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Körpersprache

Was Mimik und Gestik erzählen

Unser Gesicht ist der Spiegel der Seele, die Hände unser wichtigstes Werkzeug. Im Unterricht kann ein Lächeln, ein Stirnrunzeln oder ein drohender Fingerzeig viel bewirken. Schüler verstehen diese nonverbalen Botschaften. Wer sich seiner Mimik und Gestik bewusst ist und sie gezielt einsetzen kann, wird daher auch ohne viele Worte verstanden.

Körpersprache: Was Mimik und Gestik erzählen Die Mimik verrät den Schülern auch ohne Worte, in welcher Verfassung ihre Lehrerin ist © lassedesignen - Fotolia.com

Ein Lächeln sagt mehr als 1000 Worte, weiß schon der Volksmund. Es signalisiert Freundlichkeit, sorgt für gute Laune und entschärft Konflikte. Diese positive Wirkung empfinden wir unbewusst, denn sie liegt uns in den Genen. Genauso wie Affen die Lippen zurückziehen und die Zähne entblößen, um Unterwerfung zu signalisieren, kann unser Lächeln andere beschwichtigen. Sogar uns selbst können wir durch ein Lächeln, das wir unserem Spiegelbild zuwerfen, davon überzeugen, dass es einen Grund zum Lächeln gibt. Erst recht unsere Schüler. Das klappt allerdings nur, wenn das Lächeln keine Maske ist. Es muss aus einer inneren Überzeugung kommen, die auch die Augen lächeln lässt. Nur dann wirkt es echt. Ein unechtes Lächeln verwirrt den Betrachter. Instinktiv spürt er: Hier stimmt was nicht. 

Die emotionalen Grundmuster Freude, Trauer, Wut, Ekel, Angst und Überraschung und die damit verbundenen Körpersignale werden in allen Kulturen verstanden. Ein Stirnrunzeln verheißt nichts Gutes. Das Zusammenziehen der Augenbrauen, das ursprünglich die Augen vor einem möglichen Angriff schützen sollte, ist ein deutliches Zeichen von Aggressivität und Kampf. Unser Gegenüber weiß: Ärger droht.

Waagerechte Stirnfalten hingegen signalisieren Überraschung oder auch Ängstlichkeit. Autor Rudolf Heidemann rät: „Den Schülern offen ins Gesicht sehen! Häufiges Mundbedecken, Nasereiben, aber auch Lippenzusammendrücken, Stirnrunzeln, Wangenreiben und Hochziehen der Augenbrauen lassen Sie als fahrig, emotional unkontrolliert erscheinen.“

Weitere Hinweise:

„Mit Gesten fesseln“ dreiteiliger Magazinbeitrag im „Focus“ hier.

Amy Cuddy, Harvard Business School, vergleicht zwei Körperhaltungen: die Körpersprache der Macht mit einer Gestik und Mimik der Hilflosigkeit. Englisch mit Untertiteln hier.

Körpersprache für Berufseinsteiger.

Monika Matschnik: Körpersprache — Verräterische Gesten und wirkungsvolle Signale, München 2007

Rudolf Heidemann: Körpersprache im Unterricht — Ein Ratgeber für Lehrende, Wiebelsheim 2007

Tatjana Strobel: Ich weiß, wie du fühlst — Die geheimen Botschaften der Körpersprache, München 2011

David Givens: Die Macht der Körpersprache, München 2011

Keine Barrieren aufbauen

Berufseinsteigern wird oft empfohlen, einfach ganz locker zu bleiben und sich normal zu verhalten. Aber wie verhalten wir uns eigentlich normalerweise? Und wie machen wir uns die Signale der Körpersprache zunutze? Schon mit unserer Körperhaltung drücken wir Offenheit und Selbstbewusstsein oder Distanz und Unsicherheit aus. Die typische Pose der Barriere-Haltung mit den vor der Brust verschränkten Armen signalisiert: Komm mir nicht zu nah. Wie man bei einem Vortrag solche Barrieren vermeidet, zeigt das Video des Experten für Körpersprache Samy Molcho

Als Schutzschild werden gern auch aufgeschlagene Bücher vor den Bauch gehalten oder der Lehrer dreht der Klasse gleich ganz den Rücken zu und widmet sich der Tafel. Diese „Tafelkommunikation“ unterbindet jeden Kontakt zwischen Lehrer und Schülern.

Die Sprache der Hände

Auch die verschränkten Hände mit Fingern, die wie Stacheln auf die Zuhörer weisen, sind ein Zeichen der Abwehr. „Eisbrecher-Stellung“ nennen Experten diese Geste der Unsicherheit. Viel offener wirken Arme, die sich locker bewegen und die Handflächen präsentieren. Eine Handfläche gilt als Einladung, umgedreht wirkt der Handrücken — womöglich mit ausgestrecktem Zeigefinger, der sich auf einen Fehler im Heft des Schülers richtet — als Bedrohung. Die „Lehrer-Pistole“ schüchtert Schüler ein statt sie zu motivieren. „Setzen Sie auch Zeigefinger-Gesten („Zeigefinger-Taktschlag“), Drohgebärden (geballte Faust), Gesten der Zurückweisung (Handflächen nach vorn) nur äußerst sparsam ein, rät Rudolf Heidemann. „All das erschwert eine emotional positive Kontaktaufnahme zur Klasse.“

Sicherheit ausstrahlen

Nicht alle Formen der Dominanz sind zugleich einschüchternd. Wenn der Lehrer im Stehen spricht und sich damit auf eine höhere Ebene begibt, dann strahlt diese Position gleichzeitig eine Sicherheit aus: Ich erwarte eure Aufmerksamkeit und das ist mein gutes Recht.

Dabei sollte er keineswegs nervös mit einem Kugelschreiber spielen, die Kreide kneten, sich beständig durch die Haare fahren oder andere Ticks entwickeln, die ihn unsicher wirken lassen. Und wer einem Schüler bei einem Problem helfen und dabei auf dominantes Verhalten verzichten möchte, begibt sich auf seine Blickhöhe und erklärt nicht „von oben herab“. Schon gar nicht wird er über die Schulter des Schülers in dessen Heft oder Buch zeigen. Die Intimdistanz und das persönliche Territorium müssen gewahrt bleiben.

Wie man Selbstbewusstsein mit einer Prise Macht kombiniert, kann man von Politikern lernen. Zwei Finger reichen dem amerikanischen Präsidenten Obama. Die legt er in vertrauensvoller Geste auf den Unterarm von Staatsgast Merkel und demonstriert damit gleichzeitig Überlegenheit und Vertrauen.

Regine Dee

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