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ADHS

So helfen Sie hyperaktiven Schülern im Unterricht

Wenn Schüler mit ADHS unkonzentriert sind und ihren ständigen Bewegungsdrang während des Unterrichts ausleben, dann wird das Lehren zur Herausforderung — und das Lernen auch. Unterstützende Hilfe beeinflusst diese Schüler positiv und verbessert das Lernklima für alle.

ADHS: So helfen Sie hyperaktiven Schülern im Unterricht Wenn Kinder sich immer ablenken lassen und unruhig sind, sollten man den Ursachen auf den Grund gehen © Marco Herrndorff - Fotolia.com

Wir alle kennen den „Zappelphillip“ oder den „Suppenkaspar“ — Schüler, die uns im Schulalltag als besonders unruhig, ablenkbar, unaufmerksam und dann im Gesamtgeschehen einer Klasse auch manchmal auffällig erscheinen. Die Grenzen zwischen einer ausgeprägten Persönlichkeitsstruktur mit Bewegungsfreude und Neugier sind schwer zu der im Kindesalter beginnenden psychischen Störung, ADHS genannt, zu ziehen. Die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) gehört inzwischen zusammen mit Störungen des Sozialverhaltens wohl zu den häufigsten psychischen Störungen im Kindesalter.

Sehr wichtig für Lehrer ist es zu wissen, dass eine ADHS-Diagnose nur von Fachärzten für Kinder-und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie sowie von Kinderärzten gestellt werden kann. Grundsätzlich ist eine gute Zusammenarbeit von Elternhaus — Schule — Ärzten wichtig, um zur richtigen Einschätzung der Situation zu kommen. Denn wir wissen natürlich, dass eine gewisse Wildheit durchaus normal und entwicklungsgemäß sein kann und nicht jedes bewegungsfreudige Kind eine Diagnose braucht.

Drei wichtige Leitsymptome

Erst wenn zur mangelnden Selbstkontrolle der Aktivitäten und der Umtriebigkeit und Ziellosigkeit hierbei das Verhalten in Bezug auf Alter und Entwicklung im deutlichen Missverhältnis steht, gilt es aktiv zu werden. Es geht hier um die Schüler, denen die altersentsprechende Impulskontrolle trotz guten Willens nicht gelingt und die dadurch in Schule und Privatleben in große Schwierigkeiten kommen und daran leiden.

Diagnostische Grundlage sind die ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems , 10. Revision) und das DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders IV), die drei wichtige Leitsymptome benennen, die ein Lehrer kennen sollte, um bei entsprechenden Verdachtsmomenten genauer beobachten zu können:

  1. Beeinträchtige Aufmerksamkeit: Flüchtigkeitsfehler, Nicht-Beachtung von Einzelheiten, Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung der Aufmerksamkeit bei Aufgaben oder Spielen, scheinbares Nicht-Zuhören, mangelnde Durchführung von Anweisungen, Arbeitsaufträgen oder Pflichten, Schwierigkeiten in der Organisation von Aufgaben und Aktivitäten, Vermeidung länger andauernder geistiger Anstrengung, häufiges Verlieren von Dingen, leichte Ablenkbarkeit durch äußere Reize, Vergesslichkeit
  2. Hyperaktivität: Zappeln mit Händen/Füßen, Stuhlrutschen, häufiges Aufstehen, Herumlaufen oder Herumklettern, Unruhegefühle, Schwierigkeiten bei ruhigen Aktivitäten, exzessive motorische Aktivität, die nicht von außen beeinflussbar scheint
  3. Impulsivität: Herausplatzen von Antworten, Schwierigkeiten abzuwarten, kann Reihenfolgen nicht einhalten, übermäßiges Reden und Dazwischenreden, Unterbrechung von anderen, Störverhalten (vgl.)

Diese drei Leitsymptome können sekundäre symptomatische Folgen nach sich ziehen, vor allem im Bereich der sozialen Anpassung und der emotionalen Interaktion. Schüler können dann vordergründig stur, aggressiv, verweigernd wirken oder/und freudlos, traurig oder depressiv. Aus diesen allesamt negativen Eindrücken entsteht ein wahrer Teufelskreis an Lern- und Leistungsstörungen.

Weitere Infos zum Thema:

Hier finden Sie wertvolle Tipps und Hinweise.

Armin Born, Claudia Oehler: Lernen mit ADS-Kindern.  Stuttgart,  9. Auflage 2012

In der Schule können wir unsere Einstellung und unser Lehrerverhalten gegenüber dem Schüler mit ADHS anpassen, wenn wir uns vor Augen halten, wie die positive Seite der Symptomzuschreibungen aussehen würde.

Positive Seiten der Symptome

Ein Schüler mit ADHS kann viele Dinge sehr gut: Er strotzt vor Energie, will immer helfen und mit anpacken. Er ist nicht nachtragend und zeichnet sich oft durch eine unerschütterliche positive Energie und Ausstrahlung aus. Er lässt sich nicht schnell unterkriegen und bleibt konsequent. Er ist risikofreudig und stets einsatzbereit, schafft ein riesiges Arbeitspensum bei entsprechender Motivation. Seine Neugier und Begeisterungsfähigkeit sind frappierend, ebenso seine Hilfsbereitschaft. Besonders positiv kann die Sensibilität für Stimmungen und Stimmungsumschwünge ausgeprägt sein. Er hat ein sehr großes Mitteilungsbedürfnis.

Hilfen im Unterricht

Welche Hilfen im Unterricht können wir geben, um dem Schüler mit ADHS das Lernen leichter zu gestalten?

