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Schreibförderung

Effektives Krafttraining für die Schreibhand

Schreiben ist eine wichtige Grundlage für den Erwerb von Bildung. Doch längst nicht alle Schüler und Schülerinnen können ausdauernd schreiben. Hier erfahren Sie - inklusiver kleiner Anleitung - was sich dagegen tun lässt.

Schreibförderung: Effektives Krafttraining für die Schreibhand Krafttraining für die Hand als Schreibübung © pictworks - stock.adobe.com

Vielleicht ging es Ihnen schon mal ähnlich wie mir, bei der Unterstützung der Schüler und Schülerinnen einer ersten Klasse im Anfangsunterricht. Hier sollte ich mir die Schreibweisen der Kinder anschauen und gegebenenfalls Hilfestellung geben. Inzwischen waren die Schulkinder schon zwei, drei Wochen in der Schule. Einige hatten tolle Fortschritte gemacht und schrieben in aufrechter Haltung, die Nicht-Schreibhand auf dem Blatt und beide Füße gut auf dem Boden stehend.  Um diese Kinder brauchte ich mich nicht kümmern. Sie strahlten und waren stolz auf ihre sichtbaren Schreibkünste.

Doch ein Junge war dabei, der wollte den Stift gar nicht mehr in die Hand nehmen. Er schien ihm einfach nicht zu gehorchen, die „Schriftstücke“ waren kaum sichtbare Krickeleien. Der Junge, nennen wir ihn Paul, war verzweifelt. Es stellte sich heraus, im Kindergarten war er so gut wie nie am Maltisch. Stifte mochte er nicht, so die Erzieherin. Er spielte lieber Rollenspiele oder hörte gerne Hörbücher. Seine Handmuskulatur war nur schwach ausgebildet und wenn er mir die Hand gab, fühlte es sich an wie ein „weiches Etwas“. Ihm fehlte neben der befriedigenden Erfahrung, dass seine Hände im vielfältigen Sinne etwas schaffen können, auch die faktische Kraft in seinen Fingern. Diese Erfahrung konnte ich gemeinsam mit ihm nachholen. Ich stellte ihm „Jimmy“ vor, der ewig Gierige.

Das Training mit Jimmy

Der ausgediente, breitmaulig geschlitzte Tennisball mit den großen Augen – Jimmy genannt – musste von dem Jungen mit seiner Schreibhand so aufgedrückt werden, dass sämtliche Muggelsteine (erst 5, dann 10 und so weiter) durch seinen Mund hineinfallen konnten. Anfangs war es ganz schön anstrengend für Paul und ab und zu kam ein „Ach, ich schaff das nicht“. Doch Jimmy und seine Gier auf Muggelsteine hatten einen großen Aufforderungscharakter und das Glücksgefühl überwog, immer dann, wenn Paul es selbstständig schaffte den Muggelstein in seinem Mund zu versenken. Zwei bis drei Mal in der Woche „trainierte“ ich mit Paul und er bekam einen Jimmy 2 für zu Hause mit, denn die Eltern wollten ihn gerne beim Üben unterstützten.

Pauls Erfolgsgeschichte

Paul lernte zunehmend zweierlei: Meine Hände können etwas schaffen und ich bin fähig. Und er trainierte seine noch nicht ausgebildete Handmotorik mit Jimmy so zu kräftigen und zu koordinieren, dass er auch seinen Stift zunehmend angemessen anfassen und über das Blatt führen konnte. Paul bekam so eine Freude an seinem Tun, dass er die „hässlichen“ Buchstaben und Zahlen aus den ersten beiden Wochen freiwillig nachholte. Dafür bekam er ein Extraheft, jetzt strahlte auch Paul. Nach ungefähr vier Monaten hatte Paul seine Muskulatur bestens trainiert. Außerdem machte er noch andere Übungen zur Fingermotorik und gehörte ab da zu den leidenschaftlichen Schönschreibern seiner Klasse.

