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Wahrnehmungsübungen GE

Lernaktivitäten zur Förderung der auditiven Wahrnehmung

Schüler mit Behinderung haben oft Schwierigkeiten mit der auditiven Wahrnehmung, weil sie Klangquelle und Geräusch nicht einordnen können. Spezielle Lernaktivitäten trainieren das Hin- und Zuhören.

Wahrnehmungsübungen GE: Lernaktivitäten zur Förderung der auditiven Wahrnehmung Mit kleinen Geräuschedosen üben die Kinder genaues Hinhören und unterschiedliche Geräusche wahrzunehmen © Claudia Omonsky

Immer wieder versucht Jonas, die tönende Klangschale mit den Händen zu fassen — ganz so, als wolle er nach den Klängen greifen. Doch wenn er die Klangschale berührt, verstummt jedes Mal deren schöner Ton. Diese einfache Wahrnehmungsübung zum Hören wiederholt er viele Male mit hoher Aufmerksamkeit und sichtlicher innerer Beteiligung. Im Laufe der Übung lernt Jonas, die Klangschale anzuschlagen, mit den Ohren zu hören und die Hände dabei still zu halten.

Die ganze Welt ist voller Geräusche und Klänge, die wir auch dann wahrnehmen können, wenn sie weiter von uns weg sind. Daher bezeichnet man den Hörsinn auch als einen sogenannten körperfernen Sinn. Kinder lernen im Laufe ihrer Entwicklung nach und nach, Geräuschquellen mit den damit verbundenen Geräuschen zu verbinden. Es bildet sich Hörerfahrung aus. Sie können Geräusche selektiv einordnen, zum Beispiel die Stimme der Lehrerin in einem Gewirr aus vielen Kinderstimmen. Die Schüler erleben sich besonders gern als Urheber von Geräuschen, die sie immer und immer wieder erzeugen — manchmal gar zum Leidwesen ihrer Umwelt.

Genau hinhören — die Klangquelle erkennen und einordnen

Einem Höreindruck kann man sich nicht einfach entziehen. Denn im Gegensatz zu den Augen kann man die Ohren nicht zumachen, sondern ist den akustischen Eindrücken zunächst ausgeliefert. Im Zusammenspiel von Sinnes- und Wahrnehmungsleistung entstehen dann aus der gleichen Geräuschquelle höchst subjektive Eindrücke: Was ein Mensch als angenehm erlebt, kann für den anderen lärmend und viel zu laut erscheinen.

Schüler mit hohem sonderpädagogischen Förderbedarf können vermutlich nicht immer eindeutig identifizieren, welches Geräusch mit welcher Klangquelle zusammenhängt. Die Zuwendung zu Gehörtem, das Hin-Hören erfordert eine starke intrinsische Motivation. Sie müssen daher bestimmte Teilaspekte der auditiven Wahrnehmung trainieren, um im Laufe der Zeit das Hören und auch die Stille in einen kommunikativen Zusammenhang bringen zu können. Denn die Ausbildung des auditiven Systems ist eine wichtige Voraussetzung für Kommunikation und die Entwicklung von Sprache.

Literaturtipps und Links:

Peter Thiesen: Sehen, fühlen, schmecken — die Welt entdecken. 200 Wahrnehmungsspiele für Kindergarten, Hort und Grundschule. Berlin 2011

Renate Zimmer: Handbuch der Sinneswahrnehmung. Freiburg 1995

Claudia Omonsky: Schüler mit intensiver Behinderung fördern. Hamburg 2016

Klangbeispiele und Geräuschesammlungen finden sich online bei bei hoerspielbox.de und in der Online-Audiothek „AUDIYOU“.

Durch Bewegungseinschränkungen gelingt die Hinwendung zu einer Klangquelle eventuell gar nicht oder nicht schnell genug. Der Zusammenhang zwischen Ursprungsgeräusch und Klangquelle kann dann nicht durch Erfahrung ausgebildet werden. Bei einer starken Sehbehinderung oder Blindheit fehlt die optische Kontrolle gänzlich. Für den Unterricht ist es daher sinnvoll, die Förderung der auditiven Wahrnehmung systematisch und zugleich spielerisch einzubauen.

Beispiele zur Förderung der auditiven Wahrnehmung

Förderung der auditiven Aufmerksamkeit: Als erste Übung dienen Hörbeispiele, bei denen ein Ton lange nachklingt, z. B. Klangschale, Klangspiel oder Klangstäbe. Auf die gestellte Frage, Wie lange hört man den Ton?, geben die Schüler ein nonverbales Signal, sobald sie den Ton nicht mehr wahrnehmen. Es stellt sich schnell heraus, wie unterschiedlich lang dies sein kann.

Hier ist es besonders wichtig, auch die eigene Hörfähigkeit mit zu bedenken und nicht unnötig in einen Ton hineinzusprechen. Im Zweifel kann man mit einer Berührung des Instruments den verklingenden Ton „anhalten“. Eine weitere Übung zur auditiven Aufmerksamkeit ist das Umhergehen mit einem Hörrohr (z. B. aus einer Pappröhre), mit dem man ungewöhnliche Töne einfängt: z. B. Herzschlag des Mitschülers, Brummen der Leuchtröhre, Summen des CD-Players usw.

Förderung der auditiven Figur-Grund-Wahrnehmung: Der Schüler kann aus einer Geräusche-Sammlung bestimmte Töne heraushören, z. B. Stimmen bei dem Spiel „Hänschen, piep einmal“ oder akustische Wimmelbilder zum Anhören, bei denen jeweils ein vorgegebenes Geräusch (z. B. Hupe im Straßenverkehr) identifiziert werden soll.

Förderung der auditiven Lokalisation: Der Schüler kann die Geräuschquelle lokalisieren und die Richtung angeben. Zur Übung wird  z. B. tickender Wecker im Klassenraum versteckt, den der Schüler durch genaues Hören finden muss. Suchspiele mit verbundenen Augen, bei denen ein Schüler mit einer Geräuschquelle (z. B. mit Knackfrosch, mit Trillerpfeife, mit Vogelpfeife etc.) im Raum umhergeht und gefunden werden soll. Wichtig ist, das diese Übungen spielerisch erfolgen und die Schüler nicht das Gefühl bekommen, eine „Leistung“ abliefern zu müssen.

Förderung der auditiven Diskrimination: Der Schüler lernt Ähnliches und Verschiedenes genau zu unterscheiden: z.B. beim Geräusche-Memory, bei dem aus einer Auswahl (Geräuschedosen, Geräuschsäckchen) immer zwei gleiche gefunden werden sollen.

Förderung der auditiven Merkfähigkeit: Der Schüler soll sich Tonfolgen merken können, die später wieder abgerufen werden, z. B. beim Spielen auf Orff-Instrumenten oder mit den Boomwhackers.

Bei allen Übungen gilt es auszuprobieren, ob die Übung mit offenen oder geschlossenen Augen durchgeführt werden kann. Intensive Höreindrücke gelingen mit geschlossenen Augen in der Regel besser, sind jedoch nicht auf Anhieb jedem Schüler möglich. Beachten Sie dann die individuelle Toleranz. Die Übungen sollen vor allem spielerisch und spannend sein, um das intensive Hören herauszufordern.

Claudia Omonsky

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