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Frühlingsideen

Frühlingshafte Anregungen für das sonderpädagogische Setting

Das Eingehen auf Jahreszeiten im Unterricht muss keine zusätzliche Zeit in Anspruch nehmen. Einige Aufgaben und Übungen lassen sich wunderbar integrieren. Davon profitieren auch die Lernenden.

Frühlingsideen: Frühlingshafte Anregungen für das sonderpädagogische Setting Auf Entdeckungsreise in der Natur © Sergey Nivens - Shutterstock.com

„Langsam wird es draussen wieder wärmer. Die Natur erwacht zu neuem Leben. Auch Frau Vogel, Lehrerin an einer Klasse für Lernende mit besonderem Förderbedarf, spürt den nahenden Frühling, als sie den Weg vom Parkplatz bis zum Eingang der Schule überquert. Sie beschliesst, die Veränderung der Jahreszeit und den Frühlingsbeginn in ihrem Unterricht zu thematisieren und stellt sogleich Überlegungen zur konkreten Umsetzung ihres Vorhabens an.” 

Gerade im sonderpädagogischen Setting geschieht es leicht, dass das Eingehen auf besondere Ereignisse manchmal ein bisschen zu kurz kommt. Das Erwachen der Natur nach einem langen Winter gehört zu solchen Situationen. Gerade weil das Vermitteln des Lernstoffes in der Regel etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt als im Regelschulbereich entsteht manchmal das Gefühl, es sich «nicht leisten zu können», jetzt auch noch Zeit für saisonale Themen aufzuwenden. Aber das Eingehen auf solch jahreszeitenspezifische Faktoren muss keinesfalls zeitraubend sein, sondern lässt sich leicht in den normalen Schulalltag eingliedern und bedeutet nicht zuletzt gerade für Lernende mit besonderem Bildungsbedarf einen erheblichen Mehrwert. Nachfolgend einige Ideen, wie der Frühling im Klassenzimmer Einzug halten kann, ohne dass dafür zusätzliche Lektionen gebraucht werden.  

Verortung im Kalenderjahr 

Bevor mit den konkreten Frühlingsaktivitäten begonnen wird, sollte, immer mit Rücksicht auf Alter und Lernstand der Mitglieder der Lerngruppe, der Frühling im Kalender verortet werden. Dazu gehören nicht nur die vier Jahreszeiten, sondern auch die Monate. Hier ist darauf zu achten, dass der Unterschied zwischen folgenden Begriffen verstanden wurde:  

  • Jahr 
  • Jahreszeit 
  • Monat 
  • Woche 
  • Wochentag  

Erfahrungsgemäss ist dies nicht immer ganz so klar, wie die Lehrperson sich das vorstellt und wünscht. Der Schlüssel hierzu scheint eine deutliche Visualisierung zu sein. Bewährt hat sich besonders die strukturhafte Verwendung verschiedener Farben. Je nach konkreter Situation muss man bei den Begrifflichkeiten nicht nur in der Schulsprache verweilen. Das Einbeziehen der ersten und allenfalls zweiten Fremdsprache wie auch die Erstprachen der Lernenden kann gewinnbringend für alle Beteiligten sein.  

Den Frühling erleb- und erfühlbar machen 

Auf den ersten Blick scheinen sensorische Aktivitäten ausschliesslich in den Kindergarten und die Unterstufe zu gehören. Das muss aber nicht sein. Gerade wenn Lernende in ihrem familiären Umfeld nur selten mit der Natur in Berührung kommen, lohnt es sich, den Frühling auch für sie fassbar zu machen. Dazu sind verschiedene Aktivitäten denkbar, die auf die jeweilige Lerngruppe nach Belieben angepasst werden können. So können die Lernenden beispielsweise auf folgende Art und Weise animiert werden: 

Sie sollen sich mit einem Bilderrahmen ein Stück Natur auf einer Wiese vor dem Schulhaus auszusuchen und unter Zuhilfenahme einer Strichliste oder eines Beobachtungsbogens festzuhalten, was innerhalb von exemplarisch zehn Minuten auf dem ausgewählten Stück Natur alles geschieht. Gibt es Blumen? Wie sehen sie aus? Welche Tiere kommen vor? Wie riecht es? Welche Geräusche sind wahrzunehmen? 

