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Differenzierter Unterricht

Lapbooks: individuelles Lernen auf kreative Weise

Lapbooks sind wahre Alleskönner für einen differenzierten Unterricht. Durch aktives Gestalten auf allen Ebenen ermöglichen sie jedem Schüler, seinen Lernprozess individuell zu steuern — und stolz zu präsentieren.

Differenzierter Unterricht: Lapbooks: individuelles Lernen auf kreative Weise Viele kleine spannende Details, die individuell gestaltet werden, zeichnen ein Lapbook aus © Claudia Omonsky

Verstecken und Entdecken sind die zwei Schlagworte, mit denen der Reiz von Lapbooks gut beschrieben werden kann. Da kann man etwas aufklappen, drehen oder auseinanderziehen, da wird etwas freigelegt und buchstäblich entfaltet — das Lapbook stellt eine interaktive Auseinandersetzung mit einem bestimmten Thema dar und präsentiert die Ergebnisse des Lernprozesses auf besonders ansprechende Weise. Nicht nur mit visuellen Eindrücken, sondern auch mit haptischen, vielleicht auch einmal mit auditiven oder olfaktorischen überrascht und beeindruckt ein spannendes Lapbook. 

Wie der englische Name andeutet, stammt die Methode aus den USA und wird dort schon lange im Rahmen der Beschäftigung mit Sachthemen schulisch eingesetzt. Ein Lapbook („Schoßbuch“) ist eine größere selbstgebastelte Mappe, die sich mehrfach aufklappen lässt. Darin befinden sich je nach Ausgestaltung unterschiedliche kleine Faltergebnisse wie Leporellos, Drehscheiben, Stufenbüchlein, Klappkarten, Pop-Ups usw. Diverse Umschläge beinhalten Kärtchen und weitere spannende Überraschungen. Darum gibt es auch unendlich viele Variationen von Lapbooks, und der Reiz liegt besonders in der individuellen Gestaltung. Auch wenn es solche Materialien inzwischen auch fertig zu kaufen gibt, stellt die Präsentation der eigenen Lernergebnisse doch in der selbstgefertigten Ausführung sicherlich die höchste Motivation dar. 

Individuelle Lapbooks: von jedem Schüler, in jedem Fach 

Schüler auf jeder Förderstufe können sich an der Herstellung ihres eigenen Lapbooks aktiv beteiligen, da die Formen und Arbeitsweisen gut an die individuellen Leistungsfähigkeiten angepassten werden können. Darum eignet sich die Lapbook-Methode auch besonders gut für den förderpädagogischen Einsatz, da sie gleichermaßen handlungsorientiert, individuell, differenzierend und schüleraktivierend ist. Auch die Förderung der Kreativität hat hier einen besonderen Stellenwert, da die verwendeten Techniken je zu Inhalt wie auch Schülervoraussetzungen passend gewählt werden können. 

Die benötigten feinmotorischen Techniken wie z. B. Falten, Kleben, Schneiden können unterrichtlich genauso behandelt werden wie die inhaltliche Auseinandersetzung mit den eigentlichen Themen. Ein Lapbook kann z. B. im Zusammenhang mit einem Sachbuch oder Bilderbuch entstehen. Informationen und die eigene Meinung zu bestimmten Erkenntnissen werden darin festgehalten und gestalterisch umgesetzt. 

Schreib- und Malergebnisse werden in einen kontextuellen Zusammenhang gebracht und stellen im Gesamtergebnis eine sehr attraktive Präsentationsform dar. Im Fach Kunst könnte man zu einem bestimmten Künstler ein Porträt-Lapbook gestalten oder auch Zusammenhänge wie beispielsweise den Farbkreis. 

