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Mit dem Erzählrad kommunikative Fähigkeiten fördern

Mit einem Erzählrad als Orientierungshilfe können auch Schüler im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung strukturiert von Erlebnissen berichten oder Geschichten erzählen.

GE: Mit dem Erzählrad kommunikative Fähigkeiten fördern Das Erzählrad mit Satzbausteinen hilft Schülern, sich darauf zu konzentrieren, was sie erzählen wollen © Claudia Omonsky

„Erzähle nur die wichtigste Sache vom Wochenende“ — so versucht die Lehrkraft, den Redefluss eines Schülers im Morgenkreis etwas zu bremsen, der sich immer weiter in Details verstrickt und abschweift. Andere Schüler werden unaufmerksam und können nicht länger zuhören. Es wird nicht deutlich, was der Schüler denn eigentlich erzählen möchte, auch Nachfragen ergeben kein schlüssiges Bild. Die wichtige Phase des freien Erzählens droht sich kontraproduktiv ins Gegenteil zu verkehren. Dabei möchten viele Schüler im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung sehr gern von sich und ihren Erlebnissen, besonders nach dem Wochenende, erzählen. Nur fehlt ihnen oft noch die Möglichkeit, sich daran zu erinnern und eine Episode strukturiert zu berichten. Das Material des Erzählrads kann dabei helfen, die kommunikativen Fähigkeiten zu schulen. Weitere Lernziele wie Lautspracherwerb, Aufbau von Wortschatz, Begriffsbildung und differenzierter Umgang mit der Sprache werden ebenfalls geübt. Für die Mitschüler steht das Zuhören und ggf. Nachfragen im Mittelpunkt.

Eine handlungsorientierte und kindgerechte Hilfe zum bildhaften Erzählen stellt die Methode des Erzählrads dar. Sie ist besonders für Schüler im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung geeignet, die schon den Schriftspracherwerb abgeschlossen haben bzw. auf der Ebene des Bilderlesens/Ganzwortlesens agieren, sich aber dennoch im mündlichen Ausdruck schwertun.

Ein Rad mit Satzbausteinen zur Orientierung

Link zum Thema:

Weitere Anregungen und eine Fülle an praktischem Material kann man auf dem Blog „Zaubereinmaleins“ finden.

Fünf Unterpunkte geben thematisch den Satzanfang vor. Sie werden der Reihe nach in Form eines Kreises (Rads) abgearbeitet und ergeben so eine kleine Geschichte. Das Bild  des Rads soll verdeutlichen, dass die Reihenfolge eingehalten werden soll, um logisch vom Anfang zum Ende zu gelangen. Auf Bild- oder Wortkarten werden anfangs mögliche Antworten vorgeschlagen, später können die Schüler schon selbst frei antworten. Die Farbcodierung der Antwortkarten passt zum jeweiligen Unterpunkt, sodass die Schüler hier frei zuordnen und sich so leichter orientieren können.

Als Differenzierung kann man weniger Unterpunkte vorgeben oder die Unterpunkte bzw. Antwortkarten als Bildkarte vorlegen. Die Lehrkraft übt zunächst mit den Schülern, von einem Unterpunkt zum nächsten voranzugehen. Dies kann durch einen Spielstein oder eine Wäscheklammer visuell markiert werden, damit der erzählende Schüler den Faden nicht verliert. Die Erzählkärtchen sollten bereits farbig vorsortiert sein und neben den entsprechenden Unterpunkt ausgelegt werden. Möglich wäre es hier auch, leere Kärtchen zur Verfügung zu stellen und das Schreiben bzw. Malen anzuregen.
Ein weiteres Beispiel für Leitbegriffe zum Erzählen im Morgenkreis: „Am Wochenende habe ich/bin ich — am Freitag/Samstag/Sonntag — dabei — besonders — und dann — am schönsten/lustig/langweilig/traurig war.“ Es ist natürlich jederzeit möglich, die Satzanfänge an die Bedürfnisse des eigenen Morgenkreises anzupassen.

Weitere Einsatzmöglichkeiten des Erzählrads

Doch nicht nur Alltagsgeschichten für den Morgenkreis können mit dem Erzählrad erarbeitet werden. Nimmt man ein spannendes oder rätselhaftes Bild in die Mitte des Erzählrads, so wird daraus ein fantasieanregendes Märchenrad. Man muss lediglich die Leitbegriffe und die passenden Wortkärtchen dazu vorbereiten. Ein Beispiel für Leitbegriffe bei einem Märchenrad: „Es war einmal — er/sie lebte — plötzlich kam — und auf einmal — Hilfe kam durch — und so...

Beispiel für ein kreativitätsförderndes Rätselrad: „Jemand (Hauptfigur) — wollte (Ziel) — aber (Problem) — und darum (Problemlösung) — also (Ausgang) …“

Bei der Auswahl der Bilder sollte man sowohl die Bildlesestufe als auch die Vorstellungskraft der Schüler mitbedenken. Je nach Entwicklungsstand spielt beim Verständnis von Geschichten nicht nur das tatsächliche Lebensalter eine Rolle, sondern auch das diagnostizierte Entwicklungsalter. Bis zu einem Entwicklungsalter bis zu 12 Monaten können Schüler einer Ein-Personen-Geschichte folgen, ab dem Entwicklungsalter von 24 Monaten verstehen sie Zwei-Personen-Geschichten. Ab dem 3./4. Jahr Entwicklungsalter gefallen ihnen Geschichten mit einem Spannungsbogen. Hier können auch erste Schlussfolgerungen oder eine Moral gezogen werden (vgl. Bostelmann, Antje, Hg.: Geschichtensäckchen. Material- und Spielanregungen für 1- bis 4-jährige Kinder. Mülheim an der Ruhr 2009, S. 16).

Eigene Erzählrad-Geschichten erfinden

Das Erzählrad kann als einfache Methode zur Bereicherung des Morgenkreises hinsichtlich des mündlichen Sprachgebrauchs genutzt werden, aber auch bis hin zum größeren Unterrichtsprojekt ausgebaut werden. Im Deutschunterricht können Märchen und Fabeln oder Rätsel damit bereichert werden. Und schließlich ist es möglich, eigene Geschichten zu erfinden und passende Satzanfänge bzw. Erzählkärtchen zu formulieren. Auf diese Weise können Schüler im Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung mit einer ähnlichen Methode sehr unterschiedlich komplexe kommunikative Fähigkeiten üben.

Claudia Omonsky

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