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Erziehungsaufgaben

Elternarbeit — eine schwierige jedoch notwendige Aufgabe

Elterarbeit ist immens wichtig, denn ohne Eltern klappt das Lernen schlecht. Lehrer sind auch hier gefordert: ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte zu haben, zur Mitarbeit zu motivieren und die Eltern immer wieder in Schule einzubinden.

Erziehungsaufgaben: Elternarbeit — eine schwierige jedoch notwendige Aufgabe Im persönlichen, vertrauensvollen Gespräch mit den Eltern lassen sich viele Missverständnise klären © contrastwerkstatt - Fotolia.com

Tom, schläft seit zwei Tagen mitten in der ersten Unterrichtsstunde ein. Auf Anfrage der Lehrerin, was denn mit ihm los sei, erklärt er, dass er noch vier Geschwister hätte und die Eltern sich nicht um ihn kümmern könnten. Schließlich müssten beide arbeiten gehen, sonst könnten sie für die fünf Kinder nicht bezahlen. Er dürfe dann am Computer häufig die ganze Nacht spielen und sogar im Wohnzimmer schlafen. Daraufhin bittet die Lehrerin die Mutter mehrmals zum Gespräch in die Schule. Doch diese erscheint nie und hat immer eine andere Ausrede.

Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, dass die Lehrertätigkeit heute mehr als nur Stoffvermittlung und Unterrichten bedeutet. Nicht nur zunehmend schwierige Kinder, sondern auch schwierige Eltern lassen Lehrer verzweifeln. Je nach Einzugsgebiet der Schule begegnen uns Eltern, die bei Problemen sofort die zuständige Bezirksregierung einschalten. Besorgte Mütter und Väter einerseits, die sich ständig nach neuen Kursen oder der Sicherheit in der Schule erkundigen. Die Angst haben, in der Schule würde ihr Kind nicht genug lernen. Und auf der anderen Seite die teilnahmslosen Eltern, die sich weder für ihr Kind noch für dessen Entwicklung interessieren. Die ihre Kinder womöglich  vernachlässigen. Und auch Eltern, die kein Wort Deutsch sprechen und Angst davor haben, in die Schule zu kommen. Ein breites Spektrum, das ein Lehrer neben seiner Lehrtätigkeit auch noch zu bedienen hat.

Dabei ist der Wunsch der Schule nach solchen selbstverständlichen Gegebenheiten doch angebracht. Das heißt, dass Eltern die Hausaufgaben ihrer Kinder kontrollieren. Dass die Kinder ausgeschlafen sind, wenn sie in die Schule kommen. Dass sie nicht den ganzen Mittag vor dem Computer oder Fernseher sitzen. Dass Schwierigkeiten oder Aggressionen im Elternhaus nicht verharmlost werden. Dass die Eltern alle Erziehungsfragen nicht auf die Schule abwälzen. Und nicht zuletzt, dass Eltern regelmäßig Kontakt zur Schule pflegen.

Es gibt viele Fragen: Warum kommen so viele Eltern nicht zu Gesprächen in die Schule? Wie können Schwellenängste der Eltern vor der Institution Schule oder ihr Desinteresse abgebaut werden? Was kann die Schule tun, um dieser Problematik entgegenzuwirken?

Elternarbeit kann sich in vielfältiger Form zeigen

Grundsätzlich ist ein Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Schule notwendig.

Desinteressierte Eltern kann man häufig erreichen, indem man ihnen die Möglichkeit zu Beginn des Schuljahres gibt, sich mit ihren Sorgen und Ängsten darzustellen. Sie sollen wahrnehmen, dass nicht nur die Schule ihr Konzept vorstellt. Dazu sollten notwendige Stunden innerhalb des Stundenplanes eingeräumt werden. Auch für die Elternarbeit gilt, konsequent dranbleiben und die Eltern laufend in die Pflicht nehmen. Im Idealfall ist ein Sozialpädagoge oder ein Kollege aus der interkulturellen Arbeit dabei. Vielleicht müssen verschiedene Sprachen bedient werden. Gerade Eltern mit Migrationshintergrund sind sehr häufig ängstlich und unsicher, sich in der Schule mit den Lehrern auseinanderzusetzen. Für die Schule ist es immer sinnvoll, eine Zusammenarbeit mit interkulturellen Instituten anzustreben.

Das Schulgebäude selbst sollte für die Schüler und Eltern aller Nationen eine willkommen heißende Atmosphäre ausstrahlen. Dazu gehört ebenso, Schilder in verschiedenen Sprachen aufzustellen, Fotos verschiedener Kulturen zu präsentieren, Ansprechpartner mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen zu haben.

