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Theater

Darstellendes Spiel fördert die Entfaltung der Persönlichkeit

Theaterspielen birgt enormes Potenzial für Grundschüler: Es entwickelt vielfältige Kompetenzen, steigert das Selbstwertgefühl und fördert die Persönlichkeit.

Theater: Darstellendes Spiel fördert die Entfaltung der Persönlichkeit Laut lachen oder skeptisch gucken — Grundschüler üben das Theaterspielen © highwaystarz - Fotolia.com

„Wann können wir wieder Pantomime machen?“, fragt Andrea ihre Klassenlehrerin. Die Vorübungen zur Körperwahrnehmung haben den Kindern der Klasse 3 als Einstieg für die Proben fürs Einschulungstheater sehr gut gefallen. Immer wieder fragen sie nach kleinen pantomimischen Übungen, Standbildern und Rollenspielen.

Tatsächlich wird der Theaterarbeit im Schulalltag kein gebührender Platz eingeräumt. Dabei fordert das Theaterspielen den ganzen Menschen, denn es bietet den Schülern ganzheitliches Lernen über mehrere Sinneskanäle. Beteiligt sind Körper, Geist und Seele. Die Kreativität und die Vorstellungskraft der Schüler werden aktiviert. An Kompetenzen fördert es das Selbstwertgefühl, die Bereitschaft,  Verantwortung zu übernehmen und für die Gemeinschaft einzutreten. Beim Spielen können die Schüler ihre Persönlichkeit intensiv einbringen und zeigen oft andere Stärken als im üblichen Unterrichtsgeschehen.

Mit dem Körper sprechen lernen

Beginnen kann man in der Grundschule zunächst mit Übungen aus der Theaterpädagogik. Dies gelingt gut mit Musik. Zu einem vom Lehrer ausgewählten Musikstück dürfen die Schüler zunächst „ankommen“, ganz bei sich selbst sein und sich zur Musik in einem möglichst großen Raum bewegen. Danach stellt sich jeder Schüler vor: mit seinem Namen, einer Tätigkeit oder Sache, die er gern mag und einer entsprechenden Bewegung dazu. Achten Sie darauf, dass dies nicht kommentiert, sondern nur beobachtet wird.

Als weitere Warmup-Übung gehen die Schüler mit einer Bewegung durch den Raum. Irgendwann übernehmen sie die Bewegung eines Mitschülers und führen diese fort. Eine reizvolle Steigerung dieser Bewegungsübung ist das „Widerspiegeln“ der Bewegungen eines Partners, so wie man sie als Spiegelbild sehen würde. Hierbei stehen sich zwei Schüler gegenüber. Der eine macht eine Bewegung vor, der Partner wiederholt sie spiegelbildlich. Nach einer Partner-Übungsrunde kann diese Übung auch vor der Klasse präsentiert werden.

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Mit dem demselben Übungspartner kann vereinbart werden, dass sich beide zur Musik bewegen, aber immer mit einem Körperteil in Verbindung bleiben müssen. Hierbei entstehen kreative, pantomimische Bewegungen.

Als Vorbereitung auf das spätere szenische Darstellen dient die Erkundung des eigenen Körpers. Hierzu werden auf Zuruf die Bewegungen der Schüler im Raum verändert: sie gehen, spazieren, hasten, kriechen, torkeln, hüpfen, springen, schleichen. Hier ist Platz, selbst verrückte Übungen/Ideen auszuprobieren.

Ohne Musik — als Pause zwischen zwei Stücken — werden Gefühle pantomimisch ausgedrückt: wie traurig, fröhlich, glücklich, nachdenklich, überrascht, ängstlich, wütend und vieles mehr.

In einer Präsentation der interessantesten Gefühlsausdrücke erkennen die Schüler, dass Gefühle zum Teil sehr ähnlich ausgedrückt werden, wie z. B: Trauer oder Freude, aber oft auch individuell ganz anders. Für den Zuschauer aber müssen sie zu „lesen“ sein.

Was das Gesicht alles kann — Mimik

Das, was gespielt wird, soll der Zuschauer ohne Worte verstehen – und was für den Körper gilt, gilt erst recht fürs Gesicht. Um die Mimik zu erkunden, werden Grimassen geschnitten: „Was mein Gesicht alles kann“. Zunächst kann jeder selbst mithilfe eines Spiegels Grimassen ausprobieren. In einer gemeinsamen Partnerübung ahmt ein Partner die Grimasse seines Gegenübers nach, neutralisiert sein Gesicht wieder und gibt eine eigene Grimasse weiter. So entstehen vielfältige Gesichtsausdrücke.

