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Deutsch für Flüchtlingskinder

DaZ-Materialien — schnell zur Hand

Bei der Sprachförderung von jungen Flüchtlingen fehlt es in den Schulen nicht nur an personellen Ressourcen, sondern auch an Schulbüchern für Deutsch als Zweitsprache. Viele Lehrer sind deshalb auf Unterrichtsmaterialien und didaktische Tipps angewiesen.

Deutsch für Flüchtlingskinder: DaZ-Materialien — schnell zur Hand Buchstabenkarten erleichtern erste, einfache Schreibübungen zu den neu erlernten Vokabeln © eikotsuttiy - Fotolia.com

In den nächsten Monaten werden immer mehr Kinder und Jugendliche mit geringen oder komplett fehlenden Deutschkenntnissen in die Regelschulen kommen. In der Klasse von Sigrid Gruchmann an der Berliner Rudolf-Hildebrand-Grundschule sitzen bereits zwei Flüchtlingskinder, die in ihrem Unterricht Deutsch als Zweitsprache (DaZ) lernen. Mit ein bis zwei Kindern gehe das relativ schnell, berichtete die Grundschullehrerin in einem Beitrag in den Tagesthemen am 1.10.2015 . Bei mehr als drei Schülern ohne Deutschkenntnisse könne man jedoch den anderen Schülern nicht mehr gerecht werden, so die Erfahrung der Pädagogin.

Die Sprachförderung neu zugewanderter Kinder und Jugendlicher im deutschen Schulsystem wird nicht nur in den einzelnen Bundesländern sehr unterschiedlich gehandhabt, sondern unterscheidet sich häufig sogar von Schule zu Schule, wie eine aktuelle Studie des MERCATOR INSTITUTS (Köln 2015) zeigt. Einheitliche Standards fehlen ebenso, wie Lehrer für Deutsch als Zweitsprache. In dieser Situation brauchen Pädagogen vielfältige Unterrichtsmaterialien zur Sprachförderung, die den heterogenen Voraussetzungen der Schüler entsprechen. — Hier eine Auswahl von Materialien, Online-Tutorials und methodischen Praxishinweisen im Internet:

So lernen Kinder spielend Deutsch

Mit der kostenfreien Vokabel-APP „hallo “ lernen Kinder ohne deutsche Sprachkenntnisse eigenständig „mit Spaß und System“, wie die Download-Website verspricht. „Reich bebilderte“ Lernspiele und vielfältige Übungen vermitteln den Grundschulwortschatz für Deutsch als Zweitsprache („ca. 1400 Vokabeln und Ausdrücke“). Besonders motivierend: Die Kinder können sich Themenbereiche aussuchen, die sie interessieren. Und wer die Tests am Ende der Lektionen besteht, gelangt auf das nächsthöhere Level — wie bei den meisten anderen Computerspielen auch.

DaZ-Tipps:

Lehrerforbildung bietet das Goethe-Institut „DaZ GRUNDSCHULE“. Online-Wörterbücher in den meisten Flüchtlingssprachen: Website des Goethe-Instituts. Auch Materialien für den Deutschunterricht mit Kindern stehen auf der Website bereit.

Materialien und Übungsvorschläge: Referat für Bildung und Sport der Landeshauptstadt München .

Das „Willkommens-ABC“ vermittelt mit Bildern und englischen Untertiteln das lateinische Alphabet und erste deutsche Vokabeln.

DaZ-Lernpakete, Spiele, Filmtipps etc.: „Deutsch als Zweitsprache und interkulturelles Lernen" des Österreichischen Schulportals.  

Ebenfalls eine ergiebige Quelle: „Willkommen in Deutschland“.

Arbeitsblätter und Spiele bietet die Website wegerer.at.

Das Mini-Wörterbuch für syrische Flüchtlinge enthält die wichtigsten deutschen Sätze, um sich zurechtzufinden.

DaF vs. DaZ: eine kurze Gegenüberstellung mit einer tabellarischen Übersicht.

Auch die interaktive Lernplattform „Frepy“ eignet sich für das selbstständige Lernen von Deutsch als Zweitsprache, zum Beispiel im Rahmen des individualisierten Unterrichts. Die abwechslungsreichen Aufgaben (Spiele, Puzzle, Bildergeschichten etc.) richten sich an Kinder mit basalen Deutschkenntnissen (zum Beispiel nach dem Besuch von Übergangsklassen) und fördern nicht nur das Leseverständnis, sondern auch das logische Denkvermögen.

In den kurzen Studioclips „Deutsch mit Socke“ von „Planet Schule“ erkundet eine freche, rote Socke spielerisch die deutsche Sprache. Beim Lernen der ersten deutschen Sätze wird Socke von Esther unterstützt. In den humorvollen Dialogen der beiden werden einfache Satzstrukturen („Wie heißt du?“ „Wie alt bist du?“ „Was ist das?“ etc.) häufig wiederholt, wodurch sie sich leicht einprägen.

