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Fördern und fordern

Förderpläne schreiben und umsetzen

Leistungsschwache oder verhaltensauffällige Schüler benötigen individuelle Unterstützung, um Defizite nachhaltig abzubauen. Förderpläne sind dabei ein geeignetes Mittel, Stärken und Schwächen zu erfassen, Ziele zu formulieren und geeignete Fördermaßnahmen einzuleiten und zu dokumentieren.

Fördern und fordern: Förderpläne schreiben und umsetzen Ein Förderplan kann helfen, den individuell richtigen Lernweg einzuschlagen © Mele Brink

„Was mache ich bloß mit Max?“, fragt meine Kollegin mich, „er kann sich einfach nicht konzentrieren und schreibt die meisten Wörter im Diktat falsch. Außerdem hat er in jeder Pause Ärger mit seinen Mitschülern.“ — Max benötigt Hilfe. Gezielt und über einen längeren Zeitraum gelingt diese nur, wenn ein individueller Förderplan geschrieben wird. Dabei ist eine eingehende Diagnostik der „Probleme“  ebenso wichtig wie ein vielfältiges Repertoire an geeigneten Fördermaßnahmen. Einen Förderplan sollte der Klassenlehrer möglichst gemeinsam mit den Fachlehrern der Klasse ausarbeiten und mit den Eltern genau besprechen.

Im Förderplan werden Stärken und Schwächen in verschiedenen Bereichen der betreffenden Fächer und/oder im Arbeits- und Sozialverhalten beschrieben. Außerdem sollten Fördermaßnahmen für die Schule und für zu Hause notiert werden. Halbjährlich wird der Förderplan fortgeschrieben, um zu schauen, ob notierte Ziele bereits erreicht und durch andere Ziele und passende Maßnahmen ersetzt werden können, bis sich der Förderplan bestenfalls erübrigt.

Von den Stärken ausgehend Ziele formulieren

Der Förderplan sollte mit den Stärken des Kindes beginnen. Es ist für alle Seiten (und vor allem für das Kind selbst) motivierend zu wissen, dass es schon einiges kann. Auch frühere Fördermaßnahmen sollten in diesem Dokument benannt werden, bevor die Förderbereiche mit Lernausgangslage, Zielen, Maßnahmen in der Schule und zu Hause beschrieben werden.

Eine Notation von Besonderheiten wie ein Aussetzen des aktuellen Lernstoffs zugunsten wiederholender Übungen, ein gewährter Nachteilsausgleich oder außerschulische Fördermaßnahmen wie Psychotherapie, Verhaltenstraining etc. oder besondere Absprachen mit den Eltern schließen den Förderplan ab.
Der Förderplan sollte kein Dokument für die Akten sein, sondern aktiv genutzt werden. Es ist für alle Beteiligten ein großer Erfolg, wenn bisherige Förderbereiche nach einem halben Jahr ersetzt oder sogar gestrichen werden können und die Förderbereiche im Laufe der Grundschulzeit immer mehr abnehmen, der Förderplan kleiner wird und sich vielleicht schon bald erübrigt.

Fördermaßnahmen: Arbeits- und Sozialverhalten

Um gezielt fördern zu können, müssen Stärken und Defizite bekannt sein. Während in den Fächern Deutsch und Mathematik die Stärken und Schwächen durch Leistungsnachweise wie Klassenarbeiten, Lernkontrollen und Arbeitsergebnisse zumeist offensichtlich sind, ist es oft schwieriger, Defizite in den Bereichen Arbeits- und Sozialverhalten zu erfassen. Hier kann eine Übersicht helfen, auf der man zu den jeweiligen Kompetenzbereichen ankreuzt, was das Kind bereits kann und wo es noch unterstützende Hilfen benötigt.

Zum Bereich Sozialverhalten gehören zum Beispiel Kompetenzen wie eine realistische Selbsteinschätzung und -wahrnehmung, der freundliche, manchmal auch zurückhaltende Umgang mit anderen, der soziale Einsatz für Mitschüler und die friedliche Klärung im Streitfall. Hat ein Kind hier Schwächen und ist der Umgang miteinander gestört, wirkt sich dies oft auf das Klassenklima und somit auch auf das Lernverhalten von einzelnen Schülern aus. Umso wichtiger ist es, die festgestellten Schwächen durch geeignete Fördermaßnahmen abzubauen und durch neue Verhaltensmuster zu ersetzen. Hilfreich ist hier eine permanente Rückmeldung durch den Lehrer und die Mitschüler, wie sie das Verhalten des betreffenden Schülers einschätzen und beurteilen; außerdem unterstützen die Einführung eines Stopp-Symbols bei Grenzüberschreitungen, ein Helfersystem und ein Mediationstraining, um Konflikte friedlich lösen zu lernen, den Lernprozess. Auch zu Hause kann — in Zusammenarbeit mit den Eltern — der Förderplan „fortgeschrieben“ werden: durch Entspannungstechniken, Übernahme von Ritualen zum höflichen und freundlichen Umgang miteinander, durch das Übernehmen von Verantwortung für übertragene Aufgaben wird das Sozialverhalten nachhaltig eingeübt.