  • Visuelle Hilfen: Da bei Schülern mit ADHS die auditive Aufmerksamkeit oftmals eingeschränkt ist, können sie nicht gut auf auditive Reize reagieren. Dies stellt jedoch eine wichtige Grundlage für das Verarbeiten und Verstehen von Sprache (und damit für das Lernen) dar. Durch einen strukturierten Einsatz kann hier unterstützend gearbeitet werden, zum Beispiel durch Symbole oder Piktogramme bei mündlichen Erklärungen, durch konsequente Visualisierung an Tafel/OHP/Beamer, durch kleinschrittige Sichtbarmachung von Arbeitsanweisungen oder Handlungsschritten, durch vielfältige Dokumentation alltäglicher Aufgaben.
  • Aufmerksamkeitsförderung: Es kann dem Schüler mit ADHS helfen, wenn Sie ihn beim Aufrufen gezielt und namentlich ansprechen, am besten mit Blickkontakt und Körperkontakt, um die bestmögliche auditive Aufmerksamkeit zu erreichen. Reden Sie möglichst nicht zu viel, in einfachen Sätzen und mit langsamer Sprechgeschwindigkeit. Geben Sie eindeutige und einschrittige Arbeitsanweisungen. Geben Sie keine wechselnden Erklärungen für einen Sachverhalt. Sie können bei wichtigen Informationen nachfragen und sicherstellen, dass der Schüler verstanden hat, was Sie gesagt haben.
  • Gesprächsregeln: Dies hilft sicherlich nicht nur dem Schüler mit ADHS, sondern sorgt insgesamt für ein angenehmes Klassenklima. Legen Sie verbindliche Gesprächsregeln fest, zum Beispiel: „Nur einer spricht — die anderen hören zu — wer etwas sagen möchte, meldet sich“ usw. Achten Sie folgend auch auf die Einhaltung der Regeln und fördern Sie eine gute Gesprächsdisziplin. Sie können auf den jeweiligen Sprecher auch visuell aufmerksam machen, indem Sie das Unterrichtsgespräch mit Zeigegesten, mit Namensnennung oder durch Zuwerfen eines „Gesprächsballs“ lenken.
  • Lautstärke und Raumakustik: Das kleinste Nebengeräusch wird vom Schüler mit ADHS wahrgenommen und wirft ihn aus der mühsam aufrechterhaltenen Konzentration. Dies wirkt sich besonders deutlich in einer Klassensituation aus, bei der ein gewisses Maß an Nebengeräuschen normal und unvermeidlich ist. Zunächst gilt es ganz allgemein, das Klassenzimmer hinsichtlich der Raumakustik zu überprüfen. Wie hoch sind der Nachhall und die Gesamtlautstärke? Kann dies durch einfache Maßnahmen wie Teppiche, Gardinen, Pinnwände gemildert werden? Auch Filzgleiter unter Stuhlbeinen, Raumteiler oder Pflanzen verbessern die Raumakustik. Sammel- und Sortierboxen für Materialien können ebenfalls mit Filz o. Ä. ausgekleidet werden. Es ist hilfreich, mit der Klasse insgesamt eine gewisse Sensibilität für Lärm aufzubauen, zum Beispiel Bewusstmachung in Phasen offener Lernformen. Thematisieren Sie Lärm, Lärmbelästigung und Nachteile beim Lernen durch Störgeräusche. Sie können eine sogenannte „Lautstärke-Ampel“ einsetzen, um den Lärmpegel sichtbar zu machen. Geben Sie dem betroffenen Schüler die Möglichkeit, sich bei zu hoher Geräuschbelastung zurückzuziehen. Bauen Sie häufiger Stille- und Hörübungen ein. Ein generell rhythmisierter Unterricht hilft Entlastungspausen für die angesprochenen Sinne zu schaffen.
  • Positives Feedback: Machen Sie dem Schüler mit ADHS immer wieder bewusst, was ihm gut tut und hilft. Lassen Sie sich als Lehrkraft selbst nicht aus der Ruhe bringen, sondern bleiben Sie — auch wenn es sich leicht sagt — ein „Fels in der Brandung“, der mit Mutmachgedanken zur Seite steht. Bremsen Sie nötigenfalls das genervte Nörgeln der übrigen Klasse. Planen Sie kleinschrittige Arbeitsetappen, die visualisiert werden können. So werden Erfolge sichtbar gemacht. Besonders gut helfen Regeln und Rituale, um die Lernanforderung bewältigen zu können. Erkennen Sie die Anstrengungsbereitschaft auch an, selbst wenn es Probleme zu besprechen gilt. Üben Sie langfristig die Möglichkeit zur Selbstreflexion.
  • Lernen entstressen: Nicht zuletzt ist es auch wichtig, den bewussten Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung zu verdeutlichen. Aber Achtung: Freie Bewegungsmöglichkeiten stellen häufig eine zu große Herausforderung für den Schüler mit ADHS dar. Es folgt ein oft nicht mehr zu bremsendes, grenzenloses Ausagieren, das alle Beteiligten völlig erschöpft. Besser wäre es, Bewegungschancen in den alltäglichen Unterrichtsablauf einzuplanen, zum Beispiel in Hol- und Bringdiensten, bewegtem Lernen/psychomotorischen Angeboten während der Stationenarbeit, systematische Entspannungsübungen und Stilleübungen, strukturierte Pausen.

Es ist also wichtig, die spezifischen Bedürfnisse der Schüler mit ADHS in der Unterrichtsgestaltung und im Schulalltag zu berücksichtigen, um diese Schüler adäquat zu fördern und für alle Schüler ein gutes Lernklima zu schaffen.

Claudia Omonsky

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