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Lesekompetenz steigern

Die Lesewerkstatt — Ergänzung zum traditionellen Leseunterricht

Eine Lesewerkstatt mit ihren vielfältigen Angeboten motiviert selbst Lesemuffel und Schüler mit Leseschwierigkeiten zum Lesen. Hier findet jeder passende Texte und kann so seine Lesekompetenz steigern.

Lesekompetenz steigern: Die Lesewerkstatt — Ergänzung zum traditionellen Leseunterricht Für jede Kompetenzstufe eine Farbe: So finden die Schüler immer die für sie passenden Aufgaben © Sven Rook

Eine interessante Möglichkeit, den herkömmlichen Leseunterricht zu ergänzen und aufzulockern, besteht durch die Einrichtung einer Lesewerkstatt. Darunter versteht man einen Raum mit einer Vielzahl an handlungsorientierten Leseoptionen. Im Zentrum steht dabei die selbstständige Arbeit mit laminierten Arbeitsblättern, die Aufgaben zum sinnentnehmenden Lesen enthalten. Außerdem können Lesespiele, -dominos und -puzzles integriert werden.

Die grundsätzlichen Ziele einer Lesewerkstatt liegen in der Steigerung der Lesekompetenz durch Schulung des sinnentnehmenden Lesens und vor allem in der Erhöhung der Lesemotivation, einfach dadurch, dass die Schüler das Lesen aktiv handelnd erleben. Gerade für Ganztagesschulen ergeben sich hier ganz neue Chancen auch für Kinder, die dem Lesen eher ablehnend gegenüberstehen, ein attraktives Angebot zu machen.

Für jeden die passende Kompetenzstufe

Die Arbeit in der Lesewerkstatt läuft stets gleich ab. Jedes Kind benötigt im Vorfeld lediglich einen Folienstift (möglichst trocken abwischbar), eine Klarsichthülle, damit die eigentlichen laminierten Arbeitsblätter (Folien) nicht beschrieben werden und somit lange sauber bleiben sowie ein Stempelblatt, auf dem die eigene Arbeit dokumentiert werden kann.

Die Einteilung der Folien erfolgt farblich in Kompetenzstufen:

  • hellgelb (Erstleser),
  • gelb (Blickspanne, Konzentration …),
  • orange (Wortebene),
  • grün (Satzebene),
  • hellblau (Textebene leicht),
  • dunkelblau (Textebene schwer).

Sortiert nach Kompetenzstufen finden die Schüler rund 700 durchnummerierte und farblich sortierte Folien in den Regalen der Lesewerkstatt. Farblich passende Ordner mit den Lösungen sind ebenso vorhanden wie Belohnungsstempel und Ausleihfolienstifte. Für weiteren Lesespaß sorgen zusätzliche Lesespiele, -dominos und -puzzles. Damit die Schüler sich schnell orientieren zu können, gibt es zusätzlich einen Hinweis zur Vorgehensweise an der Wand.

 

Die Schüler wählen eine Folie in ihrem persönlichen Schwierigkeitsgrad aus, tragen Nummer und Farbe auf ihrem eigenem Stempelblatt ein, schieben die Einsteckhülle über die Folie und bearbeiten diese. Ist die Folie fertig erarbeitet, kommt das Kind zur Kontrolle an das Pult. Dort befinden sich in den ebenso farblich markierten Ordnern die entsprechenden Lösungen zu den Aufgaben. Ist alles richtig bearbeitet, erhält das Kind einen Stempel auf seinem Stempelblatt. Fortgeschrittene Schüler können die Kontrolle natürlich auch selbstständig ohne Lehrer durchführen. Anschließend werden die Folien wieder an den richtigen Platz in das Regal zurückgehängt, die eigene Einsteckhülle gesäubert und sich eine neue Folie gesucht.

Vorgehensweise in Kurzform:

  1. Folie nehmen!
  2. Nummer und Farbe in Stempelblatt eintragen!
  3. Einsteckhülle über Folie schieben!
  4. Aufgabe bearbeiten!
  5. Lösung kontrollieren!
  6. Richtige Lösungen mit Stempel auf Stempelblatt belohnen!
  7. Folie zurückhängen!
  8. Einsteckhülle säubern!

Auf den richtigen Schwierigkeitsgrad kommt es an

Organisatorisch ist es sicherlich sinnvoll, rechtzeitig vor Stundenende auf die noch verbleibende Zeit hinzuweisen. Sollten Kinder eine Folie nicht vollständig gelöst haben, so kann diese in das Ablagefach der Klasse gelegt werden. Diese Folie muss dann das nächste Mal zuerst bearbeitet werden. Wichtig ist auch, dass die Schüler keine zu leichten bzw. zu schweren Folien erarbeiten.

Es bietet sich an, im Vorfeld entweder ein professionelles Lesetestverfahren wie z. B. das Salzburger Lesescreening oder den Kinder entsprechende Vorgaben bei der selbstständigen Auswahl der Folien zu machen. Je nach Klassengröße und nach dem zur Verfügung stehenden Platz in der Lesewerkstatt ist es gegebenenfalls sinnvoll, die Klasse zu teilen. Das Zwei-Lehrer-Prinzip oder der Einsatz von Eltern als Helfer haben sich sehr bewährt.

Lesenüben geht überall: Schulbücherei, Computer-Software und Lesekisten

Eine Erweiterung der Lesewerkstatt durch Einbindung der Schülerbücherei oder des Computerraumes der Schule mit geeigneten Onlineangeboten (antolin.de, amira-pisakids.de) oder kompetenzorientierter Software zum Lesenlernen (z. B. Schlaufuchs, Lesen macht Spaß, Lesen macht schlau, LegaKids für Schüler mit LRS ) bietet weitere Möglichkeiten, den Schülern das Lesen in vielen Facetten erlebbar zu machen.

Sollte kein eigener Raum für eine Lesewerkstatt zur Verfügung stehen, so ist es grundsätzlich auch möglich das Konzept auf mobile Lesekisten zu übertragen. Hierbei werden die Folien in transportablen, farblich ebenso nach Schwierigkeitsgrad sortierten Kunststoffboxen verwahrt, die dann mit ins Klassenzimmer genommen werden können. Sollte genug Platz für die Aufbewahrung vorhanden sein, wäre eine weitere Idee, die Folien auf fahrbare Kleiderständer zu hängen.

Egal, wie die räumlichen Kapazitäten auch sind, eine Lesewerkstatt lässt sich überall einrichten. Neben der Förderung der Lesekompetenz bringt das Ganze auch noch Spaß.

Sven Rook

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