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Unterrichtsideen

Wie Sie die auditive Wahrnehmung gezielt fördern können

Wenn Schüler Probleme mit dem Zu- und Hinhören haben, kann es sein, dass sie Defizite in ihrer auditiven Wahrnehmung haben. Durch gezielte Übungen und kleine Maßnahmen im Unterricht können sie gezielt gefördert werden.

Unterrichtsideen: Wie Sie die auditive Wahrnehmung gezielt fördern können Musikinstrumente hören und identifizieren — damit lässt sich gut die auditive Wahrnehmung trainieren © Elena Schweitzer - Fotolia.com

Die Augen weit geöffnet, so als ob man dann besser hören kann, läuft Peter langsam durch den Raum und lauscht gespannt. Die Klasse verfolgt leise, wo er den tickenden Wecker vermutet und freut sich mit, als er nach kurzer Zeit entschlossen eine Schranktür öffnet. — Mit diesem Spiel zur auditiven Wahrnehmung kann man Schüler immer begeistern und so ganz einfach das Richtungshören trainieren.

Einfache Spiele für die auditive Wahrnehmung lassen sich zwischendurch im Unterricht einbauen oder eine Zeit lang regelmäßig verstärkt zur Förderung einsetzen. Denn der Hörsinn als körperferner Sinn hilft, sich in der Umwelt zu orientieren und muss trainiert werden. Kinder bilden im Laufe ihrer Entwicklung Hörerfahrung aus und lernen nach und nach, Geräuschquellen mit den damit verbundenen Geräuschen zu verbinden.

Die Hörwahrnehmung hat viele Anforderungen

Überall begegnen uns Geräusche und Klänge, die wir auch dann wahrnehmen können, wenn sie weiter von uns weg sind. In der Schule spielt das Hören natürlich eine ganz besondere Rolle. Im Lehr-Lern-Prozess müssen Schüler hochanteilig viel und genau zuhören, wenn Lehrer oder Mitschüler sprechen. Umgebungsfaktoren wie laute Klassenkameraden oder diffuser Raumschall können die Hörwahrnehmung beeinträchtigen, unabhängig vom eigentlich intakten Hörvermögen eines Kindes.

Die auditive Wahrnehmung an sich kann verzögert oder beeinträchtigt sein. Anzeichen dafür können sein: Die Schüler wissen nicht, wohin sie sich wenden sollen, wenn sie aufgerufen werden (Richtungshören). Sie können die Laute nicht altersgemäß unterscheiden (sprechen verwaschen, erkennen Reimwörter nicht usw.). Das Hör-Gedächtnis ist verkürzt: Nacherzählen gelingt unvollständig, Schüler können mehrere verbundene Aufträge nicht ausführen. Die auditive Aufmerksamkeit ist gestört: Schüler werden motorisch unruhig, ermüden schnell, sind ablenkbar. Die auditive Figur-Grund-Wahrnehmung ist beeinträchtigt: Schüler verstehen Anweisungen bei Geräuschkulisse nicht, reagieren gereizt, halten sich die Ohren zu, sprechen selbst lauter, verlieren den Gesprächsfaden.

Literaturtipps zum Thema:

Küspert, Petra / Schneider, Wolfgang: Hören, lauschen, lernen. Göttingen 2006

Martschinke, Sabine / Forster, Maria: Leichter lesen und schreiben lernen mit der Hexe Susi. Augsburg 2008

Omonsky, Claudia: Schüler mit intensiver Behinderung fördern. Elementare Lernaktivitäten zu Wahrnehmung und Motorik. Hamburg 2016

Zimmer, Renate: Handbuch der Sinneswahrnehmung. Freiburg im Breisgau 1995

Hilfestellungen, um für auditive Wahrnehmung zu sensibilisieren

Stellt man solche Anzeichen bei einem Schüler fest, ist es zunächst sinnvoll, eine Hörüberprüfung anzustoßen. Aber auch eine fundierte Diagnostik zur auditiven Wahrnehmung, z. B. durch den Mobilen Sonderpädagogischen Dienst für den Förderschwerpunkt Hören, kann weiterführend Aufschluss geben.

