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Verhaltensstrategien

So unterstützen Sie Ihre Schüler mit Prüfungsangst

Trockener Mund, Stottern, Zittern und womöglich sogar ein Blackout — vier bis fünf Schüler pro Klasse leiden unter Prüfungsangst, die sie meist nicht allein bewältigen können. Um diesen Schülern zu helfen, sollten Lehrer mit den Eltern an einem Strang ziehen.

Verhaltensstrategien: So unterstützen Sie Ihre Schüler mit Prüfungsangst Alles gelernt und im entscheidenen Moment alles vergessen — das kann Schüler zur Verzweiflung bringen © lassedesignen - Fotolia.com

Die Klassenlehrerin einer 8. Klasse in einer Baden-Württembergischen Hauptschule hat einen neuen Schüler, der offensichtlich ein Problem hat: Im Unterricht arbeitet er „meist toll mit, bringt gute Beiträge und ist auch in der Lage Zusammenhänge zu erkennen“, berichtet sie in einem Lehrerforum. „Bei Klassenarbeiten oder Hausaufgabenkontrollen versagt und blockiert er allerdings völlig und gibt meist fast leere Blätter ab“, schreibt sie. Sind das Anzeichen für Prüfungsangst?

Nicht unbedingt. Die Blockaden des Achtklässlers könnten auch ganz andere Ursachen haben, zum Beispiel Dyskalkulie oder eine Lese-Rechtschreibstörung. Und diese Teilleistungsstörungen können „nur mittels standardisiertem Rechentest (…) bzw. Lesetest (…) und Rechtschreibtest (…) in Verbindung mit einem Intelligenztest (…) sicher unterschieden werden von einer allgemeinen Lernbehinderung, geistigen Behinderung oder psychisch bedingten Blockaden bzw. Lernrückständen“, betonen die „Psychologen und Psychiater im Netz“.

Symptome

Als typische Symptome für Leistungsangst beschreiben die Experten „Übelkeit, Durchfall am Morgen des Prüfungstages, Kopfschmerzen, Schweißausbrüche, Zittern, Harndrang, Schlaf- und Konzentrationsstörungen“, aber auch Verhaltensanzeichen wie „Rückzug und Vermeidungsverhalten, Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsfehler, Tagträumen und Trödeln“.

Mit den Eltern das Gespräch suchen

Natürlich zeigen sich besonders die körperlichen Symptome eher zu Hause bei den Eltern. Auch haben Leistungs- und Prüfungsängste ihren Ursprung oft in der Familie, betont Dr. Michael Simons von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP): „Kinder, die von ihren Eltern Sätze wie ‚Das schaffst du nicht’ hören, entwickeln häufig Minderwertigkeitsgefühle und geringes Selbstvertrauen“, so der Kinder- und Jugendpsychiater. „Schon eine kritische Bemerkung wie ‚Naja‘ zu einer befriedigenden oder gar guten Note könne das Selbstwertgefühl eines Kindes beeinträchtigen.“

Im Gespräch mit den Eltern können Lehrkräfte eruieren, ob sich zu Hause typische Symptome für Prüfungsangst zeigen und womöglich auch einen ersten Eindruck gewinnen, inwieweit die Ängste durch Leistungsdruck oder mangelnde Anerkennung „hausgemacht“ sind. Auch könnten sich Lehrer und Eltern darüber beraten, ob therapeutische Hilfe erforderlich ist. (Vgl. dazu auch den Beitrag: „Was hilft gegen Prüfungsangst?“ Link s. u.)

Selbstbewusstsein der Schüler im Unterricht stärken

In Prüfungssituationen hilft es angstgeplagten Schülern, wenn sie vom Lehrer Wertschätzung erfahren und erleben, dass Aufregung „ganz normal“ ist und auch ruhig gezeigt werden darf. Uta Reinmann-Höhn rät in einem Artikel im Familienhandbuch die Kinder zu loben, wenn sie etwas besonders gut machen oder können. Ein solches echtes Lob freue jedes Kind und werte es auf, auch wenn es nicht immer so aussieht: etwa wenn sich „die freudige Reaktion hinter pubertärem Grunzen versteckt oder einfach mit Schweigen kommentiert wird“, so die Lerntherapeutin.

Sicherheit durch gründliche Vorbereitung

Uta Reinmann-Höhn rät im Familienhandbuch zu einer konsequenten Lernvorbereitung, damit das Kind an Sicherheit gewinnt. Ihr Vorschlag: der sogenannte Sechs-Tage-Plan: Es beginnt mit einer „sorgfältigen Bestandsaufnahme oder Bilanzierung der Arbeitsinhalte“ am ersten Tag. Lernen von Tag 2 bis 4, an Tag 5 wird wiederholt und an Tag 6 darf sich der Schüler ausruhen, bevor am 7. Tag die Klassenarbeit geschrieben wird. „Kombiniert mit einem klaren Arbeitsplatz und mit einem guten Ordnungssystem können so im Vorfeld einer Arbeit schon viele angsterzeugende Faktoren gemildert werden“, so die Erfahrung der Lerntherapeutin.(ebd.)

„Prüfungsangst ist normal!“

Auch diese Erkenntnis kann für viele Schüler hilfreich sein. Fast jeder Mensch ist in Prüfungssituationen aufgeregt. Auch die meisten Lehrkräfte haben das schon erlebt und können berichten, welche Strategien ihnen dabei geholfen haben, die Prüfung trotzdem gut zu überstehen.

Martina Niekrawietz

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