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Nachhaltigkeit

Gärtnern lernen mit der „GemüseAckerdemie“

Mit dem ganzheitlichen Bildungsprogramm der „GemüseAckerdemie“ werden Schüler und Lehrer darin unterstützt, sich nachhaltig mit dem Thema Gemüseanbau und Ernährung auseinanderzusetzen.

Nachhaltigkeit: Gärtnern lernen mit der „GemüseAckerdemie“ Gemüse selbst pflanzen, ernten und es dann verzehren dürfen — so bringt Schule Spaß! © photophonie - stock.adobe.com

Kinder und Jugendliche verlieren zunehmend den Kontakt zur Natur. Sie wissen nicht, wo unsere Nahrungsmittel herkommen, und auch nicht, wie man nachhaltig mit ihnen umgeht. Fastfood und Fertiggerichte stehen häufig auf dem Speiseplan. Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden bereits an ernährungsbedingten Krankheiten wie Adipositas und Diabetes.
Dem setzt Dr. Christoph Schmitz mit seinem Team von der „GemüseAckerdemie“ ein ganzheitliches Bildungsprogramm für Schulen entgegen, das er auch auf dem Deutschen Schulleiterkongress 2019 vorstellte: „Gemüse säen, Wissen ernten“ — so übertitelte er seinen Vortrag. Und mit diesen vier Worten ist auch schon das wichtigste Ziel der „GemüseAckerdemie“ umrissen: „Wir ackern für Bildung und Ernährung“ und für „eine Generation, die weiß, was sie isst“, heißt es auf der Projektwebsite der „GemüseAckerdemie“.

Das Angebot der „GemüseAckerdemie“ richtet sich an Lehrkräfte, die mit ihren Schülern Gemüse anbauen möchten. Teilnehmen können Schulen im gesamten Bundesgebiet, Lehrer mit oder ohne gärtnerisches Vorwissen und auch Schulen, die keinen eigenen Platz für einen Schulgarten haben.

Ein Gartenjahr — drei Projektphasen

Schulen melden sich einfach auf der Website als „AckerSchule“ an. Qualifizierte Mitarbeiter der „GemüseAckerdemie“ unterstützen die Lehrkräfte ein Jahr lang bei der Umsetzung des einjährigen Bildungsprogramms.

In der ersten Phase von Februar bis April lernen die Kinder die Basics des Ackerbaus, bevor es dann in der zweiten Phase von April bis Oktober hinaus auf den Acker geht. „Es wird gesät, gepflanzt, gepflegt und geerntet und anschließend auch vermarktet“, erzählt Schmitz in einem Video auf der oben verlinkten Website. Es sei „das Größte“, wenn man sieht, „wie die Kinder begeistert werden von der Natur, wenn sie so einen kleinen Möhrensamen begleitet haben über drei, vier, fünf Monate, bis es dann wirklich eine fertige Möhre ist, die sie aus dem Boden rausziehen und reinbeißen“. Dieses Erlebnis könne man „nicht über Bücher, nicht über Vorträge“ ermitteln, sondern nur, indem die Kinder „es tun“, „das müssen die Kinder erleben“, so die Erfahrung von Christoph Schmitz, der Agrar- und Wirtschaftswissenschaften studiert hat und am „Potsdam Institut für Klimaforschung“ promovierte.

Nachhaltigkeit, Ernährungswissen und soziales Lernen

80 bis 100 Stunden befassen sich die Schüler in der GemüseAckerdemie mit dem ökologischen Gemüseanbau. Dabei erleben sie zum einen praktisch und hautnah, „wo unsere Lebensmittel herkommen, wieviel [sic!] Arbeit im Gemüsebau steckt und welche Bedeutung die Natur als Lebensgrundlage für uns hat“ (AckerSchule/Bildungsansatz). Zum anderen setzen sie sich mithilfe der Bildungsmaterialien intensiv mit „daran anknüpfenden Produktions- und Konsumthemen“ auseinander.

Dabei orientieren sich Curriculum und Bildungsmaterialien der GemüseAckerdemie an den Prinzipien einer Bildung für nachhaltige Entwicklung, die die Schüler zu zukunftsfähigem Denken und Handeln befähigen soll und die zunehmend in die Lehr- und Bildungspläne der Länder Eingang findet.

Neben nachhaltigem Handeln und Ernährungswissen fördert die Arbeit auf dem Gemüseacker auch die Sozialkompetenzen und das Selbstbewusstsein der Schüler, die sich absprechen und in Teams erfolgreich zusammenarbeiten. Und: „Auf dem Acker sind andere Kompetenzen gefragt als im Klassenraum. Vermeintlich ‚schwächere‘ Schüler*innen entpuppen sich als AckerProfis,“ so die Erfahrung der Ackerdemiker, und „Erfolgserlebnisse auf dem Acker steigern das Selbstvertrauen“ (ebd.).  

