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Lernziele definieren

Förderpläne schreiben — fundiert, effektiv und ökonomisch

Förderpläne als Unterlagen für die gezielte pädagogische Arbeit sollten einige wichtige inhaltliche und formale Kriterien erfüllen, um die betroffenen Schüler individuell, fundiert und effektiv fördern zu können.

Lernziele definieren: Förderpläne schreiben — fundiert, effektiv und ökonomisch Ein Förderplan ist ein wichtiges und hilfreiches Instrument der pädagogischen Arbeit. Gut, wenn man eine detaillierte Vorlage hat © auremar - Fotolia.com

Förderpläne bzw. der Prozess der Förderplanung stellen ein wesentliches Moment sonderpädagogischen Handelns dar. Nicht nur in Deutschland sind Sonderpädagogen verpflichtet, für ihre Schüler Förderpläne zu erstellen (vgl. Melzer, Conny: Was ist ein guter Förderplan? In: Spuren — Sonderpädagogik in Bayern (51) 2008, Heft 3, S. 7). Auch im inklusiven Kontext ist der Förderplan eine Nahtstelle in der Zusammenarbeit zwischen allgemeiner Schule und sonderpädagogischen Beratungsdiensten. Was aber macht einen guten Förderplan aus? Welche Inhalte sind unverzichtbar und welche formalen Vorgaben sollte er erfüllen?

Förderpläne sind Unterlagen für die gezielte pädagogische Arbeit mit einem einzelnen Kind bzw. einer Kleingruppe. Sie beschreiben diejenigen Förderabsichten, die von der Arbeit mit der gesamten Klasse abweichen bzw. diese ergänzen. Die Lernziele der Förderpläne werden im Förderunterricht und/oder im täglichen Klassenunterricht angestrebt.

In der für jeden Schüler individuell erstellten Förderplanung werden …

  • die Ergebnisse diagnostischer Erhebungen festgehalten,
  • Lernziele und methodische Möglichkeiten der Verwirklichung beschrieben,
  • Lernerfolge dokumentiert,
  • künftige Fördermaßnahmen im Sinn einer diagnosegeleiteten Förderung festgelegt.

Notwendige Inhalte eines Förderplans

Aus dieser Definition lassen sich zunächst rein formal die notwendigen Inhalte des Förderplans ableiten:

  • Angaben zum Schüler wie Name, Vorname, Geburtsdatum, Klasse, Schulbesuchsjahr, Schule, Klassenleiter, für die Fördermaßnahme zuständige Lehrkraft
  • Verwendete diagnostische Verfahren (psychometrische Tests, Schulleistungsdiagnostik, Verfahren zu speziellen Entwicklungs- oder Persönlichkeitsbereichen, informelle Verfahren, Beobachtung, Gespräche, Schülerunterlagen) und deren Ergebnisse
  • Ziele der Maßnahme und vorgesehener Zeitrahmen
  • Didaktisch-methodische Überlegungen zur Gestaltung der Fördersituation und zur Umsetzung der Förderziele
  • Kurze Evaluation: Wurden die gesetzten Ziele erreicht? Wird die Maßnahme fortgeführt oder modifiziert?

Guter Förderplan: fachlich fundiert, effektiv und ökonomisch

Literatur zum Thema:

Melzer, Conny: Wie können Förderpläne effektiv sein und eine professionelle Förderung unterstützen? In: Zeitschrift für Heilpädagogik (61) 2010, Heft 6, S. 212–220

Entscheidend bei der Ausgestaltung von Förderplänen sind nicht nur formale, sondern noch mehr inhaltliche Fragen. Wie für herkömmlichen Unterricht und dessen Planung lassen sich auch hier Gütekriterien formulieren.

Fachliche Fundierung:

