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Naturkunde handlungsorientiert

Die Natur als Zimmergarten ins Klassenzimmer holen

Wenn die Natur im Winter schläft, wächst und gedeiht sie als Zimmergarten im Klassenzimmer. So erleben die Schüler der Lebenszyklus einer Pflanze hautnah und lernen dabei Verantwortung zu übernehmen. Die Früchte dürfen sie dann auch ernten.

Naturkunde handlungsorientiert: Die Natur als Zimmergarten ins Klassenzimmer holen Es ist spannend und lehrreich, eigene Pflanzen beim Wachsen zu beobachten © goodluz - stock.adobe.com

„Die Amaryllis blüht!“, rufen die Schüler aufgeregt schon auf dem Flur ihrer Lehrerin entgegen. Seit mehreren Wochen haben sie die Pflanze beim Wachsen beobachtet und waren sehr gespannt auf die wunderschöne Blüte. Und mancher Schüler hat die kleine Wette gewonnen, welche Farbe sie wohl hat.

Auch wenn Schüler sich stark für die natürlichen Abläufe interessieren, bieten die Jahreszeiten naturgemäß sehr unterschiedliche Lernanlässe. Der Winter ist die Ruhezeit im Garten, die Pflanzen ziehen ein, der Boden ist gefroren. Es ist nicht die passende Zeit, um viel im Schulgarten zu arbeiten. Denn das Gartenjahr richtet sich nicht nach dem Schuljahr. Wer dennoch mit seinen Schülern schon im Lernbereich Natur das Thema Schulgarten vorbereiten möchte, kann sich gut mit einem kleinen Zimmergarten einstimmen. Dafür braucht man als Lehrkraft auch gar nicht unbedingt besonders gärtnerisch begabt zu sein. Mit wenigen einfachen Grundkenntnissen kann man das Interesse und die Faszination am Wachsenlassen zufriedenstellen — sogar in der kalten Jahreszeit.

Den Lebenszyklus der Pflanzen beobachten

Einige Pflanzen, die auch essbar sind, werden aus bestimmten Nahrungsmitteln aus der Küche gezogen, wie zum Beispiel Bohnen oder Avocado. Dies ist besonders eindrücklich für die Schüler, da sie die Frucht aus dem täglichen Leben wiedererkennen. Zudem bietet das Nachziehen von Pflanzen auch reichlich Gelegenheit, weitere projektorientierte Vorhaben in der Klasse anzustoßen. Die Schüler lernen nicht nur die Pflanzen an sich kennen, sondern auch die Art des Wachstums, die besonderen Pflanz- und Pflegebedürfnisse und schließlich die Ernte. Daran können sich dann weitere Möglichkeiten der Weiterverwendung anschließen. Pflanzgefäße können zum Beispiel fantasievoll gestaltet, Geschenkanhänger beschriftet und Geschenke aus den selbstgezogenen Pflanzen kreiert werden.

Essbare Sprossen selbst ziehen

Literaturtipps:

Benkowitz, Dorothee und Köhler, Karlheinz: Schulgärten: Anlegen, pflegen, nutzen. Stuttgart 2016

Walker, Lois: Es wächst, es wächst — Säen, pflanzen, ernten im Klassenzimmer. Mülheim an der Ruhr 2007

Im Winter haben die meisten Gemüsesorten Pause. Darum stellen Sprossen eine gesunde Ergänzung im Speiseplan dar und bringen uns den Geschmack von Frühling schon ein wenig näher. Sprossen sind sehr gesund, haben viele Vitamine und Mineralstoffe. Sie haben auch den Vorteil, sehr schnell zu wachsen, sodass die Schüler einen raschen Erfolg wahrnehmen können. Schon nach vier bis fünf Tagen sind die Sprossen weitgehend erntereif und stellen eine leckere Zugabe auf Broten oder Salaten dar.

Die Schüler können alle Handlungsschritte leicht selbst vollziehen und benötigen dazu Material, das einfach zu beschaffen ist:

  • ein größeres, sauberes Glas,
  • ein Stück Mull oder Jute,
  • einen Gummiring,
  • ca. 50 g Sprossensamen (erhältlich als Mischung oder Sorten wie Mungbohnen, Alfalfa, Rettich usw.).

Der Handlungsablauf für das Ziehen von Sprossen kann gut im methodischen Modell einer Handlungseinheit unterrichtet werden. Dazu zeigt die Lehrkraft einmal den vollständigen Handlungsablauf. Die Schüler vollziehen diesen gemeinsam in Teilschritten nach, die von Bild- und Wortkarten unterstützt werden, um dann im selbstständigen Tun die gesamte Handlung eigenständig nachvollziehen zu können. Durch das mehrfache Wässern an mehreren Tagen bleibt die Handlung gut im Gedächtnis. Konkrete Handlungsschritte können sein:

  1. Fülle 50 g Sprossenmischung in das Glas.
  2. Fülle das Glas mit Wasser auf.
  3. Verschließe das Glas mit Mull und einem (Einmach-)Gummiring.
  4. Lasse die Sprossen über Nacht im Wasser einweichen.
  5. Lasse das Wasser durch den Mull abtropfen und spüle mit frischem Wasser nochmals nach. Schritt 5 wird an mehreren Tagen hintereinander wiederholt, bis die Sprossen fertig sind.

Die Schüler zeigen sich meist sehr begeistert, dass ihre Mühen so schnell mit keimenden Sprossen belohnt werden. Sie können den zeitlichen Ablauf recht gut überblicken, anders als bei längeren Pflanz- und Wachstumsbeobachtungen.

Sprossen & Co. als kleiner Beitrag zur gesunden Ernährung

Im weiteren Verlauf finden die Sprossen sofort Verwendung, z. B. bei einem Schulfrühstück als Brotbelag oder als Beigabe zu einem Salat. Ähnlich schnelle Erfolge erzielt man im Zimmergarten mit Kresse- oder Senfsamen, welche ebenfalls schnell keimen. Nicht zuletzt finden viele Schüler den etwas scharfen oder nussigen Geschmack interessant, den einige noch nie zuvor probiert haben.

Ein Zimmergarten kann zunächst klein beginnen, sich aber je nach Zeitaufwand und Unterrichtszielen beliebig vergrößern lassen. Die Schüler erleben so hautnah mit, wie man Blumenerde mischt, bepflanzt, Pflanzen, gießt, Saat keimen lässt, düngt und sich kümmert. Sie sehen, wie aus einem kleinen Samen viele Pflanzen entstehen, die man hegt und aus- bzw. umtopft und schließlich für sich oder andere zum Geschenk macht. Im Frühjahr sind sie dann schon sehr gut vorbereitet auf das Arbeiten im Schulgarten, das — in größerer Dimension — eine Vielfalt weiterer Naturerfahrungen mit sich bringt.

Claudia Omonsky

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