AckerSchulen: Gemüseanbau leichtgemacht

„Unser Ziel ist es, den Gemüseanbau an der Schule für Lehrerinnen und Lehrer so unkompliziert wie möglich zu gestalten“, versprechen die „GemüseAckerdemiker“ auf ihrer Website (vgl. AckerSchule/Programm). Das beginnt bei der Suche nach einer geeigneten Ackerfläche: Falls eine Schule keinen Platz auf ihrem Gelände hat, hat das GA-Team auch gute Ideen für Ausweichmöglichkeiten (Parzellen in Kleingartenanlage, Brachflächen etc.) Ist der Schulacker vorbereitet, liefern die GemüseAckerdemiker (im Folgenden GA) das Saat- und Pflanzgut und begleiten persönlich die Arbeit auf dem Schulacker beim Pflanzen vor Ort.

Projektbegleitend nehmen die Lehrkräfte an drei Fortbildungen in regionaler Nähe zur Schule teil. Hier vermitteln die Mitarbeiter der GA den Lehrkräften das nötige Know-how in jeder der drei Phasen des einjährigen Projektes, sodass auch Lehrkräfte mit wenig oder keiner Gartenerfahrung die Schulgartenarbeit betreuen können. Dabei können die drei Fortbildungen auch prinzipiell als Lehrerfortbildung anerkannt werden.

Unterrichtsmaterialien aus der AckerSchule

Mit zum Programm gehören auch direkt übernehmbare Bildungsmaterialien, die Lehrer und Schüler zu Projektbeginn erhalten. Sie eignen sich für Kinder von der 3. bis zur 6. Klasse“ und vermitteln den Schülern nicht nur die Grundlagen des ökologischen Gemüseanbaus, sondern enthalten auch verschiedene Bildungsbausteine zu Themen wie Lebensmittelabfälle, Anbau- und Transportbedingungen, Kultursortenvielfalt, Gerechtigkeit oder die Verteilung von Ressourcen, wie z. B. Ackerland und Wasser. Auch höhere Klassen arbeiten gern mit den Materialien, so die Erfahrung des GA-Teams. Für die 1. und 2. Klasse können auch die Materialien des Angebots „AckerKita“ genutzt werden.

Zu jedem dieser Bildungsbausteine gibt es zwei Methodenkarten mit Experimenten, Übungen, Rollenspielen und Übungsvorschlägen und ein „Rätsel- und Übungsheft für SchülerInnen“. Damit können die Kinder und Jugendlichen ihr Wissen spielerisch festigen und vertiefen.

GemüseKlasse: Gemüse im Klassenraum ziehen

„Ein Klassenzimmer, bis zu 5 Hochbeete und 20 Wochen voller Gemüse — das ist die GemüseKlasse!“ — so umschreibt die Website ein zusätzliches Angebot für die 3. und 4. Klasse. In den „GemüseKlassen“ haben die Kinder jede Woche 30- bis 45-minütige „GemüseStunden“. Hier bauen die Kinder ihr eigenes Gemüse im Klassenzimmer an und befassen sich schwerpunktmäßig mit gesunder Ernährung.

Das Team der GemüseAckerdemie sorgt für Innenraum-geeignete Gemüsebeete, für Erde, Saatgut, Jungpflanzen und Pflegeequipment. Auch hier unterstützt ein Gemüseexperte der GA Schüler und Lehrkraft bei der Erstbepflanzung der Beete persönlich vor Ort in die Klasse.

Mit dem praktischen Ackern kann man entweder im Frühling oder im Sommer starten. Da die GemüseAckerdemiker aber „eine gewisse Vorlaufzeit benötigen“, sollte man sie so früh wie möglich vor Projektbeginn kontaktieren.

Last but not least die Gretchenfrage: Wie steht es mit den Kosten? Die Teilnahme an der GemüseKlasse „ist auf einen kleinen Teil der realen Kosten begrenzt, so heißt es auf der Website (vgl.: GemüseKlasse/FAQs & Downloads). Der Großteil der Programmkosten für AckerSchulen wird von Förderern und Unterstützern getragen. Trotzdem sollte jede Schule „einen Eigenanteil tragen, der zu ihren Möglichkeiten passt“. Den GemüseAckerdemikern ist es jedoch wichtig, dass wirklich jede Schule unabhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten teilnehmen kann. Denn das oberste Ziel des „Social Start-Ups“ ist es, „die Wertschätzung von Lebensmitteln bei Kindern und Jugendlichen zu steigern“ (s. AckerSchule/Programm).

Martina Niekrawietz


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