Die schnelle Schrifthilfe

Es gab noch ein Mädchen in der Klasse, deren erste Schreibstücke sahen ganz anders aus. Da waren schon einige Löcher im Blatt, riesige Radierschmierstreifen waren auf dem Heft verteilt, die Buchstaben waren irgendwo und nur ansatzweise auf der Linie. Emma (Name von der Red. geändert) ist ein taffes Mädchen. Doch sobald es ans Schreiben ging, wurde die Erstklässlerin grimmig. Ihr konnte ich glücklicherweise rasch helfen. Sie übte viel zu viel Druck mit ihrer Schreibhand auf den Stift aus, dieser schleppte sich nur in eckigen Formen, die schnell Löcher rissen über die Seiten. Emmas Nicht-Schreibhand hing meistens unter dem Tisch und auf wenigstens einem Fuß saß sie immer. Ich konnte Emma freundlich erklären, dass sie unbedingt die Nicht-Schreibhand auf das Blatt oder die Seite legen müsse. Und zwar so, dass sie fest auf der Tischplatte lag. Jetzt konnte sie mit der anderen Hand schon viel geschmeidiger schreiben. Gleichzeitig musste sie durch die neue Handhaltung auch ihre Füße neuorganisieren, quasi automatisch. Da Emma gute Ergebnisse liebte, bemühte sie sich schnell um die neue erfolgversprechende Haltung.

Das Geheimnis flüssiger Schrift

Der Trick mit der Nicht-Schreibhand, ist das A und O gelingender Schriftführung für alle Kinder. Diese sollte immer fest aufliegen. Dadurch verankern sich die Schreibenden und können die Schreibhand optimal führen und mit angemessener Kraftdosierung bewegen. So wird rasche Ermüdung vermieden und schnelles Schreiben ermöglicht.

Abschließende Gedanken

Da Schreiben ein komplexer und körperbasierter Vorgang ist, braucht es oft einiges an Hilfestellung und Übung für die Schüler/-innen, um mit einer angemessenen Kraftdosierung und Gelenkigkeit zum flüssigen Schriftbild zu kommen. Neueste Untersuchungen besagen sogar, dass 31 Prozent der Mädchen und sogar 51 Prozent der Jungen Schwierigkeiten beim Erwerb der Handschrift haben. Fast zwei Drittel der Lernenden in weiterführenden Schulen können nicht länger als 30 Minuten beschwerdefrei schreiben. Sie sind in ihren Bildungsbemühungen im Nachteil wie beim Erasmusprojekt hervorgeht:

„Mit unseren einfachen Tipps wollen wir Anregungen zur Vereinfachung und Verbesserung des Schreibprozesses geben, denn Handschrift bleibt die Grundlage vom Bildungserfolg, auch wenn unsere Digitalisierung rasant voranschreitet."


Jimmy oder Jenny nachbauen

Sie können einen hungrigen Jimmy oder eine hungrige Jenny ganz einfach selbst nachbasteln. Wir zeigen in wenigen Schritten, wie das geht.


Sie brauchen:
  • Einen normalen Tennisball
  • Edding oder wasserfesten Stift
  • Murmeln, Zettel, etc. zum "Füttern"

 


Tipp: Sie können auch Bonbons nehmen, um Jimmy befüttern zu lassen. Aber dann verbinden die Schüler/-innen einen Erfolg eventuell mit Süßigkeiten. Alternativ: Nehmen Sie doch kleine Zettel mit "Belohnungen" wie "Klassendienst entfällt diese Woche". Dann können sich die Schulkinder eine Belohnung erarbeiten.



Schritt 1
  • Malen Sie zwei Punkte auf den Tennisball.
  • Dieser ist der Abstand für den Mund.
  • Maximal sollte dieser über eine Hälfte gehen.
     

Übrigens: Wenn der Mund schmaler ist, lässt sich Jimmy ein bisschen schwerer füttern.



Schritt 2
  • Schneiden Sie mit einem Messer den Mund aus.
  • Drehen Sie erst an den beiden Punkte Löcher hinein.
  • Schneiden Sie dann von Loch zu Loch.
     


Schritt 3
  • Malen Sie Jonny oder Jenny ein Gesicht!
  • Hier können Sie kreativ sein.
  • Es sind auch Haare aus Wolle möglich.
     

 
 
Nun kann Jonny oder Jenny befüllt werden!

 

 


Christine Frank


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