  • Gute Förderpläne gehen inhaltlich „einen Schritt zurück“. Es hat wenig Sinn, mit einem Schüler, der Probleme mit dem Zehnerübergang hat, immer wieder Aufgaben zum Zehnerübergang zu rechnen. Stattdessen ist zu fragen, welche mathematischen Vorläuferkompetenzen nötig sind, um diese Hürde zu bewältigen. In diesem Fall gilt es, Zahlzerlegung und -ergänzung im Zahlenraum bis 10 zu üben, sicherzustellen, dass das Stellenwertsystem verstanden wurde und der Zahlenraum bis 10 durchdrungen ist. Ebenso verhält es sich, wenn sinnentnehmendes Lesen von Texten nicht gelingt. Hier ist das Textangebot zu reduzieren (etwa auf Satzebene, evtl. sogar auf Wortebene) und es sind auf dieser Basis gezielt Lesefertigkeiten anzubahnen. Somit werden auch nicht nur Schwächen bearbeitet, es wird auch nach den Stärken und Kompetenzen der Kinder gefahndet. Dieses grundlegende Prinzip ist ebenso auf basale Entwicklungsbereiche zu übertragen, wenn Förderbedürfnisse im Bereich der Motorik, der Sprache, der Kognition oder des Sozial-Emotionalen sichtbar werden.
  • Gute Förderpläne berücksichtigen fachwissenschaftliche, fachdidaktische sowie lern- und entwicklungspsychologische Erkenntnisse. Der angesprochene „Schritt zurück“ setzt voraus, dass die planende Lehrkraft in fachwissenschaftlicher, fachdidaktischer und lern- und entwicklungspsychologischer Hinsicht über gründliche Kenntnisse verfügt. In welchen Schritten vollzieht sich der Schriftspracherwerb, welche Stadien folgen in der Sprachentwicklung aufeinander, wie entwickelt sich die Handmotorik? Diese und ähnliche Fragen sind bei der inhaltlichen Gestaltung eines Förderplans zu beantworten.
  • Gute Förderpläne beziehen sich immer auch auf die Inhalte des Klassenunterrichts. Hier stellt sich die Frage: Wie können die geplanten Fördermaßnahmen in den Unterricht einbezogen werden? Und: Wie muss der Unterricht gestaltet sein, damit in seinem Rahmen die in den Förderplänen formulierten Lernbedürfnisse der jeweiligen Schüler berücksichtigt werden können?

Effektivität:

  • Gute Förderpläne sind konkret, individuell und flexibel. Allgemeine Formulierungen in Förderplänen sind wenig hilfreich („Förderung der Konzentration“), Förderpläne beschreiben konkret den Förderbedarf des einzelnen Kindes. Dabei sind sie so gestaltet, dass sie entsprechend der sich verändernden Fördersituation angepasst und fortgeschrieben werden können.
  • Gute Förderpläne kommunizieren Förderabsichten. Da im schulischen und außerschulischen Rahmen oft viele Personen (Fachlehrer, Therapeuten, Tagesstättenpersonal) mit dem Schüler arbeiten, sollten Förderpläne nicht nur so klar und übersichtlich gestaltet sein, dass jeder ihre Intentionen versteht und mit ihnen arbeiten kann, sie sollten auch allen Beteiligten zugänglich sein (in einer Mappe im Lehrerzimmer, in einem Ordner auf dem Schulcomputer, in der Schülerakte).

Ökonomie:

  • Gute Förderpläne sind bescheiden in ihren Zielsetzungen und setzen Schwerpunkte. Es genügen in der Regel ein bis zwei Förderziele, die in einem begrenzten Zeitraum erreichbar sind (vgl. Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München: Mobile Sonderpädagogische Dienste — Aspekte der Förderplanung.  München 2009, S. 2. Online hier und immer wieder überprüft und fortgeschrieben werden können. Diese Begrenzung und die damit verbundene Erreichbarkeit der Ziele hat auch einen nicht zu unterschätzenden motivationalen Effekt auf alle Beteiligten. Der Förderplan ist damit auch Ausdruck des Zutrauens, das der Lehrer in seinen Schüler hat: Ich glaube, dass du dieses Ziel erreichen kannst! Beispiele für Zielformulierungen sind etwa: Sich mit ganzen Sätzen am Unterrichtsgespräch beteiligen, Ordnung am Arbeitsplatz halten, Den Aufbau der Zehner-Einer-Zahlen / des Stellenwertsystems verstehen, Den Reißverschluss der Jacke selbstständig schließen und öffnen.
  • Gute Förderpläne erfordern wenig Schreibarbeit und sind mit vertretbarem Zeitaufwand zu erstellen. Dies hat auch mit der o. g. notwendigen Schwerpunktsetzung zu tun.

Basierend auf diesen Kriterien kann die eigentliche Förderplanung folgendermaßen aussehen:

Förderziele Umsetzung Erfolg
Was soll erreicht werden?

z. B. sinnentnehmendes Lesen auf Satzebene fördern

Wie wird es erreicht?

Methodische Maßnahmen
Materialien

z. B.
lesetechnische Übungen (Synthese, Wortaufbau, Übungen auf Silbenebene)
Sinnentnahme auf Wortebene (Wort-Gegenstand-Zuordnung, Wort-Bild-Zuordnung)
Unsinnsätze lesen
Arbeit mit Situationsbildern (Schüler unterscheidet richtige und falsche Sätze zu einem Bild)

Reflexion: Wurden die Ziele erreicht? Wo gibt es Erfolge, wo (noch) Probleme?

z. B.
Sicherheit im Erlesen von Lautverbindungen st/tz/ gesteigert
Wort-Bild-Zuordnung bei Begriffen aus der Erfahrungswelt gelingt

Fazit: Durch die Beachtung der Gütekriterien der Fundiertheit, Effektivität und Ökonomie kann es gelingen, den Förderplan zu einem wichtigen und hilfreichen Instrument der sonderpädagogischen Arbeit zu machen, das auch der Reflexion über erreichte oder noch zu erreichende Zielsetzungen dient.

Michael Häußler

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