeigen uns, ob sich jemand wohl oder unwohl fühlt, ob es sich um Zustimmung oder eher Ablehnung handelt. Alle diese Elemente der basalen Kommunikation brauchen eine Deutung des Zuhörers. Etwas eindeutiger wird die Kommunikation mit Gebärden, die lautsprachersetzend oder lautsprachunterstützend eingesetzt werden können. Das Kodierungssystem wird von beiden Kommunikationspartnern beherrscht.

2. Nichtelektronische Kommunikationsformen
In diesem Bereich werden solche Kommunikationshilfen verwendet, die leicht handhabbar sind, überall hin mitgenommen werden können und wenig störanfällig sind. Realgegenstände dienen als sogenannte Verweiser auf bestimmte Situationen, zum Beispiel zeigt ein Löffel an, dass es Zeit zum Frühstücken ist. Fotos, Bilder und Symbole werden eingesetzt, um Kommunikationstafeln oder Mappen zu bestücken. So kann der Schüler beispielsweise vom Wochenende berichten, indem er auf eine Auswahl der Fotos zeigt. Weitergeführt wird dieses Konzept in sogenannten Ich-Büchern oder Tagebüchern, die wichtige Ereignisse des Schülers festhalten. Diese Form der Kommunikation setzt voraus, dass der Kommunikationspartner immer auf den Blickkontakt achtet, um zu sehen, wann bzw. ob der Schüler etwas sagen will.

3. Elektronische Kommunikationsformen
In der Verwendung von elektronischen Hilfsmitteln liegt der große Vorteil, auch über Distanz kommunizieren zu können — und für den Betroffenen dabei als aktiver Part aufzutreten. Die Hilfsmittel ersetzen häufig die gesprochene Sprache. Das Gesprochene kann durch mehrmaliges Auslösen mehrmals hintereinander angehört bzw. geäußert werden, was den meisten Schülern große Selbstwirksamkeit vermittelt. Der Schüler kann sich einmischen, mitmischen, aktiv werden.
Die Auswahl und das Erlernen der Bedienung der geeigneten UK-Hilfsmittel erfolgt in Zusammenarbeit mit Eltern und Therapeuten, auch eine Beratungsstelle kann dafür konsultiert werden. Da die Anschaffungskosten für elektronische Hilfsmittel zum Teil erheblich sind, ist es ratsam, diese in einer geeigneten Beratungsstelle zunächst auszuleihen und zu testen, bevor ein Antrag gestellt wird.

Kommunikationsmittel können wechseln

In der UK wird stets versucht, sämtliche Kommunikationsmöglichkeiten auszuschöpfen. Dies bedeutet, dass je nach Situation die Kommunikationsmittel auch wechseln können. Die betroffenen Schüler sind oftmals auf die Findigkeit und den Einfallsreichtum ihrer Bezugspersonen angewiesen, um schließlich zum richtigen Hilfsmittel bzw. der effektivsten Methode zu gelangen. Wir als Lehrkräfte haben immer im Blick: Kommunikation ist eines der elementarsten Bedürfnisse des Menschen. Es ist eine schöne und erfüllende Aufgabe, diese zu ermöglichen und zu fördern.

Claudia Omonsky

Dazu passender Ratgeber
Dazu passende Arbeitshilfe

Mehr zu Ratgeber Berufseinsteiger
Cookies nicht aktiviert

Ihr Browser akzeptiert derzeit keine Cookies.

Wenn Sie das Lehrerbüro in vollem Umfang nutzen möchten, dann muss in Ihrem Browser die Nutzung von Cookies erlaubt sein.

Was Cookies genau sind und wie Sie die Browser-Einstellungen ändern können, erfahren Sie auf dieser Seite: Cookies nicht aktiviert

×