Beim Arbeitsverhalten spielen strukturiertes, selbstständiges, zügiges Arbeiten, die Fähigkeit zur Konzentration, eigene Motivation, Zuhörbereitschaft und intensive mündliche Mitarbeit eine entscheidende Rolle für den Schulerfolg. Je nachdem, in welchem Bereich Defizite diagnostiziert wurden, können zur Verbesserung zum Beispiel folgende Maßnahmen helfen:

  • Konzentration: Arbeitsruhe durch ruhige Lernpartner,
  • zügiges Arbeiten durch Signalkarten zum Arbeitsbeginn und -ende,
  • Motivation durch Belohnungspunkte und
  • die mündliche Mitarbeit durch eine Strichliste oder einen Vorbereitungsauftrag.

Auch zu Hause kann hier wieder unterstützend gearbeitet werden: ein ruhiger Arbeitsplatz, Kontrolle von Ordnung, Aufgaben und Zeitmanagement  des Kindes sind hier für Eltern leistbar und effektiv.

Fördermaßnahmen: Deutsch

Im Deutschunterricht liegen die Defizite von Kindern ab dem 1. Schuljahr zumeist in der mangelnden Speicherung von Buchstaben und deren Lauten, gefolgt vom schwierigen Zusammenziehen und Abhören von Buchstaben in Wörtern. Mündet dies in eine Lese- und Rechtschreibschwäche, werden die Fördermaßnahmen noch umfangreicher. Es ist daher wichtig, die Defizite bereits zu Beginn aufmerksam durch Benennen der Buchstaben und Beobachtung des Leseprozesses aufzuspüren Im Leseprozess beginnt die Förderung mit Syntheseübungen und dem Rückschritt von der Wort- auf die Silbenebene. Regelmäßiges leises und lautes Vorlesen steigert das Lesetempo und die Sinnentnahme.

In den folgenden Klassenstufen folgen hier als Fördermaßnahmen Aufgaben zum Leseverständnis wie Fragen zum Text, Gliederung und Zusammenfassung mit eigenen Worten und später das Überfliegen von Texten. Im Bereich des Schreibens muss die Buchstabenkenntnis durch einprägsame Anlautbilder und Nachsprechen gefestigt werden. Abhörübungen, später dann verschiedene visuelle Vorstellungen zu Wortschreibungen („Stell dir dein Wort in rosa Schrift auf einem blauen Elefanten vor!“) verbessern die Rechtschreibung. Auch die Eltern können hier beim Lesen und Schreiben unterstützen. Vorlesen der Eltern, abwechselndes Lesen mit dem Kind, Wortkarteien zum Rechtschreibtraining, den Einkaufszettel, Einladungen etc. vom Kind selbst schreiben lassen, bringen für die Kinder Fortschritte im Erwerb der Kulturtechniken. Im grammatikalischen Bereich hilft das Anfertigen von Merkblättern mit Regeln und Übungen, die auch zu Hause eingesetzt werden können.

Fördermaßnahmen: Mathematik

Einige Schüler entwickeln im Laufe ihres Schullebens eine große Abneigung gegen Zahlen und die Mathematik. Dass dieses Fach bei diesen Schülern so unbeliebt wird, liegt daran, dass die Zahlbereiche aufeinander aufbauen. Umso notwendiger ist es, die zählenden Rechner frühzeitig zu identifizieren — und das bereits im Zahlenraum bis 20 in der ersten Klasse.

Wichtig ist es, dass diese Kinder Strategien entwickeln, um den Zehnerübergang ohne Abzählen an den Fingern zu bewältigen. Material, Zahlzerlegungen, Analogie-, Umkehr-, Tausch- und Nachbaraufgaben sind hier für viele Kinder wiederholend anzubieten. Zum Aufbau einer Zahlvorstellung bei größeren Zahlenräumen hilft Anschauungsmaterial zur Erfassung des Zehnersystems. Die Eltern können diese Schritte durch Kopfrechenübungen und wiederholende Aufgaben im kleinen Zahlenraum bis 10 ergänzen und unterstützen.

Im Bereich der Größen helfen Materialien zum handelnden Experimentieren und Repräsentanten zur Ausbildung von Größenvorstellungen. Umrechnungen können durch Merksätze verinnerlicht werden. Für die Geometrie sind von der Orientierung im Raum bis zu geometrischen Figuren und Körpern immer wieder Erfahrungen mit den Gegenständen und Räumen wichtig. Dies kann durch Legematerialien und Bastelbögen auch zu Hause gefördert werden, bevor Kinder Aufgaben im Kopf lösen können.

Individuelle Förderpläne zu schreiben, macht zwar Mühe, aber der Lernerfolg der Schüler spricht für sich. Unterstützung beim Schreiben, bei der Diagnose, bei der Festlegung von Fördermaßnahmen und der Evaluation finden Sie jetzt auch im Lehrerbüro unter Arbeitshilfen „Diagnostik und Förderung“.

Marion Keil


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