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Lebenslauf erstellen

Mit Förderschülern einen überzeugenden Lebenslauf verfassen

Auf dem Weg in das nachschulische Leben ist der Lebenslauf ein wichtiger Grundpfeiler. Um einen formell vollständigen und überzeugenden Lebenslauf zu schreiben, sind jedoch wichtige Schwerpunkte zu beachten.

Lebenslauf erstellen: Mit Förderschülern einen überzeugenden Lebenslauf verfassen Der Lebenslauf ist im Förderbereich ein wichtiges Thema © Björn Wylezich - stock.adobe.com

Das Schulende rückt in greifbare Nähe – spätestens jetzt ist es an der Zeit, sich mit dem Themengebiet „Lebensläufe“ auseinanderzusetzen. Ob nun als Anlage für die Bewerbung um einen Praktikumsplatz oder bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz: Jeder Schüler sollte in seiner Schulzeit einen tabellarischen Lebenslauf erstellt haben. Mit 15, 16, 17 Jahren gibt es noch nicht so viel aufzuschreiben, trotzdem – oder gerade deswegen – gilt es, es richtig und ansprechend zu machen. Darüber hinaus ist die Auseinandersetzung mit dem Lebenslauf eine Möglichkeit, auf die bereit absolvierte Schulzeit zurückzublicken und sich damit auseinanderzusetzen.  

Die Erarbeitung kann in der Klassengemeinschaft erfolgen, aber die eigentliche Erstellung ist eine Individualaufgabe, bei der die Schülerinnen und Schüler auch emotionale Begleitung benötigen.  

Vorlagen für Lebensläufe erstellen  

Aus der Präsentation mehrerer Lebensläufe lassen sich in der Klassengemeinschaft die verbindlichen Elemente des tabellarischen Lebenslaufes schnell ableiten: vollständiger Name, Adresse, Geburtsort und -datum. Alles lässt sich einfach am Computer in ein vorbereitetes WORD-Formular eintragen. Die Verwendung eines Formulars mit beschreibbaren Feldern hat den Vorteil, dass Einrückungen und Zeilenabstände vorgegeben sind und nicht von den Schülerinnen und Schülern erzeugt werden müssen. Gleichzeitig hilft es dabei, nichts Elementares zu vergessen.  

Lebenslauf-Vorlagen aus dem Internet sollen oftmals junge Erwachsene ansprechen, die nach einer Ausbildung, einem Studium eine Arbeitsstelle suchen.  Es gibt eine Menge Vorlagen. Sie werden auch als Curriculum Vitae bezeichnet.  

Die richtige E-Mail-Adresse 

Das Vorhandensein einer Telefonnummer und einer E-Mail-Adresse werden heute als Standard vorausgesetzt. Spätestens jetzt sollte besprochen werden, warum E-Mail-Adressen wie ‚funkygirl@yahoo.de‘ oder ‚bigmuscleman@google.com‘ vielleicht im Schülerleben cool, aber für eine Bewerbung um einen Praktikumsplatz ungeeignet sind. Und gleichzeitig muss natürlich auch darauf hingewiesen werden, dass man nach dem Einreichen einer Bewerbung regelmäßig den Posteingang seines E-Mail-Accounts checken sollte. Gut für die Schüler, die über ihre Schule einen Account wie Name@Schule.com zugewiesen bekommen. Nach Verlassen der Schule gilt es allerdings, einen eigenen neutralen Account weiterzuführen.  

Einen guten Eindruck machen 

Das Vorhandensein eines Bewerbungsfotos wird heute im Gegensatz zu Bewerbungen vor Jahren nicht mehr vorausgesetzt. Trotzdem ist es ein guter Moment, zu klären, wie ein Bewerbungsfoto aussehen sollte. Der Unterricht lässt sich auflockern, wenn verschiedene Fotos betrachtet und diese auf ihre Qualifikation als Bewerbungsfotos geprüft werden. Die meisten Schulen verfügen über ein gutes technisches Equipment, dann kann hier eine Stunde „Wir üben Bewerbungsfotos“ eingeschoben werden. Ein guter Moment, um über Kleidung, Frisur, Haltung und  die Menge der Schminke zu sprechen. Eine tolle Synergie entsteht, wenn die Kooperation mit der Berufsfachschule eine Beratungsstunde mit den angehenden Frisören und Frisörinnen und Kosmetikern und Kosmetikerinnen ermöglicht.  

