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ILEB-Beratungsgespräch

Individuelle Lern- und Entwicklungsbegleitung

Der Lern- und Entwicklungstand der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf muss ausführlich dokumentiert werden. Beratungsgespräche mit Eltern und Schülern sind besonders effektiv, wenn sie durch einen detaillierten Beobachtungsbogen überprüft werden können.

ILEB-Beratungsgespräch: Individuelle Lern- und Entwicklungsbegleitung Bei einem Gespräch mit Eltern und Schülern wird die Lernentwicklung besprochen und dokumentiert © alexsokolov - Fotolia.com

Im Rahmen der Individuellen Lern- und Entwicklungsbegleitung, kurz ILEB genannt, müssen in Baden-Württemberg die Lehrkräfte an den Sonderpädagogischen Beratungs- und Bildungszentren (SBBZ), früher einfach nur „Sonderschulen“ genannt, den Lern- und Entwicklungsstand der Schüler ausführlich dokumentieren.

In halbjährlichen Beratungsgesprächen mit den betreffenden Schülern, deren Eltern sowie gegebenenfalls weiteren Personen, die maßgelblich mit den Schülern zusammenarbeiten, sollen die aktuellen Lern- und Entwicklungsstände erläutert werden. Je nach Situation können bzw. sollen in diesen Gesprächen weitere Fördermaßnahmen, neu gesetzte Ziele und Vereinbarungen besprochen werden, um das Kind in seiner schulischen und persönlichen Entwicklung weiter voranzubringen.

Dazu gehört auch, dass man für bestimmte Entwicklungsbereiche professionelle außerschulische Hilfe in Anspruch nimmt, weil die Schule und das Elternhaus diese nicht leisten können: z. B. der Besuch beim Logopäden, Ergotherapeuten oder Physiotherapeuten.

Diese wichtigen Hinweise/Hilfen können dann in einem sogenannten ILEB-Bogen protokolliert und beim nächsten Beratungsgespräch evaluiert werden.

Einheitliche  Beurteilungs- und Beobachtungsbögen gibt es nicht

Es gibt keine einheitlichen ILEB-Bögen für Schulen mit sonderpädagogischen Förderbedarf. Das liegt einfach daran, dass je nach Förderschwerpunkten unterschiedliche Bereiche besonders hervorgehoben werden müssen. Für Körperbehinderte oder Sinnesgeschädigte gibt es Kriterien, die beispielsweise bei Förderschülern nicht von Bedeutung sind. Also müssen diese fachspezifischen Kriterien auch nicht in einem ILEB-Bogen für Förderschüler aufgeführt werden.

Auch innerhalb einer sonderpädagogischen Fachrichtung, zum Beispiel dem Förderschwerpunkt Lernen (Förderschule), gibt es für diese Schulart keine gemeinsam verbindlichen ILEB-Bögen. Es existieren zahlreiche Ansätze, wie diese Protokollbögen für die Beratungsgespräche aussehen könnten.

Beobachtungen aussagekräftig und verständlich darstellen

Wichtig ist, dass in einem ILEB-Bogen im diagnostischen Bereich Beobachtungen aussagekräftig und verständlich dargestellt werden. Ebenso benötigt man Platz für die Eintragung von Fördermaßnahmen/Förderzielen sowie Platz für Vereinbarungen, Ziele und mögliche zeitliche Vorgaben.

Es gibt die unterschiedlichsten Formen dieser Beobachtungsbögen. Manche kommen nur mit einer Seite aus, andere sind bis zu fünf Seiten lang. Einige Bögen sind sehr textlastig, andere nur in Tabellenform gestaltet, ohne erläuternde Texte. Bei den Beratungsgesprächen mit den Eltern und Schülern ist es meines Erachtens wichtig, dass ein Erfassungsbogen für die Beteiligten übersichtlich und verständlich gestaltet ist.

Übersichtlichkeit ist wichtig, um Veränderungen zu sehen

Der hier vorgestellte ILEB-Bogen ist aus der Notwendigkeit entstanden, einen geeigneten „Mittelweg“ zu finden, um die wichtigen Punkte nach Möglichkeit auf maximal zwei Seiten zu bringen. Mit der Zeit hat sich dieses Formular bei der praktischen Eltern- und Beratungsarbeit bewährt, wobei in den letzten Jahren immer wieder Verbesserungsvorschläge bei der Gestaltung eingeflossen sind. Ein Vorteil dieses ILEB-Bogens ist meines Erachtens, dass man die Eintragungen schnell und einfach mit vorhergehenden Protokollbögen vergleichen kann. Eine Möglichkeit, Veränderungen deutlich hervorzuheben ist, dass man diese sowohl in der Tabelle als auch bei den Textpassagen einfach in einer anderen Farbe markiert.