In der nächsten spielerischen Übung entsteht eine pantomimische Kette mit fünf Spielern, die zunächst den Raum verlassen. Die im Raum verbliebenen Mitschüler einigen sich auf eine kurze pantomimische Handlung. Die Spieler werden dann nacheinander einzeln wieder hereingerufen. Der Hereingerufene schaut sich die Pantomime des ersten Spielers an, die er wiederum dem nächsten Mitspieler vorführt. Dieser präsentiert das Gesehene dem dritten Mitspieler usw. Ein Spiel ähnlich der „stillen Post“ nur als Pantomime, die mit Sicherheit am Ende nicht mehr so ist wie am Anfang. Hier ist viel Aufmerksamkeit und eine differenzierte Wahrnehmung bzw. genaues Beobachten gefragt, um die Bewegungsabfolge exakt zu erfassen und möglichst genau zu wiederholen.

Rollenspiele, Standbilder und Sketche

Hat man die Schüler für Bewegungen, Gestik und Mimik sensibilisiert, so können kleine Rollenspiele vorgespielt werden. Dies können Stehgreifspiele sein, in denen die Schüler in kleinen Gruppen ein Wort wie „Streit“ oder „Freundschaft“ ins Spiel übersetzen müssen, indem sie eine kleine Szene improvisieren.

Im Deutschunterricht bietet sich es sich natürlich an, einen Lesetext mit verteilten Rollen als kleines Rollenspiel nachzuspielen. Zu einer Textpassage oder einem Kapitel können die Schüler ein Standbild entwickeln oder eine Pantomime  vorführen.

Schüler lieben es ebenso, Witze als Rollenspiele zu performen. Hier können sie sich in Gruppenarbeit die passenden Requisiten, die Kulisse und den Text zu einem Schülerwitz überlegen und proben. Die Witze-Rollenspiele der gesamten Klasse ergeben aneinandergereiht bereits eine Idee für eine Aufführung.

Theaterspiel für die Öffentlichkeit

Traditionell wird in der Grundschule für die Schulanfänger von einer höheren Klasse ein Stück eingeübt. Hier geht es nicht mehr um Übungen oder eine Improvisation vor der Klasse. Ein gewisser Erfolgsdruck durch die bevorstehende öffentliche Aufführung am Einschulungstag lässt das Theaterstück zu einem unterrichtsfüllenden Projekt werden. Umso sorgfältiger muss der Lehrer die Aufführung planen. Idealerweise wird ein Stück ausgewählt, das auf die Bedürfnisse der Schüler mit entsprechenden Sprech-, Statisten- und Vorleseszenen eingeht. Will man das Ganze als Musical aufführen, wird auch noch ein Chor oder eine Instrumentalbesetzung benötigt. — Ganz abgesehen von „guten Geistern“ wie Eltern, die helfen, das ganze Projekt bis zur letzten Requisite zu realisieren.

Damit die Schüler sich mit dem Text des Stücks besser identifizieren können, schreiben sie — wenn genügend Zeit dafür eingeplant wurde — den Text um oder schreiben gleich selbst ihr eigenes Theaterstück. Themen gibt es viele. Eine Idee wäre, die verschiedenen Fähigkeiten der Schulanfänger, ihre Erwartungen an die Schule oder auch den Schulalltag szenisch darzustellen.

Der Text ist nur die Vorlage, dem Leben eingehaucht werden muss. Nach ersten Sprechproben müssen die Rollen auswendig gelernt werden. Die ersten Proben mit Reihenfolge und Standorten auf der Bühne können beginnen.

Neben den Proben muss weitere Zeit eingeplant werden: für das Herstellen eines Bühnenbildes (am besten durch Zeichnungen auf großen Stoff oder Plakate im Kunstunterricht), das Besorgen von Requisiten (hier sind die Schüler meist sehr einfallsreich und können auch Dinge von zu Hause mitbringen) und die Beschaffung der Kostüme (vielleicht hat die Schule hier bereits einen Fundus).

Nach all diesen Vorbereitungen steht einer mitreißenden Aufführung nichts mehr im Wege. Die Schüler haben durch das Theaterspielen nebenbei jede Menge an Gemeinschaftsgefühl, positiver Ausdrucksmöglichkeit ihrer Persönlichkeit und vor allem Selbstbewusstsein gewonnen.

Marion Keil

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