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Erzählen und Zuhören GE

Erzählfähigkeit fördern mit dem Erzähltheater Kamishibai

Bilder sind sehr wirkmächtig: Schüler im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung fühlen sich emotional stark durch sie angesprochen. Das bildhafte Erzähltheater Kamishibai regt sie zum Zuhören und eigenem Erzählen an.

Erzählen und Zuhören GE: Erzählfähigkeit fördern mit dem Erzähltheater Kamishibai Eine Bühne für Bilderfolgen statt Spielfiguren wie beim Kasperletheater eröffnet das Erzähltheater © Peter Hermes Furian - Fotolia.com

Eine grundlegende Fähigkeit für den Schriftspracherwerb stellt das Bilderlesen dar. Die meisten Schüler werden von Bildern emotional angesprochen und erkennen auf Bildern Situationen bzw. Personen. Schüler im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung verweilen häufig länger bei der Stufe des Bilderlesens und üben hier, verschiedene Abstraktionsstufen von Abbildungen zu erkennen, zu analysieren und zu interpretieren. Die Abbildungen können vom realistischen Foto über eine kindgerechte, kolorierte Zeichnung bis hin zu eher reduzierten, abstrakteren Comiczeichnungen reichen. Der Austausch und die spontane Kommunikation über Einzelbilder und folgend auch Bildergeschichten fördert in besonderer Weise die Erzählfähigkeit. Ereignisse werden situationsgerecht beschrieben, Bildergeschichten werden in der richtigen Reihenfolge mit mehreren Sätzen wiedergegeben und Emotionen versprachlicht. Auch das Zuhören und die Einhaltung von Gesprächsregeln kann erlernt werden. Erzählen und Zuhören werden gleichermaßen geschult.

Um den Unterricht abwechslungsreich zu gestalten, werden für das Lesen von Bildergeschichten verschiedene Methoden eingesetzt: vom klassischen Tafelbild über den Einsatz von Beamer oder Whiteboard bis hin zum Erzählzelt, der Erzählkiste oder dem Erzählkreis reichen die Möglichkeiten. 

Kamishibai hat viele Vorteile

Das Kamishibai, eine alte japanische Methode des Tischtheaters, wird für die Schule gerade neu entdeckt: In einem Rahmen mit zwei Seitenstützen werden große Bildkarten präsentiert. Die Rahmenbühne wird meist auf einen Tisch gestellt und gewährleistet somit gute Sicht für alle Schüler. Für den Verlauf der Geschichte wird jeweils eine weitere Bildkarte von oben in den Rahmen geschoben. Im Mittelteil erscheint dann jeweils das Szenenbild, zu dem ein Erzähler spricht und die gesamte Dramaturgie entwickelt. Weil die Bilder unbewegt bleiben, heißt das Kamishibai auch Erzähltheater. 

Die Methode des Kamishibai bietet für Schüler mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung viele Vorteile:

Weiterführende Tipps:

Wer ein Kamishibai selbst bauen möchte, findet eine Kamishibai-Schablone hier.

In diesem Filmbeispiel kann man das Kamishibai in Aktion sehen.

Schneller und einfacher Aufbau: Das Kamishibai kann an jeden Lernort unkompliziert mitgenommen werden und braucht keinerlei technische Anbindung, z. B. an Strom. Damit können Sie den Unterrichtsort frei wählen, z. B. auch einmal draußen auf der Wiese, im Sandkasten oder auf dem gemütlichen Kuschelteppich. Als Lehrkraft benötigen Sie lediglich ein Bilderset und den Kamishibai-Rahmen und können sofort loslegen. Es kann zudem sehr einfach und leicht verstaut und aufbewahrt werden.

Individuelle Fördermöglichkeiten: Das Kamishibai kann sehr gut an die sprachlichen und kommunikativen Fähigkeiten der Schüler angepasst werden. Je nach Bildlesefähigkeit sind die Bildersets unterschiedlich lang bzw. komplex. Sie können sowohl an Inhalte, Themen wie auch Tempo und Wortschatz selbst angepasst werden.

Variationsreiche Unterrichtsmethodik: Als Lehrkraft können Sie weiterführend unterschiedliche Arbeitsweisen und Methoden einsetzen, z. B. die klassische Lehrererzählung oder das Lehrer-Schüler-Gespräch, Kommunikationsförderung oder Kombinationen mit Darstellendem Spiel, Schreibanlässen oder DaZ-Angeboten. Sofern Sie die Schüler als Erzähler in Szene bringen, lernen diese auch grundlegende Kompetenzen im Präsentieren, freien Sprechen und in Mimik, Gestik und Körpersprache. Sie fördern die Kreativität, wenn im Bereich Kunst eigene Bildersets hergestellt werden, die dann zum Bühneneinsatz kommen. 

Alle können mitmachen — Tipps zur Durchführung

Auch Schüler mit intensiver Behinderung können gut integriert werden. Durch den Einsatz von Hilfsmitteln der Unterstützten Kommunikation, z. B. den Vorlesestift oder eine Sprachtaste können sie einzelne Bildteile oder Bilder vorstellen und so ebenfalls als Erzähler eingebunden werden. Im Werkunterricht können geschickte Schüler sogar selbst ein Kamishibai aus Karton oder Holz herstellen.

Tipps zur Durchführung:

  • Der Erzähler sollte sich die Bildkarten gut einprägen können bzw. hinter dem Kamishibai eine kleine Merkhilfe liegen haben. Ein Vorlesetext kann hilfreich sein, um wichtige Details im Geschichtenverlauf nicht zu vergessen.
  • Die Karten sind in der richtigen Reihenfolge geordnet, um den Erzählfluss nicht unnötig zu unterbrechen. Wenn ein Schüler erzählt, ist es unter Umständen hilfreich, wenn ihm beim Kartenwechsel geholfen wird.
  • Alle Zuschauer müssen eine gute Sicht auf das Erzähltheater haben. Darum sollte das Kamishibai möglichst groß gestaltet werden. Achten Sie auch auf eine gute Beleuchtung.
  • Der Erzähler benötigt ebenfalls eine gute Sicht auf das Kamishibai, um zu prüfen, welche Bildkarte gerade gezeigt wird. Wie auf einer Bühne muss man daran denken, sich nicht allzu häufig zum Bild umzudrehen, sondern in Richtung Publikum zu sprechen.
  • Sind die Schüler schon vertraut mit der Methode, so kann man die Geschichte an spannender Stelle unterbrechen und mögliche Weiterentwicklungen in interaktiver Form besprechen. 

Dem Zauber dieser Art des Erzählens kann man sich kaum entziehen – zu reizvoll ist die gelungene Darbietung einer spannenden Erzählung in dem schönen Holzrahmen mit liebevoll gestalteten Bildern. Kartensets für Geschichten und Märchen können in großer Auswahl gekauft werden. Auch der eigenen Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. In einem Kunstprojekt können Sie mit der Klasse selbst eine Geschichte gestalten.

Claudia Omonsky

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