Herzstück des einzigartigen Leseförderprogramms AMIRA sind die überaus ansprechend gestalteten Bilderbücher mit Texten in drei wählbaren Lesestufen und sieben verschiedenen Sprachen (auch Arabisch, Türkisch und Englisch). Die zweisprachigen Schüler lesen dabei in ihrem Tempo (Umblättern mit der Maus) und können auf jeder Seite von Deutsch zu ihrer Muttersprache „switchen“. Nach getaner Lesearbeit können die Kinder sich mit Schiebe-Puzzles, Hütchenspielen, Geräusche-Memos und anderen Spielen zu den Geschichten vergnügen.

Online-Tutorials, Apps und Videos

Natürlich sind auch Jugendliche beim Spracherwerb mit Begeisterung bei der Sache, wenn die Materialien und Medien bei ihren Interessen ansetzen: Mit der Website welcomegrooves.de lernen die Schüler „Überlebens-Deutsch“ mit Musik und durch Nachsprechen. In den sechs Lektionen stecken die wichtigsten Sätze für den Arztbesuch, für die Kontaktaufnahme, für das Zurechtfinden in einer Flüchtlingsunterkunft, für den Einkauf von Lebensmitteln etc. Parallel dazu lassen sich sämtliche Wörter und Sätze in den Sprachen der Flüchtlinge (Arabisch, Farsi, Paschto, Urdu, Hausa etc.) ausdrucken. — Übrigens auch eine gute Unterstützung für die Eltern, die ja ebenfalls Deutsch lernen und unbedingt mit einbezogen werden sollten.

Arabischsprachigen Deutschlernern erklärt Deiaa Abdullah die deutsche Sprache auf YouTube. — Ideal für den individualisierten Unterricht oder auch für Schüler, die beim Lesen Schwierigkeiten haben.

Besonders ergiebig sind die Sprachlernangebote des Goethe-Instituts. Sie richten sich an Flüchtlinge, „die schnell und kostenlos Deutsch lernen möchten“. Selbstlernkurse, Sprechübungen und Videos eignen sich sowohl für Smartphones als auch für Tablets, und können sowohl zum autodidaktischen Üben „unterwegs“ als auch im DaZ-Unterricht genutzt werden. Schüler ohne Vorkenntnisse eignen sich den deutschen Wortschatz mithilfe einer Vokabeltrainer-APP an. Themenbezogene Wortschatzlisten (in 16 Sprachen inklusive Persisch und Arabisch) können dabei heruntergeladen werden und sind dann auch offline verfügbar. Eine weitere Vokabel-APP („lern deutsch. Die Stadt der Wörter“) vermittelt Jugendlichen mithilfe eines Computerspiels mit Multiplayer-Funktion die „ersten Wörter auf Deutsch — mit Bildern, Audios und Beispielsätzen“. Zahlreiche Videos und Übungen entsprechen den Kompetenzstufen des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens A1 bis B2.

Auch ein Besuch auf der Website der Deutschen Welle (DW), des „Auslandssenders Deutschlands“, lohnt sich unbedingt für DaZ-Lehrende und auch für Jugendliche, die eigenständig ihr Deutsch verbessern möchten: Neben Kursen für alle Kompetenzstufen (A1 bis C) bietet die DW Audiotrainer, jugendgerechte Podcasts, einen interaktiven Online-Sprachkurs mit Audios, Videos und 750 interaktiven Übungen und Tests, Grammatikübersicht, Arbeitsblättern, Lerntipps und didaktischen Hinweisen. In der Rubrik „Deutsch unterrichten“ finden Deutschlehrer zusätzliche Materialien und Anregungen, wie sich die Sprachlernangebote in den DaZ-Unterricht einbauen lassen.

Methodische Anregungen für einen abwechslungsreichen DaZ-Unterricht

Lehrern, die DaZ fachfremd unterrichten, seien die „10 erfolgreichen Methoden zum Workbook ‚Deutschkurs für Asylbewerber‘“ empfohlen, die die wichtigsten Tipps für einen abwechslungsreichen DaZ-Unterricht auf den Punkt bringen (S. 3 ff.): Intensives Zuhören und gemeinsames und einzelnes Nachsprechen, Visualisieren mit Bildkarten, Einsatz originaler Materialien aus dem Alltag (hier können auch die Mitschüler aktiv werden), begleitende Gesten und Bewegungen, szenische Darstellung und Rollenspiele und Lernen mit allen Sinnen, das alles hilft den Schülern dabei, sich die deutsche Sprache schnell und nachhaltig anzueignen.

Besonders effizient lernen die Schüler an realen Orten außerhalb des Klassenzimmers: Nach entsprechender Vorbereitung im DaZ-Unterricht versuchen sie, sich selbstständig im Schwimmbad, im Supermarkt oder beim Fragen nach dem Weg zu verständigen.

Doch am schnellsten lernen Kinder und Jugendliche im Kontakt mit ihren deutschsprachigen Mitschülern, zum Beispiel bei gemeinsamen Ausflügen und Schulprojekten oder auch bei außerschulischen Aktivitäten. Dabei können die Schüler dann nicht nur sprachliche, sondern auch interkulturelle Hürden gemeinsam überwinden.

Martina Niekrawietz

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