Den bisherigen Schulbesuch darstellen 

Bis dahin war die Arbeit in der Klassengemeinschaft möglich, an der jetzigen Stelle wird es eine Auseinandersetzung mit dem individuellen Lebensweg. Oft können sich Schüler nicht detailliert genug an den bisherigen Schulweg erinnern. Hier hilft nur ein Blick in die eigene Schülerakte. Eine Absprache zwischen Büroleitung und Lehrkraft kann ermöglichen, dass die Schülerinnen und Schüler ihre Akten zur Einsicht ausleihen können. Wie wäre es, wenn diese Gelegenheit genutzt wird, um das Ausfüllen eines von der Lehrkraft entwickelten Antrags zur Ausleihe zu üben? 

Die eigene Chronologie nachzuvollziehen, kann für Schülerinnen und Schüler ein belastender Moment sein. Hier ist Fingerspitzengefühl in der pädagogischen Begleitung gefragt. Schüler sehen vielleicht in ihrer Schülerakte schwarz auf weiß, dass sie zunächst eine Grundschule besucht haben, später eine Förderschule. Die Auseinandersetzung mit dem WARUM? stellt eine Herausforderung dar. „Ich musste ja dahin“ ist eine häufig gehörte Aussage von Schülern. Es zeigt, dass sie diesen Moment des Schulwechsels als fremdgesteuert wahrnehmen, sie sich ihrer eigenen Entscheidungsfähigkeit beraubt fühlen. Häufig werden die Hintergründe für den Besuch einer Förderschule nicht genügend beleuchtet. Der Besuch einer Förderschule ist noch immer mit Assoziationen zu geringerer Qualität von Schule und weniger leistungsfähigen Schülern besetzt. Kein Wunder, dass unsere Schüler ihre Förderschulen daraufhin nicht als Chance, sondern als Einschränkung erleben.   

Das schulische System Deutschlands unterscheidet sich in den Bundesländern voneinander. Trotzdem bleiben die Herausforderungen die gleichen: Es gilt zu klären, weshalb eine Förderschule der individuell möglicherweise beste Schulort ist. Die Sicht auf ein Ranking der Schulformen soll aufgelöst werden zugunsten eines selbstbewussten Blickes auf den eigenen Schulbesuch. Hier muss Zeit für längere Gespräche eingeplant werden. Schüler sollten ihre Lehrer als verständnisvoll und zugänglich erleben. Fragen müssen gestellt werden dürfen. Schüler haben das Recht auf Antworten.  

Bei der Durchsicht der in der Schülerakte vorhandenen Gutachten und Berichte werden die Schüler über Fachbegriffe und Prognosen stolpern. Hier ist unbedingt Begleitung nötig. Die Erklärungen durch die Lehrkräfte müssen nachvollziehbar sein. Erläuterungen sollen helfen, zu verstehen, aber auch zu Mut machen und Veränderbarkeit aufzeigen. Wer sich als Einschulungskind schwer konzentrieren konnte, der schafft es hoffentlich als Jugendlicher besser. Schüler, die ihre Impulse nur schwer kontrollieren konnten, haben vielleicht mit Hilfe eines Programmes zur Selbstregulation Fortschritte gemacht. Der Blick muss auf den Fortschritt und die Entwicklung ausgerichtet sein, nicht auf das, was war und vorbei ist.  

Persönlichkeit und Stärken zeigen  

„Wozu soll ich das denn aufschreiben? Das geht doch keinen was an!“ sind die häufigsten Kommentare dazu. Aussagen zu Stärken und zur Freizeitgestaltung können Elemente des Lebenslaufes sein. Sorgsam und gut formuliert, geben sie Auskunft über die Persönlichkeit des Schülers oder der Schülerin. Hier kommt es vor allem auf die sogenannten Soft Skills an. Eine umfassende Erarbeitung in der Klassengemeinschaft ist notwendig und unterteilt die Menge der Aspekte in persönliche Kompetenzen, soziale und methodische Kompetenzen. Wieder ein Moment für die Schüler, um über sich nachzudenken.

  • Was kann ich gut?
  • Was sind meine Stärken?
  • Worin bestehen meine Stärken?
  • Kann ich gut mit anderen zusammenarbeiten?
  • Bin ich in der Regel zuverlässig und pünktlich?