Differenziertes Arbeiten und Lernen in heterogenen Lerngruppen

Auch sozial-emotionale Aspekte und kooperatives Lernen werden angesprochen. Denn jeder Schüler kann ein eigenes Lapbook herstellen, aber auch Partner- oder Gruppenarbeit ist möglich und fördert damit die Kooperationsfähigkeit. Die Kommunikation über die jeweiligen Ergebnisse bringt wertvolle Übungsgelegenheiten für die Klasse und jeden Einzelnen. Die sprachliche Auseinandersetzung über das eigene Buch fördert die Erzählkompetenz und den sprachlichen Ausdruck.

Links zum Thema:

Eine ausführliche Beschreibung der Falt-Techniken und viele schöne Beispiele für Lapbooks finden Sie hier.

Eine Blanko-Vorlage für ein Lapbook hier.

Beispiel für ein Lapbook.

Video zu einem Schmetterlings-Lapbook 

Für komplexere Faltanleitungen empfehle ich die Anleitungen per Tutorial anzusehen, z.B. hier.

Größere Themen werden im Lapbook durch die Art der Darstellung bereits sinnvoll in Teilaspekte strukturiert. Es lässt sich zu allen Unterrichtsthemen herstellen und ist daher für differenziertes Arbeiten in heterogenen Lerngruppen sehr gut geeignet. Neben den handlungsorientierten und wahrnehmungsfördernden Anteilen können viele Bilder, Fotos oder Zeichnungen verwendet werden. Die Lese- und Schreibaufgaben können leicht dem jeweiligen Schüler angepasst werden. Auch der Einsatz von Lesestift-Punkten (z. B. Anybookreader (R) oder von Betzold) kann beim interaktiven Vorlese-Einsatz zum Zuge kommen. 

Auch der Leser/Betrachter muss aktiv werden

Nicht zuletzt fordert das Lapbook auch den Betrachter heraus: Nicht nur der kreative Autor muss sich intensiv mit dem Lapbook befassen, auch der Leser ist zum aktiven Tun aufgerufen. Man darf nicht nur schauen und lesen, sondern auch öffnen, auseinanderfalten, umklappen, drehen, herausziehen und vieles mehr. Da man nicht auf den ersten Blick alle Details erfassen kann, erzeugt das Innenleben sofort Spannung und intrinsische Lese-Motivation. 

Herstellung eines Lapbooks

Für die Herstellung von Lapbooks empfiehlt sich eine Materialkiste im Klassenzimmer:

  • Lapbook-Außenhülle: ein großer Zeichenkarton oder eine oder zwei Sammelmappen mit drei Einschlagklappen
  • Lapbook-Innenleben: weißes Papier bzw. Altpapier, Papierreste oder Papiertüten, farbiges Tonpapier, Tonkarton, Prospekte und Bildmaterial zum Zerschneiden, Zeitschriften, alte Bücher/ Werbeprospekte/ Kalender/ Landkarten usw., Briefumschläge, Papierhüllen, CD-Papierhüllen usw., Musterklammern, Gummiringe, Geschenkband, Mini-Wäscheklammern, Wackelaugen, Aufkleber usw.
  • Arbeitsmaterialien: Stifte aller Sorten, Stärken und Farben, Schere, auch Zackenschere, evtl. Schneidemaschine, Klebestift, Kleber, Klebestreifen, Heftstreifen, Langhefter, Bürohefter, Locher

Für die Gestaltung des Lapbooks sollten die Schüler nach und nach einige Techniken zur Papiergestaltung kennenlernen, z .B.:

  • einfache Faltkarten und Klappkarten, Flip-Flap-Karte, Herzblume und andere Faltformen,
  • Minibücher und kleine Heftbroschüre, Stufenbuch, Leporello,
  • Fächer und Drehscheibe,
  • Tüten, Taschen, Umschläge zum Einstecken von Arbeitsergebnissen,
  • Schaufenster und Kamishibai.

Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt, es können alle Materialien und Medien verwendet werden, die sich gut in das Lapbook einfügen lassen, z. B. Federn, gepresste Blüten oder Blätter, flache Realgegenstände usw. 

Die Schüler können parallel zum Lapbook auch eine passende Sammelbox anlegen, um größere Gegenstände aufzubewahren.

Claudia Omonsky

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