Sechs Schwerpunkte — Aufbau des Beobachtungsbogens

Nun möchte ich einige kurze Erläuterungen zu dem Bogen vorstellen. Da der Bogen im Wordformat entworfen wurde, kann man bei Bedarf einzelne Kriterien ändern oder löschen. Sollte man ausführlichere Fördermaßnahmen auflisten, kann es sein, dass sich die nachfolgenden Inhalte „nach unten“ verschieben. In diesem Fall müsste man beim Ausfüllen darauf achten, dass die nachfolgenden Bewertungsfelder nicht im Zeilenumbruch „auseinandergerissen“ werden.

Im Kopfzeilenbereich befinden sich die wichtigsten Angaben zum Schüler, außerdem ein Feld für die Unterschriften aller am Gespräch beteiligten Personen. Das sind mindestens der betreffende Schüler/die Schülerin, die Eltern und die beratende Lehrkraft.

Diese sechs Schwerpunkte, unter denen weitere Kriterien aufgelistet werden, sind von Bedeutung:

  • Persönliche Entwicklung (10 Kriterien)
  • Mitarbeit — Eigenständigkeit — Schriftliche Arbeiten (8 Kriterien)
  • Sozialverhalten (5 Kriterien)
  • Fehltage (4 Kriterien)
  • Deutsch (8 Kriterien)
  • Mathematik (8 Kriterien)
  • Sachfächer (5 Kriterien)
  • Sonstige Anmerkungen, Teilnahme an Arbeitsgemeinschaften

Beim letzten Punkt „Sonstige Anmerkungen, Teilnahme an Arbeitsgemeinschaften“ kann man ergänzende Angaben eintragen, die in den vorhergehenden Bereichen nicht aufgeführt wurden. Ansonsten besteht die Möglichkeit, in den verschieden Schwerpunktbereichen bei den dort aufgeführten Kriterien in einer Tabelle eine Bewertung von ++ (sehr gut) bis ——(sehr schlecht, nicht tragbar) abzugeben.

Hierzu braucht man nur in das entsprechende Kästchen und dann das Symbol für die Füllfarbe anzuklicken.

Auf der ersten Seite werden die drei Schwerpunkte „Persönliche Entwicklung“, „Mitarbeit — Eigenständigkeit — Schriftliche Arbeiten“ sowie „Sozialverhalten“ behandelt. Auf der zweiten Seite geht es dann um die Lernbereiche „Deutsch“, „Mathematik“ und „Sachfächer“.

Der folgende Bildausschnitt zeigt, wie beispielsweise der Bereich „Persönliche Entwicklung“ aussehen kann. Sowohl in der Tabelle, als auch bei den Erläuterungen kann man Veränderungen durch die blaue Farbe sofort erkennen. Die anderen Markierungen zeigen den „unveränderten“ Stand an, wie er beim letzten ILEB-Gespräch war. Dementsprechend sind die kurzen Erläuterungen zu diesen Punkten in schwarz geschrieben. Sollte der Platz für nachträgliche handschriftliche Eintragungen nicht reichen, müssten diese auf einem gesonderten Blatt aufgeführt und ein entsprechender Hinweis in dem betreffenden Feld angebracht werden.

Beim Schwerpunkt „Fehltage“ kann man genauere Angaben über die Art und Anzahl der Fehltage oder dem eventuell häufigem Zu-spät-Kommen eintragen und mögliche Vereinbarungen festhalten. Dies ist vor allen Dingen bei Schülern von Bedeutung, die durch häufiges Fehlen oder Zu-spät-Kommen auffallen.

Für die Bereiche Deutsch und Mathematik wurden für die Arbeit in der Oberstufe jeweils acht Kriterien ausgewählt, die meines Erachtens im Unterricht von Bedeutung sind. Für die Unter- und Mittelstufe kann man sicherlich auch andere Kriterien auswählen und ersetzen.

Die besondere Form dieses ILEB-Bogens gestattet es, die Potenziale und Bedürfnisse der Schülerinnen und Schülern in angemessener Form darzustellen. Natürlich dürfen bei den Beratungsgesprächen weitere Erläuterungen in mündlicher Form nicht fehlen. Diese ergeben sich zwangsläufig bei den Beratungsgesprächen und sind als ergänzende Erläuterung für eine gute Zusammenarbeit und Förderung notwendig. So können alle Beteiligten gemeinsam die Überprüfung vereinbarter Ziele und die Fortschreibung von Angeboten und Fördermaßnahmen festlegen. Die Eltern und eventuell weitere am Gespräch Beteiligten erhalten eine Kopie des Beratungsbogens.

Jens Eggert

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