Ein anschliessendes Vergleichen im Klassenzimmer dient nicht nur dem Erfahrungsaustausch, sondern fördert auch den Wortschatz und sprachlichen Ausdruck.  

Lesen und lesen lassen 

Viel wird über die Wichtigkeit des Lesens und Vorlesens diskutiert. Natürlich bieten auch Bücher und Geschichten eine fantastische Zugangsmöglichkeit zum Frühling. Daher soll hier ein Buchkonzept vorgestellt werden, welches eine vielfältige Anschlusskommunikation ermöglicht und sowohl als Einstieg wie auch als Abschluss der Lektion(en) dienen kann. Das Buch «Einfache Texte: Frühling» stellt eine gute Grundlage dar, wenn man den Frühling als Ausgangspunkt für das Philosophieren mit Kindern nutzen will. Im Buch finden sich neben bunten Abbildungen auch viele offene Fragen, die sich eignen, um darüber mit Schülerinnen und Schülern unabhängig von Alter und Lernstand ins Gespräch zu kommen. Für diese Gespräche sind viele Formen denkbar, mündlich oder schriftlich, in Gruppen, im Plenum, im gemeinsamen Gestalten von Plakaten oder Präsentationen. Eine endgültige Antwort gibt es auf viele der Fragen im Buch nicht und doch bringen die Diskussionen darüber frischen Wind ins Klassenzimmer.  

Frühlingshafte Traumreise 

Gerade auf der Mittelstufe gehen in der allgemeinen Hektik des Schulalltags manchmal die kleinen Entspannungsmomente etwas verloren. Der Frühling bietet aber auch hierfür wunderbare Möglichkeiten. Jedoch, und das soll in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, ist es zu Beginn für die Lernenden oftmals gar nicht so einfach auszuhalten, wenn nicht viel passiert, wenn Abläufe bewusst ruhig gehalten werden. Dies sollte bei der Unterrichtsplanung berücksichtigt werden. Auch entspannen will gelernt sein. Als Option für eine solche Entspannungsinsel sei hier die Traumreise erwähnt. Diese kann unterschiedlich gestaltet werden, jedoch besteht die Traumreise immer aus einem langsam und ruhig vorgetragenen Text mit angenehmem Inhalt, der genug Raum für die Vorstellungskraft der Zuhörenden bietet. Besonders ansprechend kann es natürlich sein, wenn der Text in der freien Natur vorgetragen wird. Wer will, darf dazu die Augen schliessen und sich nur mit den Bildern beschäftigen, die die eigene Fantasie aus den gehörten Worten konstruiert. Viele Traumreisen finden sich exemplarisch im Buch «Traumreisen für Kinder» von Volker Friebel, aber auch eigenen verfasste Texte sowohl von den Lernenden wie auch von der Lehrperson können eine optimale Grundlage darstellen, um mehr Entspannung und Ruhe in den Schulalltag zu integrieren. Im besten Fall sind danach alle wieder aufnahmefähiger und können sich besser konzentrieren.  

Selbstverständlich müssen die in diesem Text aufgezeigten Vorschläge nicht eins-zu-eins-umgesetzt werden und können individuell auf die jeweilige Lerngruppe angepasst werden. Des Weiteren sei nochmals betont, dass aus der Integration von aktuellen Ereignissen wie beispielsweise den Jahreszeiten in den Unterricht wertvolle und teils unerwartete Möglichkeiten für das Lernen am gemeinsamen Gegenstand geschaffen werden können.  

Chantal Daniela Horst


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