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Konzept Bewegte Schule

Das Lernen fördern durch Bewegung

Bewegung unterstützt bei Kindern das Lernen. Trotzdem müssen viele Grundschüler in der Schule mehr stillsitzen, als ihnen guttut. Das Konzept der Bewegten Schule ermutigt zum Umdenken.

Konzept Bewegte Schule: Das Lernen fördern durch Bewegung Es bringt Kindern Spaß, sich zu bewegen. Nicht nur die Muskeln, auch das Lernen wird dabei trainiert © ehrenberg-bilder - Fotolia.com

Bereits nach den ersten fünf Schulwochen eröffnet eine Erstklässlerin ihrer Mutter: „Schule macht keinen Spaß, weil ich immer stillsitzen muss“. Im Forum der Website „eltern.de“ berichtet die Mutter. Ihre Tochter sei „immer ein sehr aktives, bewegungsfreudiges Kind gewesen“ und sitze „nun 45 Minuten in ihrer Schulbank (Frontalunterricht)“, was für sie „ wirklich extrem schwer“ sei. Auch der Lehrerin fällt auf, dass das Kind „ständig in Bewegung“ ist und „immer einen Fuß anwinkelt und auf den Stuhl legt, trotzdem aber sehr aufmerksam dem Unterricht folgt“. Die Pädagogin hält den großen Bewegungsdarang „für unproblematisch“, um so mehr, als ihre eigene Tochter, die auch die erste Klasse besucht, „ebenso“ ist.

Dass Kinder, die lange still sitzen müssen, unruhig auf dem Stuhl hin- und herrutschen oder zu kippeln beginnen, hält Dr. Dieter Breithecker für sinnvoll und notwendig. Diese „gesunde Bewegungsunruhe“ sei für die geistige und körperliche Entwicklung der Kinder sogar unverzichtbar. Bewegung ist „ein Grundbedürfnis — wie Essen, Trinken und Schlafen“, erläutert der Sport- und Bewegungswissenschaftler (in: „Stillsitzen mindert bei Schülern die Hirnleistung“, DIE WELT, 4.12.2011)

Mehrere Untersuchungen zeigten auch, dass Bewegung klug macht, denn dabei würden die Nervenzellen unterstützt, sich zu verbinden, so Breithecker. Deshalb sieht er Kippeln überhaupt nicht als Störfaktor, sondern als lernförderlich: „Das ist das Bedürfnis eines wachsenden Gehirns. Es aktiviert den Körper, damit es spezielle Botenstoffe und Sauerstoff bekommt, um wach sein zu können“, betont der Bewegungsexperte (ebd.).

Mehr Bewegung in die Schule bringen

Mehr Bewegung ist erklärtes Ziel des Konzepts der „Bewegten Schule“, für das sich der Sportpädagoge Rüdiger Klupsch-Sahlmann  einsetzt. Auf seiner Website plädiert er dafür, die Lebens- und Lernbedürnisse der Heranwachsenden ernst zu nehmen und „Bewegung als konstitutives Element von Unterricht“ zu begreifen (unter dem Menüpunkt „Bewegte Texte“, „Plädoyer für eine Bewegte Schule“). Sein „Haus der Bewegten Schule“ (unter dem Menüpunkt „Grundlagen“) zeigt anschaulich und mit direkt umsetzbaren Ideen, wie sich eine „bewegte Schulkultur“ in das Schulleben und Schulprogramm integrieren lässt:  

  1. Klassenräume werden zu Bewegungsräumen umfunktioniert. Wichtig sei dabei zunächst, „dass die Kinder und Jugendlichen erfahren, dass ein Sich-Bewegen von Seiten der Lehrkräfte akzeptiert, ja sogar angeregt und inszeniert wird und dass die Lehrkraft Bewegungsaktivitäten der Kinder und Jugendlichen nicht als Störung eines unterrichtlichen Vorhabens deutet“. Umsetzen lässt sich das ganz einfach — und Etat schonend! — mit Sitzbällen, die neben den normalen Stühlen „alternativ für eine kurze Zeit immer wieder als Sitzmöbel verwendet werden“. Natürlich sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt: auch höhenverstellbare (Steh- und Sitz-)Tische, Liegematten, Jongliertücher oder Igelbälle erweisen sich als bewegungs- und konzentrationsfördernd, zum Beispiel in der Wingertsbergschule in Lorsch. Möglicherweise gibt es auch — wie in Lorsch — Sponsoren, die kostspieligere Anschaffungen finanziell unterstützen.
  2. Themenerschließendes Bewegen im Unterricht: Wo immer möglich, sollten Lerninhalte mit Bewegung erschlossen oder eingeprägt werden. Der Planungsaufwand für solche Stunden hält sich im Rahmen, wenn innerhalb des Kollegiums Ideen und Materialien dafür austauscht werden. Dafür könnte man eine entsprechende Medienecke im Lehrerzimmer einrichten.
  3. Bewegungspausen bedeuten im Konzept der Bewegten Schule etwas anderes als regelmäßige Bewegungsveranstaltungen zu festgelegten Zeiten. Sie berücksichtigen „die jeweils individuellen Dispositionen von Kindern und Jugendlichen an den für sie unterschiedlich verlaufenden Schulvormittagen“, ohne sich am starren 45-Minuten-Raster zu orientieren. Angezeigt sind sie, wenn die Schüler „unaufmerksam werden, wenn sie Lustlosigkeit zeigen oder ihr Verhalten durch motorische Unruhe gekennzeichnet ist“. Klupsch-Sahlmann bietet eine kleine Sammlung von Ideen für die Unterrichtspraxis (Menü-Button „Bewegungspausen“) von „ruhig“ über „mäßig aktiv“ bis „aktiv“.
  4. Mindestens drei Stunden sollte der Sportunterricht wöchentlich umfassen und offen sein „für neue Bewegungsformen, die dem Bewegungsinteresse der Kinder und Jugendlichen entsprechen“. Zusätzliche außerunterrichtliche Bewegungsangebote könnten aktuelle Trendsportarten ebenso umfassen wie Angebote für Meditation und Entspannung.

Bewegte Schulen sind keineswegs laute Schulen

Bewegung der Schüler bedeutet jedoch nicht, dass mehr Lärm in der Schule herrscht. Im Gegenteil: Sie eröffnen Schülern und Lehrern die Erfahrung einer ganz besonderen Qualität der Stille, wie sie auch Maria Montessori begreift: Diese Stille im Unterricht lässt sich „nicht durch einen Befehl erzielen“ und meint auch nicht die „Einstellung von Geräuschen“, sondern „das Einstellen der äußeren Bewegung“, durch das die Kinder zur Ruhe kommen können. „Stilleübungen, Phantasiereisen und vielfältige Formen der Entspannung“ eröffnen den Kindern ein „eigenes, aktives inneres Erleben“, so Klupsch-Sahlmann.

In jedem Fall entlastet ein bewegungsorientiertes Schulprogramm auch die Lehrer, denn die Schüler sind nach einer Bewegungseinheit erfahrungsgemäß ausgeglichener und können sich wieder — mit frischer Kraft und vollkonzentriert — dem Unterricht zuwenden.

Martina Niekrawietz

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