Durch Nichtwissen entstehen falsche Vorstellungen

Immer wieder hört man Äußerungen von Eltern: „Damit habe ich nichts zu tun! Das ist Aufgabe der Lehrer! Ich habe dafür keine Zeit. Die Lehrer machen ja nicht genug.“ — Vielen Eltern ist nicht bewusst, dass ihr Kind nicht das einzige in der Klasse ist. Dass noch 25–35 andere Kinder und Eltern Sorgen und Nöte haben.

Oft sind es auch Eltern ohne Bildungshintergrund, die kein Interesse an ihrem Kind zeigen. Eltern, deren Kinder zunehmend verarmen. Sie wollen jedoch auch nicht hören, dass ihr Kind schwierig ist. Sie wollen ihre Lebensweise nicht in der Schule rechtfertigen müssen. Bei diesen Eltern muss das Interesse langsam und mit Geduld geweckt werden. Ihnen muss deutlich werden, dass die Zusammenarbeit mit der Schule ihnen selbst und ihrem Kind zugutekommt. Sie müssen erfahren, welche Konsequenzen es für sie und ihr Kind bedeutet, wenn sich nichts ändert. Allerdings sollte ihnen auch gesagt werden, was sie alles gut gemacht haben und was sie schon für ihr Kind geschafft haben. Auch Eltern brauchen positives Feedback. Dabei kann helfen, zu Beginn des Schuljahres ein „gemütliches Klassen-Café-Gespräch“ mit dem Lehrer in der Schule zu organisieren. Diese Eltern kommen dann auch eher bei Problemen zum ernsthaften Gespräch.

Es gibt jedoch auch Lehrer, häufig an Gymnasien, die Elternmitwirkung als Einmischung oder zusätzliche Arbeit verstehen. Die sich lieber auf das Lehren konzentrieren und die Zusammenarbeit mit den Eltern eher lästig finden. Dies ändert sich meist dann, wenn Eltern für bestimmte Aktivitäten in der Schule gebraucht werden. Dann sehen beide, wie sinnvoll Teamarbeit sein kann, und dass nicht nur in Krisensituationen.

Regelmäßige Elternarbeit braucht Helfer

Elternarbeit sollte nicht nur Aufgabe der Lehrer sein. Diese haben ohnehin Probleme, den Lernstoff unterzubringen. Das Arbeiten mit den zunehmenden lernschwachen oder emotional und sozial eingeschränkten Schülern nimmt viel Zeit und Umstrukturierung im Klassengeschehen in Anspruch. Da ist auch die Schulleitung in hohem Maße gefragt. Sie sollte dafür kämpfen, dass genügend Sozialarbeiter, Sozialpädagogen und interkulturelle Mitarbeiter an der Schule arbeiten können. Diese werden dann in die umfassende Elternarbeit miteinbezogen.

Elternarbeit ist jedoch nicht nur zusätzliche Arbeit. Sie kann helfen, Schüler besser zu verstehen und Problemen gemeinsam entgegenzutreten. Der Einfluss der Familien auf den Schulerfolg ist wesentlich größer als der Einfluss der Schule selbst. Positive Entwicklungen durch gemeinsame Erziehung kann enorm im Unterricht helfen. Allerdings müssen auch Lehrer lernen umzudenken. Lehrer zu sein heißt heute nicht mehr nur, Stoff zu vermitteln oder den Lehrplan zu erfüllen. Der pädagogische Anteil ist wesentlich intensiver geworden. Diese Tatsache kann nicht einfach ignoriert werden. Eine gute Organisation von Elternberatungszeiten über den Elternsprechtag hinaus könnten von einem Gremium organisiert werden. Lehrer müssen freigestellt werden, um Zeit für Elterngespräche zu haben.

Kinder sind unsere Zukunft und sie leben in einer Gesellschaft, die sich mehr und mehr einem Wandel unterzieht. Dies betrifft auch und vor allem die Bildungskultur in der Schule. Da gehören nicht nur neue Whiteboards, Notebooks und schnelle Internetverbindungen in den Unterricht. Dazu gehören auch mehr Verständnis, Sensibilität, pädagogisches Geschick und ein regelmäßiger Austausch mit Eltern. Zu wünschen ist eine Erziehungs- und Bildungspartnerschaft zwischen Familie und Schule.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Lehrerausbildung sich dahingehend erweitert. Dass Referendare in ihrer Ausbildung mehr Anleitung erhalten, wie man sinnvoll beraten und sicherer pädagogisch und psychologisch agieren kann. Dass die Schulpolitik intensivere und interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Institutionen wie Therapiezentren, Psychologen und Kulturpädagogen finanziert. Vor allem auch, dass Elternarbeit als fester Bestandteil der Schulpolitik zu sehen ist, der finanziell gefördert werden muss.

Angela Hentschel

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