Unterrichtliche Hilfen können sofort eingesetzt werden. Sie dienen dabei der Entlastung, beispielsweise Hörpausen durch Wechsel der angesprochenen Sinne, Blickkontakt zur Lehrkraft und ggf. Sitzplatzwechsel, direktes Ansprechen des Schülers, erhöhte Visualisierung von Inhalten, Rückzugsmöglichkeit in der (lauten) Klasse.

Da sich die auditive Wahrnehmungsfähigkeit im Laufe der Entwicklung immer weiter ausdifferenziert, kann man auch ganz allgemein mit gezielten Übungen und Spielen unterstützend einwirken:

  • Stilleübungen: Dem Hören kann man sich nicht willentlich entziehen. Darum tut es gut, wenn man immer wieder für Stille und Erholung beim Hören sorgt, z. B. durch Stilleübungen nach Maria Montessori, Achtsamkeits- und Entspannungsübungen oder Atemübungen. Die Konzentration auf einen leisen akustischen Reiz kann helfen, diese besonders für jüngere Schüler schwierige Herausforderung zu meistern. Am besten beginnt man mit relativ kurzen Zeitabschnitten, um Erfolgserlebnisse beim „Still-Sein“ zu gewinnen.
  • Zur Förderung der auditiven Aufmerksamkeit dienen Hörspiele, bei denen etwas lange nachklingt (Klangschale, Klangstäbe) oder Spiele, bei denen man ungewöhnliche Töne aufspürt (Herzschlag, Summen des Verstärkers). Beliebt ist das Vorlesen einer Geschichte, bei der zuvor Namen/Bezeichnungen an die Schüler vergeben werden und bei denen sie jedes Mal aufstehen, sobald diese in der Geschichte vorkommen.
  • Zur Verbesserung der auditiven Figur-Grund-Wahrnehmung spielen Schüler gern solche Spiele, bei denen man ein vorgegebenes Geräusch identifizieren soll, z. B. bei „Hänschen, piep einmal“ oder „Ich höre was, das du nicht hörst“. Schwieriger ist das Spiel „Wortsalat“, bei dem längere Wörter in Silben zerlegt werden. Mehrere Mitspieler sprechen jeweils gleichzeitig ihre Silbe und der Schüler muss versuchen, dabei das ganze Wort zu identifizieren.
  • Die auditive Lokalisation schult man durch Spiele, bei denen man eine Geräuschquelle lokalisieren bzw. eine Richtung angeben soll (tickende Uhr, Knackfrosch). Hier lassen sich sehr leicht Differenzierungsstufen von leicht nach schwer kreieren, je nachdem wie offensichtlich das Versteck gewählt wird.
  • Mit Geräusche-Memo und Geräusche-Dosen übt man die auditive Diskrimination, bei der der Schüler lernt, Ähnliches und Verschiedenes genau zu unterscheiden. Auch hier bieten sich Schwierigkeitsstufen an, z. B. gleiche Paare finden oder eine Reihe aus fünf Geräuscheindrücken bilden. Für Schüler, die lesen und schreiben können, kann man Reimwortkarten vorbereiten. Hier liest einer mehrere Wörter vor, von denen sich nur zwei reimen. Diese notiert der Partner auf.
  • Die auditive Merkfähigkeit verbessert sich, wenn die Schüler sich beispielsweise Musikstücke oder Tonfolgen merken sollen, die später wieder gebraucht werden, etwa beim Spielen von Boomwhackers oder Orff-Instrumenten. In Partnerarbeit kann ein Schüler eine Geschichte vorlesen, die der Partner dann aufmalt oder zeichnet.

Bei Übungen zur auditiven Wahrnehmung kann man als Lehrkraft immer anregen, sie einmal mit offenen und einmal mit geschlossenen Augen durchzuführen. Für manche Schüler sind die Höreindrücke dann intensiver, während andere den Sehsinn gar nicht ausblenden wollen oder können.

Unterrichtlich weiterführend gibt es besondere Programme für den Schriftspracherwerb, die sich mit der Schulung der phonologischen Bewusstheit befassen. Auch hier finden sich zahlreiche Übungen zur Förderung der auditiven Wahrnehmung, die man als Lehrkraft systematisch in den Unterricht einbauen kann. Besonders viel Spaß bereitet ein Stationenparcours, bei dem die Schüler mehrere Aspekte der auditiven Wahrnehmung trainieren können.

Claudia Omonsky

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