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Hörspurgeschichten

Eine Schnitzeljagd für die Ohren

Hörspurgeschichten sind als Alternative zum Selbst-Lesen-Können besonders für Schüler/-innen mit geistiger Behinderung geeignet, deren Lesefähigkeit eingeschränkt ist. Sie trainieren als Hör-Schnitzeljagd das aktive, verstehende Zuhören durch einzelne Höraufträge.

Hörspurgeschichten: Eine Schnitzeljagd für die Ohren Eine kleine Geschichte hören und nachverfolgen — das ist wie eine Schnitzeljagd © AnnaStills - stock.adobe.com

„Hast du mir nicht zugehört ...?“, mit diesem Satz beginnen wohl viele Ermahnungen von Eltern an ihre Kinder. Das Zuhören-Können stellt allerdings nicht nur den familiären Frieden sicher, sondern es ist auch gemäß der Bildungsstandards eine elementare Lernvoraussetzung für den Schriftspracherwerb. In der Schule ist es von zentraler Bedeutung, die Aufmerksamkeit auf die Informationsentnahme richten und zuhören zu können. 

Gerade für Schüler/-innen, die noch auf dem Weg zum Schriftspracherwerb im engeren Sinn sind und einen sonderpädagogischen Förderbedarf aufweisen, ist das Zuhören oftmals auch eine Alternative zum Selbst-Lesen-Können. So werden etwa bei den beliebten Lesespurgeschichten die Leseanteile für Schüler/-innen mit einer geistigen Behinderung oftmals aufgesprochen, sodass sie angehört werden können. 

Als besondere Form des verstehenden Zuhörens gilt daher die Arbeit mit den Hörspurgeschichten. Hier werden fesselnde Geschichten für Kinder vertont und auf handhabbare Medien, z. B. Audiodatei für Tablet, Lesestift oder Sprachtaster, aufgesprochen. Die Schüler/-innen hören sie an und bearbeiten mithilfe einer Hörspur-Landkarte die Arbeitsaufträge und Fragen. Durch das genaue Zuhören entnehmen die Schüler/-innen dem Hörauftrag wichtige Informationen. Wenn alle Höraufträge richtig eingeordnet und schrittweise verfolgt wurden und so zur jeweils nächsten Etappe geführt haben, kommen die Lesedetektive schließlich ans Ziel – die Hörspurgeschichte ist sozusagen eine Schnitzeljagd für die Ohren.

Vorübungen, um das (Zu-)Hören zu trainieren

Als einem der Fernsinne ist dem Hören zu eigen, dass man es von außen nur bedingt wahrnehmen und beim Gegenüber ablesen kann. Ob jemand zuhört oder nicht, ist pauschal gesprochen vor allem an seiner Reaktion zu bemerken. Zunächst helfen einige Vorübungen, Spiele und Konzentrationsübungen dabei, das aufmerksame Zuhören in den Fokus zu setzen und zu trainieren, aber auch um einen geeigneten Rahmen in der Klasse zu schaffen. Dafür eignen sich alle Übungen mit Geräuschen, zum Beispiel Geräusche-Kim, Geräusche-Raten, Schütteldosen-Memo nach Montessori, aber auch Traum- und Fantasiereisen, Rätsel mit Beschreibungscharakter und Zuhörgeschichten, die eine bestimmte Reaktion zu bestimmten Schlüsselwörtern auslösen.

Zuhören ist ein aktiver, mehrstufiger Prozess

Auch wenn man es von außen nicht gut beobachten kann, ist das Zuhören ein aktiver Prozess, der in mehreren Stufen verläuft. Diese können in methodisch-didaktischer Weise auch im Unterricht strukturiert aufgegriffen werden, um das verstehende Zuhören zu schulen. 

Literaturtipp und Blog:

Blomann, Sandra / Zöh, Anke: Differenzierte Hörspurgeschichten Deutsch. Donauwörth 2020

Blog zum Thema Interaktive Hörspurgeschichte

Vor dem Zuhören hilft es, die Aufmerksamkeit überhaupt einmal auf das Hören zu richten, beispielsweise indem man eine kurze Massage der Ohren anleitet, eine ruhige Atmosphäre schafft und Störgeräusche möglichst minimiert. Die Schüler/-innen können durch feste Rituale und in passender Lernumgebung eine angenehme Zuhörhaltung einnehmen, um sich auf das Folgende einzulassen.

Während des Zuhörens müssen die Schüler/-innen den Hörauftrag beachten und wichtige Informationen entnehmen können. Dafür sollte zunächst die passende Länge des Hörstücks gewählt werden, um die Schüler/-innen hinsichtlich der Merkfähigkeit nicht zu überfordern. Mehrmals hören die Schüler sich dann Abschnitte der Hörspur an. Verschiedene Strukturierungshilfen ermöglichen es, das Gehörte besser zu organisieren: Ein visualisierendes Bild optimiert beispielsweise den Kontext und lässt Antizipationen zum Inhalt der Geschichte zu, eine Landkarte symbolisiert den Weg durch die Hörspurgeschichte und hält die Etappen fest. Gemeinsames Anhören der Einleitung und der ersten Nummer hilft, in den Arbeitsprozess hineinzuführen. Jeder Schüler/jede Schülerin kann für sich überlegen, bei welcher Nummer es nun wohl weitergehen wird. Gemeinsam werden evtl. Fragen zum Hörtext beantwortet, bevor die nächste Station angesteuert wird. Die Lehrkraft steht hilfreich zur Seite und gibt genügend Zeit für die Bearbeitung.

Nach dem Zuhören formulieren die Schüler/-innen eine Zusammenfassung und üben sich in strukturierter mündlicher Wiedergabe. Das Gehörte wird zunächst inhaltlich reflektiert und zusammengefasst, später evtl. auch hinsichtlich des Hör-Prozesses beleuchtet.

Die Hörspurgeschichten stellen eine sehr gut differenzierbare Form dar, um das verstehende Hören zu trainieren. Denn die Aufgaben lassen sich zum großen Teil ohne Lesekenntnisse lösen. Man kann natürlich auch innerhalb des Materials gut differenzieren, etwa mit einfachen Arbeitsblättern und vereinfachten Lesetexten zu den Höraufträgen oder aber mit Expertenkarten, die schon ein wenig mehr Leseverständnis voraussetzen und die lesestärkeren Schüler/-innen fordern. Darum bietet die Methode der Hörspurgeschichte eine sehr gute Bereicherung im methodischen Repertoire und lässt Schüler/-innen spielerisch und mit Freude das Zuhören trainieren.

Claudia Omonsky

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