Es erfordert ein wenig Mut, seine besonderen Stärken in den Vordergrund zu stellen. Aber dies ist auch eine gute Gelegenheit für die Lehrkräfte, den positiven Blickwinkel auf die Schüler zu betonen und damit Beziehungsarbeit zu leisten. 

Wofür interessieren sich unsere Schüler in ihrer Freizeit? Welche Hobbies haben sie? Es fällt unseren Schülern zunehmend schwer, ihre Freizeitgestaltung klar zu beschreiben. Sie verstehen, dass das Aufzählen von Begriffen wie „Computerspiele“ und „Playstation“ nicht zielführend ist. Und so benötigen die Schüler Hilfestellung dabei, ihrer Freizeitgestaltung auf den Grund zu gehen. Möglicherweise entspringt diesem Gespräch auch eine Anregung oder eine Idee für die nächsten Wochen und Monate. Wer Fußball in einem Verein spielt, der zeigt damit, dass er teamfähig ist. Wer sich um einen Praktikumsplatz in einer Bücherei bewirbt, der kann herausstellen, dass er in seiner Freizeit gern liest.  

Praktische Erfahrungen 

Als letzter inhaltlicher Punkt werden abschließend bereits absolvierte Praktika und Erfahrungsphasen aufgelistet. Unsere Schüler werden vermutlich keine lange Liste anführen können. Aber es ist auch denkbar, dass das vorberufliche Arbeiten in der Berufsschule, das im Jahresverlauf einmal wöchentlich auf dem Stundenplan stand, als Erfahrung angeführt wird. Es zeigt, dass der Schüler bereits einen weiteren Schulort kennengelernt hat, sich neu orientiert hat, flexibel auf abweichende Abläufe reagiert hat und in der Lage ist, sich ein neues Berufs- und Arbeitsfeld zu erschließen.  

Praktika, die in Firmen, Einrichtungen und Betrieben absolviert wurden, können mit Datum notiert werden. Erfahrungen, die Schüler und Schülerinnen im privaten Umfeld gesammelt haben, möglicherweise beim regelmäßigen Babysitten, bereichern ebenfalls den Lebenslauf. Wer sich seit längerem ehrenamtlich in einem Verein engagiert, sollte dies mitsamt seinem Einsatzbereich notieren.  

Besondere Qualifikationen sind zusätzlich ein Punkt innerhalb des tabellarischen Lebenslaufes, der aber für unsere Schülerinnen und Schüler oft nur schwer zu füllen ist. EDV- und Sprachkenntnisse sind meist im Umfang übersichtlich und sollten, wenn sie aufgeführt werden, auch nur mit dem tatsächlich vorhandenen Kompetenzlevel genannt werden.  

Unterschrift nicht vergessen 

Mit den vorherigen Angaben ist der tabellarische Lebenslauf vollständig. Natürlich darf die Unterschrift geübt aussehen, das Datum sollte richtig und vollständig sein. Ein Hinweis, dass bei einer erneuten Einreichung des Lebenslaufes ein Jahr später bei der Bewerbung um eine weitere Ausbildungsstelle eine Aktualisierung und Fortschreibung inklusive eines neuen Datums notwendig ist, darf bei diesem Themenschwerpunkt nicht fehlen.  

Aktuell greifen viele Firmen und Betrieben auf Online-Bewerbungsverfahren zurück, einschließlich eines Online-Formulars für den Lebenslauf. Für die Firmen steht im Vordergrund, dass die Aussagen über die Bewerber vergleichbarer sind. Für unsere Schülerinnen und Schüler stellt dies oftmals eine Herausforderung dar, weil die Prüfung auf Rechtschreibung und Vollständigkeit in der direkten Bearbeitung des Formulars vorgenommen werden muss. Auch hier kann das Vorhandensein eines bereits angefertigten Lebenslaufes helfen und zumindest ein Abschreiben ermöglichen. 

Die Schülerinnen und Schüler, die einen Lebensordner führen, können den tabellarische Lebenslauf dort ablegen. Damit bleibt er verfügbar, kann schnell wiedergefunden werden und ist ein erster Baustein auf dem Weg in ein selbstständiges nachschulisches Leben. Ein USB-Stick mit der Datei „Lebenslauf“ kann in diesem Ordner befestigt werden. So ist die Datei bearbeitbar und kann zur weiteren Pflege mit allen Lebensstationen zur Verfügung stehen.  

Und dann heißt es auf dem Weg zur Bewerbung nur noch: Daumen drücken! 

Ulrike Zerbst


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