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Wahrnehmungsfähigkeit

Wahrnehmung fördern durch Bewegung

Wahrnehmungsreize zu verarbeiten ist wichtig für die Entwicklung und für das Lernen. Vielfältige Bewegungsangebote sollten daher Bestandteil des Unterrichts sein. Sie fördern den Tast-, Bewegungs- und Gleichgewichtssinn der Schüler.

Wahrnehmungsfähigkeit: Wahrnehmung fördern durch Bewegung Eine willkommene Abwechslung im Schulalltag bieten Bewegungsanreize im Freien © elina lava - Fotolia.com

Immer wieder und wieder springt der Junge auf dem Trampolin, unermüdlich hüpft, wippt und läuft er auf dem Sprungfeld hin und her und wird immer wagemutiger dabei. Bewegung und Kinder gehören untrennbar zusammen, sodass man sich als Erwachsener manchmal fragt, welchen tieferen Sinn die schier endlose Wiederholung von Bewegungsreizen denn haben könne.

Dabei ist sie elementar für die basalen Wahrnehmungsbereiche und wichtig für jegliche Art des Lernens. Die Aufnahme und Verarbeitung von Reizen ist eine Wahrnehmungsleistung, die uns ermöglicht, die Welt zu erfahren und zu erobern. Innerhalb unseres Wahrnehmungssystems kommt dem taktil-vestibulär-kinästhetischen System eine sehr grundlegende Rolle zu. Denn es ist das erste sensorische System, welches sich bereits im Mutterleib entwickelt. Tast-, Bewegungs- und Gleichgewichtssinn umfassen alle möglichen Eindrücke auf den eigenen Körper und prägen sich im Laufe der kindlichen Entwicklung nach und nach aus. Gerade bei jüngeren Schülern ist es darum besonders wichtig, die Wahrnehmungsfähigkeit zu fördern.

Die Sinne lustvoll fördern

Die Förderung aller Sinne ist dann am wirksamsten, wenn sie nicht starr und nach einem Lernprogramm auferlegt wird, sondern wenn sie lustvoll und mit Spaß gestaltet wird. Schüler werden am liebsten selbst aktiv und suchen sich intuitiv sinnenhafte Attraktionen. Es ist einfach schön und spannend, den eigenen Körper auszuprobieren und sich zu bewegen. Dabei lernen Kinder, die eigenen Bewegungsfunktionen immer weiter auszudifferenzieren und zu verfeinern. Allerdings brauchen sie dafür eine bejahende und anregende Umwelt, um ihrem natürlichen Aktivitätsdrang nachkommen zu können.

Literaturtipps zum Thema:

Affolter, Felicie: Wahrnehmung, Wirklichkeit und Sprache. Villingen 2006

Ayres, Anna Jean: Bausteine der kindlichen Entwicklung. Berlin 2016

Frostig, Marianne: Bewegungserziehung. München 1999

Omonsky, Claudia: Schüler mit intensiver Behinderung fördern. Hamburg 2016

Zimmer, Renate: Handbuch Bewegungserziehung. Freiburg 2014

Für die Unterrichtsplanung kann dies allgemein bedeuten, immer wieder Bewegungsangebote einzustreuen. Wenngleich es wie eine Binsenweisheit anmutet, so wird es dennoch im Unterrichtsalltag allzu oft hintangestellt. Bewegte Pause und Unterrichtsorganisation, Schüleraktivierung und Sportunterricht bieten ein kontinuierliches Feld für motorische Erfolgserlebnisse. Mit Lern-, Spiel- und Laufphasen kann man den Unterricht bereichern. Programme wie „Voll in Form“ (LASPO: Lernkartei „Voll in Form“, Augsburg 2018) bieten motivierende Anregungen für Bewegungsangebote innerhalb des Klassenzimmers. Aber auch der Alltagsunterricht bietet viele Gelegenheiten, z. B. Wechsel zwischen verschiedenen Arbeitsweisen wie Stuhlkreis, Kissenkreis, Stehkreis oder Materialbeschaffung; auch Aufgabengestaltung nach den Prinzipien des bewegten Unterrichts und mit Elementen der sensorischen Integration, Spielplatz- bzw. Sportplatzbesuch, Training und Teilnahme an Wettkämpfen u.v.m.

Den Unterricht nach draußen verlegen

Im Sommer bietet sich alles an, was man draußen machen kann. Beispielsweise findet ein Parcours zum Training der Wahrnehmungsfähigkeit mit den Füßen viel Anklang. Die Schüler mögen es meist sehr gern, einmal Schuhe und Strümpfe ausziehen zu dürfen und viele aufregende Eindrücke über die Füße wahrzunehmen — auch wenn manch einer zunächst vielleicht sogar mit Abwehr reagiert.

Fuß-Parcours für einen heißen Sommertag:

  • Balancieren auf dem Seil: Ein bis zwei dickere Taue werden ausgelegt. Die Schüler laufen barfuß über das raue Tau und müssen ihr Gleichgewicht finden. Je dicker das Seil, desto schwieriger — man kann auch mit dünnen Springseilen beginnen.
  • Tuch aufheben: Ein Stofftuch wird ausgelegt. Die Schüler versuchen, dieses mit den Zehen zu greifen und z. B. in eine kleine Kiste zu befördern. Dies kann man auch als Wettspiel zwischen zwei Schülern gestalten und beispielsweise mehrere Tücher wegräumen lassen.
  • Steine umfüllen: Innerhalb eines eingegrenzten Radius liegen mehrere kleine Steinchen. Diese werden mit den Zehen gegriffen und in einen kleinen Eimer befördert. Auch hier kann man ein Wettspiel gestalten.
  • Fuß-zu-Fuß-Massage: Der Schüler steht auf einem Bein und massiert mit dem anderen Fuß seinen Fußrücken. Nach einiger Zeit wechseln.
  • Malen mit dem Fuß: Es liegt ein großer Bogen Makulaturpapier (von der Rolle) bereit sowie einige Wachsmalkreiden. Die Schüler versuchen, diese mit den Zehen zu greifen und ein Gemälde zustande zu bringen. eine einfachere Variante ist das Malen mit Fingerfarben, was im Freien besonders viel Spaß bringt (mithilfe eines Eimers mit Wasser und Handtüchern kann man die größte Farbschlacht schnell beseitigen).
  • Papier zerreißen und wegwerfen: Die Schüler sitzen auf einer Bank o. Ä. und versuchen, ein Stück Papier mit den Zehen beider Füße so zu greifen, dass sie es zerreißen können.
  • Fuß-Tast-Weg: Es werden einige flache Plastikwannen bereitgestellt. Dort hinein legt man jeweils eine Sorte Material, z. B. Gesammeltes aus der Natur wie Blätter, Äste, Moos, Steine, Stroh, Gras, Wasser usw. Nun gehen die Schüler mit offenen oder auch verbundenen Augen (Hilfestellung geben) barfuß hindurch und lassen die Wahrnehmungseindrücke wirken. Vielleicht finden sie ganz leicht heraus, um welches Material es sich handelt?

Alle Wahrnehmungsübungen zusammen ergeben einen großen Fuß-Parcours, der mit wenig Aufwand schnell draußen aufgebaut werden kann und für einen heißen Sommertag Spaß und Lernfreude mit Sinn verspricht.

Claudia Omonsky

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